Die Nährstoff- und Energieaufnahmen in Deutschland - in NVS II - Kap. 5.5. Alkohol

Alkohol ist ein Energieträger - Einfluss auf die Energiebilanz; geringe Mengen (z.B. in Form von Rotwein) scheinen sogar günstig zu sein;höhere Mengen sind definitiv schädlich).  Alkohol ist nicht essentiell - also ist Verzicht auf Konsum von alkoholischen Getränken kein gesundheitliches Problem, sondern als gesundheitsfördend einzustufen. 
Die Diskussion zwischen Vor- und Nachteilen des gemäßigten Alkoholkonsum werden noch lange weitergehen - schließlich gibt es auch große wirtschaftliche Interessen (nicht nur die Alkoholsteuer).

Zhao, J. et al.: Alcohol Consumption and Mortality From Coronary Heart Disease: An Updated Meta-Analysis of Cohort Studies. Journal of Studies on Alcohol and Drugs, 78(3), 375–386 (2017)  ⇔  link bei www.eurekalert.org 22.05.2017 -
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GBD 2016 Alcohol Collaborators: Alcohol use and burden for 195 countries and territories, 1990–2016: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2016. Lancet doi.org/10.1016/S0140-6736(18)31310-2 (23.08.2018) ⇔ link bei www.eurekalert.org 23.08.2018 / Gakidou, E. et al.: Alcohol use and burden for 195 countries and territories, 1990–2016: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2016. link bei www.healthdata.org ⇔ link bei www.eurekalert.org 23.08.2018

Kraus,L. et al.: Quantifying harms to others due to alcohol consumption in Germany: a register-based study. BMC Medicine 17:59 doi.org/10.1186/s12916-019-1290-0 (19.03.2019)  (ref.  "Alkohol darf nicht länger verharmlost werden." Südd Ztg 19.03.2019 + "Alkohol in der Schwangerschaft
Fast 13 000 Babys pro Jahr kommen geschädigt zur Welt." Südd Ztg 19.03.2019)

Piontek, D., Gomes de Matos, G.: Alkoholkonsum und Alkoholabhängigkeit in Deutschland Verbreitung, Folgen und Therapie. Ernährungs-Umschau 2018 (4) M214-M223

Wood, A.M. et al.: Risk thresholds for alcohol consumption: combined analysis of individual-participant data for 599 912 current drinkers in 83 prospective studies. Lancet Vol.391: 1513-1523 (14.04.2018) ⇔  link bei www.eurekalert.org 12.04.2018  - Pharmaz Ztg 13.04.2018 - Alkohollimits sollten gesenkt werden, kein Unterschied Mann + Frau

Prävention durch moderaten Alkoholkonsum? (DGE 2.2.10)
Zwar ist der Alkoholverbrauch laut Ernährungsbericht 2008 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) bei Bier um 1,9 l pro Kopf und Jahr und bei Schaumwein und Spirituosen um 0,06 l gesunken. Dennoch überschreiten knapp 27 % der Männer und 16 % der Frauen nach der Nationalen Verzehrsstudie II die nach den D-A-CH-Referenzwerten akzeptable Menge an Alkohol von 10 g/Tag für gesunde Frauen und 20 g/Tag für gesunde Männer.
Und auch wenn die Medien jüngst gerne die präventiven Eigenschaften eines moderaten Alkoholkonsums hervorheben: „Chronischer, übermäßiger Alkoholkonsum schädigt fast jedes Organ und jedes Gewebe des menschlichen Körpers. Alkohol hat das größte krebsfördernde Potenzial. So erhöht er mit überzeugender Evidenz das Risiko für Tumore in Mund, Rachen, Kehlkopf, Speiseröhre, Dickdarm, Mastdarm, Brust und Leber“ führt Prof. Dr. Helmut Karl Seitz vom Alkoholforschungszentrum an der Universität Heidelberg auf dem Journalistenseminar der DGE im November 2009 in Hamburg aus. Die beste Krebsprävention ist daher der komplette Verzicht auf alkoholhaltige Getränke. Das unterstreichen sowohl die Daten aus dem DGE-Ernährungsbericht 2008, als auch der in 2007 veröffentlichte WCRF-Report (World Cancer Research Fund). Die in den letzten Jahren immer wieder angeführte protektive Wirkung von Alkohol auf Herz-Kreislauf-Krankheiten bei älteren Personen erfordert eine differenzierte Bewertung. Alkohol zeigt zwar günstige, andererseits aber auch ungünstige Effekte auf kardiovaskuläre Parameter. 
Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Frauen Alkohol am besten meiden, um ihr Kind keinen Risiken, z. B. einer alkoholbedingten Fetopathie1, auszusetzen. Kinder, Jugendliche, Suchtgefährdete und Personen, die Arzneimittel einnehmen müssen, sollten keinen Alkohol trinken. 
Ein Schwellenwert für die Zufuhr, ab dem schädliche Wirkungen von Alkohol mögliche positive Effekte übertreffen, kann nicht angegeben werden, da immer auch mit individuell unterschiedlichen Risiken zu rechnen ist. „Die Dosis, die jeder Mensch an Alkohol verträgt, ist individuell unterschiedlich“, sagte Seitz. Gründe hierfür seien die Gene und andere Erkrankungen, die durch Alkohol auch in kleinen Dosen verstärkt würden. Als akzeptable Alkoholmenge werden laut D-A-CH-Referenzwerten zurzeit 10 g/Tag für gesunde Frauen und 20 g/Tag für gesunde Männer angesehen. Dabei darf die Angabe in g/Tag nicht als Empfehlung verstanden werden, jeden Tag Alkohol zu trinken. 20 g Alkohol entsprechen ca. 0,5 l Bier oder 0,25 l Wein bzw. Sekt oder 0,06 l Weinbrand. 
Nicht zuletzt ist ernährungsphysiologisch die hohe Energiedichte von Alkohol von Bedeutung. Mit 7 kcal/g ist der Energiegehalt von Alkohol fast so hoch wie der von Fett (9 kcal/g). Zudem wirkt Alkohol appetitsteigernd und kann somit zur Entstehung von Übergewicht beitragen.

 

EPIC-DIFE-Pressemeldung (14.1.14) -Neue Langzeitstudien-Daten zu Alkoholkonsum und Sterblichkeitsrisiko - Bergmann, M et al.: The association of pattern of lifetime alcohol use and cause of death in the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) study. International Journal of Epidemiology 42(6) 1772-1790 (2013)

Hagström, H. et al.: Alcohol consumption in late adolescence is associated with an increased risk of severe liver disease later in life. J Hepatol 68(3): 505-510 (März 2018) doi.org/10.1016/j.jhep.2017.11.019 (Risiko <30g Alkohol/Tag)

In kleinen Mengen gelten alkoholische Getränke - insbesondere Wein - als harmlos. Doch schon in geringer Dosis erhöht Alkohol das Risiko für Krebs. Südd.Ztg-6.2.12
Alkohol bringt die innere Uhr aus dem Takt (Die Welt 2.9.09)  

- Garaycoechea, J.I. et al.: Alcohol and endogenous aldehydes damage chromosomes and mutate stem cells Nature doi:10.1038/nature25154 (03.01.2018) ⇔ link bei www.eurekalert.org 03.01.2018 - link bei www.heilpraxisnet.de 05.01.2018 - Ärzteblatt 05.01.2018
Schutte, R. et al.: Iron loading, alcohol and mortality: A prospective study. Clinical Nutr doi.org/10.1016/j.clnu.2018.05.008 (2018) ⇔ ScienceDaily 12.07.2018


Alkohol im Blut schützt bei Kopfverletzungen (23.9.2009 - Pressemeldung - link nicht mehr aktuell) Los Angeles (ddp) Etwas Alkohol im Blut erhöht anscheinend die Überlebenschance nach Kopfverletzungen. Das schließen US-Forscher nach einer Analyse von knapp 40 000 Patienten-Daten (dazu ist die passende Volksweisheit - Kinder und Betrunkene haben einen Schutzengel)"Kinder und Betrunkene haben ihre Schutzengel immer dabei." - Aus Friaul 

Bell, S. et al.: Association between clinically recorded alcohol consumption and initial presentation of 12 cardiovascular diseases: population based cohort study using linked health records. Brit.med.J. p.356f 22.03.2017 doi: doi.org/10.1136/bmj.j909 - ⇔ Moderate drinking linked to lower risk of some, but not all, heart conditions.  link bei ww.eurekalert.org 22.03.2017  

Alkoholkonsum junger Menschen kann die Knochen schädigen. link bei www.heilpraxisnet.de 13.02.2018 ⇔ link bei www.scilog.fwf.ac.at 12.02.2018

Warum viele Asiaten keinen Alkohol vertragen (Die Welt 20.1.10)  Der Genuss von Alkohol bekommt Japanern, Chinesen und Koreanern oft nicht besonders gut: Anders als Europäer reagieren sie häufiger mit starken körperlichen Symtomen wie Gesichtsrötung oder Herzrasen.
Als Hauptkulturpflanze etablierte sich dabei Reis. Um diesen haltbar zu machen, wurde er mit Hilfe von Hefepilzen vergoren, wobei auch Ethanol, also Alkohol, entstand. Nach Ansicht der Forscher ist die Alkoholunverträglichkeit demnach ein Schutzmechanismus und direkte Folge der reisbasierten Ernährung: Wer Alkohol schlechter vertrug, nahm weniger davon zu sich und reduzierte damit das Risiko, an alkoholbedingtem Organversagen zu sterben, berichtet das Team um Bing Su im Fachmagazin „BMC Evolutionary Biology“.

Delacour, C. et al.: Association Between Alcohol Consumption and Nocturnal Leg Cramps in Patients Over 60 Years Old: A Case-Control Study.  Ann Fam Med  16(4): 296-301 doi: 10.1370/afm.2238 (Juli 2018) ⇔ link bei www.eurekalert.org 10.07.2018

Roe, DA: Alcohol and the diet. AVI Publ, 1979 (Ecol.Food Nutr. 9:259 1980)

Alcohol and weight gain - daily infographic 10.11.2014
19 little known facts about alcohol. daily infographic 11.2017

Interaktionen von Alkohol mit Arzneimittel - NIH (USA) 16.01.2015

Versteckter Alkohol (Apotheken-Umschau 01.10.2017) z.B. mögliche Restalkoholgehalte in Gewürzsaucen - Apfelessig - Zwiebelsuppen (Fertigerichte) - alkoholfreies Bier (bis zu 0,5%) - Hustensaft - manche Konfitüren - Schokoladen - Pralinen
Versteckter Alkohol. Verbraucherinformation des Bayr.Staatsministeriums f Umwelt + Verbraucherschutz, 10.12.2015
Alkohol in Lebensmittel. Download bei www.alkoholhilfe.at -

Teschke, R.: Alkohol und Leber - metabolische und klinische Aspekte. Ernährungs-Umschau 34(2) 35-41 (1987) - (scan im Archiv).
Schneider, J.: Alkohol und Fettstoffwechsel. Ernährungs-Umchau 34(2) 41f (1987) (scan im Archiv)
DGE-Arbeitstagung - Alkohol - Frankfurt/M 11.-12-11-1986

Alkoholsensitive Krankheit. Ein Bier und das Zappeln verschwindet - Deutschlandfunk 26.06.2018 (Muskelzuckungen - Myoklonus Dystonie - mit einem Glas Bier "geheilt")

Titelthema Alkohol. Die Zeit Nr.4/17.01.2019 Einige Forscher wollen uns den Alkohol völlig verbieten, andere halten das für falsch. Was muss man wissen, umselbst zu entscheiden? Stefanie Kara S.31 Wie Bier und Wein die Evolution des Menschen beförderten. Urs Willmann S.33 -

Übermäßiger Alkoholkonsum führt zur Trunkenheit und Rauschzuständen, mit nachträglichem Unwohlsein - "Kater".
Gibt "Volksglauben" inwieweit durch bestimmte Tricks und Kniffe, die Verträglichkeit gesteigert werden könnte, z.B. vorher fettreiche Mahlzeit; oder: Bier auf Wein, dass lass sein.
Dies wurde nun wissenschaftlich untersucht:
Köchling, J. et al.: Grape or grain but never the twain? A randomized controlled multiarm matched-triplet crossover trial of beer and wine. Amer J clin Nutr. 109(2): 345-352  doi.org/10.1093/ajcn/nqy309 (08.02.2019) - ref. "Saufen für die Forschung." Südd Ztg  08.02.2019 + «Bier auf Wein, das lass sein» oder warum Sprichwörter auch nicht vor Kater schützen. NZZ 13.02.2019 / Kampf dem Kater: Bier auf Wein – das rat´ ich dir?  BZfE News 20.02.2019

Empfehlungen für Überwindung des "Katers" (am nächsten Morgen: Kater-Frühstück)

Geschichte der alkoholischen Gärung
Alkohol trieb den Menschen in die Sesshaftigkeit. In einer Höhle bei Haifa haben Archäologen die womöglich älteste Produktionsstätte von Bier entdeckt. Der Fund stärkt die These, dass der Mensch für das Rauschmittel zum Getreideanbau überging. Die Welt 16.09.2018