02/07/25

Rachitis - Englische Krankheit

 

Die Rachitis (auch Englische Krankheit genannt und Rhachitis geschrieben, von altgriechisch rháchis, deutsch ‚Rücken, Rückgrat‘) ist eine meist mit Vitamin-D-Mangel verbundene Erkrankung des wachsenden Knochens mit gestörter Mineralisation der Knochen und Desorganisation der Wachstumsfugen bei Kindern. Das der Rachitis entsprechende Krankheitsbild im Erwachsenenalter ist die Osteomalazie.
Rachitis ist auf eine ungenügende Konzentration des Calcium-Phosphat-Produktes im Blut zurückzuführen und die dadurch verursachten hormonellen Gegenregulationsmechanismen. Die häufige Calciummangel-Rachitis wird meist durch eine erworbene Vitamin-D-Stoffwechselstörung oder eine mangelnde Calciumaufnahme mit der Nahrung hervorgerufen. Sie wird von der seltenen Phosphatmangel-Rachitis unterschieden, die durch einen zumeist vererbten übermäßigen Phosphatverlust über die Nieren verursacht wird. Zu den Symptomen gehören neben Wachstumsstörungen mit Verformungen der Knochen insbesondere Auftreibungen der Knorpel-Knochen-Grenzen an den Wachstumsfugen. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Sie besteht in einer Ergänzung von Vitamin D, gegebenenfalls zusätzlich von Calcium oder Phosphat. Zur Prophylaxe ist es üblich, Säuglingen während des ersten Lebensjahres Vitamin D in einer täglichen Einzeldosis zu verabreichen.

Wie Knochenfunde und Untersuchungen von ägyptischen Mumien zeigen, hat es die Rachitis von der Vorgeschichte an zu allen Zeiten und in allen Teilen der Erde gegeben. Die ersten Beschreibungen als eigenständiges Krankheitsbild stammen von Hieronymus Reusner aus dem 16. Jahrhundert. Bereits im 16. Jahrhundert wusste man die Krankheit durch Lebertran zu behandeln. Etwa hundert Jahre später wird der Name Morbus Anglorum („Englische Krankheit“) von Whistler geprägt. Er sollte sich bis in das 19. Jahrhundert halten. Um 1620 wurde in den englischen Grafschaften Somerset und Dorset ein Auftreten der Krankheit beobachtet. Im 18. Jahrhundert häufen sich schließlich die Abhandlungen über die Rachitis. In Europa trat die Rachitis nach den Weltkriegen bedingt durch Mangelernährung wieder verstärkt auf. Sie ist auch heute vorwiegend in den armen Ländern der Welt verbreitet. Die Grundlagen für die Behandlung dieser Krankheit wurden erst Anfang des 20. Jahrhunderts in England geschaffen. Der durch die Umweltverschmutzung durch die Industrie und private Holzfeuerung verursachte Smog legte sich damals bei bestimmten Wetterlagen häufig über Städte in Tal- und Kessellagen, so dass die UV-Strahlung der Sonne, die in der Haut die Reduktion von 7-Dehydrocholesterol zu Cholecalciferol bewirkt, teils abgeschirmt wurde. Die Folge war, dass viele Kinder die typischen Symptome zeigten. Interessanterweise traf die Krankheit auch die englische Oberschicht. Durch deren verglaste Wintergärten konnte ebenfalls nur wenig UV-Licht gelangen, wodurch Rachitis auch bei hohem Lebensstandard auftreten kann. Regelmäßige Lebertran-Gaben helfen, die Krankheit zu verhüten, da Lebertran besonders reich an Vitamin D ist. Ebenso ist viel Aufenthalt im Freien eine gute Vorbeugung. Der polnische Kinderarzt und Forscher, Jan Rudolf Raczyński (1865–1918), der einen Zusammenhang der Rachitis auch mit einem Mangel an Sonnenlicht vermutete, schickte rachitische Kinder 1912 zur Heilung in die Karpaten.  Im Winter 1918/1919 heilte der deutsche Kinderarzt Kurt Huldschinsky junge Rachitis-Patienten vollständig durch UV-Bestrahlung mit der künstlichen Höhensonne. Seitdem tritt die Krankheit in Mitteleuropa nur noch selten auf.

 

Informationen:
- wikipedia

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