02/25/18

In-vitro-Fleisch - cultured Meat - Laborfleisch

In-vitro-Fleisch (lat.: in vitro ‚im Glas‘), auch kultiviertes Fleisch, umgangssprachlich Laborfleisch, ist das Ergebnis von Gewebezüchtung mit dem Ziel, Fleisch zum menschlichen Verzehr im industriellen Maßstab synthetisch herzustellen. (engl. cultured meat, clean meat, lab-grown meat, test tube meat, tube steak, in vitro meat. Die Fleischzellen wachsen außerhalb der Tiere.
(In-vitro-Fleisch-Produktion zählt zu der zellulären Landwirtschaft - cellular agriculture)
( Fleischersatz )
Die Erzeugung von In-vitro-Fleisch basiert auf den Methoden der Zellkultur, insbesondere auf den Methoden der Gewebezüchtung wie die 3D-Zellkultur und das Tissue Engineering. Ab 1997 wurden gemeinsame Kulturen von Muskel- und Fettzellen zur Untersuchung des Fettstoffwechsels verwendet; diese Zellen wurden in Suspensionskultur gehalten. Da die ursprünglichen Methoden zur Erzeugung von In-vitro-Fleisch auf Monolayer-Zellkulturen basierten, besaßen die Erzeugnisse noch keine dreidimensionale fleischartige Struktur. Es wurden Methoden entwickelt, um dem Wachstum von Organen in Zellkultur näher zu kommen.
Die Ausgangszellen können aus dem jeweiligen Tier schmerzfrei via Biopsie und ohne Tötung entnommen werden. Die zu Grunde liegende Biotechnologie wird schon länger in der Medizin mit menschlichen Hautzellen verwendet, um Transplantate für Schwerbrandverletzte zu züchten. Bislang ist dies auf dünnlagige Hautschichten begrenzt. Die Membranen können übereinander gelegt werden und wenig strukturiertes Hackfleisch ersetzen, wie es in Hamburgern eingesetzt wird. Schwierigkeiten bereiten kompliziertere Strukturen wie Steak, da diese an einem dreidimensionalen Gerüst wachsen müssen und die Muskelzellen für vergleichbare Fleischkonsistenz mechanischer Bewegung ausgesetzt sein sollten.
Ziel der In-vitro-Fleischforschung ist, die weltweit steigende Nachfrage nach Fleisch (von 1961 bis 2011 hat sich der Fleischverbrauch weltweit fast vervierfacht) durch ökologisch verträglichere Erzeugung zu befriedigen. Die herkömmliche Fleischproduktion verbraucht Futtermittel und weitere Ressourcen, wie Landfläche und Wasser. Bereits jetzt werden über ein Viertel der Agrarlandfläche für Viehhaltung benötigt. Gegenüber Massentierhaltung und globalen Viehtransporten gibt es Bedenken, wie Tierseuchenausbreitung (Antibiotikaresistenz), Gülle (Nitrat mit Trinkwasser), Tierschutzargumente, u.a.
Fleisch aus sterilen Zellkulturen oder Bioreaktoren eignet sich zur industriellen Fertigung, da die Überwachung und Fernhaltung von Krankheitserregern und Giftstoffen einfacher ist. Zudem entfällt auch das aufwendige Entfernen von Innereien, Haaren und Knochen.
Die Energiebilanz von In-vitro-Fleisch ist gegenüber der Tierhaltung günstiger, gegenüber pflanzlicher Ernährung aber im Nachteil. Noch ist der Einsatz von Hochbiotechnologie im Nahrungsmittelbereich sehr teuer.
Der erste In-vitro-Burger wurde von einem niederländischen Forscherteam um Mark Post zur Verfügung gestellt und am 5. August 2013 bei einer Pressedemonstration in London zubereitet und getestet.
Forscher rechneten 2015 damit, in einem Zeitraum von fünf Jahren ein marktfähiges Produkt zu einem Preis von $90 pro Kilogramm anbieten zu können. 
In einem Bericht des Deutschlandfunkes sprechen die niederländischen Forscher, die mittlerweile ein entsprechendes Unternehmen gegründet haben, im Januar 2017 zeitplangemäss von rund 3 Jahren, nannten einen Preis von rund 10 bis 11 Dollar pro Burger und weisen auf die Entstehung von Konkurrenz-Startups in Israel und den USA hin, die diesen Zeitraum möglicherweise verringern könnten. Durch Beimengung von Fettgewebe aus Stammzellen von Rindern sei inzwischen auch der Geschmack des Fleisches maßgeblich verbessert worden.

Informationen:
- wikipedia - engl. cultured meat -

Lobby-Organisation - www.invitromeat.org -
- Mark Post´s Cultured Beef (Uni Maastricht) - link bei www.new-harvest.org - Maastricht University Film dazu bei you tube - link- Launch of burger made from Cultured Beef on 5 August 2013 - virtuelles Bistro „invitro“  (website)
- Der Burger aus dem Bioreaktor. Spiegel 17.12.2018 -
- Das Schnitzel aus dem Labor. Stuttg Ztg 09.10.2018
- «Faked Meats» – Vegi-Burger neu gedacht. link bei www.gdi.ch 06.09.2018 ⇒ Marije Vogelzang, Gründerin des «Dutch Institute for Food and Design» www.thedifd.nl -

Böhm, I.; Ferrari, A.; Woll, S.: In-vitro-Fleisch: Eine technische Vision zur Lösung der Probleme der heutigen Fleischproduktion und des Fleischkonsums? Karlsruhe: KIT 2017(Download)
Projekt: www.invitrofleisch.info (Projekt abgeschlossen - Website nicht mehr gültig) (link bei www.itas.kit.edu )
Jetzke, T et al.: Fleisch 2.0 - unkoventionelle Proteinquellen. TAB-Themenkurzprofil Nr.5/Mai 2016. link bei www.tab-beim-bundestag.de - ITAS-Newsletter -- http://www.itas.kit.edu/2015_040.php  -- http://www.itas.kit.edu/projekte_ferr15_ivf.php--

Dokumentarfilm "The End of Meat - Eine Welt ohne Fleisch" , Regie: Marc Pierschel, 2017 (ref. NDR Sep 2017)
"Selbstentfremdeter "Genuß" (H. Sezgin) TAZ 13.09.2017
Fleisch ohne Schlachthof. Titel. Freitag Nr.48/30.11.2017
Burger-Fleisch aus dem Labor. Die Fleischproduktion der Zukunft.  ARD plus minus 11.10.2017

Supermeat aus der Retorte (Marie Kilg) - TAZ 14.11.2016
- Ernährung: Wann kommt das Retorten-Fleisch? (Frankenstein-Burger). Stuttg Ztg 25.05.2018
- Fleisch essen, ohne Tiere zu töten. MDR 14.09.2017
- Lab meat heads for the market: A look at the history amd future of in-vitro meat.  Foodnavigator 28.11.2016
- Das Steak aus dem Reaktor – TAZ 08.06.2015 
- Forscher sagen der Fleischindustrie mit ihrem billigen Labor-Burger den Kampf an.  Motherboard 02.04.2015
- Invitro-Fleisch: Aus dem Labor auf den TellerARTE-TV - Themenabend - Retorten-Burger,  08.02.2013 (89min).  Stellt im Labor gezüchtetes Fleisch eine echte Alternative zum traditionellen Schlachtfleisch dar, um die immer schneller wachsende Weltbevölkerung zu ernähren und die Umweltbelastung zu reduzieren? Mark Post und seine Mitarbeiter in den Niederlanden gehören zu den weltweit führenden Forscherteams in diesem Bereich und haben bereits den ersten Hamburger mit Rinderhacksteak aus der Retorte geschaffen.  In den USA hat das Start-up-Unternehmen "Modern Meadow" von Gabor Forgacs ein Stückchen Kunstfleisch mittels Bio-Printer hergestellt, einem aus der Medizin bekannten Verfahren.  -  
- In vitro veritas: Wie eine Bulette vielleicht die Welt verändert. Aid Aktuell 07.08.2013 (link). Vielleicht wird der 5. August 2013 bei unseren Enkeln in den Biologie-Büchern stehen. Der Tag als Beginn einer besseren Welt. Ein sommerlicher Montag, an dem der erste geklonte Burger auf den Tisch kam - ganz ohne Rind.  .
- Rempe, Chr.: Fleisch aus der Retorte – Utopie oder reale Zukunft? Ernährung im Fokus Nr.3-4;S.80-85, 2013 - Lit Liste - (im Archiv)
- Biotechnologie: Forscher wollen die Fleischproduktion revolutionieren. Die Welt 06.11.2009

(siehe auch Datei - novel food)  (Bioprinting)

⇒⇒ Neue Lebensmittel ⇒  Ersatz-Lebensmittel - Imitate - Verfälschungen:
-- Umfrage: Hohe Erwartungen an vegetarische und vegane Ersatzprodukte. Verbraucherzentral BW, 14.11.2017 -
Rügenwalder Wurst vegetarisch - Wurst nicht so der Brüller. FAZ 14.11.2016

Valess - Fleischersatz aus Milch - http://www.valess.de / Hersteller: Campina
Valess ist das erste Fleischersatzprodukt aus Milch. Die bekannteste Variante sieht aus wie ein Schnitzel. Es besteht unter anderem aus Magermilch, Panade, pflanzlichen Ölen, Eiweiß, Aroma und Zusatzstoffen. Bei Supermarktketten wie Rewe kostet es etwa 15 Euro pro Kilogramm.
- ... wie ein kleines Steak.  TAZ 20.06.2009 - Das Ersatzprodukt Valess schadet dem Klima womöglich mehr als echtes Schwein und Rind

Es gibt auch geschönte Schinken Ware, die mittels Enzym-Reaktionen aus kleineren Teilen ein schön  große  Schinkenscheibe kleben; Klebefleisch bzw. Formfleisch. Das ist Verbrauchertäuschung (Infos VZ - Presse - April 2010) (Lebensmittelkontroll-Publikation).