01/29/17

Hanf - eine vielseitige Faserpflanze

Hanf ist heute in Deutschland vor allem als Drogen- und Medizinpflanze bekannt. Hanf ist eine alte Kulturpflanze, die vielseitige Verwendungen (Nutzhanf) hat, z.B. als Pflanzenfaser, Hanfsamen und Haferöl.

Es gibt viele Hanfsorten (Gattung Cannabis); der Indische Hanf (Cannabis indica) ist die Drogen- und Medizinpflanze; und die Nutzhanfsorten sind Cannabis sativa. Insgesamt stehen 42 von der EU zertifizierte Sorten mit niedrigen Gehalten an Tetrahydrocannabinol (THC) für den Hanfanbau zur Verfügung. Sie besitzen im Gegensatz zu anderen Sorten einen sehr hohen Faseranteil von 30–40 %. Im Gegensatz zu den als Rauschmittel und für die medizinische Verwendung genutzten Sorten haben die für die Faser- und Samennutzung angebauten Sorten nur einen sehr geringen Anteil von weniger als 0,2 % THC und sind entsprechend zur Erzeugung von Haschisch und Marihuana ungeeignet.

In Deutschland erfolgt die Aussaat zwischen Mitte April und Mitte Mai, die Ernte von Faserhanf erfolgt je nach Sorte und Anbaubedingungen von Ende Juli bis Ende September. Werden auch die Samen genutzt, findet die Ernte mit der Vollreife der Samen Mitte September bis Mitte Oktober statt.

Das Anwendungsspektrum des Nutzhanfs ist sehr breit und reicht von der Nutzung der Hanffasern als Rohstoff für die Textilindustrie über die Verwendung von Hanföl und Hanfsamen bei der Ernährung bis zur Nutzung als Baustoff. 
Von der Antike bis in die Gegenwart wurden und werden Hanffasern zur Herstellung einer Vielzahl von Produkten verwendet. Historisch bedeutsam waren sie vor allem für die Herstellung von Segeltuch, Tauen und Seilen bis weit in das 19. Jahrhundert. 1455 druckte Gutenberg die erste Bibel auf Hanfpapier. 1492 segelte Kolumbus mit Segeln und Tauwerk aus Hanf nach Amerika. 1870 fertigte der Bayer Levi Strauss die erste Jeans aus Hanf in den USA.
Heute spielen sie vor allem für die Produktion von Hanfpapier (Spezialpapiere, vor allem Zigarettenpapier), Hanftextilien (Bekleidung, Technische Textilien), Naturdämmstoffen und als Verstärkungsfasern für naturfaserverstärkte Kunststoffe eine zentrale Rolle.
Die bei der Fasergewinnung als Nebenprodukt anfallenden Schäben werden vorwiegend als Tiereinstreu verwendet, vor allem in der Pferdehaltung und der Kleintierhaltung. Sie werden jedoch auch als Rohstoff für die Produktion von Leichtbauplatten, als Schüttdämmung oder andere Anwendungen als Baustoff sowie energetisch als Brennstoff genutzt.

Die Hanfsamen (Hanfnüsse) (als Achänen ausgebildet) sind 3-4 mm groß, von brauner bis grüngrauer Farbe und weisen ein Tausendkornmasse von 15 bis 20 Gramm auf. Sie enthalten 28 bis 35 % Fett, 30 bis 35 % Kohlenhydrate, 20 bis 24 % Proteine und neben Vitamin E, Kalzium, Magnesium, Kalium und Eisen besonders hohe Anteile an Vitamin B, speziell Vitamin B1 und Vitamin B2.  Als Proteinquelle sind Hanfsamen  für den Menschen hervorragend geeignet.
Hanfsamen werden ohne weitere Verarbeitung als Lebensmittel eingesetzt, dienen aber auch als Grundlage zur Extraktion des Hanföls und als hochwertiges Tierfutter vor allem für Vögel, aber auch für Fische und Säugetiere.
In den letzten Jahren fanden aus Hanfsamen gepresstes Hanföl sowie die Samen selbst als Nahrungsmittel wieder zunehmende Verbreitung. Aus den Samen kann unter anderem ein Hanfmehl, eine der Erdnussbutter ähnliche Hanfbutter oder auch Hanfsuppe hergestellt werden. Die Samen selbst werden sowohl geröstet als auch ungeröstet verkauft. Hanfsamen wird auch als Superfood vermarktet.

Hanföl wird aus den Hanfsamen gepresst, die sowohl ungeschält als auch geschält genutzt werden. Die dünne Schale enthält Chlorophyll, so dass das Öl aus ungeschälten Samen eine grüne Farbe aufweist. Außerdem sind Bitterstoffe und Ballaststoffe enthalten. Öl aus geschälten Hanfsamen enthält weniger Farb- und Bitterstoffe und ist geschmacklich entsprechend nussiger. Hanföl wird vor allem als Nahrungsmittel in Form von Salatöl genutzt und besitzt eine Reihe von hochwertigen Inhaltsstoffen wie essentielle Fettsäuren. Als Bratöl ist es aufgrund seiner Hitzeempfindlichkeit ungeeignet. Daneben findet es Verwendung als Öl in der Kosmetikindustrie, vor allem als Zusatz in der Naturkosmetik, und als Lampenöl.
Die Pressreste der Ölgewinnung (Presskuchen) sind als hochwertiges Futtermittel in der Viehzucht verwertbar.

Ätherisches Hanföl ist ein ätherisches Öl, das durch Destillation aus Blättern und Blüten des Hanfs (Cannabis sativa) gewonnen wird. Das Öl setzt sich aus einer Vielzahl verschiedener Inhaltsstoffe zusammen. Als Zusatzstoff wird ätherisches Hanföl vor allem bei der Produktion von entsprechend aromatisierten Eistees, Hustenbonbons, Hanfbier, Schokolade und anderen Produkten verwendet. Außerdem findet es Verwendung in Kosmetikartikeln und Parfums. Als Zusatz zu Massage- und Hautöl soll ätherisches Hanföl beruhigend und entzündungshemmend wirken, Verspannungen lösen sowie Krämpfe, Schwellungen und Phantomschmerzen lindern. Auch in der Aromatherapie wird das Öl verwendet und soll hier entspannend und ausgleichend wirken und die Atemwege reinigen.

Als Trinkhanf wird von einigen Unternehmen ein Getränk aus Hanfsamen erzeugt und vertrieben. Die Bezeichnung wurde gewählt, weil das Wort „Milch“ nur für tierische Produkte verwendet werden darf, also für dieses Getränk trotz seiner weißen Farbe nicht zulässig ist.

Die Verwendung von Hanf als Droge wird im Allgemeinen nicht als Nutzanwendung betrachtet, allerdings können die für die psychotrope Wirkung verantwortlichen Inhaltsstoffe, vor allem Cannabinoide, auch für medizinische Verwendungen von Bedeutung sein. Der zentrale Bestandteil für diese Form der Nutzung ist das Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC), jedoch spielen auch weitere Cannabinoide eine Rolle bei der medizinischen Wirkung. Im Gegensatz zu anderen Nutzhanfanwendungen werden für medizinische Anwendungen entsprechend THC-reiche Hanfsorten genutzt, deren Anbau und Nutzung international in vielen Ländern verboten ist.

Die Verwendung von Hanffasern lässt sich über mehrere Jahrtausende bis weit in die Menschheitsgeschichte zurückverfolgen. Die ältesten Funde stammen aus China um 2800 v. Chr., wo Seile aus Hanffasern erzeugt wurden.
In Europa wurde die Hanftextilherstellung ebenfalls durch Grabfunde nachgewiesen; hier stammt das älteste gewebte Fragment aus einem keltischen Grabhügel in der Nähe von Stuttgart aus einer Zeit etwa 500 v. Chr. und ein weiteres mit aufbereiteten Hanffasern aus einer Zeit um das Jahr 570 fand sich nahe Paris. Bis ins 3. Jahrhundert v. Chr. fand Hanf, vor allem in Form von Tauen und ähnlichen Produkten, den Weg bis nach Italien. Zu dieser Zeit war er neben dem Flachs die wichtigste Industriepflanze. Wie Flachs wurde er meist auf kleineren, gartenähnlichen Flächen angebaut. Hanf war jedoch leichter zu verarbeiten als Flachs. Wegen der großen Reißfestigkeit wurden daraus vor allem Segeltuche, Seile und Säcke gefertigt, zu Tuch wurde er hingegen aufgrund der Grobheit nur selten verarbeitet.
Bis in das 18. Jahrhundert waren zudem Hanffasern neben Flachs, Nessel und Wolle die wichtigsten Rohstoffe für die europäische Textilindustrie, wobei Hanf aufgrund der gröberen Faserbündel vor allem zur Herstellung von Ober- und Arbeitskleidung diente. Die Hanfverarbeitung nahm vor der Einführung der Baumwolle und anderer exotischer Fasern wie Jute, Sisal und Ramie eine Schlüsselrolle in der Textilverarbeitung ein.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Nutzhanf auch in Europa nur noch auf Kleinstflächen angebaut. Zwischen 1982 und 1995 war auch der Hanfanbau der in den 1950er und 1960er Jahren gezüchteten Nutzhanfsorten mit beinahe vollständig fehlendem THC-Gehalt in Deutschland (durch das Betäubungsmittelgesetz) und vielen anderen Ländern verboten.
In den 1990er Jahren wurden die Verbote aufgrund des wieder wachsenden Interesses der Landwirtschaft und der Industrie an dem Rohstoff zurückgezogen und seit 1996 durfte auch in Deutschland unter Auflagen wieder Nutzhanf angebaut werden. Heute ist der Anbau von THC-armen Nutzhanfsorten in allen Ländern Europas sowie in Ländern wie Kanada und Australien legalisiert, nur in den USA ist der Anbau weiterhin vollständig untersagt.

Die weltweiten Anbauflächen für Nutzhanf betragen heute etwa 60.000 bis 100.000 Hektar und schwanken stark von Jahr zu Jahr. Die führenden Anbauländer sind China, Russland, Kanada und Frankreich, während in anderen Ländern der Anbau eher gering ist.
In Europa wurde bis Anfang der 1990er Jahre fast ausschließlich in Frankreich Hanf angebaut (etwa 6.000 Hektar) und zur Produktion von Zigarettenpapier genutzt, geringe Exportmengen kamen aus Spanien nach Frankreich.

Im Dezember 1985 erschien das Buch „The Emperor wears no clothes“ von Jack Herer, das 1993 unter dem Titel „Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf“ auch in deutscher Sprache erschien. Die Veröffentlichung machte die Vielseitigkeit der Nutzpflanze Hanf publik und wurde zum Standardwerk für Hanfaktivisten und Nutzhanfbauern.
In Deutschland entstand z. B. 1992 der H.A.N.F. ("H.anf a.ls N.utzpflanze f.ördern") der zu diesem Zweck unter anderem das Hanf-Museum Berlin betreibt, sowie im Jahr 2000 die European Industrial Hemp Association (EIHA) zur Förderung des Hanfs als industrielle Nutzpflanze. Der Nutzhanf, der heute von Bauern angebaut wird, wurde züchterisch bearbeitet, so dass er einen sehr geringen THC-Gehalt hat. Der Anbau wird in vielen Staaten streng kontrolliert. Das größte europäische Anbaugebiet ist das französische Département Aube in der Champagne.

Aufgrund der früheren wirtschaftlichen Bedeutung von Hanf in verschiedenen Gegenden Europas finden sich auch heute noch Darstellungen von Hanf als gemeine Figur in Wappen, so etwa Hanfblätter, Blüten oder ganze Hanfstängel.

Informationen
wikipedia - eng.  hemp

Ist der Hype um Cannabidiol berechtigt? Angstlöser, Schmerzmittel, Einschlafhilfe: Dem Hanfinhaltsstoff Cannabidiol – kurz CBD – werden zahlreiche positive Eigenschaften zugesprochen. Doch wie gut ist seine Wirkung belegt?  Spektrum der Wissenschaft 22.10.2019

Sind Cannabis-Produkte immer unbedenklich? dpa-Meldung 05.08.2019 z.B. in Hamburger Abendblatt + Bürstädter-Zeitung - Quelle: Hanf, THC, Cannabidiol (CBD) & Co. link bei www.bvl.bund.de + Tetrahydrocannabinolgehalte sind in vielen hanfhaltigen Lebensmitteln zu hoch – gesundheitliche Beeinträchtigungen sind möglich.  Stellungnahme Nr. 034/2018 des BfR vom 08.11.2018 link bei www.bfr.bund.de -

Michael Carus et al.: Studie zur Markt- und Konkurrenzsituation bei Naturfasern und Naturfaser-Werkstoffen (Deutschland und EU), Gülzower Fachgespräche, Band 26, Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. 2008. (Download)

nova-Institut (Hrsg.): Das kleine Hanf-Lexikon. Verlag Die Werkstatt, 2. Auflage, Göttingen 2003, ISBN 3-89533-271-2.

Untersteller, A.: Hanf in der menschlichen Ernährung. Ernährungs-Umschau  Nr.10, B41-B44 (2006)

Hinweise auf einige kommerzielle Anbieter-Websiten
- www.hanfpedia.de -
- www.hanfol.eu -
- www.hanfkampagne.com  -

- www.cbd-journal.ch  -

- www.hempoilfacts.com -

Hanf gibt vegan Lebenden einen Kick. TAZ 22.06.2019 -

Hanf auf Briefmarken
- Bosnien-Herzegowina (Kroatische Post Mostar)  (MiNr.412, Block 35; 22.05.2015 - Blockausgabe: Mythen und Flora - Die Hanfpflanze. (Abb)
- Dahomey (MiNr.390-92, Block 16; 22.09.1969) Wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Europa und Afrika (Europafrique). u.a. Kenaf-(Hanf) Weberei in Bohicon - Italien  (Abb)
- Lettland (MiNr.481-84; 29.05.1998) -  800 Jahre Stadt Riga. u.a.  Dannensternhaus, Hanfsortierer (17./18. Jh.) -
- Mongolei (MiNr.3851-53, Block 408; 20.10.2012)  Blockausgabe: 100 Jahre Zollbehörde,  u.a. Spürhund, Hanfblatt - (Abb)  (Abb)
- Nordborneo (MiNr.277-91; 01.07.1950) Freimarken: König George VI. und einheimische Bilder. u.a. Hanftrocknerei  (Abb)

- Eine alte Russische Briefmarke ist auf durchsichtigem Hanfpapier gedruckt: Rußland Lokale Kreispost (MiNr.11)1884/1894. Kreiswappen von Wenden, Rahmenzeichnung ähnlich russischen Freimarken (1893) 

 

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