01/30/25
Mit Jambu wird in Brasilien die Pflanzenart Acmella oleracea in der Familie der Korbblütler (Asteraceae) bezeichnet. Irreführend ist die zuweilen verwendete deutsche Bezeichnung „Pará-Kresse“, die eine Zugehörigkeit zur Familie der Kreuzblütengewächse suggeriert. Sie wird im Englischen wegen ihrer schmerzbetäubenden Wirkung Toothache Plant („Zahnweh-Pflanze“) genannt, wegen der Form der Blütenköpfchen findet sich auch die Bezeichnung Eyeball Plant („Augapfel-Pflanze“). Ebenfalls der Form der Blütenköpfchen wegen wird sie, wie einige andere Pflanzenarten, im Deutschen „Husarenknopf“ und „Prickelknopf“ genannt.
Acmella oleracea ist eine einjährige, niederliegende bis aufrechte und krautige Pflanze. Sie wird etwa 20–80 Zentimeter hoch. Die gegenständigen, dreieckigen bis eiförmigen oder leicht herzförmigen und gestielten Laubblätter sind einfach und haben einen ganzen bis meist gekerbten oder gesägten, teils stachelspitzigen Blattrand und sind spitz bis zugespitzt oder rundspitzig. Der Blattstiel ist 2–6,5 Zentimeter lang und die schwach bis leicht haarigen Blätter 5–10,5 Zentimeter. Es werden mehr oder weniger konische, eiförmige, kleine, langstielige und 1,5–2,5 Zentimeter große, körbchenförmige, achselständige Blütenstände gebildet. Die Früchte sind schwärzliche, 2–2,5 Millimeter lange Achänen mit Pappus und Karpopodium. Diese Art ist sehr frostempfindlich.
Gekochte Jambú-Blätter werden im Norden Brasiliens für verschiedene traditionelle Gerichte verwendet, vor allem in Verbindung mit Tucupi, z. B. Pato no Tucupi (Ente und Jambú-Gemüse, gekocht in Tucupi), oder die Suppe Tacacá, eine Brühe aus Tucupi, mit eingesalzenen Garnelen, Jambú und Goma (zu einer geleeartigen Masse verrührte Maniokstärke), beides kulinarische Spezialitäten in der Region Belém. Jambú-Blätter erzeugen ein für den europäischen Gaumen ungewohntes „prickelndes“, leicht betäubendes Gefühl an der Zungenspitze.
Jambú-Blättern wird eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben; antibakterielle Effekte konnten allerdings nicht nachgewiesen werden. Die Pflanzen werden in der Volksheilkunde gegen Rheuma, Gicht, Zahnfleischentzündungen und Hautpilz eingesetzt. Wenn die Blätter roh zerkaut werden, beginnt es nach wenigen Sekunden auf der Zunge zu prickeln ähnlich der Wirkung von Brausepulver, wobei sich ein aromatischer Kräutergeschmack ausbreitet.
Acmella oleracea wird auch als biologisches Insekti- und Akarizid verwendet.
Informationen:
- wikipedia - engl. Acmella oleracea -
Jambu (Acmella oleracea) ist Teil der Briefmarken-Serie aus Brasilien (23.04.2024) - Unkonventionelle Narungspflanzen (PANC) (Kleinbogen) (FDC)
(1) Vinagreira (Hibiscus sabdariffa) Roselle (ein Malvengewächs) - (link) (Abb)
(2) Taioba (Xanthosoma taioba) Tannia (wikipedia) (Abb)
(3) Jambu (Acmella oleracea) (wikipedia), Toothache plant, Augapfel-Pflanze (Abb)
(4) Mangarito (Xanthosoma riedelianum) (link bei https://wfoplantlist.org ) - (Abb)
(5) Barbados gooseberry; Ora-pro-nöbis (Pereskia aculeata) (Abb)
(6) Indischer Spinat (Basella alba), Bertalha, Mala-bar spinach (Abb)
Weltspiegel - Brasilien - Vielfalt der Arten - Unkonventionelle Nahrungspflanzen. DBZ 14/2024, S.59 (scan im Archiv)
Plantas Alimentícias Não Convencionais (PANC): resgatando a soberania alimentar e nutricional / organizadores Valdirene Camatti Sartori et al. Caxias do Sul, RS : Educs, 2020.
118 p. ISBN 978-85-7061-992- (download bei www.ucs.br )