02/07/26
Der Igel-Stachelbart (Hericium erinaceus), auch Affenkopfpilz, Löwenmähne, jap. Yamabushitake, frz. Pompon blanc genannt, ist eine Pilzart aus der Ordnung der Täublingsartigen. Der Name nimmt Bezug auf den mit weichen Stacheln besetzten Fruchtkörper (lateinisch erinaceus: Igel). Der Pilz wächst als holzzersetzender Weißfäulepilz auf frischem Totholz. In Europa ist er sehr selten und im Bestand bedroht. Der Igel-Stachelbart wurde nach einer öffentlichen Wahl von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zum Pilz des Jahres 2026 ernannt. Die öffentliche Wahl aus drei Kandidaten fand zum ersten Mal statt.
Der Fruchtkörper ist weißlich gefärbt (in Skandinavien auch gelblich oder fleischfarben, getrocknet rotbraun), er ist derb knollenförmig, manchmal (seitlich) gestielt, und erreicht einen Durchmesser von 10 bis 25 cm, manchmal bis 30 cm. Seine Unterseite ist dicht mit herabhängenden, etwa 2 bis 5 cm langen Stacheln besetzt. Die Oberseite ist faserig, manchmal mit kurzen, sterilen Stacheln. Das Fleisch ist weißlich und besitzt eine zähe, etwas faserige Konsistenz.
Der Igel-Stachelbart gehört zu den Weißfäule-Pilzen, die vorwiegend zuerst das Lignin der Holzsubstanz abbauen und daher das Holz zu einer weiß gefärbten, faserigen Substanz überwiegend aus Zellulose umwandeln. Das Pilzmyzel ist in den Bäumen über viele Jahre ausdauernd, es kommt zur Bildung von Fruchtkörpern am selben Baum, meist im Abstand einiger Jahre, über mehr als 20 Jahre, möglicherweise bis zu 40 Jahre hinweg.
Die Art wächst saprotroph an totem Holz an älteren Laubbäumen, zumeist Eichen und Buchen, seltener auch an anderen Laubbäumen wie Birken und Ahornarten. Er tritt gelegentlich, und häufiger als die anderen Gattungsvertreter, auch an lebenden Bäumen auf, oft in großer Höhe am Stamm oder an toten Aststümpfen. Er bevorzugt aber hartes, noch unzersetztes Totholz gegenüber stärker verrottetem. Auch am lebenden Baum besiedelt er das tote Kernholz, kann aber erst Fruchtkörper bilden, wenn dieses Luftkontakt erlangt, etwa an einer Verletzung des Stamms. Der Pilz wächst bevorzugt in Wäldern mit hoher Luftfeuchtigkeit. Fruchtkörper werden in Süddeutschland von September bis November, in England von August bis Dezember beobachtet.
Der Igel-Stachelbart ist in Europa weit verbreitet, aber überall selten. Die Art ist sowohl in Ostasien wie auch in Nordamerika nachgewiesen und in beiden Regionen offenbar häufiger als in Europa. Der Igel-Stachelbart ist, wie die meisten Stachelpilze, ein schmackhafter Speisepilz. Aufgrund seiner Seltenheit in Europa sollten wildwachsende Exemplare nicht gesammelt werden.
In China werden zum Anbau des Igelstachelbarts Behälter aus Kunststoff oder Glas verwendet. Als Nährboden dienen pflanzliche Abfallstoffe aller Art, zum Beispiel Sägemehl, Altpapier, Reisstroh, Maiskolben, Zuckerrohr- und Baumwollabfälle. Zusätze von Kleie, Gips oder Saccharose sind üblich; insbesondere Weizenkleie führt zu kräftigen und schnell wachsenden Myzelen. Der Anbau in China ist erst seit 1998 in kommerziellem Umfang in Gang gekommen, vorher wurden wild besammelte Fruchtkörper verwendet. Wie viele Pilze kann der Igel-Stachelbart im Medium enthaltene Schadstoffe, zum Beispiel Schwermetalle, aufnehmen und sogar anreichern. Teilweise wird das aber ausgenutzt, um künstlich mit Selen angereicherte Fruchtkörper zu produzieren.
Als frische Kulturpilze werden die Igelstachelbärte unter dem asiatischen Markennamen Pom-Pom vor allem im Delikatessen- und Online-Handel für bis zu 30 €/kg angeboten. Einige Pilzzuchtbetriebe bieten auch Kultursets an. Nach einer Kulturzeit von 2 bis 3 Wochen können die Fruchtkörper bis zu 30 cm Durchmesser erreichen. Er kann in Würfel geschnitten und in Butter oder Öl angebraten werden. In Scheiben geschnitten kann der Pilz auch paniert und wie ein vegetarisches Schnitzel zubereitet werden. In der Konsistenz erinnert er an Hühnchenfleisch und im Geschmack ähnelt der Pilz Meeresfrüchten.. .
100 Gramm des getrockneten Pilzes enthalten 22,3 Gramm Rohprotein, 3,5 Gramm Fett und 64,8 Gramm Kohlenhydrate. Er enthält überdurchschnittlich viele essenzielle freie Aminosäuren. In einer Studie nachgewiesen wurde ein Gehalt von 16 %. Insgesamt konnten 19 freie Aminosäuren nachgewiesen werden; fast alle für den Menschen essenziellen Aminosäuren waren enthalten (mit Ausnahme von Methionin und Tryptophan).
In der traditionellen chinesischen Medizin wird der Pilz seit langer Zeit verwendet. Diese seit längerem angegebene medizinische Wirkungen von Inhaltsstoffen des Igel-Stachelbarts werden auch pharmakologisch untersucht. Angegeben sind antitumorielle, hämagglutinierende, cytotoxische, immunmodulatorische Aktivitäten.[
Informationen:
wikipedia - engl. Hericium erinaceus -
Eiben, N.: Pilz des Jahres 2026: Igelstachelbart link bei www.dgfm-ev.de 04.10.2025
Sammelobjekte: link bei www.mykothek.de