09/22/21

Japanischer Staudenknöterich 

Der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica;  Synonyme: Reynoutria japonica Houtt., Polygonum cuspidatum Siebold & Zucc.), auch Kamtschatka-Knöterich oder kurz Japanknöterich genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Schling- oder Flügelknöteriche (Fallopia) bzw. Staudenknöteriche (Reynoutria) innerhalb der Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae). In Europa und in Nordamerika zählt diese Pflanzenart zu denjenigen Neophyten, die als problematische, unerwünschte invasive Pflanzen („Plagepflanzen“) bewertet werden.
Der Japanische Staudenknöterich ist in China, Korea und Japan heimisch. Diese Pflanzenart wurde um 1825 von Philipp Franz von Siebold  (Abb, Briefmarke) als Zier- und Viehfutterpflanze nach Europa gebracht und ebenfalls im 19. Jahrhundert in den USA eingeführt. Der Japanische Staudenknöterich zählt damit zu den sogenannten hemerochoren Pflanzen, die gezielt (ethelochor) eingeführt wurden. Auch in der Forstwirtschaft wurde der Japanische Staudenknöterich gezielt angebaut. Er sollte als Äsungspflanze für Rotwild sowie als Deckungspflanze für Fasane dienen. Der Japanische Staudenknöterich wird als Äsung aber nicht angenommen und ist als Deckungspflanze, auf Grund des Blattfalls im Spätherbst, wenig geeignet. Großzügig an seiner Ausbreitung beteiligt waren die Imker, da der Japanische Staudenknöterich im Frühherbst eine exzellente Bienenweide bietet. 
Im 21. Jahrhundert findet man den Japanischen Staudenknöterich in Mitteleuropa sowohl in Gärten, wegen seines schnellen und hohen Wuchses als Sichtschutz genutzt, als auch im Freiland wild wuchernd.

Der Japanische Staudenknöterich ist eine sehr schnellwüchsige (wuchernde), sommergrüne und ausdauernde (halb)krautige Pflanze. Als Überdauerungsorgane bildet er Rhizome, durch die oft dichte, ausgedehnte Bestände entstehen. Im Frühling treibt er aus seinen Rhizomen („Wurzelstöcken“, Erdkriechsprossen), oft nesterweise an „Rhizomköpfen“, neue Stängel („Rameten“), die unter günstigen Bedingungen innerhalb weniger Wochen eine Wuchshöhe von 3 bis 4 Metern erreichen, wobei die Pflanze einen Zuwachs von 10 bis 30 Zentimeter pro Tag erreichen kann. Die anfangs aufrechten, bald aber schräg bis waagerecht überhängenden, kahlen, bambusartigen Stängel sind hohl. Weil zum Hochsommer hin die Wipfel der ungemähten Triebe sich in die Waagerechte neigen und die Laubblätter horizontal ausbreiten, wird der Boden unter solch dichten Beständen dermaßen beschattet, dass selbst Graswuchs abstirbt. Im Winterhalbjahr kann der dadurch nackte Oberboden zwischen den dann blattlosen röhrigen Stängeln bei Starkniederschlägen großflächig abgespült werden und das Bachbett auffüllen. Am Harmersbach im mittleren Schwarzwald führte dies beim „Weihnachtshochwasser“ 1991 zu Millionenschäden, weil durch die reißenden Fluten des über die Ufer getretenen Baches daneben verlaufende Straßen unterspült und Brücken fortgerissen wurden. In der Schweiz  wurde er in die Schwarze Liste der invasiven Neophyten der Schweiz aufgenommen und der Freisetzungsverordnung unterstellt.

Die jungen Sprosse des Japanischen Staudenknöterichs (bis 20 cm Höhe) können als Gemüse zubereitet werden. Wenn sie sehr jung sind, können sie sogar roh gegessen werden. In China und Japan wird die Wurzel medizinisch verwendet.
Die Pflanze enthält in allen Teilen den sekundären Pflanzenstoff trans-Resveratrol, der auf zahlreiche mögliche therapeutische Nutzwirkungen getestet wird. Resveratrol besitzt unter anderem Wirkung als Phytoöstrogen. Die Pflanze wurde in ihrer Heimat Japan seit Jahrhunderten für Heiltees verwendet, die, wie die Pflanze selbst, „Itadori“ genannt werden. Resveratrol gilt als der wahrscheinlichste aktive Bestandteil des Tees. Obwohl der Resveratrol-Gehalt in der Pflanze um mehrere Größenordnungen höher liegt als in roten Weintrauben (einer anderen, viel untersuchten Quelle für Resveratrol), war der Gehalt im Tee nicht höher als in Rotwein; dies wird darauf zurückgeführt, dass er im wässrigen Extrakt Tee stark verdünnt wird.

Die Stängel eignen sich für den Flötenbau, sowohl für Längs- und Querflöten als auch Panflöten.

Staudenknöterich ist in Neststandort für Singvögel,  so wurden Nester von SumpfrohrsängerTeichrohrsängerHeckenbraunelleBluthänflingNeuntöterGoldammerAmselMönchsgrasmücke und Gartengrasmücke gefunden. Wegen der Nutzung des Staudenknöterich als Neststandort dürften Bekämpfungsmaßnahmen eigentlich nur außerhalb der Brutzeit stattfinden, damit Bruten geschützter Singvögel nicht vernichtet werden. Der Samen wird von verschiedenen Vogelarten gefressen.

Informationen: 


- wikipedia - engl. Reynoutria japonica

Japanischer Knöterich. link bei www.kostbarenatur.net - 

Japanischer Knöterich: Essen Sie das Ungeheuer einfach auf! link bei www.gartenjournal.net -
Japanischer Staudenknöterich - Bestimmen, sammeln und verwenden!  link bei www.pflanzen-vielfalt.net - 

 

Breda, S.G. et al.: Replacement of Nitrite in Meat Products by Natural Bioactive Compounds Results in Reduced Exposure to N‐Nitroso Compounds: The PHYTOME Project. Molecular Nutrition & Food Research, 2001214 DOI: 10.1002/mnfr.202001214 (2021) ⇔ Japanese Knotweed extract could cut cancer risk of processed meat. Science Daily 21.09.2021

 

Er ist auf einer Briefmarke aus Dänemark (MiNr.1958-62, 06.09.2018) Wild vorkommende Nahrungsmittel. u.a. Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica) abgebildet. (Abb)  (link)

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