08/03/23
Der Gewöhnliche Andorn (Marrubium vulgare), auch Weißer Andorn, Gemeiner Andorn, kurz Andorn, Helfkraut, Weißer Dorant, Mariennessel oder Berghopfen genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Andorn (Marrubium) in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die Art wurde früher häufig als Heilpflanze kultiviert. Von Wissenschaftlern der Universität Würzburg wurde Andorn zur Arzneipflanze des Jahres 2018 ausgerufen.
Der Gewöhnliche Andorn ist eine ausdauernde bis halbstrauchige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 80 cm erreicht. Die Stängel sind aufrecht und vor allem in dem unteren Teil weißfilzig behaart. Der Blattstiel ist auch bei den unteren Blättern kürzer als die Blattspreite. Die Blätter sind breit eiförmig bis kreisförmig, der Rand tief und unregelmäßig gezähnt und mit Sternhaaren bedeckt; sie sind auf der Unterseite dichter filzig behaart als auf der verkahlenden Oberseite. Die Blütezeit reicht von Mai bis August.
Der Gewöhnliche Andorn ist im Mittelmeergebiet weit verbreitet und in weite Teile Nord- und Südamerikas sowie Australiens verschleppt worden. Älteste archäologische Nachweise in Mitteleuropa stammen aus der Jungsteinzeit (4000 v. Chr.).
Der Gewöhnliche Andorn kommt in Mitteleuropa meist in der Umgebung von Dörfern vor und besiedelt dort wie auch im Mittelmeergebiet Ruderalstandorte und Weiden auf trockenen Ton- und Lehmböden.
Der Andorn enthält den Bitterstoff Marrubiin, ein Furanolabdan-Diterpen sowie ätherische Öle, Schleim, Harze, Wachse und Gerbstoffe. Als Droge dient das sogenannte Andornkraut; das sind die getrockneten Blätter und oberen Stängelteile (Marrubii herba). Andornextrakte wirken leicht schleimlösend und fördern den Auswurf von Sekret aus den Bronchien. Daher kommt Andorn traditionell bei Atemwegserkrankungen zum Einsatz. Die Substanz Marrubiin bewirkt zudem, dass vermehrt Gallensäfte ausgeschüttet werden, sie regt die Magensäurebildung an und kurbelt die Magen-Darm-Tätigkeit an. Deshalb kann Andorn als pflanzliches Mittel bei Gallenbeschwerden helfen, aber auch Blähungen, Völlegefühl und Appetitlosigkeit lindern.
Heute wird Andornkraut in Deutschland zur Schleimlösung bei Husten im Rahmen von Erkältungen angewendet. Als Fertigarzneimittel stehen ein Extrakt in Form von Bronchialtropfen und Frischpflanzenpresssäfte zur Verfügung. Andorn wirkt schleimlösend bei festsitzendem Schleim, antientzündlich und krampflösend.
Informationen
- Wikipedia - engl Marrubium vulgare -
Stindt, A.: Andorn effektiv gegen zahlreiche Infektionskrankheiten. link bei www.heilpraxisnet.de 02.08.2023 ⇒ Leila Zade Adimi et al.: Ethnobotanical study and antibacterial activity of a medicinal plant: Marrubium vulgare L (The White horehound). South Asian Journal of Experimental Biology 13(3) doi.org/10.38150/sajeb.13(3).p197-204 (2023) - Samuel Mulondo, Afaf, Hayet, Kimbugwe : Assessment of Marrubium vulgare hydro-alcoholic extract’s biological activities. Algerian J Biosci 4(1) 1-8 (2023) - Eman Ezz: Anti-SARS-CoV-2 and Antioxidant Activities of The Methanolic Extract and Its Fractions of Marrubium alysson L. Aerial Parts. Journal of Advanced Medical and Pharmaceutical Research DOI: 10.21608/jampr.2023.212799.1056 (28.07.2023)
Andorn ist Arzneipflanze 2018: Magen- und Atembeschwerden. dpa-Meldung am 21.07.2018 (z.B. Südd Ztg 21.09.2017 - nicht mehr gültig)
Grötschl, N.: Andorn – Arzneipflanze mit langer Geschichte - „Was bitter im Mund, macht den Körper gesund“. Dieses alte Sprichwort trifft auch auf den Andorn zu. link bei www.forum-ernaehrung.at (19.01.2018)
Forschungsgruppe Klostermedizin: Arzneipflanze des Jahres 2018: Andorn – marrubium vulgare. link bei www.klostermedizin.de/ (Jan 2018)
Purle, T.: Andorn - Marrubium vulgare. link bei www.kraeuter-buch.de 01.03.2020
Bisher ist noch keine Briefmarke zu Andorn entdeckt worden.