09/10/23

Blutwurz - Potentilla erecta

 

Die Pflanze Blutwurz (Potentilla erecta), auch Dilledapp, Durmentill, Natter(n)wurz, Rotwurz, Ruhrwurz, Siebenfinger oder Tormentill genannt, gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Das Verbreitungsgebiet der Blutwurz umfasst die borealen und gemäßigten Zonen Europas ostwärts bis zum Altai. Im Süden tritt sie nur in den Gebirgen auf. Vorkommen im östlichen Nordamerika beruhen möglicherweise auf Einschleppung. Als Standort werden Mischwälder, Heiden, Magerwiesen, Niedermoore mit mäßig sauren Böden bevorzugt. Die Pflanze gilt als Magerkeitszeiger. Sie steigt in Deutschland in den Alpen bis in Höhenlagen von 2200 Meter auf.
Sie ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 10 bis 30 (5 bis 50) Zentimeter erreicht. Sie wächst aus einem kräftigen und kriechenden Rhizom, das einen Durchmesser von 1 bis 3 cm hat, verholzt und innen an Schnittflächen blutrot anläuft. Der aufrechte bis niederliegende Stängel ist oben mehrästig, beblättert und unterschiedlich behaart. Die lang gestielten Rosettenblätter sind dreiteilig (selten einzelne vier- bis fünfteilig), grob und gezähnt, im Gegensatz zu den sitzenden bis kurzgestielten Stängelblättern, die immer dreiteilig sind.  Die auf langen Stielen einzeln in den Blattachseln entspringenden Blüten weisen einen Durchmesser von etwa 1 Zentimeter auf. Die Blütezeit reicht von Mai bis Oktober. Die Blutwurz wurzelt bis 50 Zentimeter tief.
Die Blutwurz hat ihren Namen von dem blutroten Saft, der beim Anschneiden aus dem gelblich-weißen Rhizom austritt.
In einigen Regionen, z. B. im Bayerischen Wald, wird aus Blutwurz ein Likör oder Schnaps hergestellt, der als Digestif gereicht wird.

In der Pflanzenheilkunde wird das schwarzbraune, bevorzugt im Frühjahr oder im Herbst (kurz vor oder kurz nach der Blüte) ausgegrabene, in der Sonne getrocknete, von den Wurzeln befreite und zerkleinerte Rhizom verwendet (Tormentillae rhizoma), entweder als alkoholischer Auszug (Tinktur), oder als Tee. Wirksame Inhaltsstoffe sind neben Gerbstoffen (Tanninen) der rote Farbstoff Tormentol, das Glykosid Tormentillin, Flavonoide, Phenolkarbonsäure, Saponine, Harz, Gummi und ätherische Öle. Der Saft der Pflanze wirkt im Laborversuch hemmend auf das Wachstum von Bakterien und Viren.
Blutwurz wirkt stark zusammenziehend (adstringierend), austrocknend und entzündungshemmend (antiphlogistisch), Zubereitungen des Tormentills werden daher wie andere gerbstoffhaltige Drogen (EichenrindeRatanhiawurzel) äußerlich in Form von Spülungen oder Pinselungen bei entzündlichen Erkrankungen der Mund- und Rachenschleimhaut, bei Entzündungen des Zahnfleischs und anderen Erkrankungen des Rachens und des Kehlkopfes und gegen Hämorrhoidenleiden verwendet, außerdem bei Verbrennungen. Innerlich genommen werden sie bei akuten, unspezifischen Durchfallerkrankungen eingesetzt und sind indiziert bei Enteritis und Fieber sowie zur Stärkung des Magens.
Der beim Anschneiden des Rhizoms der Blutwurz austretende rote Farbstoff wird zum Färben genutzt. Auf mit Alaun und Weinstein vorgebeizter Wolle kann man mit dem Absud des Rhizoms eine gelbbraune Färbung erzielen. Mit einer Beize aus Kupfersulfat und Kaliumdichromat erhält man eine rotbraune Färbung. Früher haben die Samen ihre Rentierfelle mit Blutwurz gleichzeitig gegerbt und rot gefärbt.

Arzneipflanze des Jahres 2024: Blutwurz. Pressemitteilung am 16.01.2024 von www.bpi.de -  Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg

 

Informationen

wikipedia - engl. Potentilla erecta

Klenow, S. et al. (Hrsg): Risikobewertung von Pflanzen und pflanzlichen Zubereitungen. BfR-Wissenschaft 01/2012, 300S.   link bei www.bfr.bund.de   Blutwurz S.63-81

Stanke, L.; Schultheis, C.: Blutwurz (Potentilla erecta) – Wirkung und Verwendung. link bei www.heilpraxisnet.de (04.01.2022) ⇒ Quellen: Subbotina, M.D. et al.: Effect of oral administration of tormentil root extract (Potentilla tormentilla) on rotavirus diarrhea in children: a randomized, double blind, controlled trial. Pediatric Infectious Disease Journal, 22:  706-711, 2003 - Langmead, L. et al.: Antioxidant effects of herbal therapies used by patients with inflammatory bowel disease: an in vitro study. Alimentary Pharmacology and Therapeutics, 16(2): 197-205, doi: 10.1046/j.1365-2036.2002.01157.x (2002) - Palombo, E.A.: Phytochemicals from traditional medicinal plants used in the treatment of diarrhoea: modes of action and effects on intestinal function. Phytotherapy Research 20 (9) 717-724,  doi.org/10.1002/ptr.1907 (18.04.2006)  - Tunon, H.  et al:  Evaluation of inflammatory activity of some Swedish medicinal plants. Inhibition of prostaglandin biosynthesis and PAF induces exocytosis. J Ethnopharmacology 48(2):  61-76, doi.org/10.1016/0378-8741(95)01285-L (October 1995)  - Spiridonov, N.A et al.:  Cytotoxity of some Russian ethnomedicinal plant compounds. Phytotherapy Research, 19(5): 428-432,  doi.org/10.1002/ptr.1616 (16.08.2005) - Tomczyk, M.; Latté, K. P.: Potentilla—A review of its phytochemical and pharmacological profile. J Ethnopharmacology 122(2): 184-204, doi.org/10.1016/j.jep.2008.12.022 (March 2009) 

Blutwurz. link bei www.heilpflanzenwissen.at  -
Blutwurz. link bei www.biologie-seite.de - 

 

Bisher gibt es zwei Briefmarken mit Blutwurz
Dänemark Färöer - (08.02.1988 )  Blumen. -Gänseblümchen (Bellis perennis) - Geflecktes Knabenkraut (Dactylorchis maculata) - Blutwurz (Potentilla erecta)  (Abb) - Blaues Fettkraut (Pinguicula vulgaris)  (Satz) (FDC)
Weissrußland - (15.08.1996) -  Heilpflanzen. - Kalmus (Acorus calamus) - Großer Wiesenknopf (Sanguisorba offcinalis) - Blutwurz (Potentilla erecta) (Abb)- Faulbaum (Frangula alnus) - Fieberklee (Menyanthes trifoliata) (Satz)

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