10/10/13

Der Spitzwegerich

Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata), auch Spießkraut, Lungenblattl oder Schlangenzunge genannt, ist eine Pflanzenart, die zur Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae) gehört. Das Wort Wegerich entstammt dem Althochdeutschen von wega = Weg und rih = König.

Der Spitzwegerich ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 5 bis 50 Zentimetern erreicht. Die reichverzweigte Wurzel kann bis zu 60 cm in die Tiefe reichen. Die in einer grundständigen Rosette stehenden Laubblätter sind ungestielt. Die Blütezeit reicht von Mai bis September.  Ursprünglich in Europa heimisch, ist der Spitzwegerich inzwischen weltweit verbreitet. Er kommt häufig in Fettwiesen, an Wegen, in Äckern und auch in Parkrasen vor.
Man kann Spitzwegerich leicht selbst sammeln, sollte aber beachten, dass sie nicht mit Autoabgasen oder Agrarchemikalien belastet sind.

Der Spitzwegerich ist wohl eine der bekanntesten Heilpflanzen. Er wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2014 ernannt (link).
Bereits die Germanen nutzten ihn als Heilpflanze und bezeichneten ihn als Läkeblad - Heilblatt. Dioskurides, Themison und Plinius erwähnten den Spitzwegerich bereits vor 2000 Jahren schriftlich und lobpreisten seine Heilkräfte. In den darauf folgenden Jahrhunderten gab es kaum einen Kräuterkundigen, der nicht um die wohltuende Wirkung des Spitzwegerichs wusste. So Hildegard von Bingen, Albertus Magnus und auch Hieronymus Bock. Dieser schrieb „Es mögen die wundarztet des wegerichs gar ubel entrahten, zu dem wöllen die Phisici und ire köch, die Apotheker, wegerich auch nit emperen, ich geschweig, das beihnahe kaum ein Mensch ist, der da nit wisse wozu wegerich gut sei. Das sieht man in täglicher übung und erfahrung.“ (zitiert in Heilpflanzenkatalog im Internet)

Der Spitzwegerich enthält Iridoidglycoside wie Aucubin, Catalpol, Asperulosid, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Kieselsäure, Saponin. Er ist reizmildernd und leicht hustenlösend. Er wird gegen Katarrhe der Luftwege und entzündliche Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut eingesetzt. Die Wirksamkeit ist hier sowohl durch die einhüllende Wirkung der Schleimstoffe als auch durch die adstringierende Wirkung der Gerbstoffe sowie durch die antibakterielle Wirkung der Abbauprodukte der Iridoide (Aucubigenin aus Aucubin) zurückzuführen.
Ferner kann sie äußerlich bei entzündlichen Veränderungen der Haut, beispielsweise bei Insektenstichen, Brennnesseln, Neurodermitis verwendet werden oder auch bei sonstigen Entzündungen oder kleinen offenen Wunden. Gerade bei Wespenstichen oder Bienenstichen kann man schnell Spitzwegerich zerdrücken und den Saft auf die Einstichstelle reiben. Es entsteht keine Schwellung und auch die Schmerzen kann man dadurch umgehen. Da Wegerich fast überall zu finden ist, ist er oft die Notfallhilfe der ersten Wahl.

Innerlich angewendet ist der Spitzwegerich-Saft in Milch genommen ein blutreinigendes Mittel. Dazu nimmt man täglich 2 bis 3 Esslöffel. Darüber hinaus ist Spitzwegerich-Saft ein vorzügliches Mittel zur Behandlung von Lungen- und Darmverschleimung, Schwindsucht, inneren Blutungen, Durchfall und Schüttelfrost.

Zur Herstellung von Teeaufgüssen werden die Blätter oder das ganze Kraut gesammelt und getrocknet (die Drogenbezeichnung lautet für die Blätter: Folia Plantaginis lanceolatae und für das Kraut: Herba Plantaginis lanceolatae).

Für Spitzwegerichsaft presst man die frischen Blätter aus.
Für Spitzwegerichsirup kocht man die Blätter und Blüten zusammen mit Zucker und/oder Honig. Im österreichischen Arzneibuch (ÖAB) ist   eine Rezeptur für Spitzwegerichsirup (Sirupus Plantaginis, Plantaginis sirupus) aufgelistet, wobei die Spitzwegerichblätter (Folium Plantaginis, Plantaginis laceolatae folium) mit heißem Gereinigten Wasser (Aqua purificata) übergossen und ausgezogen werden; danach wird der wässrige Spitzwegerichauszug mit Rohrzucker (Saccharosum, Saccharum) zum Sirup verkocht und am Ende wird der Sirup noch mit einer alkoholischen Lösung von Parabenen konserviert. Der Bedarf der pharmazeutischen Industrie an der Droge ist hoch und wird im Wesentlichen aus umfangreichen Kulturbeständen gedeckt. Die pulverisierte Droge ist auch Bestandteil von Salben. Da das natürliche Antibiotikum bei der Teezubereitung oft zerstört wird, ist es sicherer, Presssäfte aus der Apotheke einzusetzen.

Gekochte oder frisch gekaute Spitzwegerich-Wurzel ist hilfreich bei Zahnschmerzen.

In Mangelzeiten nach den beiden Weltkriegen und während der Weltwirtschaftskrise war Salat aus wildwachsendem Spitzwegerich ein beliebter Ersatz für unerschwingliches oder nicht erhältliches Grünzeug.

Spitzwegerich wird als Würze für Kohl, Spinat und Pesto-Variationen empfohlen – (Focus 13.8.12)

In den bekannten schweizer Ricola-Kräuter-Husten-Bonbons ist Spitzwegerich enthalten.

Informationen
- wikipedia - engl plantago lanceolata

- Commons-Wiki

- Heilpflanzenkatalog - ⇒⇒ Spitzwegerich
- Naturlexikon ⇒⇒ Spitzwegerich

- www.floraweb.de - Spitzwegerich

- Pharmakobotanik   - Spitzwegerich

Heilpflanzen Spitzwegerich SWR Buffet, 22.9.2011 (link)

- xxx Spitzwegerich : Herbe Delikatesse aus der Natur- BZfE News 23.05.2018
Aid aktuell 41/09.10.2013 Gegen Husten und zur Wundheilung:Spitzwegerich - Arzneipflanze des Jahres 2014   / MDR-Nachrichten  26.9.13 link /

 

 

 

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