07/09/19

Margarine - (k)ein Ersatzlebensmittel

Margarine (Kunstbutter, über französisch acide margariqueMargarinsäure“ von griechisch μάργαρον, márgaron, oder μαργαρίτης, margarítēs „Perle“) ist ein industriell hergestelltes Streichfett. Sie wurde als Ersatzlebensmittel für Butter (und Schmalz) entwickelt. (⇒ Ersatz-Lebensmittel - Imitate). Von Anbeginn gab es heftige Diskussionen darüber ob Butter oder Margarine gesünder sei. Entsprechende Forschungsstudien, die oft Interessen-geleitet waren, und Marketingmaßnahmen begleiten die Geschichte der Margarine. Margarine ist heute kein Ersatzlebensmittel mehr, sondern eine eigenständige Lebensmittelgruppe.
Margarine ist eine Emulsion aus pflanzlichen und/oder tierischen Fetten sowie Wasser oder Magermilch mit einem Fettgehalt zwischen 80 % und 90 %. Zur Aromatisierung werden Säuerungsmittel wie Milchsäure, Zitronensäure, Sauermolke oder auch Joghurtkulturen beigemischt. Die gelbliche Farbe der Margarine stammt meist von zugesetztem Beta-Carotin. Verbreitet ist außerdem die nachträgliche Zugabe der fettlöslichen Vitamine A, D, K und E, da während der Herstellung die meisten natürlichen Vitamine zerstört werden. Der Energiegehalt ist mit rund 720kcal (=3000 kJ) je 100 Gramm etwa so hoch wie bei Butter.

Gemäß der europäischen Gesetzgebung (Verordnung (EU) Nr. 1308/2013) ist Margarine die Verkehrsbezeichnung für ein aus pflanzlichen und/oder tierischen Fetten gewonnenes Erzeugnis mit einem Fettgehalt von mindestens 80 % und weniger als 90 %, und Dreiviertelfettmargarine und Halbfettmargarine sind gesonderte Verkehrsbezeichnungen mit geringerem Fettgehalt.
Die Art und Zusammensetzung der zu verwendenden Öle und Fette ist nicht festgelegt. Sie dürfen sowohl pflanzlichen als auch tierischen Ursprungs sein. In der Regel sind 90 % der Fette pflanzlich, beispielsweise Erdnussöl, Sonnenblumenöl, Palmöl, Rapsöl, Sojaöl oder Weizenkeimöl. Zu den verwendeten tierischen Fetten gehören Rindertalg, Milchfett und Fischöl. Für die Zusatzbezeichnung „reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren“ werden mindestens 30 % Linolsäure verlangt, bei „besonders reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren“ sind es sogar 50 %. Zur leichteren Unterscheidung von Butter war auch bis 1985 der Zusatz von Stärke vorgeschrieben, damit durch die Iodprobe auf einfache Art Butter von Margarine zu unterscheiden war.
Es gibt verschiedene Sorten von Margarinen

Der ernährungsphysiologische Wert von Margarine ist umstritten. Über viele Jahre wurden vermeintliche gesundheitsförderliche Eigenschaften von den Unternehmen durch Werbung massiv kommuniziert. Viele Behauptungen wurden jedoch inzwischen eindeutig wissenschaftlich widerlegt, so dass von einem gesundheitlichen Nutzen der Margarine nur noch in Einzelfällen ausgegangen wird.
- Cholesterin-Debatte
- trans-Fettsäuren
- Vitamingehalt
- Zusatzstoffe/Kontaminationen - Nickel

Geschichte der Margarine

Industrielle Produktion - Konzentration am Markt

 

Informationen:
Wikipedia - Margarine  - (engl. margarine)

Margarine-Institut (von Unilever 1962 gegründet), Hamburg  (jetzt in Bonn)
www.margarine-institut.de - für gesunde Ernährung (gibt es nicht mehr)

Margarine - Test Aug 2017 - (Pressemeldungen wie Stuttgarter Nachrichten 31.07.2017)
Margarine-Test bei Oekotest Okt 2017

Ökotest Sep 2013 - Margarine + Streichfette (Schwerpunkt - ökologische + soziale/faire Produktionsbedingungen) 

Spiegel (24_1971): 30 Pfund zuviel können 10 Jahre kosten

Redensarten
Proleten-Butter

Birgit Pelzer, Reinhold Reith: Margarine: Die Karriere der Kunstbutter; Wagenbach (2001) (Besprechung im Spiegel 2.6.2001)

Geschichte der RAMA (link

Die Rama-Story. Die 75-jährige Erfolgsgeschichte von Deutschlands beliebtester Margarine, Hamburg 2000
Deutsche Union Lebensmittelwerke GmbH: 111 Jahre Fett nach Maß. Zeitdokumente von Napoleon bis heute erzählen die Geschichte der Margarine am Beispiel Rama, Sanella, Palmin, Hamburg 1980
Willi Bongard: Fetische des Konsums, Hamburg 1964
Birgit Pelzer/Reinhold Reith: Margarine. Die Karriere der Kunstbutter, Berlin 2001
Wolfgang Hars: Lurchi, Klementine & Co. Unsere Reklamehelden und ihre Geschichte, Frankfurt 2001 Weblink: www.rama.de

Die Diät-Margarine wurde 1958 erfunden. TAZ (25.01.2014) - Becel - Karl-Friedrich Gander

Barbara Anne Hendricks aus Kleve: Die Margarineindustrie am unteren Niederrhein im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, Bonn 1981, Tag der mündlichen Prüfung: 30. April 1980, Referent: Hans Pohl, Korreferent: Gerhard Adelmann https://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_Hendricks_ %28Politikerin%29 

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Uwe Spiekermann: Künstliche Kost. Ernährung in Deutschland, 1840 bis heute. Vandenhoek&Ruprecht, Göttingen, 2018, 948S (google book)  Kap.2.2.2. Neue Fette für das Volk: Die Margarine und die Folgen.

Klaus Henseler: Zum 150.Geburtstag der Margarine. (Reklamemarken-Sammlung. Eigenverlag, Cushaven, 2018, 154S (im Archiv)
Serie in der Agrarphilatelie - Vom Kuheuter zur veganen Kunstbutter - Teil 4 Heft 177 - Juli 2019

Napoleons billige Butter: Wie ein französischer Kaiser die Margarine erfinden ließ.   Spiegel Geschichte Nr.01/2019 - Wie essen die Welt prägte (Ernährungsgeschichte)  Spiegel Geschichte   S.191f  


Vegetarisch geht anders - 7. August 2019    https://zwergunwissend.wordpress.com/  (Klaus Henseler)

"Der Zwerg Unwissend streicht aufs Brot das sogenannte Streichfett – wie der Name es sagt. Früher hieß das Margarine, aber Margarine muß zu 80 Prozent aus pflanzlichen Ölen bestehen. Deshalb gibt es fast keine Margarine mehr, sondern nur noch Streichfette. Der Zwerg bevorzugt aus streichtechnischen Gründen Streichfett vulgo landläufig und verbraucherunkenntlich deklariert als Margarine. Der Namenstausch ist schon vor vielen Jahren erfolgt. Butter aus dem Eisschrank ist ihm immer zu hart und könnte deshalb – was die ältere Dame bestreitet – nur in Scheiben aufs sogenannte Butterbrot gelegt werden. Also. Dem Zwerg die Perlende, der älteren Dame die verdickte Milch aus der Kuhbrust (die beim Erfinder noch kleingehackt in sein Streichprodukt kam). Der Zwerg hat nie so genau die Verpackungsbeschriftung gelesen. Vor Jahren war ihm nicht aufgefallen, daß Sanella (zum Beispiel) kein Rahma hat (kleiner Scherz, haha). Und jetzt, jetzt erst, ist ihm aufgefallen, daß „Rama mit Butter“ einen Aufdruck auf der „Titelseite“, auf dem Deckel, aufweist, der direkt neben dem Zusatz „mit hochwertigem Rapsöl & bester Butter“ ein rundes Logo einer grünen Pflanze auf gelbem Grund zeigt: „vegetarisch“ steht im Logo und darunter ist’s auch zu lesen. Frei nach Shakespeare: Vegetarisch oder Nichtvegetarisch ist hier die Frage. Der Verbraucherschutz sollte mal die im Vergleich zum Logo irreführende Produktdeklaration lesen: „Milchstreichfett 70%, mit 62% pflanzlichen Ölen und 8% Milchfett. Zutaten: Pflanzliche Fette und Öle (Palm, 23% Raps), Trinkwasser (nicht wie Hamburger Bier schon dreimal getrunken, hofft der Zwerg), 10% BUTTER, BUTTERMILCH, …)“. Der Zwerg hat einmal gelernt: die Zutaten werden in absteigenden Mengen genannt, also ist mehr Palm (der Zusatz „Öl“ wird aus Platzgründen nicht aufgeführt, haha, Palm ist vermutlich gepreßtes Holz) als 23% Rapsöl enthalten. Von der Lesart her: 77% Palmöl. Von 100 Gramm Rama sind (gerundet) 43 Gramm Palmöl und 19 Gramm Rapsöl, dazu 6 Gramm Milchfett,  (ergibt 70% Milchstreichfett), dann kommt etwas weniger als 20 Gramm Wasser und 10 Prozent Butter bzw. Buttermilch. Der Rest (auf 100) sind allerlei erforderliche Zutaten. Der Zwerg meint und äußert sich und zwar drastisch: Das ist eine Verarsche hoch Drei. Denn erstens ist’s nicht „vegetarisch“ (viele Biermarken übrigens auch nicht!) und zweitens ist neben gutem Rapsöl schlechtes Palmöl enthalten. Muß man doch so lesen. Denn wenn’s gutes Palmöl wäre, würde man’s doch schreiben. Als Hersteller wird Unilever genannt (hatten die nicht weltweit das Margarinegeschäft für fast 7 Mrd. Euro an den Hedgefond KKR verkauft?) Na schön, na gut. Hauptsache, es läßt sich streichen.
 

 

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