04/05/20

Preiselbeeren - Vaccinium vitis-idaea - Kronsbeeren

Die Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Heidelbeeren (Vaccinium). Sie ist in Eurasien und Nordamerika weit verbreitet. Die sogenannte „Kulturpreiselbeere“ ist keine Preiselbeere, sondern die Großfrüchtige Moosbeere (Vaccinium macrocarpon), auch Cranberry genannt, mit anderer, am Boden kriechender Wuchsform und deutlich anderem Geschmack. Allerdings werden daneben auch echte Preiselbeeren kultiviert und gärtnerisch angebaut.
Der Name Preiselbeere (als Variante auch: Preißelbeere, Preuselbeere, Prasselbeere) stammt wahrscheinlich aus einer slavischen Sprache, er leitet sich ab von brusina, brusnice: braunrot, nach der Farbe der Beeren. Der in Nordwest-Deutschland verbreitete Ausdruck Kronsbeere wird gedeutet als Kranich-Beere, andere leiten ihn von Krone, nach den kronenförmig auf der reifen Beere erhalten bleibenden Kelchzipfeln ab. Der Name Riffelbeere (auch schweizerisch Riffli) bezieht sich auf die früher übliche Ernte mittels grober Metall- oder Holzkämme, mit denen die Beeren vom Strauch abgestreift wurden. Griffelbeere, auch in Graubünden Griffle oder Gryfeln, im Wallis Grefle, besitzt vermutlich dieselbe Herleitung. Es gibt zahlreiche weitere regionale Namen, wie Braunschnitzer (Thüringen), Graslitzbeer (Egerland und Erzgebirge), Granten (auch Grandlbeer, Granken, Kranklbeer) (Bayern und Österreich), Klusterbeere (Wesertal), Fuchsbeeri (Schweiz), Kreuzbeer (Tirol), Dröppelkes (Westfalen) und zahlreiche andere z.B. Benitschken.

Die Preiselbeere wächst als immergrüner, kompakter, aufrechter bis kriechender Zwergstrauch und erreicht Wuchshöhen zwischen 10 und 40 Zentimeter. Die oberirdischen Pflanzenteile sind flaumig behaart. Sie wurzelt bis einen Meter tief. In den Alpen wächst sie bis in Höhen von 2000 Metern.

Preiselbeeren werden seit prähistorischen Zeiten wild besammelt. Die Nutzungsgeschichte ist aber -wie bei vielen Wildpflanzen -  schlecht erforscht. Die Beeren wurden von Hand gepflückt oder durch rechenartige Werkzeuge abgestreift; dies wurde teilweise als schädlich für die Pflanze verboten, soll aber nach einem Gutachten der Schwedischen Akademie der Wissenschaften von 1918 unschädlich sein. Die Beeren besaßen Bedeutung zur Vitamin- und Nährstoffversorgung im Winter, vor allem, weil sie von allen vergleichbaren Beeren am längsten haltbar sind; sie können bis ins Folgejahr getrocknet ohne Zuckerzusatz aufbewahrt werden. Wild besammelte Preiselbeeren sind bis heute auch ökonomisch von Bedeutung. In Neufundland und Labrador in Kanada werden jährlich im Durchschnitt 96.500 Kilogramm wilde Preiselbeeren geerntet, was die Region zum größten Anbaugebiet in Nordamerika macht. Sie werden überwiegend tiefgefroren und exportiert.

Der Anbau begann mit wenigen Hektar in Skandinavien, Anfang der 1960er Jahre in Schweden, zur Produktion von Preiselbeer-Marmelade. In Schweden sind Preiselbeeren "das rote Gold". Weitere Anbauschwerpunkte lagen in der früheren Sowjetunion, in Weißrussland und im Baltikum. Die Zuchtversuche in Deutschland begannen 1973 an der Universität Weihenstephan. Dort wurden aus Wildlinien die Sorten ‘Erntedank’, ‘Erntekrone’ und ‘Erntesegen’ gezüchtet sowie die holländische ‘Koralle’ weitereredelt, es wurden Methoden der vegetativen Vermehrung perfektioniert und eine Erntemaschine entwickelt.  Die deutsche Anbaufläche lag Ende der 1980er Jahre bei etwa 35 Hektar. Anfang der 1990er Jahre wurden knapp 50 Hektar Preiselbeeren angebaut, nur etwa ein Zehntel der Fläche mit Kulturheidelbeeren. Die wirtschaftliche Bedeutung der Preiselbeere in der Produktion der nordwestdeutschen und holländischen Baumschulen geht zurück, da sie in der Fruchtproduktion zunehmend durch die amerikanische Moosbeere verdrängt wird.

Die Preiselbeere ist in der Küche eine weithin geschätzte und beliebte Frucht, vor allem als Beilage zu Wildgerichten und Wiener Schnitzel. Wegen ihres herbsauren Geschmacks, der auf den hohen Anteil von Fruchtsäuren zurückgeht, wird sie allerdings nur selten roh gegessen, sondern meist als Zubereitung in Form von Kompotten und Marmeladen. Die säuren (einschl. Vitamin C) wirken konservierend, so sind Erzeugnisse aus Preiselbeeren meist gut haltbar.
Die Früchte enthalten neben Vitamin C auch andere Vitamine (B1, B2,  Beta-Karotin, u.a) und Mineralstoffe vor allem Kalium, Calcium und Magnesium. Ihr Gehalt an Anthocyan lässt annehmen, dass der Genuss der Beeren oder des Saftes vor Nieren- und Harnblaseninfektionen schützt, da sie möglicherweise das Einnisten der Bakterien in der Schleimhaut verhindern. Auch zur Senkung des Cholesterinspiegels und bei der Behandlung rheumatischer Erkrankungen kann die Pflanze eventuell von Nutzen sein.

Die getrockneten Blätter (= Blattdroge) sind im Arzneibuch gelistet und werden als Vitis-Idaeae folium (lat. folium = „Blatt“) bezeichnet. Sie werden unter anderem als Ersatzdroge für die Blätter der Bärentraube (Uvae-Ursi Folium) verwendet.

Informationen:
- wikipedia -  engl. Vaccinium vitis-idaea -

Die Preiselbeere. BZfE News 08.08.2018
Preiselbeere - link bei http://www.obst-gemuese.at  -
Preiselbeeren - link bei www.lebensmittel-warenkunde.de  -
Preiselbeeren - link bei www.kuechengoetter.de  -

Preiselbeere - link bei www.heilkraeuter.de  -

Preiselbeeren helfen, das Risiko von Harnweginfektionen um 32% zu verringern - link bei www.freshplaza.de 27.09.2017 ⇒⇒ Cranberries - link bei www.health.com 21.09.2017

Anne Kivimäki: Ligonberry juice, blood pressue, vascular function and inflammatory markers in experimental hypertension. Dissertation, Unibersity Helsinki, Faculty of Medicine, 2019  (download)  (ref. FoodNavigator 14.01.2020)

- Bilder bei www.akg-images.de -

Preiselbeeren sind auch Briefmarkenmotive in eine Reihe von Ländern, besonders in Finnland und Schweden.

 

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