04/28/20

Sanddorn - die Zitrone des Nordens

Sanddorn (Hippophae rhamnoides), auch Fasan(en)beer(e), Haffdorn, Seedorn und häufig „Zitrone des Nordens“ genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Sanddorne (Hippophaë) innerhalb der Familie der Ölweidengewächse (Elaeagnaceae). Der botanische Gattungsname Hippophae enthält die beiden griechischen Wörter hippos (Pferd) und phaes (leuchtend). 
Die orange gefärbte Früchte des Sanddorns sind für ihren hohen Vitamin-C-Gehalt bekannt und werden insbesondere zu Nahrungsmitteln und Getränken sowie zu Hautpflegeprodukten verarbeitet.
Die ursprüngliche Heimat des Sanddorns befindet sich in Nepal. Eiszeitliche Verschiebungen führten dann zur weiteren Verbreitung.  Sein Verbreitungsschwerpunkt liegt in Ost- und Westasien und umfasst sowohl Sibirien als auch die Volksrepublik China. Das europäische Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Mitteleuropa von den Pyrenäen über die Alpen und das Alpenvorland bis zum Kaukasus. Es umfasst das nordwestliche Europa und findet dort seine nördliche Grenze in Norwegen. Die weite Verbreitung zeigt sich in den verschiedenen Namen: Haffduurn (Haff für Ostseebucht), Griesbeer (Griez für Sand in Tirol), Audorn (Tirol),  Doorn (Insel Juist), Durnbusch (Hiddensee), Fürdorn (Baden), Besingstrauch (Brandenburg), Fasanbeer (Salzburg), Amritscherl (Niederösterreich: Kritzendorf), Tubakröhrlistude (Graubünden), Weisseldern (Mals), Korallen- und Meerbeere (Schweiz).

Der Sanddorn wächst als sommergrüner Strauch und erreicht Wuchshöhen von 1 bis 6 Metern. Die Zweige des Sanddorns bilden verdornte Kurztriebe aus und erscheinen, ähnlich wie die Knospen. Er verfügt über ein tief- und weitreichendes Wurzelsystem, das sich 1,5 bis 3 Meter in die Tiefe und in waagrechter, bzw. schräger Richtung bis zu 12 Meter nach allen Seiten erstreckt. Dies sorg für eine feste Verankerung.
Der Sanddorn ist zweihäusig (diözisch) und blüht vor dem Laubaustrieb. Die kleinen gelblichen, eingeschlechtigen Blüten werden in Mitteleuropa ab März sichtbar und die Blütezeit erstreckt sich von März bis Mai. Von Anfang August bis Anfang Dezember bringt die Pflanze die kennzeichnenden 6 bis 8 Millimeter langen, ovalen, orangeroten bis gelben Früchte hervor, die botanisch als Schein-Steinfrüchte bezeichnet werden. Sie entwickeln sich zahlreich an den Zweigen der weiblichen Sträucher und bilden sich unter Beteiligung der bei Reife fleischig werdenden Kelchröhre, die den einzigen Samen pro Frucht umgibt. Das Fruchtfleisch weist eine dünn-breiige Konsistenz auf und enthält ätherische Öle. Die Fruchthaut erscheint durch platte, schildförmige Schuppenhaare getüpfelt. Die steinartigen, außen braun gefärbten Samen sind länglich-rund geformt und besitzen einen weißen Kern. Sie sind 2,8 bis 5,3 Millimeter lang und ihre Breite variiert von 1,4 bis 2,7 Millimeter. Sie benötigen Licht und Kälte zur Keimung.
Der Sanddorn bevorzugt kalkhaltige Sand- und Kiesböden in sonnigen Lagen in Höhenlagen von der Ebene bis zu 1800 Metern in den Alpen und 5000 Metern in Asien. Er besiedelt gern lichte Kiefernwälder und Verlichtungen in Kiefer-Trockenwäldern. Trockene Flussauen und Schotterfluren zählen ebenso wie felsige Hänge und kiesige Ufer von Gebirgsbächen zu seinen üblichen Standorten. Als Pionierpflanze ist er an Meeresküsten, insbesondere auf festgelegten Dünen, aber auch in Steppen eine häufig anzutreffende Art.

Die Sanddornbeeren werden als Nahrungsmittel genutzt. Sie werden heute in einer breiten Produktpalette angeboten. Aufgrund schwieriger Erntebedingungen und einer langen Anlaufphase von etwa sechs bis acht Jahren bis zur ersten Ernte ist Sanddorn ein relativ teurer Rohstoff. Sie sind sehr nährstoffreich, so weisen sie einen ungewöhnlich hohen Vitamin-C-Gehalt auf. Abhängig von der jeweiligen Sorte variiert dieser zwischen 200 und 900 mg pro 100 g Fruchtfleisch. Damit wird der durchschnittliche Vitamin-C-Gehalt von 50 mg pro 100 g bei Zitronen oder Orangen mehrfach überschritten. Sanddornbeeren enthalten zusätzlich in nicht geringen Mengen Beta-Karotin und Gerbstoffe. Sanddorn enthält in geringen Mengen auch Vitamin B12, welches sonst fast ausschließlich in tierischer Nahrung vorkommt. Dieses entsteht durch eine Symbiose mit Bakterien auf der Außenschale der Früchte. Sanddornfruchtfleisch enthält zwischen drei und fünf Prozent Öl. Sanddornöle (Kern- und Fruchtöl oder gemischt) sind reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, haben einen sehr hohen Anteil Carotine und vereinigen praktisch den gesamten Vitaminkomplex in sich. Es enthält zudem einen hohen Anteil an Palmitoleinsäure.
Für den Frischverzehr hat Sanddorn eher eine geringe Bedeutung. Ansonsten existieren ähnliche Verwendungsmöglichkeiten wie bei anderen Beerenfrüchten, wobei die Verwendung als Fruchtmus, Fruchtsaft und, in getrockneter Form, als Gewürz herausragt. Als Getränk wird Sanddorn als orangefarbener dicker Fruchtsaft, Nektar und als Bestandteil von Mixgetränken und Cocktails angeboten. Die Beeren werden auch zu alkoholischen Getränken wie Obstwein und Likör (Fasanenbrause) verarbeitet. Sanddornfrüchte werden traditionell auch als aromatische Zutat in Kräuter- und Früchtetees verwendet. Auch Konfitüre oder Fruchtaufstrich kann aus Sanddorn hergestellt werden.
Sanddorn wird als Superfood vermarktet.
Die Kerne werden gleichermaßen zur Gewinnung von hochwertigem Pflanzenöl für Hautpflegeprodukte und Nahrungsergänzungsmittel verwendet, wie auch das aus Herstellersicht wertvollere Fruchtfleischöl.
In der Naturheilkunde werden Sanddornfrüchte und Sanddornkernöl bei Anfälligkeit auf Erkältungskrankheiten, bei fieberhaften Infektionen sowie in der Rekonvaleszenz. Das Öl  fördert die Wundheilung, diese Eigenschaft wird in Osteuropa schon lange zur Heilung von Strahlenschäden z. B. durch Röntgenstrahlen oder bei Sonnenbrand genutzt. Der versuchsweise Einsatz bei Neurodermitis war dagegen nicht überzeugend. In Mitteleuropa ist Sanddornkernöl neuerdings in zahlreichen Kosmetikprodukten enthalten. Auch bei der Vorbeugung von trockenen oder geröteten Augen kann Sanddorn effektiv genutzt werden. Auf der Haut können Hautdefekte und Juckreiz mit Hilfe von Sanddorn behandelt werden. Auf die Funktion der Nieren kann Sanddorn positive Effekte ausüben und schützt die Nieren vor schädigenden Einflüssen.

Im Landschaftsbau wird der Sanddorn gerne als Heckenpflanze und Vogelnährgehölz verwendet. Als Wintersteher bietet er zudem in der dunklen Jahreszeit einen hohen Zierwert. Für eine Ansiedlung in kleineren Zier- oder Nutzgärten ist der Sanddorn weniger geeignet, da durch seine ausgeprägten Wurzelsysteme andere Pflanzen verdrängt werden und eine Eindämmung schwierig ist. Der Sanddorn zeichnet sich durch Windbeständigkeit, Salztoleranz und ein weitreichendes Wurzelsystem aus. Er wird daher gerne zur Bodenbefestigung sandiger Standorte wie Dünen, Fluss- und Küstengebiete eingesetzt.
Das Holz des Sanddorns zeichnet sich durch einen schmalen gelben Splint und lebhaft braunen Kern aus. Es ist dauerhaft, feinfasrig, mittelschwer und gut polierbar und findet als Drechsler- und Brennholz Verwendung.

Informationen:
- wikipedia - engl sea-buckthorn

Der Sanddorn ist reif: Kleine Ernte, feiner Geschmack. BZfE News 12.09.2018
Sanddorn ist reif. aid akutell 21.09.2016 - 19.08.2015 - Sanddorn - frisch, säuerlich, herb / 5.9.12 - Die Zitrone des Nordens

Forscher rätseln über Sanddorn-Sterben. Deutschlandfunk 10.10.2019 - Der Tod der Beeren. TAZ 11.11.2019 + Sanddorn schützt die Küsten, entstresst die Zellen – und ist ein Produkt der DDR (link)

Was Sanddorn so gesund macht. dpa/tmn-Meldung 03.01.2018 z.B. Rhein-Zeitung + Frankf Neue Presse;  mit Buchhinweis: Löser, E.+F.: Der Sanddorn. Herkunft, Anwendung und Rezepte, Demmler Verlag, 128 S, ISBN-13-9783944102030

Allroundtalent Sanddorn: Kleine Beere ganz groß. Nestlé Ernährungsstudio 09/2017  ⇒ (Hinweise auf:
Olas, B: Sea buckthorn as a source of important bioactive compounds in cardiovascular diseases. Food Chem Toxicol. 2016 Nov;97:199-204. doi: 10.1016/j.fct.2016.09.008. Epub 2016 Sep 9
Suryakumar, G., Gupta, A.: Medicinal and therapeutic potential of Sea buckthorn (Hippophae rhamnoides L.). J Ethnopharmacol. 2011 Nov 18;138(2):268-78. doi: 10.1016/j.jep.2011.09.024. Epub 2011 Sep 22.
Xing, J. et al.: Effects of sea buckthorn (Hippophaë rhamnoides L.) seed and pulp oils on experimental models of gastric ulcer in rats.  Fitoterapia  73(7-8): 644-650 (Dec 2002)
Jadoon, S. et al.: Anti-Aging Potential of Phytoextract Loaded-Pharmaceutical Creams for Human Skin Cell Longetivity. Oxid Med Cell Longev. 2015;2015:709628. doi: 10.1155/2015/709628. Epub 2015 Sep 10.

- Sandorn bei www.fid-gesundheitswissen.de
- Welche Produkte gibt es mit Sandorn? link bei www.edeka.de
- Sandorn bei www.essen-und-trinken.de

Sanddorn – Das Vitaminwunder von der Küste (Mecklenburg-Vorpommern. Focus 16.09.2013

Stachlige Herbstgenüsse - Slow Food Magazin Nr.06_2013, S.27-29

Der Sanddornstrauch (Hippophaë rhamnoides) in Rosemarie Gebauer: Sammelnüsschen und Panzerbeeren (Von Apfelbaum bis Zitrusfrucht) :Transit, Berlin 2017, S.56-58 (im Archiv) - Wurzeln bis 12m tief, andere Namen: Wehdorn, Stechdorn;  Schale der Früchte - ätherische Öle (Sanddorn-Kosmetika)

 Weitere Nutzung auch in der Kosmetik - Sanddorn-Öl ("Naturdrogerie) - Diplomarbeit Zeitlhöfler - http://www.alnatura.de/g16500.php  (nicht mehr gültig 09/13) (jetzt - download hier)

- link bei www.akg-images.de -

Der Sanddornstrauch (Hippophaë rhamnoides) S.56-58S in Rosemarie Gebauer: Sammelnüsschen und Panzerbeeren (Von Apfelbaum bis Zitrusfrucht) :Transit, Berlin 2017 (im Archiv)
- Wurzeln bis 12m tief
andere Namen: Wehdorn, Stechdorn;  Schale der Früchte - ätherische Öle (Sanddorn-Kosmetika)

Sanddorn gibt es auch auf Briefmarken: