05/12/14

Affenbrotbaum - Adansonia digitata - Baobab

Der Affenbrotbaum (Adansonia digitata) zählt zur Unterfamilie der Bombacoideae in der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Sein Vorkommen beschränkt sich auf die Steppengebiete Australiens und Afrikas, dort heißt er Baobab. Er gehört zu den bekanntesten und charakteristischsten Bäumen des tropischen Afrika.Bei uns wird der Affenbrotbaum, der Johannisbrotbaum, der Pfennigbaum, der Schirmakazie und selbst die deutsche Eiche, im alltäglichen Sprachgebrauch, fälschlicherweise synonym verwendet.

Der Affenbrotbaum zeichnet sich durch einen relativ kurzen, extrem dicken Stamm aus. So steht in Südafrika im Letaba-Distrikt ein Affenbrotbaum, der bei einer Höhe von 19 Metern einen Stammdurchmesser von 10,64 Metern aufweist. Er wird bis zu 800 Jahre alt.
Durch den Menschen wurde der Baobab in anderen Regionen eingeführt  So ist sein Vorkommen in Arabien und in Indien vermutlich auf arabische Händler zurückzuführen, die den Baum in der Volksmedizin nutzten und ihn in Indien und Arabien bereits im 13. Jahrhundert einführten. Seit 2001 wird Adansonia gregorii in Australien angebaut, um essbare Wurzeln und Blätter von Jungpflanzen zu verwerten. (Origins of Australian Boab -link - Univ Queensland)
Die an Stielen herunterhängenden Früchte erreichen eine Länge zwischen 25 und 40 Zentimetern. Sie verfärben sich während des Reifungsprozesses von grün über gelb in ein Graubraun.
Das auch für den Menschen essbare Fruchtfleisch ist weiß, und reich an Vitamin C, Vitamin B und Calcium, schmeckt aufgrund des Vitamin C-Gehalts säuerlich. Im Fruchtfleisch eingebettet sind die Samen der Früchte, die gleichfalls essbar sind. Sie sind haselnussgroß, nierenförmig und sehr fettreich.
Das getrocknete Fruchtfleisch wird nach Entfernung der Samen und Fasern entweder unverarbeitet gegessen oder in Milch oder Breie gemischt. Es kann außerdem zu Bier vergoren werden. Im Sudan wird aus Fruchtfleisch mit Wasser ein Getränk unter dem Namen Tabaldi hergestellt.
Aus den fettreichen Samen gewinnt man durch Pressen ein Öl, welches reich an Palmitinsäure ist und nicht schnell ranzig wird. Das Samenpulver dient zum Andicken von Suppen. Die Samen werden auch geröstet gegessen oder fermentiert als Gewürz verwendet.
Die Blätter des Affenbrotbaums werden außerdem als Gemüse (enthalten 3,8g Eiweiß; 50mg Vitamin C pro 100g) genutzt, indem sie wie Spinat zubereitet entweder frisch gegessen oder getrocknet und pulverisiert werden.
In Nigeria werden die Blätter als kuka bezeichnet. Kuka-Suppe ist eine für dieses Land typische Spezialität.
Die Wurzeln werden in Westafrika während der Hungerzeit gekocht und gegessen. Die Temne brauen aus einen Sud gegen Fettleibigkeit. In Ostafrika wird ein roter Farbstoff hergestellt. Aus der faserigen Wurzelrinde werden Schnüre, Fischnetze, Fußmatten usw. hergestellt.
Die San, Bewohner der Kalahari-Wüste, zapfen direkt den Wasservorrat der Bäume an, um ihren Flüssigkeitsbedarf zu decken.
Die Höhlungen des Baumes werden als Speicher für Getreide und Wasser verwendet, aber auch als Stall, Kühlraum, Wohnung, usw. Die Rinde findet als Dachbedeckung Verwendung
Der Baum liefert darüber hinaus Material für Kleidung, Halsschmuck, Schnüre und Seile, Netze, Matten, Hüte, Tabletts, Kisten, Körbe und Papier. Verwendet werden dafür die Fasern des inneren Bastes, die sehr dauerhaft und kräftig sind. Sie werden gewonnen, indem die Rinde der Bäume abgeschält wird. Ähnlich wie bei Korkeichen regeneriert sich die Rinde wieder, so dass die Bäume wiederholt als Bastlieferant genutzt werden können. Der Pollen ergibt vermischt mit Wasser einen Klebstoff. Aufgrund des hohen Pottascheanteils wird aus der Asche verschiedener Baumteile außerdem Seife hergestellt.
In der afrikanischen Volksmedizin findet nahezu jeder Teil des Affenbrotbaums Verwendung. So werden die Früchte beispielsweise gegen Infektionen und Krankheiten wie Pocken und Masern eingesetzt. Die Blätter werden bei Erkrankungen wie Ruhr, Diarrhöe, Koliken und Magen-Darm-Entzündungen eingenommen. Die Samen finden Verwendung als Herzmittel, bei Zahnschmerzen, Leberinfektionen und Malaria-Erkrankungen.
Forstwirtschaftlich wird der Affenbrotbaum dagegen nicht genutzt. Aufgrund seiner Elastizität ist das Holz nur schwer mit der Axt zu bearbeiten und verrottet sehr schnell.
Die kommerzielle Nutzung des Boababs besteht hauptsächlich auf die Herstellung von Fruchtsäften und Süßwaren, sowie Korbwaren für den Tourismus. (z.B. Baobab Fruit Company Senegal - website der BFCS).
(Wappen von Senegal mit Baobab-Baum - wikipedia)

Ähnlich der Rolle, die früher Linden und Eichen im mitteleuropäischen Dorfleben innehatten, spielt der Affenbrotbaum außerdem im afrikanischen Leben eine große Rolle. An zentral gelegenen Bäumen finden in vielen Dörfern Märkte, Verhandlungen und sonstige soziale Ereignisse statt. 

Aufgrund seines Aussehens ranken sich mehrere Legenden um den Affenbrotbaum. Nach einer in Afrika weit verbreiteten Vorstellung riss der Teufel den Baum aus und steckte ihn anschließend mit den Zweigen zuerst in den Boden, so dass die Wurzeln nun in die Luft ragen. Einer anderen Erzählung zufolge wollte der Baum bei seiner Entstehung schöner als alle anderen Bäume werden. Als ihm dies jedoch nicht gelang, steckte er seinen Kopf in die Erde und das Wurzelwerk ragte gegen den Himmel. Als Sitz von Göttern und Geistern spielt er außerdem in einer Reihe weiterer afrikanischer Legenden und Sagen eine Rolle.
In der modernen westafrikanischen Literatur steht der Baobab häufig als ein Symbol des traditionellen afrikanischen Lebens und der unberührten, ewigen Natur. Orte mit "heiligen" Baobabs werden oftmals als Sinnbild des Garten Eden verwendet.
Auch in die europäische Kinderliteratur hat der Baum Eingang gefunden. In Antoine de Saint-Exupérys Geschichte Der Kleine Prinz sorgt sich dieser, dass Baobabs seinen kleinen Asteroiden überwuchern und mit ihrem Wurzelwerk sprengen könnten: „Die Affenbrotbäume beginnen damit klein zu sein, bevor sie groß werden.“

Informationen
Wikipedia - Afrikanischer Affenbrotbaum - engl. adansonia digitata
-- Baobab-Frucht -
-- www.affenbrotbaum.org -
Adansonia digitata in Brunken, U., Schmidt, M., Dressler, S., Janssen, T., Thiombiano, A. & Zizka, G. 2008. West African plants - A Photo Guide. www.westafricanplants.senckenberg.de
-- Gebauer, Jens:Ökophysiologie und Verwendungsmöglichkeiten der Wildobstarten Adansonia digitata und Tamarindus indica im Sudan  Dissertation 2003 (TU Berlin) (link)
-- Hines,DA, Eckmann, K. Indigenous multipurpose trees of Tanzania: Uses and economic benefits for people, FAO, 1993 - link
- Adansonia digita bei www.plantzafrica.com
- UNCTAD (2005): Market Brief in the European Union for selected natural ingredients derived from native species. Adansonia digitata L. Baobab.(link)
- G.P.P. Kamatou, I. Vermaak, A.M. Viljoen:  An updated review of Adansonia digitata: A commercially important African tree . S.African J Botany 77: 908-919 (2011) (Download - im Archiv)
2016 Berichte gelesen - Vermarktung als Superfood - link bei www.watson.ch -
-Baobab - neue Superfrucht vom Affenbrotbaum.   link bei www.fruchtportal.de 25.01.2017 -
- Barbara Simonsohn: Baobab Superfood. Windpferd Verlag , 2015
Meinhold, K. et al.: Der Baobab-Baum und sein Beitrag zur Ernährungssicherung in Ostafrika. Das BAOFOOD-Projekt. Ernährung im Fokus Sep/Okt 2018, S.313-317 (Literaturverzeichnis) - www.baofood.de -
Baobab – Baum des Lebens in Afrika: Affenbrotbaum vielseitiger nutzen. BZfE News 14.11.2018 -

Pascal Maitre: Baobab der Zauberbaum. Edition Lammerhuber, Baden b Wien, 2017 -  

- A. de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz und sein Affenbrotbaum (link) -link bei www.baobabstories.com 

Musik: Orchestra Boabab aus Senegal (wikipedia)

Der Afenbrotbaum ist auch auf Briefmarken zu finden.

 

 


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