10/16/25
Astrocaryum vulgare ist eine Palmenart. Sie ist im Amazonasgebiet heimisch. Die essbaren Früchte der Art werden zur Ölgewinnung genutzt. Trivialnamen sindTucum oder Tucumã-do-Pará in Brasilien, Aouara in Französisch-Guayana, Wara Awara in Guyana, Awarra in Suriname.
Die Gattung Astrocaryum umfasst etwa 40 Arten, von denen in Brasilien 26, in Französisch-Guayana 8 und in Suriname 9 vorkommen. Astrocaryum vulgare wächst im östlichen Amazonasgebiet, in Brasilien und den Guyanas.
Die Art wächst im Regenwald, ist aber im Sekundärwald weitaus häufiger und gilt in Wäldern als Störungszeiger. Sie meidet Gewässerufer. Häufig findet man sie im direkten Umfeld menschlicher Ansiedlungen auf Terra preta, wo sie wegen ihres Nutzens gefördert wird. Die Art ist sehr resistent gegenüber Feuer und kommt so auch nach Brandrodungen eingestreut in Weideland vor. Nach Fällen treibt sie aus dem Wurzelstock wieder aus. Die Tucumã-Palme gilt als Pionierpflanze mit aggressivem Wachstum und hat die Fähigkeit, neue Triebe nach einem Brand zu bilden. Samen brauchen bis zu zwei Jahren, um zu keimen. Die Palme wächst langsam und beginnt erst nach acht Jahren Früchte zu bilden. Die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und die hohe Produktivität machen diese Art zu einer Alternative für die Produktion von Biodiesel, da die Betriebskosten einer Plantage viel geringer als bei der Ölpalme sind.
Die Art bildet büschelartige, mehrstämmige Gruppen aus dicht zusammenstehende, schlanken Stämmen, seltener einzeln stehende Stämme aus. Sie erreicht Wuchshöhen zwischen vier und neun (selten zehn) Metern und Durchmesser von etwa 10 bis 20 Zentimeter. Die Blattnarben am Stamm sind kreisförmig. Die Stämme tragen dicht stehende, schwarz gefärbte unregelmäßige, etwas abgeflachte Stacheln von bis zu 22 Zentimeter Länge. Die acht bis sechzehn starren Blätter besitzen eine Achse (Rachis) von etwa drei bis vier Meter Länge, der Blattstiel einschließlich der Scheide erreicht zwei Meter Länge, beide sind wie der Stamm bestachelt, wobei die Stacheln zur Spitze (Apex) des Blattes hin seltener werden. Die Blütenstände sitzen aufrecht zwischen den Blättern, sie sind von scheidenartigen Hochblättern umgeben, die eine Spatha bilden, das äußere erreicht etwa einen, das innere zwei Meter Länge, sie sind bräunlich gefärbt. Die glatte Frucht ist rundlich-eiförmig und reif leuchtend orange gefärbt. Sie erreicht etwa 4,5 cm Länge bei 3,5 cm Durchmesser. Sie ist am Ende etwas zugespitzt. Der Fruchtbecher ist flach und besitzt etwa 2 Zentimeter Durchmesser. Das orangefarbene ölhaltige Fruchtfleisch ist fleischig-faserig, darin sitzt ein dünnes, steinhartes Endokarp von etwa drei Millimeter Dicke. Die Früchte besitzen einen, selten zwei Samen. Im Durchschnitt wiegt die Frucht 30 Gramm. 34 % dieses Gewichtes entspricht der Fruchtpulpe, die 14 % bis 16 % Öl (Tucumöl) enthält. Ein ausgewachsenes Palmenexemplar kann bis zu 50 kg Früchte pro Jahr produzieren. Im Durchschnitt rechnet man 25 kg Früchte, das etwa 2,5 kg Öl aus der Fruchtpulpe und 1,5 kg aus dem Kern entspricht. Auf einem Hektar Land können 400 Palmen mit jeweils drei produzierenden Stämmen gepflanzt werden. Insgesamt entspricht dies 1200 Palmenstämmen und führt zu einem Ertrag von 4,8 Tonnen Öl pro Hektar.
Die Samenschale wird vor allem von indigenen Amazonasbewohnern für die Herstellung von schwarzen Ringen verwendet. Im 18. Jahrhundert galt dieser Ring als Symbol der Ehe für Sklaven und Eingeborene, die es sich nicht leisten konnten, Gold zu kaufen. Darüber hinaus war der Ring auch ein Symbol der Freundschaft und der Widerstand gegen die bestehende Ordnung – die Freiheitskämpfer. Heutzutage werden diese Ringe von katholischen Missionaren als Symbol der Solidarität mit den Armen und Unterstützung im Kampf für Gleichberechtigung, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte getragen. Einige Amazonasvölker verwendeten sie außerdem für abgestumpfte Pfeilspitzen, die im Flug einen Pfeifton erzeugen.
Die faserigen Blätter werden, zum Korbmachen, verwendet. Einige indigene Völker verwenden auch Wurzelextrakte zu volksmedizinischen Zwecken.
Informationen:
- wikipedia - engl. Astrocayum vulgare -
Astrocaryum gynacanthum: Ein umfassender Anbauleitfaden für Liebhaber und Sammler. link bei www.viriar.com 24.03.2025
Es gibt eine Briefmarke mit Astrocaryum vulgare:
Guyana (18.11.1974) Weihnachten: Pflanzen und Früchte. - Dianthera pectoralis (Abb) - Carambola (Astrocaryum tucumoides) (Abb) - Papau, Tangerine (Abb) - Ananas, Sapotillas (Abb) (Satz) (Block)