06/27/17

Cranberry - Die Moosbeere

Die Großfrüchtige Moosbeere (Vaccinium macrocarpon, Syn.: Oxycoccus macrocarpos) − niederdeutsch Kraanbeere oder Kranbeere (von kraan, Kranich, deswegen auch Kranichbeere) − ist vor allem unter der englischen Bezeichnung Cranberry bekannt. Sie ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Heidelbeeren (Vaccinium) in der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Die englische Bezeichnung cranberry leitet sich aus crane berries („Kranichbeeren“) ab, da die Staubfäden der Blüten einen Schnabel bilden, der die ersten europäischen Einwanderer Amerikas an einen Kranichschnabel erinnerte.
Moosbeeren sind in Europa, Asien und Nordamerika heimisch, wobei die Amerikanische Kranbeere Vaccinium macrocarpon robuster und weniger rund ist als die eurasisch-nordamerikanische Gewöhnliche Moosbeere Vaccinium oxycoccos.
Es sind etwa 130 Sorten der Kranbeere bekannt, teils mit dunkelrot bis schwarz gefärbten Früchten. Kommerziell angebaut werdem nur ca. 10 Sorten, zu den wichtigsten Sorten zählen Ben Lear, Early Black, Howes, McFarlin und Searles.

Die Amerikanische Cranberry  wird in den USA, vor allem in Neuengland, großflächig angebaut und vermarktet. Unter anderem gelten die Beeren als unverzichtbarer Bestandteil des Thanksgiving-Menüs.
In Deutschland wird sie im Handel manchmal  mit dem irreführenden Namen „Kulturpreiselbeere“bezeichnet, da sie im Aussehen den Preiselbeeren ähnlet,  sie schmeckt aber deutlich anders. Sie ist herb und sehr sauer.

Die Moosberen sind immergrüne Zwergsträucher, die sich mit fadenförmig niederliegenden Zweigen am Boden kriechend ausbreitet. Die älteren Abschnitte der fadenförmigen Zweige liegen dem Boden auf und bewurzeln sich auf ganzer Länge, die Enden der Zweige sind dagegen aufrecht gestellt. Die Zweige wachsen unbegrenzt weiter (bis zu 1 m pro Jahr). Einzelpflanzen sind nicht zu erkennen, der Moosbeeren-Bestand hat eine rasenartige Struktur. Die Blüten sind rosa-weiß mit stark zurückgeschlagenen Kronblättern. Die Früchte sind in der Größe vergleichbar mit kleineren Kirschen (also größer als Preiselbeeren). Die reifen Früchte sind leuchtend rot gefärbt und haben vier Luftkammern im Inneren. Dadurch sind sie wesentlich leichter als Wasser.
Die natürliche Heimat von Vaccinium macrocarpon liegt in Hochmooren im östlichen Nordamerika. Das Verbreitungsgebiet reicht von New Brunswick und Neufundland in Kanada bis zu den US-Bundesstaaten North Carolina, Tennessee und Virginia. Sie wurde in mehreren Mooren Deutschlands sowie auf den niederländischen Inseln Terschelling und Vlieland als Neophyt eingebürgert.

Da die Früchte wesentlich leichter als Wasser sind, sind heutzutage hochmechanisierte Ernteverfahren möglich. Größter europäischer Produzent von Früchten kultivierter Pflanzen ist Lettland mit etwa 100 Hektar Anbaufläche.
Zunächst werden die Felder mit Wasser geflutet, danach werden die Kranbeeren mit Hilfe spezieller Maschinen vom Busch durch einen Strudelsog abgetrennt. Anschließend werden die reifen, obenauf schwimmenden Früchte eingesammelt.
Die vier Luftkammern in der Beere haben neben dem Auftrieb bei der Ernte noch einen weiteren Nutzen: Die intakten Luftkammern hochwertiger Beeren lassen diese wie einen Ball hüpfen. Minderwertige Früchte tun dies nicht, sodass bereits im Jahr 1881 Maschinen entwickelt wurden, die dafür sorgen, dass hochwertige Früchte über eine Barriere springen. Diese werden als ganze Früchte verkauft. In frischer oder getrockneter Form sind die Beeren in der nordamerikanischen und skandinavischen Küche weit verbreitet, u.a. in Marmeladen, Kompotten oder Gelee und als Zutat in Muffins und Kuchen. Weiche Früchte werden dagegen zu Kompott oder Saft (zum Beispiel für eine Verwendung in Erfrischungsgetränken) verarbeitet. Der Saft ist wesentliche Zutat des Cosmopolitan Cocktails.

In Deutschland werden zunehmend Cranberries als Backzutat verwendet, da sie sich durch ihren herb-säuerlichen Geschmack gut von anderen Zutaten abheben. Als Beispiel ist der Ersatz der sonst üblichen Rosinen in Weihnachtsstollen zu nennen. International wird die Cranberry ähnlich wie Sultaninen häufig als Frucht in Müsliriegeln oder Joghurts benutzt. Dazu wird sie häufig in anderen Fruchtaromen getränkt, wodurch ihr Eigengeschmack oft nicht mehr erkennbar ist.

Den Cranberries werden aber auch medizinische Wirkungen zugeschrieben. So soll sie zum Beispiel bei Blasenentzündungen wirksam sein. Die Cranberry weist hohe Gehalte an der Gerbsäure Tannin auf. Diese Gerbsäure bewirkt, dass sich Bakterien nicht in der Blasenwand einnisten können. Bereits die Indianer Nordamerikas verwendeten die Cranberries sowohl als Nahrungs- als auch Arzneimittel. Gestampft wurden die Beeren zusammen mit Hirschfleisch vermischt. Medizinmänner gebrauchten die Beere für Kompressen, um Gift aus Wunden zu ziehen.  

(Meldung in Stg Ztg 4.6.13 - keine Belege für Wirksamkeit) (Cochrance Summary - 30.4.13)
Juthani-Mehta, M. et al.: Effect of Cranberry Capsules on Bacteriuria Plus Pyuria Among Older Women in Nursing Homes. A Randomized Clinical Trial. JAMA 2016;316(18):1879-1887. doi:10.1001/jama.2016.16141, 08.11.2016 (kein Unterschied zu Placebo)
- Scientists agree that cranberry benefits may extend to the gut, heart, immune system and brain. link bei www.eurekalert.org 19.07.2016 ⇔ Cranberry Research Conference - 15.10.2015 - www.uscranberries.com -
Viele wissenschaftliche Studien zur Cranberry (siehe z.B. Informationssammlung)  -
http://www.cranberries.de/206.0.html
Food scientists find cranberries may aid the gut microbiome. link bei www.eurekalert.org  10.07.2017 Preiselbeeren helfen, das Risiko von Harnweginfektionen um 32% zu verringern - link bei www.freshplaza.de 27.09.2017 ⇒⇒ Cranberries - link bei www.health.com 21.09.2017
Comprehensive meta-analysis affirms cranberries' role in promoting a healthy urinary tract. link bei www.eurekalert.org  19.09.2017 (www.CranberryInstitute.org )
Luis A et al.: Can cranberries contribute to reduce the incidence of urinary tract infections? A systematic review with meta-analysis and trial sequential analysis of clinical trials. J Urol 2017; 614-21.
So ist es fast "natürlich", dass die Cranberries als Superfood vermarktet werden.

Nell, B. et al.: Effect of Sweetened Dried Cranberry Consumption on Urinary Proteome and Fecal Microbiome in Healthy Human Subjects.  OMICS: A Journal of Integrative Biology. doi.org/10.1089/omi.2016.0167 (June 2017) ⇔ link bei www.eurekalert.org 24.10.2017 (Supported by Cranberryinstitut)  ⇒⇒ Blumberg, J.B. et al.: Cranberries and Their Bioactive Constituents in Human Health. Adv. Nutr. 4: 618–632, 2013.

Cranberry-Saft wurde auch zum Färben von Teppichen, Decken und Kleidung benutzt.

Es gibt eigene Marketing-Verbände, sowohl international als auch in Deutschland -  http://www.cranberryinstitute.org/  - http://www.cranberries.de/home0.0.html --- www.cranberries-usa.de
 

 Informationen:

- wikipedia - engl. - Vaccinium macrocarpon -

- Cranberry bei  www.heilkraeuter.de

Cranberry : Die amerikanische Verwandte der Preiselbeere. BZfE News 22.08.2018
 - Preiselbeere oder Cranberry - was ist der Unterschied. Aid aktuell - 14.09.2016 -  AID aktuell Nr.45(6.11.13) Cranberries -
- Kennen Sie: Cranberries? Ernährung-Umschau Nr.12: B38-B39 (2007)

- Trendfrucht Cranberry: Das kann die Superbeere. Nestlé-Ernährungsstudio Dez.2017  +  Dez 2018 -

Baranowska, M., Bartoszek, A.: Antioxidant and antimicrobial properties of bioactive phytochemicals from cranberry. Postepy Hig Med Dosw  70:1460-1468. doi: 10.5604/17322693.1227896 (31.12.2016)

- Viele populär-wissenschaftliche Publikationen; z.B. in der Apotheker-Umschau vom 1.8.2008. / (dort als Experten benannt: Dr Kaven Baessler; Berliner Charité;  Ruth Jepson - Universität Stirling, Schottland) Hinweis zur gegenwärtigen Informationsmenge - Google-Treffer (3.8.08) -ungefähr 11.100.000 für Cranberries.

Cranberry-Festival in Warrens, MI, USA - www.cranfest.com -

Cranberries auf Briefmarken gibt es hier

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