03/17/21

Erdnuss (Arachis hypogaea)

Die Erdnuss (Arachis hypogaea), schweizerisch Spanischs Nüssli, ist eine Pflanzenart in der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae oder Leguminosae). Sie gehört zur selben Unterfamilie wie beispielsweise die Erbse und die Bohnen-Arten. Der englische Trivialname der Erdnuss, peanut (zu deutsch „Erbsennuss“), weist auf die botanische Zugehörigkeit zur Familie der Hülsenfrüchtler hin. Bekannte Synonyme sind: Aschanti- Arachis- oder Kamerunnuss, sowie Erdeichel, Erdpistazie,Mundubibohne, Burennuss, Erdbohne, Javanuss, Kurunuss, Mandubinuss und Erdmandel.

Die Ähnlichkeit zu botanischen Nüssen ergibt sich durch die Beschaffenheit der Samen: die Konsistenz, den hohen Fettgehalt und den vergleichsweise niedrigen Anteil an Stärke. Im Vergleich zu echten Nüssen ist der Anteil an Omega-3-Fettsäuren gering. Im Gegensatz zu den meisten anderen Hülsenfrüchten sind Erdnüsse allerdings roh genießbar. Das allergene Potential ist im Vergleich zu anderen Lebensmitteln relativ hoch.

Ursprünglich in den Anden Südamerikas beheimatet, hat sich der Anbau der Erdnuss seit ihrer wachsenden Bedeutung als Ölfrucht über die ganzen Tropen und Subtropen ausgebreitet. Archäologen datierten die ältesten bekannten Funde von Erdnüssen, im Zusammenhang mit menschlichen Ansiedlungen in Peru, auf ein Alter von  knapp 8000 Jahren. Von dort verbreitete sich der Erdnussanbau auf weitere Teile Süd- und Mittelamerikas, wo spanische Konquistadoren an den Märkten von Tenochtitlán auf die tlalcacáhuatl (Nahuatl für „Erdnuss“, wörtlich „Kakaobohne der Erde“; von diesem Wort stammen auch die spanischen und französischen Bezeichnungen für die Erdnuss, cacahuete bzw. cacahuète) aufmerksam wurden. Auch in Brasilien war die Erdnuss schon vor 2000 Jahren im Anbau und wurde von dort im Zuge des Sklavenhandels nach Afrika gebracht. Heute wird die Erdnuss weltweit in warmen Gebieten angebaut. Hauptanbaugebiete sind Westafrika, China, Indien, Nord- und Südamerika.

Die Erdnuss ist eine einjährige krautige Pflanze. Der gelblich behaarte bis kahle Stängel ist selbständig aufrecht bis kriechend und zwischen 6 und 80 cm, meist jedoch etwa 30 cm lang. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blütezeit reicht von Mai bis August.
Die ungestielten, zwittrigen Blüten haben fünf häutige, schmale Kelchblätter, vier sind zu einer 4 bis 6 mm dünnen Röhre verwachsen und das fünfte ist frei; sie vergrößern sich bis zur Fruchtbildung und krümmt sich nach der Befruchtung abwärts in den lockeren Boden. So gelangt die Frucht unter die Erde, ähnlich wie bei der Erdbohne oder der Bambara-Erdnuss (Erderbse).
Obwohl die Erdnuss zu den Leguminosen zählt, verhält sich ihre Frucht anders als die sich öffnenden Hülsenfrüchte; sie bleibt geschlossen und gehört demnach morphologisch zu den Nüssen. Die mit einer Länge von 2 bis 6 cm und einem Durchmesser von 1 bis 1,5 cm länglichen, eingebogenen Früchte enthalten einen bis vier, selten bis zu sechs Samen und sind zwischen ihnen etwas eingeschnürt. Diese unterirdischen Früchte öffnen sich nicht selbstständig. Die dicken Fruchtwände besitzen eine netzartige Oberfläche. Der mit einer Länge von 1-2 cm und einem Durchmesser von 0,5-1 cm fast eiförmige, hellbraune Samen besitzt zwei reichlich ölhaltige Keimblätter (Kotyledonen). Die Früchte reifen zwischen Juli und September. Die Samenschale der erntereifen Kerne ist braun, papierartig und schmeckt bitter, daher wird sie vor der Weiterverarbeitung oder dem Verzehr der Kerne meist entfernt.
Die geernteten Feldfrüchte werden zunächst im Wassergehalt von 40 auf 5 bis 10 % heruntergetrocknet. In warmen Ländern geschieht dies im Freien, in gemäßigten Klimazonen mit künstlicher Wärmezufuhr. Nach der Trocknung werden die Nüsse gedroschen oder gebrochen und gegebenenfalls noch entschalt.

Im Jahr 2019 wurden laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen weltweit 48.756.790 Tonnen Erdnüsse (mit Schale) auf einer Anbaufläche von 29.596.969 ha geerntet. Die zehn größten Produzenten ernteten zusammen 82,6 % der Welternte. China als größter Produzent kam allein auf etwa 35,9 %. (FAO)
#1 China 14.268.136 to / #2 Indien 7.211.295 to / #3 Nigerian 3.128.621 to / #4 USA 2.037.103 to / #5 Sudan 1.862.250 to
Im Jahr 2019 betrug das gesamte Exportvolumen von Erdnüssen (mit Schale) 2.575.246 Tonnen. Die Hauptexporteure sind Indien, Argentinien, die USA, Senegal und Brasilien, diese haben einen Anteil von 65,1 % des gesamten weltweiten Exports an Erdnüssen aus, wobei die USA in den letzten Jahren ihre führende Rolle beim Export verloren. Obwohl auch China beträchtliche Mengen an Erdnüssen produziert, ist sein Anteil am internationalen Handel mit 6 % gering. Die Erdnüsse werden meist dazu verwendet, den inländischen Bedarf zu decken.
Erdnüsse kommen oft geröstet und gesalzen in den Handel, auch als Zutaten in Süßigkeiten. Sie sind ein beliebter Snack. 
In den Erzeugerländern werden sie hingegen auch gekocht gegessen. Die Verarbeitungsprodukte der Erdnuss werden in der Lebensmittelindustrie vielseitig eingesetzt und dienen auch als nachwachsender Rohstoff in der chemischen Industrie, der Kosmetik sowie in bedeutenden Mengen als ölhaltiger Futterzusatzstoff in der landwirtschaftlichen Tiermästerei.
Ein bedeutendes Erdnussprodukt ist das vor allem in Indien und China als Speiseöl beliebte Erdnussöl. Es wird auch als pflanzliches Heilmittel verwendet. In den Küchen vieler Länder Südostasiens, Westafrikas und der Niederlande verbreitet sind Erdnusssaucen. Weitere Produkte sind Erdnussbutter und Erdnussflips. Plumpy’nut ist eine energiereiche Paste aus Erdnussbutter, Milchpulver, Öl und Zucker zur Behandlung von moderater Unterernährung im Bereich der humanitären Hilfe.

Die Erdnuss hat einen hohen Nährwert (24 % Eiweiß, 50% Fett - davon > 75% wertvolle einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren) und mit 176 mg Magnesium gehört die Erdnuss, neben den Cashewkernen, zu den magnesiumreichen pflanzlichen Nahrungsmitteln. Insbesondere bei vegetarischer Ernährung kann die Erdnuss einen wertvollen Beitrag leisten. Allerdings enthalten Erdnüsse auch relativ viel Phytat, das die Aufnahme der enthaltenen Mineralstoffe einschränkt. Erwähnenswert ist der bei Erdnussprodukten sehr hohe Gehalt an semi-essentiellem Arginin.
Im Vergleich zu anderen Lebensmitteln ist das allergene Potential der Erdnuss vergleichsweise hoch, z.B. zeigte eine US-amerikanische Studie aus dem Jahr 2003 ergab, dass etwa 1,2 % der Bevölkerung gegen Teile der Erdnuss allergisch sind. Dieses Ergebnis deckt sich mit einer anderen Untersuchungen.Die Symptome einer akuten Erdnussallergie sind sehr unterschiedlich, häufig sind jedoch Nesselsucht, tränende Augen oder Atembeschwerden. In seltenen Fällen können die Symptome aber auch sehr schwerwiegend sein oder sogar einen anaphylaktischen Schock auslösen.
Ein anderes Problem ist, dass Erdnüsse unter schlechten Lagerbedingungen von Aspergillus flavus, einem Schimmelpilz, befallen werden können, der giftige Aflatoxine in den Erdnüssen produziert. Aus diesem Grund werden strenge Einfuhrkontrollen durchgeführt.
Erdnüsse enthalten Lektine, denen nachgesagt wird, dass sie rote Blutkörperchen verklumpen und ab einer bestimmten Menge zu Beschwerden führen können.

Informationen
- wikipedia - engl. Peanut -
- wiktionary - Commons: Arachis hypogae -

Alkämper, J.: Die Erdnuss (Arachis hypogaea). in Schuster, W.H. u.a.: Leguminosen zur Kornnutzung Justus-Liebig-Universität Gießen, 1998

- Arachis hypogaea beiwww.efloras.org -

- Erdnüsse bei www.tis-gdv.de -

Moreno, J.P. et al.: Benefits of a snacking intervention as part of a school-based obesity intervention for Mexican American children.J Appl Research on Children.  Informing Policy for Children at Risk. 6(2) https://digitalcommons.library.tmc.edu/childrenatrisk/vol6/iss2/15 (2015) ⇔ "Peanuts, peanut butter may hold key to preventing obesity." ScienceDaily 04.03.2016

 Gutes Marketing - www.nucis.de - viele Informationen zu Nüssen - Info-Sammlung_Nucis 14_02_2010 (Nucis - Beratunsgmaterial)
- Erdnuss bei www.nucis.de -
Österreich:  www.erdnuesse.at -

Mehr als Peanuts - aid aktuell 06.07.2016 (nicht mehr gültig)
Proteinreicher Knabberspaß: Erdnüsse frisch aus der Hülse Aid aktuell . 49/15 vom 02.12.2015 (nicht mehr gültig)

Wie gesund sind Erdnüsse? Food-Monitor 25.02.2021 (link bei www.verbraucherzentrale-bayern.de )
- Erdnüsse bei www.eatsmarter.de -
- Erdnüsse: Warenkunde - bei www.essen-und-trinken.de  -
- Erdnüsse - Warenkunde bei Importagentur www.priestoph.de Hamburg

Königin Erdnuss. Südd Ztg10.07.2015

Erdnuss-Allergie - link bei Deutscher Allergie- und Asthmabund - www.daab.de -

Petrick, D.: Ein Professor für die Erdnuss. Das ungewöhnliche Leben des George Washington Carver. Neukirchener Aussaat / Neukirchener Verlag (2018)

Redewendungen:
- Peanuts - Metapher - für Geringes - "das sind Peanuts" (Deutsche Bank Chef Hilmar Kopper)

- Erdnuss und Peanuts bei Wortschatz -

Kultur:
Rita Henss: Erdnuss - kleine gourmandise Nr. 29  Mandelbaum-Verlag, Wien 2020

- Erdnuss bei www.akg-images.de -

Musik Titel - Peanut Vendor - z.B. mit Anita O´Day (YouTube) -  Louis Armstrong (YouTube) - Chuco Valdes (YouTube) - Ted Heath (YouTube)
- - Salt Peanuts - Dizzy Gillespie (YoTube) (Gillespie-Bigband- YouTube)
- Jazz für die „Peanuts“ - Deutschlandfunk (26.11.2012) - Vince Guaraldi - Derrick Bang  Vince Guaraldi at the Piano (Biografie). Jefferson, North Carolina (U.S.): McFarland. 2012

- Erdnuss Monument (Jimmy Carter)- Plains in Georgia ist bekannt für seine Erdnuss-Farmen - Das Erdnuss-Festival mit Jimmy Carter. link bei www.inside-america.de 26.07.2015 / 
Comics - Die Peanuts -

Vincent Trasov: „My Fifty Years In A Nutshell“. Ausstellung im ChertLüdde, Ritterstr. 2A, Berlin (10.10.-14.11.2020)  (viewing digital collection - link) -  link bei  www.artland.com (Okt 2020) - Als die Post Bananen- und Erdnusskunst brachte. TAZ Berlin 07.11.2020

Natürlich gibt es auch Erdnüsse auf Briefmarken.

To top