09/17/14

Die Feigen

Feigen zählen zu den ältesten, vielleicht sind sie sogar die älteste kultivierte Obstsorte der Menschen.
Die Echte Feige (Ficus carica) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Feigen (Ficus). Sie wird im gesamten Mittelmeergebiet angebaut, die Türkei ist der Hauptproduzent.
Ihre Früchte werden frisch, aber vor allem getrocknet (in Deutschland) verzehrt.

Der Ursprung der Feigen wird in Südwestasien (z.B. am Kaspischen Meer) vermutet, jedoch wird die Art seit der Antike im gesamten Mittelmeerraum kultiviert, wo sie auch vielfach verwildert ist. In wintermilden Regionen kann sie auch weitab ihrer Heimat gedeihen. Nördlich der Alpen gibt es vor allem in Weinbaugebieten Feigenbäume; selbst auf den dänischen Ostseeinseln und in Südengland wachsen Feigen. Neue Züchtungen sind auch frosthart bis zu minus 15 Grad Celsius.
Die Domestizierung der Feige setzte schon sehr früh ein und ist höchstwahrscheinlich sogar älter als der Ackerbau. In einem etwa 11.400 Jahre alten Haus bei Jericho wurden Überreste von bereits nicht mehr der Wildform entsprechenden Feigen gefunden. Alle antiken Hochkulturen kannten und nutzten die Feige.

Der Feigenbaum stellt geringe Ansprüche an den Boden, dieser sollte jedoch einigermaßen tiefgründig sein. Der Baum gedeiht auch in niederschlagsarmen Gebieten. Der Feigenbaum braucht warme Sommer und milde Winter.
Die Feige wächst als sommergrüner und laubwerfender Strauch oder kleiner Baum mit einer Wuchshöhe von 3 bis zu 10 Metern. Die Krone ist bei alten Gewächsen sehr breit und ausladend, jedoch unregelmäßig und niedrig. Der Stamm ist oft knorrig, gedreht oder gebogen. Die reiche Verzweigung beginnt schon in geringer Höhe. Die Rinde ist glatt, hellgrau. Die ganze Pflanze führt Milchsaft.
Das Laub – die Feigenblätter - sind wechselständig an den Zweigen angeordnet. Der kräftige Blattstiel ist 2-8cm lang. Die Blätter sind 10-20cm lang und breit, und ei- bis herzförmig mit unregelmäßig gezackten Rändern, die dunkelgrüne Blattoberseite ist rauhaarig, die Unterseite ist heller.
Feigen sind einhäusig getrenntgeschlechtig, d. h. es gibt männliche und weibliche Blüten, die zusammen auf einem Pflanzenexemplar vorkommen. Die Bestäubung ist recht kompliziert, eine wesentliche Rolle haben die Feigenwespen.

In Feigenkulturen gibt es jährlich drei Blütenstände (bei Mittelmeerklima, in Mitteleuropa nur einmal). Es gibt drei Gruppen von Feigensorten:
- den „Smyrna-Typ“ (smirniaca): Nur nach Befruchtung reifen die Feigen. Zu dieser Gruppe gehören die wichtigen Sorten 'Sari Lob' ('Smyrna', 'Calimyrna'), 'Kassaba' und 'Bardacik'.
- den „Adriatischer Typ“ (hortensis): Die Früchte entwickeln sich ohne Befruchtung, weshalb diese Sorten heute bevorzugt werden: 'Dottato' und 'Trojano' aus Italien, 'Fraga' aus Spanien, 'Adriatic' und 'Mission' aus Kalifornien.
- „San-Pedro-Typ“ (intermedia) nimmt eine Zwischenstellung ein, da die erste Fruchtgeneration ohne, die zweite jedoch nur mit Bestäubung Früchte bildet. Diese Sorten sind kommerziell wenig bedeutend.

Die Feigenfrucht ist ein Steinfruchtverband (mit vielen kleinen Kernen), der birnen- bis kugelförmig ist, und grün bis dunkelviolett gefärbt ist. Die Schalendicke variiert ebenfalls nach Sorte: Aus dem Hauptanbaugebiet Türkei sind die dortigen Feigen eher dünnschalig, in Griechenland eher dickschalig.

Nährstoffgehalte: Neben 80 % Wasser enthalten die reifen Früchte ca. 1,3 % Protein, 0,5 % Fett, 12,9 % Kohlenhydrate, ca. 4,5 % Ballaststoffe und 0,7 % Mineralstoffe], besonders Calcium und Eisen. Daneben ist sie auch reich an Vitamin B1.

Der Anbau von Feigen beschränkt sich hauptsächlich auf den Mittelmeerraum, und die jährliche Ernte beträgt rund 1,5 Millionen Tonnen Frischfeigen. In geringerem Maße wird sie auch in Südafrika, Australien, Neuseeland, China, Chile, Mexiko und Kalifornien angebaut.

Erntemengen 2012 (in Tonnen, Frischfrucht)
(FAO) (am 17.09.2014)
Türkei    280.000
Ägypten 171.062
Algerien 110.058
Marokko 102.694
Iran         78.000
Syrien       41.224
USA          35.076
Brasilien    28.010 
Albanien    27.255
Tunesien    25.000

Die Bäume werden je nach Sorte, Boden und Niederschlag in Dichten von 80 bis 1200 Bäumen je Hektar gepflanzt. In niederschlagsarmen Gebieten sind die Pflanzungen nicht so dicht. Die Wuchshöhe der Bäume in Kultur wird zur Erleichterung der Bearbeitung meist deutlich unter der potentiell möglichen Größe (10m) gehalten.
Die Bäume können bereits im zweiten Jahr nach der Pflanzung Früchte tragen. Vollertrag tritt nach fünf bis acht Jahren ein und hält rund 50 Jahre an. Auf guten Standorten beträgt der Jahresertrag 15 bis 20 Tonnen Frischfrucht pro Jahr und ha, das ergibt rund fünf bis sieben Tonnen Trockenfrucht. Ein Einzelbaum liefert im Jahr 80 bis 100 Kilogramm frische Feigen.

Die meisten Feigen werden getrocknet. Dies geschieht an der Sonne oder in Heißluftöfen. Der Wassergehalt wird dabei auf 33 bis 18 % gesenkt, der Zuckeranteil steigt auf rund 60 %. Die im Handel erhältlichen Rollen entstehen, indem man die getrockneten Feigen unter heißem Wasserdampf presst. Die Hauptverwendung der Feigen ist dementsprechend als Obst. Feigen für das Trocknen werden vollreif geerntet, wenn der Wassergehalt der Früchte am Baum bereits um 30 bis 50 % gesunken ist. Sie werden von Hand geerntet, von den Bäumen geschlagen oder maschinell geerntet.
Feigen für den Frischverzehr werden vor der Vollreife von Hand geerntet, damit sie für den Transport noch fest genug sind und auf dem Markt die optimale Reife haben. Da die frischen Feigen relativ rasch in Gärung übergehen, werden sie vor allem in den Anbauländern verzehrt.
(Rezepte mit Feigen z.B. bei EatSmarter und Küchengötter;  Feigenmarmelade, Feigensenf)
Aus dem Saft reifer Feigen wird auch ein Dessertwein hergestellt. In Spanien und Portugal stellt man „Feigenkäse“ her, aus reifen Feigen, Hasel-, Pinienkernen, Mandeln, Pistazien und Gewürzen.
Geröstete Feigen werden auch zu Feigenkaffee verarbeitet (Ersatzkaffee). (Sammelbilder der Feigenkaffeefabrik Andre Hofer, Salzburg) (Imperial Feigenkaffee, München) (Bilder)

Im Handel werden die Feigen meist nicht unter den Sortennamen gehandelt, sondern nach der Herkunft benannt: Smyrna-Feigen (Türkei, besonders Mäander-Tal), Bari-Feigen (Provinz Puglia, Italien), Fraga-Feigen (Provinz Huelva, Spanien), Calamata-Feigen (Peloponnes, Griechenland), Bougie-Feigen (Algerien).

In der Volksmedizin wird die weiße Milch, die austritt, wenn man die Blätter von den Zweigen bricht, zur Linderung bei Insektenstichen und zur Beseitigung von Warzen angewendet.

Im 13. und 15. Jahrhundert galt Feigenholz als hervorragend geeignet zur Herstellung von Holztafeln für die Malerei.

Als alte Kulturpflanze gibt es viele Verbindungen der Feige zu den Kulturen der Menschen. So wurden sowohl im Antiken Griechenland als auch bei den Römern, Götter aus Feigenholz geschnitzt.
Die Feige ist die erste namentlich erwähnte Pflanze in der Bibel, und auch die einzige namentlich erwähnte des Garten Eden. Nachdem Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten, wurden sie sich ihrer Nacktheit bewusst: Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz (Genesis 3,7). Von daher stammt die Metapher „Feigenblatt“ für schamhafte Verhüllung. (Feigenbaum - Across the Bible)

Die Feige ist auch der klassische Fruchtbaum der Bibel, wird sie doch 38 mal erwähnt gegenüber vier Erwähnungen des Apfels. Im Allgemeinen steht die Feige im Alten Testament jedoch für Frieden und Wohlstand.

Informationen zu Feigen (⇒ Literaturquellen)
- wikipedia - Feige - english common fig
- Academic Dictionary - Ficus macrophylla
- California Rare Food Growers - fig fruit facts
- Purdue University - Fig
- Practical Plants - Ficus carrica
- eFloras - Ficus carica
- Feigenbaum-Fibel für Einsteiger - www.ficus-carica.de

- www.figweb.org -

- Lebensmittel-Lexiko - Feige
- Bei EatSmarter - Feigen
- bei Dr.Oetker - Feige
- Alnatura Warenkunde - Feigen

- Feigen: Nährwerte& Wirkungen.  link bei www.gartenbista.de (2018)

- Müllner, Öster. Großhändler - Feigen
- Transport-Informations-Service - getrocknete Feigen

Saison für Feigen - aid aktuell 05.20.2016 -
- Die Feige - Süß und verlockend (MP3; 19 MB) Podcast zur Sendung radioWissen am 24. Juli 2014
- Am Anfang war die Feige - Die ersten kultivierten Pflanzen der Menschheitsgeschichte waren wahrscheinlich Feigenbäume (bild der wissenschaft)

- Die Moreton Bay-Feige: Der größte Feigenbaum Amerikas wurde 1877 gepflanzt und hat bis zu 50 m lange Äste (Abb). Er steht am U.S. Highway 101 südlich des Stadtzentrums von St.Barbara/Californien. http://de.wikipedia.org/wiki/Santa_Barbara_%28Kalifornien%29

Frische Feigen haben jetzt Saison. Stuttg Ztg 17.03.2008 (Markthalle)
Feigen Informationssammlung - OLT - 22_09_08

Krünitz Lexikon (ab 1773- ) online - dort bei F - Feigenbaum (langer Beitrag)

Name: Feigenbaum (bei Geogen) (wikipedia)
Eigenschaftswort: feige (hat keinen Bezug zur Feige)

„Allein in sengender Hitze die weiten Olivenhaine zu durchqueren, sich einen Weg durch Büsche, Unterholz, Brombeergestrüpp …. sind, wie man meinen könnte, keine nennenswerten Heldentaten in einer Zeit, in der jedes Kind der zivilisierten Welt, … im Alter von fünf, sechs Jahren bereits zum Mars gereist ist, um einen Haufen grüner Männchen abzuknallen, … Derart glorreichen Heldentaten hätte der kleine Junge aus Azinhaga höchstens entgegensetzen können, dass er den Wipfel der zwanzig Meter hohen Esche erklomm oder, etwas bescheidener, dafür aber kulinarisch interessanter, frühmorgendlich den heimischen Feigenbaum erkletterte, um die taufeuchten Früchte zu pflücken und wie ein naschhafter Vogel den süßen Honigtropfen abzulecken, der aus ihnen ausgetreten war.“ José Saramago: Kleine Erinnerungen; Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg; 2009 -  http://www.rowohlt.de/fm/131/Saramago_Erinnerungen.pdf  (Kulinarischer Küchenkalender 2010; 11-17_10_2010)

Naturdoku-Film: "Paradiesische Verführung: Die Feige" (ARTE TV 31.08.2016) (Produktion: Deutschland 2009; Marlinde Krebs) (Feigenanbau in der Türkei)

Heilmeyer, M.(Hg): Feigen für Fürsten. Vacat-Verlag, Potsdam

Bilder zu Feigen bei www.akg-images.de 

Briefmarken - Feigen

To top