03/05/18

Paranüsse

Der Paranussbaum (Bertholletia excelsa) gehört zu den Topffruchtbaumgewächsen (Lecythidaceae). Den botanischen Gattungsnamen Bertholletia erhielt der Baum zu Ehren des französischen Chemikers Claude Louis Berthollet (1748–1822). Die Samen sind als Paranuss, auch Amazonenmandel, Brasilianische Kastanie, Marahonkastanie, Brasilnuss, Juvia- oder Yuvianuss, Rahmnuss, Steinnuss oder Tucanuss bekannt.
In Brasilien heißt die Paranuss castanha-do-pará, nach dem nördlichen Bundesstaat Pará; die deutsche Bezeichnung ist davon abgeleitet.
Das Verbreitungsgebiet liegt in den Regenwäldern Südamerikas. Es reicht im Westen bis an den Fuß der Anden (Bolivien, Kolumbien und Peru), inklusive des brasilianischen Amazonastieflandes. Im Norden gibt es Vorkommen in Venezuela, Guyana, Suriname und Französisch-Guayana. Die Standorte befinden sich auf nicht überschwemmten Flächen (terra firme).
Die herabgefallenen Früchte des Paranussbaums werden von Agutis aufgenagt und die Samen gefressen. Da die Agutis die nicht verzehrten Reste verteilen und vergraben, tragen diese Nagetiere entscheidend zur Verbreitung und zum Erhalt der Paranussbestände bei. Die Samen keimen erst nach 12–18 Monaten, manche auch erst nach Jahren. Die Keimung erfolgt leichter, wenn die harte Fruchtschale entfernt wurde, aber auch Samen, die nicht aus der Frucht befreit wurden, können keimen. Samen und Keimlinge sind gegen Austrocknen empfindlich, oft wachsen sie an schattigen Standorten.
Die jungen Bäume benötigen zum Wachstum Licht und sind darauf angewiesen, dass sich eine Lücke im Kronendach öffnet. Dann wachsen sie relativ schnell heran und erreichen eine Wachstumsgeschwindigkeit von 50 cm pro Jahr. Gepflanzte Exemplare mit genügend Licht erreichten nach 18 Jahren eine Höhe von 28 Metern und einen Durchmesser von 45 cm. Die Bäume können über 300 Jahre alt und bis zu 50m hoch werden.
Am Ende der Regenzeit verlieren die Bäume einen Teil oder sogar alle ihre Blätter. Die Blüten erscheinen in der Trockenzeit. Setzt der Regen wieder ein, treiben die Bäume unterhalb der alten Blütenstände neue Zweige und Blätter aus. Die Blütezeit eines einzelnen Baumes dauert drei bis acht Wochen, die einzelne Blüte hält aber nur einen Tag. Sie öffnet sich in den frühen Morgenstunden, am Nachmittag fällt die Blüte zu Boden. Die Bestäubung geschieht durch große Insekten die kräftig genug sind um den Klappmechanismus der Haube auszulösen und diese anzuheben, wie etwa weibliche Orchideenbienen (Eulaema) und andere Prachtbienen (Euglossini).
Bis zur Reife der Baumfrucht vergehen 14–15 Monate, so dass die Früchte zu Beginn der Regenzeit herabfallen. Die Frucht ist rund, etwa 10–12, gelegentlich auch bis 16 cm im Durchmesser. Jede Frucht enthält in einer harten Schale 10–25 Samen. Die mehrsamige Nussfrucht ähnelt von Größe und Härte der Schale etwas einer von ihrer Außenschicht befreiten Kokosnuss.
Die Kapselfrüchte stammen nicht aus Pflanzungen, sondern fast ausschließlich aus Wildsammlungen. Sie werden vom Boden aufgelesen und zu Sammelstellen gebracht; die Erntezeit erstreckt sich über ein halbes Jahr während der Regenzeit. Neben dem hohen Eiweiß- und Fettgehalt – bis zu 70 % – besitzt die Paranuss im Vergleich zu anderen Nussarten auch noch einen sehr hohen Anteil an Mineralstoffen (Calcium, Eisen, Kalium, Magnesium, Phosphor, Selen und Zink). Sie ist der größte pflanzliche Lieferant von Selen. Sie lagert allerdings auch Barium und natürliche radioaktive Stoffe (wie Radium-226 und Radium-228) ein.
Paranüsse sind ein Beispiel für Extraktivismus. Durch die langlebigen und lange produktiven Bäume machen sich Entnahmen von Früchten zunächst kaum bemerkbar. Dennoch führt eine zu intensive Sammlung der Nüsse nach einiger Zeit zu einem Mangel an nachwachsenden jungen Bäumen.
Nach Angaben der FAO gibt es nur vier Staaten auf der Welt, die nennenswerte Mengen an Paranüssen produzieren: Bolivien 51.060 t, Brasilien 42.332 t, Elfenbeinküste 19.726 t und Peru 6.194 t (Zahlen für 2016). Die Gesamterntemenge weltweit betrug 119.312 t. Die Welterntemenge ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, nachdem sie 1980 auf einem sehr niedrigen Wert (53.943 t) angelangt war.
Um die Vermarktungsmöglichkeiten zu verbessern und die Nüsse auch lokal verstärkt zu verarbeiten, wurde in Bolivien 2009 ein Staatsunternehmen gegründet (Empresa Boliviana de Almendras y Derivados). Im ersten Jahr wurden über diesen Weg ca. 700 t Paranüsse im Wert von 26 Millionen Bolivianos (ca. 3 Millionen Euro) exportiert. In der Folge wurde auch die erste Verarbeitungsfabrik im Departamento Beni gebaut. Durch stetigen Ausbau der Aktivitäten, einschließlich einer Niederlassung in Hamburg, konnten sowohl der einheimische Konsum als auch der Export erheblich gesteigert werden.
Das Paranussöl wird aus den getrockneten geschälten Samen gewonnen, normalerweise durch Kaltpressung. Kaltgepresstes Paranussöl ist hellgelb und angenehm im Geruch. Die Fettsäurezusammensetzung besteht aus Palmitinsäure (14–16 %), Stearinsäure (6–10 %), Ölsäure (29–48 %), Linolsäure (30–47 %). Die physikalischen Kennzeichen sind Dichte (0,914–0,917 g/cm3), Erstarrungspunkt (0–4 °C), Verseifungszahl (193–202), Iodzahl (94–106) und Unverseifbares (0,5–1 %).

Informationen:
- wikipedia - engl. Brazil nut

- Paranuss bei Biodidaktik der Universität Düsseldorf

Paranüsse: kleine Warenkunde. link bei www.essen-und-trinken.de
- link bei www.eatsmarter.de -
- link bei www.lebensmittel-warenkunde.de -

 Gutes Marketing - www.nucis.de - viele Informationen zu Nüssen ⇒ Paranuss - Info-Sammlung_Nucis 14_02_2010 (Nucis - Beratunsgmaterial)

Niederschläge bedrohen Paranuss-Produktion Boliviens. link bei www.freshplaza.de 01.03.2018

Briefmarken mit Paranüssen, Bäumen und von Berthollet gibt es hier.