Kinderlebensmittel

Die Ernährung erfordert im Lebenszyklus gesehen für das Neugeborene(Säugling) eine spezielle Ernährung - dafür ist von Natur aus die Muttermilch vorgesehen (diese Ernährung heisst Stillen - Breastfeeding).
Diese ist normalerweise für die ersten Monate ausreichend, dann sollte zugefüttert werden (Beikost - weaning food). Auch im Bereich der Säuglings- und Kleinkinder (Baby) Ernährung gibt es beequeme Angebote - die Milchfertignahrung (Muttermilchersatz-Nahrung; Flaschenfütterung; bottle feeding) und die "Gläschen" für Kinder (Abstill-Nahrung, weaning food - Baby-Lebensmittel), und dann die speziellen Lebensmittel für Kleininder.
Die Vorteile solcher Kinderlebensmittel sie sind bequem; und im Prinzip sicher. (Hinweise auf Nachteile - teuer, Hygiene-Risiko, Infektion / in reichen Länder – zu viel gefüttert / dicke Babys) (Übergewicht).
Hinweis auf besondere Qualitätsanforderungen und Sicherheitskontrollen; Richtlinien für diätetischen Lebensmittel (dazu zählen die Milchfertignahrungen und Abstill-Lebensmittel - (siehe Stellungnahmen der www.fke-do.de).

Bereits Kleinkinder (>1.Lebensjahr) können mit  normaler Familienkost gut ernährt werden, spezielle (auf physiologische Aspekte bezogene) Lebensmittel sind nicht erforderlich. Aus der Sicht der Ernährungswissenschaft besteht kein Bedarf dafür, sie sind unnötig (z.B DGE-Stellungnahme). Aus sozio-psycho-kultureller Sicht, und besonders aus der Sicht des Lebensmittelmarketings besteht eine Nachfrage nach Kinderlebensmittel.
Es ist eine Folge der gesellschaftlichen Entwicklung;
Die Nachfrage danach wird induziert (pull-effect) durch weniger Zeit (Bedeutung) der Hausarbeit (Kochen) (convenient); durch mehr "Mitsprache" der Kinder (z.B. beim Einkaufen) u.a., und stimuliert (push-effect) durch die Gesellschaft - wie der Marketing-Aktivitäten der Anbieter (Notwendigkeit die gesättigten Märkte zu stimulieren; mit vielen Zusatznutzen); Zunahme der Werbeintensität allgemein durch Einführung des privaten Fernsehen, und speziell auch der Werbung bei der Zielgruppe Kinder. So wissen zwar fast alle Kinder, was "ungesunde" Lebensmittel sind; doch die natürliche Vorliebe für Süß, wird durch entspechende audio-visuelle Angebote und der "exposure" im (Super)Markt ("Quängelzonen") gesteigert.
(Gesundheits-, Ernährung-)Politisches Thema sind die Kinderlebensmittel erst seit einem Jahrzehnt; als Beispiel wird angeführt; die von der grünen Verbraucherschutzministerin Renate Künast angestossene Diskussion - siehe "Die dicken Kinder von Deutschland" / Spiegel 20.7.2002. Im Spiegel Special 5_2005 - Ernährung werden Kinderlebensmittel als Schrille Fabelwesen präsentiert. Öko-Test - 23.5.2005  nennt Kinderlebensmittel - überflüssig, teuer, ungesund) (Zeit-Archiv - 2009 (Vincent Klink).

Säuglingsanfangs- und Folgenahrung:  Gesundheitlicher Nutzen von probiotischen Zusätzen nicht belegt. -   BfR-Stellungnahme - Nr.25/14.08.2015

Kinderlebensmittel: Nährwerte und Inhaltsstoffe oft nicht kindgerecht. BZfE News 30.09.2020

Gerlach, S.: Verantwortungsvolles Kindermarketing. Ernährungs-Umschau 06/2020, S. M356-M363

WHO/Europe studies find baby foods are high in sugar and inappropriately marketed for babies. Presse-Mitteilung 15.07.2019 von www.euro.who.int ⇒⇒ Commercial foods for infants and young children in the WHO European Region. WHO Europe, Copenhagen, 2019  (download)

Storcksdieck genannt Bonsman, S. et al.: The ineligibility of food products from across the EU for marketing to children according to two EU-level nutrient profile models. PLOS One  https://doi.org/10.1371/journal.pone.0213512 (23.10.2019) (ref. Food-Navigator 29.10.2019 - bis zu 2/3 der Produkte enthalten zu viel Zucker, Fett und Salz)
AOK-Ceralienstudie link bei www.aok-bv.de  (ref. - "Kindercerealien sind Zuckerbomben" – zu dem Fazit gelangt eine gemeinsame Studie der AOK und der GfK, bei der gut 1.400 Frühstückscerealien unter die Lupe genommen wurden. Apotheken-Umschau 01.04.2020 / AOK-Cerealienstudie: 99 Prozent der gekauften Kinderprodukte entsprechen nicht der WHO-Norm.  Finanznachrichten 01.04.2020
Süßung in Baby- und Kleinkindertees wird verboten. Ernährungs-Umschau Juli 2020, S. M388  (link bei www.bmel.de )

Herrick, K.A. et al.: Added Sugars Intake among US Infants and Toddlers. J Acad Nutr Diet doi.org/10.1016/j.jand.2019.09.007 (14.11.2019) ⇔  "Unhealthy habits can start young: Infants, toddlers, and added sugars."  link bei www.eurekalert.org 14.11.2019

- Kunterbunt! Auch gesund? – Kinderlebensmittel unter der Lupe. Information bei MLR-BW 29.03.2018
Ärzte (www.bvkj.de) fordern Werbeverbot für angebliche Kindernahrungsmittel. Spiegel 30.10.2019 + Stuttg Ztg 30.10.2019

Kindernahrung: Gesund ins Leben - Lebensmittel-Praxis 24.06.2016 -

„Rolle der Ernährungsindustrie in der präventiven Kinderernährung“ (Kinderernährung im Fokus von Wissenschaft und Wirtschaft)– Tagung des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) Dortmund 10.11.2010 - zusammenfassender Bericht - Vorträge Charts Downloads:
Prof. Dr Mathilde Kersting (FKE)
Harry van Bargen (Ministerium NRW)
Elien Rouw (AFS) (Stillen)
Heike Müller (Milupa)
Dr Regina Berwind (Hipp) (Kleinkinderernährung)
Prof. Dr. H Holzmüller (Dortmund) - Marketing
Prof.Dr. Hildegard Przyrembel (EFSA) -

Projekt der ZHAW, Schweiz: Kriterien zur Beurteilung für das an Kinder gerichtete Lebensmittelmarketing. Projekt - link bei www.blv.admin.ch - (download - Projektbericht)
Herren, D.: An Kinder gerichtetes Lebensmittelmarketing. Masterarbeit in Food Safety Management, Universität Basel, April 2012 (download).

Jutta  Kaminksy: Kinderlebensmittel - Verbraucher Service Bayern (01.12.2011) - link (mit Zitat EDW)
Kindergetränke - Ökotest Juni 2016 -

Natur-Report: Ernährungsexperten begutachten Kinder-Snacks. Natur 1990_03 (im Archiv)

Babynahrung: Getreidebreie. Oekotest März 2017
Obstbrei-Test: Jedes zweite Babygläschen überzeugt nicht. Oekotest Okt 2019 -
Babynahrung im Test: Die besten Pre-Milchpulver für Säuglinge.  Oekotest Mai 2019
Babybrei im Test: Nur 3 von 19 Fertigbreien sind gut. Test Sep 2019
Kinder­desserts im Test Wie gesund sind Frucht­zwerge, Mons­terbacke & Co?  Test Okt 2020 (ref. dpa-Meldung "Was Eltern über Kindernahrungsmittel wissen sollten." am 23.09.2020 z.B. in Rhein-Zeitung + Franken-Post )

Österreich: Kinderlebensmittel: Milchprodukte - getarnte Naschereien.   Test im www.konsument.at  (ref. Gourmet-Report, 03.02.2015)

- Kritik an vitaminisierten Gummibärchen - dm-Fruchtgummis als Vitaminspender fragwürdig. Pressemitteilung Verbraucherzentrale Sachsen 14.02.2017 (ref. Food-Monitor 14.02.2017)
 
Kinder-Speiseeis - Ökotest, Juli 2016 -
Test von www.foodwatch.de - hat 1514 Kinderlebensmittel untersucht; fast 75% sind  "zu süß und  zu fett"; meist Snacks;  Kinder würden durch Werbung zum Konsum solcher Produkte verführt,  "Die Unternehmen tragen eine erhebliche Mitverantwortung für die grassierende Fehlernährung von Kindern" (Pressemeldung vom 13.3.2012) (Report)(Beispiel Zeitungsmeldung FAZ - 13.3.2012)

- Seemingly Healthy Food For Kids That Have Shocking Amounts of Sugar. DailyInfographic 02.07.2018

Sabersky, Annette; Zittlau, J.: Echte Wurst hat kein Gesicht (Kinderlebensmittel) Heyne, 2014 (Leseprobe)

Kinder kandiert - Wie die Nahrungsmittelindustrie den Nachwuchs verführt und warum sie niemand dabei stört. Feature von Tom Schimmeck - NDR 15.06.2014, 11,05  (Manuskript) /Deutschlandradio Kultur (06.12.2014; 18,05)


Über das schlimme Kinderessen in deutschen Restaurants: „Nemo“ mit Ketchup, bitte!  Stuttg Ztg 08.11.2019

Burger, K.: Jugendwahn: Babybrei auch für Vati - Warum immer mehr Produkte für Kinder auch von Erwachsenen konsumiert werden.   Zeit  27.08.2009 (durch Geburtenrückgang - wird Zielgruppe kleiner - "Ziel dieser Vermarktungspraxis ist die Erweiterung der Zielgruppe." Nach dem Motto: Was man als Kind mochte (Nutella, Milchschnitte, Gummibärchen), mag man als Erwachsener oft auch noch. Beim Konsum von Babyprodukten steht oft sogar die Gesundheit im Vordergrund. Schließlich ist Babybrei bekömmlich, kalorienarm und nach Wunsch sogar bio.)