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11/24/14

Nährstoffmischungskost - Sondennahrung - Infusionen

In der Ernährungswissenschaft gab es schon recht früh Forschungsarbeiten, die darauf abzielten aus allen bekannten essentiellen Nährstoffen eine Mischung zu erstellen, die quasi die Ernährungsversorgung des Menschen sicherstellt. Ein Ziel war dabei zu testen, ob es noch weitere bisher unbekannte Nähr- und Wirkstoffe gäbe. Wenn alles entdeckt ist, muss diese Mischung von Nährstoffen im Verhältnis zu den ermittelten Bedarfszahlen, ein ideales Lebensmittel sein.
Praktische Anwendung erhielten, die bei solchen Grundlagenforschungen gewonnen Erkenntnisse in der Krankenkost. Es wurden Sondennahrungsmischungen (Flüssigkeiten, Breie) entwickelt, durch die Menschen, die krankheitshalber nicht Essen konnten,  durch einen Schlauch (Sonde) in den Magen bzw. den gastrointestinale Trakt Nahrung erhielten - künstliche Ernährung.
Die Nährstofflösungen können auch direkt ins Blut verabreicht werden (Nährstoff-Infusionen) (Parenterale Ernährung). Neben diesen Hauptanwendungen in der klinischen Ernährung, gibt es Anwendungen bei Hunger-streikenden Personen, die auf diese Weisen gegen ihren Willen zwangsernährt werden.
Da bei den ersten Weltraumausflügen der Menschen die Transportkapazitäten der Raketen begrenzt waren, wurde versucht auch bei der Ernährung Ballast(stoffe) zu sparen, und man entwickelte Astronautenkost, die aus Nährstoffmischungen bestand.

Es zeigte sich jedoch recht bald, dass solche künstlichen Nährstoffmischungen viele Defizite haben.
So ist eine Ballaststoff-Zufuhr kein Ballast für den Körper, sondern sehr wichtig für die gastro-intestinalen (Darm)Funktionen; so werden die Ballaststoffe nun Nahrungsfasern genannt.
Andere Bereiche betreffen die Vielzahl der bioaktiven Inhaltsstoffen (vor allem bei Obst, Gemüsen, Gewürzen) und deren Interaktionen; die Matrix der intakten Zellen/Organe hat andere Wirkung als Mischungen aus isolierten Stoffen.
Zusätzlich sind psychophysiologische Aspekte zu berücksichtigen, die die Nahrungsaufnahme modulieren (z.B. die positiven Wirkungen der sensorischen Einflüsse von guten Speisen -  "das Wasser (Speichel, Verdauungssäfte) kann einem im Munde zusammenlaufen"; ebenso kann es einem kotzübel werden, wenn man nur an ekelhafte Speisen(situationen) denkt).
So wurden Nährstoffmischungskost - auch für Astronauten - eigentlich außerhalb der klinischen Ernährung nicht mehr verfolgt.
Im Zuge der modernen Entwicklungen hinzu personalisierter Ernährung wird die Idee von Nähstoffmischungen als optimale Alltagskost wieder aufgegriffen; optimierte Lebensmittel/Anreicherungen/Mischungen helfen falsche, schlechte Ernährungsgewohnheiten auszugleichen. So "träumen" naturwissenschafltiche "Nutritionists" von einer optimal designed Pizza mit allem was der Mensch braucht, das ist einfacher und schneller als Ernährungsberatung, die niemand befolgt. Andere "Typen" versuchen alles was Zeit kostet einzusparen, auch beim Essen. Chemische Prozesse (Produktion der Stoffe) ist schneller als biologisches Reifen der Pflanzen und Tiere. Das Anrühren von "Nahrungspulver" kostet weniger Zeit als Menüs zu zubereiten; flüssige Nahrung kann leicht nebenher getrunken werden.

So wurde z.B. Soylent von Rob Rhinehart - einem amerikanischen EDV-Spezialisten -  entwickelt. Dazu hat er die einschlägige Literatur zu den Nährstoffbedarfswerten studiert und in Selbstversuchen die Mischung getestet. Mittels Crowdfunding beschafffte er sich das Kapital für eine kommerzielle Soylent-Produktion, die 2014 begann. Der Name ist nach dem Science Fiction Buch/Film "Soylent Green" ausgesucht worden. (wikipedia)

Weitere Informationen:
Selbstversuch: Zwei Wochen nur Pulvernahrung - wie hält man das aus?  Spiegel 15.02.2018  + Ernährung der Zukunft: "Künstliche Intelligenz wird unsere Nahrung mischen" Spiegel 15.0.2.2018
Das Ende vom Essen – Soylent ein Produkt das alle Mahlzeiten ersetzen soll. Effilee Nr.30 – Herbst 2014 -  Soylent - das Nahrungsmittel der Zukunft (ORF - 05.09.2014)

"Pulver-Shake statt Essen: So funktioniert das Soylent-Rezept.  (Spiegel - 15.03.2013):
"Der Software-Entwickler Rob Rhinehart will nicht mehr essen müssen. Nur noch zweimal pro Woche ernährt er sich von gewöhnlichen Lebensmitteln, ansonsten verzichtet er darauf, denn er hat ein vermeintliches Wunderrezept entwickelt: Soylent nennt er seinen Pulver-Shake, in dem angeblich alle Nährstoffe enthalten sein sollen, die der Mensch zum Leben braucht.  Herausgekommen ist dabei eine Liste verschiedener Pulver, die er mit Wasser anrührt. Das ist sein Rezept:

• Kohlenhydrate (200g in Form von sogenannten Oligosacchariden, meistens Maltodextrin)
• Proteine (50g von allen essentiellen Aminosäuren darin enthalten sein müssen)
• Fett (65g Olivenöl)
• Natrium (2,4g)
• Kalium (3,5g)
• Chlorid (3,4g)
• Ballaststoffe (5g)
• Kalzium (1g)
• Eisen (18mg)
• Phosphat (1g)
• Jod (0,15mg)
• Magnesium (400mg)
• Zink (15mg)
• Selen (0,07mg)
• Kupfer (2mg)
• Mangan (2mg)
• Chrom (0,12mg)
• Molybdän (0,075mg)
• Vitamin A (5000 IU)
• Vitamin B6 (2mg)
• Vitamin B12 (0,006mg)
• Vitamin C (60mg)
• Vitamin D (400 IU)
• Vitamin E (30 IU)
• Vitamin K (0,080mg)
• Vitamin B1 (1,5mg)
• Vitamin B2 (1,7mg)
• Niacin (20mg)
• Folsäure (0,4mg)
• Biotin (0,3mg)
• Panthothensäure (10mg)
• Zudem fügt Rhinehart noch einige Nährstoffe hinzu, die nicht zwingend notwendig seien wie Lycopin (0,5mg - "Weil die Männer in unserer Familie schon immer Tomaten liebten"), 750mg Omega-3-Fettsäuren, Ginseng, Ginko Biloba; Lutein; Alpha-Karotin und Vanadium.
Experten aber warnen vor einer solchen Ernährungsweise: "Eine Karotte ist nicht nur eine Ansammlung von Vitaminen und Nährstoffen", sagt Bernhard Watzl, Leiter der Abteilung für Ernährungsphysiologie am Max-Rubner-Institut. 
Rob Rhinehardt - optimiert jetzt auch Wasser/Toilettennutzung - vice_motherboard  30.10.2014

- Sandbichler, R.: Kein Kochen, kein Kauen. (Selbstversuch) Nullnummer von www.oe-mag.de (Juni 2016) S.84f - veganes Pulver Bertrand

- Mana – Nahrungsmittelaufnahme statt Essen. link bei www.gourmet-report.de 08.2018 - Ric ernährt sich seit einem halben Jahr von Flüssignahrung. link bei www.bento.de (Spiegel) 07.10.2015

Zeitgeschichtlich:
Cremer, H.D.: Tendenzen in der Entwicklung neuer Ernährungsformen. Schriftenreihe des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde - Heft 73 (B Behr´s Verlag; o.J.) S.73-108 - (scan im Archiv) - darunter auch Astronautenkost

 

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