Die sozialen Werte der Lebensmittel

Essen ist einerseits etwas sehr egoistisches. Es kann nicht geteilt werden. Jeder Körper eignet sich das "Fremde" an - individueller Stoffwechsel (Simmel-Zitat). Kein Mensch ist fähig sich dauerhaft allein genug Essen zu beschaffen. Der Start des Lebens als Säugling ist ein Pflegefall, und es endet wieder mit "Füttern" im Pflegeheim. Die Ernährungssicherheit ist eine gesellschaftliche Leistung - ein sozialer Wert

Es gibt auf allen Ebenen der sozialen Systeme (Mikro - Haushalt / Meso - Gemeinde / Makro - Staaten/globale Wirtschaft) Organisationsformen und Regeln, die dazu dienen, dass die Ernährung über Zeit und Raum (gerecht) verteilt werden kann. Innerhalb der Familie gibt es Gewohnheiten, welche (und mit welcher Portion) Speise für Kinder; für Frauen, Schwangere; den Mann (der Ernährer der Familie) usw. zugedacht werden. Die Verteilung der Lebensmittel (die Speisen) dient  als (Erziehungs)Instrument (als Belohnung / Entzug = Bestrafung). Es gibt Nahrungsmittel-Ausgleich innerhalb der sozialen Netze - Nahrunsmittelpakete - CARE-Pakete (Briefmarke) - Speisungsaktionen und Nahrungsmittelgeschenke (Almosen) für Obdachlose (häufig kirchliche Organisationsstrukturen - Bahnhofsmission; Vesperkirchen; und andere Träger - Volksküchen; Tafeln, ua.) (Gruppen der) Gesellschaften legen fest, wie viel Bedürftige (Arme) für den Lebensunterhalt erhalten. In diesen Sozialhilfen (Regelsätze) sind Ausgaben für Nahrung, Getränke (und Genußmittel Tabak) enthalten (z.Zt. 2010 - Hartz IV- Regelbedarf 359€ im Monat, darunter sind 132,83€ fürs Essen). Festlegung für die Notfälle, welche Mengen (Rationen) von welchen Lebensmitteln die einzelnen Personen erhalten werden (Rationierungsregeln. Lebensmittelmarken, Bezugsscheine u.a.) 

Die sozialen Werte der Lebensmittel ordnen die Lebensmittel bestimmten Personengruppen zu; z.B. Kinderlebensmittel, die diätetische Lebensmittel; es gibt Benennung von Arme-Leute-Speisen und von Luxus-Lebensmitteln, Lebensmittel für gute Freunde, bei Festen und Feiern; Speisen um zu Repräsentieren, usw.

Das Essen (die Mahlzeit) hat viele soziale Bezüge; das gemeinsame Essen innerhalb der Familie hat seine sozialen Werte (an einem Tisch); wie Essen mit Freunden oder anderen Personen (Zeichen der Gastfreundschaft). Das  gemeinsame Essen ausser Haus, in einer Gastwirtschaft, in der Kantine; die Arbeit- und Geschäftsessen haben soziale Bezüge.

Die Länder (Nationen) tauschen (handeln) mit Agrar- und Lebensmittelprodukten (Welt-Handels-Vereinbarungen); analog zur Mikroebene des privaten Haushaltes, gibt es auch auf diesen globalen Makroebenen  Nahrungsmittelhilfen (in Notfällen) und als Gegenteil den Entzug - den Nahrungsmittel-Boykott, der betreffende Staat zu einem "Bösen" geworden ist.

Die sozialen Werte der Lebensmittel betrachten die Arbeitsteilung in den Aufgaben der Nahrungsbeschaffung und - Zubereitung. Wie werden diese von der Gesellschaft anerkannt; wie werden sie entlohnt (gerechter fairer Lohn). Wer muß, wer darf welche Tätigkeiten verrichten.  (Stichworte - Arbeitsbedingungen - für Erntehelfer; Küchenhilfe; Koch; Tellerwäscher).  Wie ist die Arbeitsteilung in der Landwirtschaft, beim Transport, in der Verarbeitung, im Handel, im Goßhaushalt. Wer erledigt welche Aufgaben im privaten Haushalt. (Einkauf, Kochen, Grillen, Getränke usw).Eine zusammenfassende Bewertung in diesem Bereich wird als Sozialverträglichkeit bezeichnet; in diese Bewertung werden soziale Maßstäbe (Informationen) berücksichtigt. Die fairen sozialen Bedingungen in der Produktion von Lebensmitteln (soziale Dimension in der Ernährungsökologie) (Arbeitsbedingungen, gerechte Löhne; faire Preise usw). (Körber - Zukunftsfähige Ernährung) (Tomatenanbau in Spanien) (Gemüseanbau in Andalusien "größtes Gewächshaus" "Land unter Folie" - El Ejido (wikipedia) - Gemüseanbau für Europa; fragwürdige Arbeitsbedingungen (für afrikanische Flüchtlinge) / ökologischer Wert /Wassermangel  - Bericht in der NZZ 15.05.2013)- Sorrento, A.: Schuften für Coca Cola. Die Ausbeutung afrikanischer Erntearbeiter (Orangenernte). SWR2 Wissen, 03.05.2016 (Download)Kelly, A., Tondo, L.:  Europas neue Sklavinnen. (Erntehelferinnen aus Rumänien in Sizilien) Freitag Nr.14, S.11 (06.04.2017) = Guardian (12.03.2017)
Warum die Beeren so billig sind. (Pflückerkolonnen in Portugal). Weltmarktführer für Erd-, Him, und Blaubeeren - DriscollTAZ 06.09.2017 -

(Probleme - Beerensammeln in Schweden - Arbeitsbedingungen der Arbeiter aus Thailand, Vietnam, Rumänien usw - Meldung: Stgt Ztg 02.09.2011 - Hannes Gamillscheg: Menschenhandel im schwedischen Beerenwald; Berliner Zeitung 14.8.2010) (Berich zur Situation von Saison-Erntehelfern aus Polen - Kamila Fialkowska; Mathias Wagner - "Knochenjob im Urlaub" Le Monde diplomatique 11.11.11 - internet) (Thema in der aktuellen Kunst - Junka-Aikio )Thailand will Gefangene ("Sklaven") auf Fischerbooten schuften lassen - Motherboard 14.01.2015- Website: www.slaveryfootprint.org - "Wie viele Sklaven work for you" von  www.madeinafreeworld.com - (Bericht: Motherboard, 04.02.2015)Die Journalisten der Associated Press (AP), die über  "Seafood-Sklaven von Myanmar" berichteten, erhielten 2016 den Pulitzer-Preis.  (link zu AP, Pressemeldung der New York Daily News, 24.03.2015  - Spiegel 19.04.2016)Am 24.11.2016 kamen die Überraschungseier in die negativen Schlagzeilen - z.B. Titelseite bei Bild - Kinderarbeit in Rumänien bei Ferero-Vertragsfirma. Spiegel 24.11.2016- Wie Flüchtlingskinder in der Türkei als billige Arbeitskräfte missbraucht werden (Früchte-, Gemüseernte).  Stern Jan.2017 - (⇒⇒ Sklaverei)
Marotta,C. et al.: Stop the exploitation of migrant agricultural workers in Italy. Brit med J 27.03.2019 ⇔ link bei www.eurekalert.org 27.03.2019 + link bei www.medicalxpress.com 27.03.2019

Bildband von Recknagel, H.:  Suppengrün 0,99 €. Verlag www.kookbooks.de Reihe Kunstbuch, Bd.5. (Erntehelfer-Situation) (ref.  Tagesspiegel  30.03.2017 und Deutschlandradio Kultur 12.01.2017)

Diese sozialen Bewertungen der Lebenesmittel zählen zu den Vertrauenseigenschaften. Darüber müssen Verbraucher informiert werden (einfache Signale - Fair Trade Labels)  Bisher gibt es eine verwirrende Vielfalt entsprechender Labels. 
Die Bewertung der Produktions-Prozess-Kette nach sozialen Gesichtspunkten ist auch Teil der Technik-Fogen-Abschätzung.

 Das Marketing erkennt zunehmend die Bedeutung der sozailen Werte als Zusatz-Nutzen. Beim Anbieter (CSR - Corporate Social Responsability), aber auch beim Verbraucher, das Zeigen des Erwerbs entsprechender Produkte mit sozialen Werten kann dem  Gewissen-Wellness dienen.
Globaler Pakt der UN (seit 2000): die Unternehmer sollen soziale und ökologische Grundsätze berücksichtigen:
www.unglobalcompact.org - in Deutschland: www.globalcompact.de    / Wikipedia  - engl. global compact 

Der soziale Wert der Lebensmittel kann auch das Leben der zukunftigen Generationen beachten, das wird dann als nachhaltiger-ökologischer Wert bezeichnet (dazu passt Anzeige Feb_2010 "Fair liebt Bio" - Chart)

Ergänzende Informationen:

Soziale Landwirtschaft als neues Berufsfeld entdecken - Weiterbildungsprogramm an der  Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (www.hnee.de ) - idw-Pressemitteilung 23.10.2017 - www.weiterbildung-soziale-landwirtschaft.de

- Organisation: www.supplychainge.org - Kampagne - Produktstudien -

Bei einzelnen Lebensmittel - weitere Informationen (z.B. Fleischwirtschaft - globale Geflügelwirtschaft  ( Dritte-Welt-Länder Problematik) / Fisch - Fair Fisch / (auch bei FairTrade) 

"Im Land der Ananas" TAZ 16.3.2013 (Produktionsbedingungen in Costa Rica)

Film - We feed the world  /  Sklaverei auf Italienisch (Infos) (Tomatenernte in Italien)
Paul Kreiner: Sklaven im Weimberg - Italien  (Stuttg.Zeitung08.09.2015)

Gewissenswellness / Problem des Einkaufs nach moralischen Kriterien in eine immer komplexeren Welt ( Ludger Heidbrink) s.u.

Benjamin R Barber: Consumed! Wie der Markt Kinder verführt, Erwachsene infantilisiert und die Demokratie untergräbt – CH Beck, Müchen 2007
Marketing – versucht die kontrollierende Impulse abzubauen "Essensstrukturen" - Essen am Tisch usw; ; Bedürfnisse wie satt sind nicht gut für Konsum; neue Bedürfnisse schaffen,agrresive Werbung (Werbekontrolle notwenidg)  (siehe auch Slogan - Satte hungrig machen

Die sozialen Werte haben eine große Schnittmeng zu kulturellen Werten;  Wirtschaftsethik;  Ethik des Konsums;  Konsumkritik (slow vs fast); "Sein oder Haben"  (Sozialphilosophie)

Institut für Wirtschaftsethik, St Gallen  -  www.iwe.unisg.ch 

Ulrich Beck - Diskussion inwieweit haben Konsumenten eine Macht die Richtung der Wirtschaft zu gestalten - bri Kaufentscheidungen ökologische, soziallverträglciche Krieterien wirken zu lassen.

LM-Praxis Nr 02_2007 - SCR-Informationen

Univ.-Prof. Dr. Frank-Martin Belz - Professur für Betriebswirtschaftslehre  Brau- und Lebensmittelindustrie  
Alte Akademie 14
85354 Freising-Weihenstephan
Tel: +49-8161-713279
http://www.sustainability-marketing.com
http://www.food.wi.tum.de/index.php?option=com_content&view=article&id=49&Itemid=60〈=de 

Publikation zum NachhaltigerKonsum bei Lebensmittel / Vorlesung - Nachhaltiges Marketing

(AGEV Tagung 2004)

Marketing bestimmt durch Führungsphilosophie - 4Ps - Price, Product, Promotion, Placements (Marketing-Mix); es gibt eine Reihe von negativen Bildern zum Marketimng in der Bevölkerung - der hohe Werbedruck; Werbe-Überdruss; Vermittlung falscher (Schönheits)Ideal - besonders in der Kritik Kinder-Marketing / grosse Portion – „King Size“ (s.o. - B R Bender)
Überlegungen zur Verbesserung des Bildes (des Images); Social Responsability; Nachhaltigkeit - daraus Marketing-Strategien entwickelt.
Neue Bedürfnisse von Zielgruppen (Vollwertköstler, LOHAs, ua) - sozial-ökologische Produkte
CoBranding - Wohlgeschmack und alternativer Anbau - Bio-Pasta  -  www.bernbacher.de 
FROSTA – Reiheitsgebot / www.frosta.de / Imit Experten: Udo Pollmer- Kritiker)
Strategische Allianzen - Unilever hat sich mit WWF verbündet - wegen "sauberen" ökologischenFischfang - www.msc.org/de - Marine Stewartchip 
Neumarkter Lammbräu / Bio-Bier / Lokale Agenda 21 / AOEL / Biosiegel /  http://www.lammsbraeu.de/ 

Käufer von Bioprodukten - Psychologische Studie (Publikation)weist darauf hin, dass sie sich moralisch entlastet fühlen, und deshalb eher "Sünden" begehen (

OXFAM-Studie (Feb 2013) zum sozialen und ökologischen Problembewußtsein der 10 größten Lebensmittelmarken (link)

Oxfam Studie zum sozialen und ökologischen Problembewußstein der 10 großen Lebensmittelproduzenten (Pressemeldung - 26.2.2013) (download)
Coca-Cola, Danone, Unilever, Kellogg´s, Mars, Mondelez, Nestlé, PepsiCo, General Mills und Associated British Foods  (Ernährungswirtschaft)

Sorrento,A.: Schuften für Coca Cola. Die Ausbeutung afrikanischer Erntearbeiter (Zitrusfrüchte in Sizilien, Spanien, Portugal, Kalifornien) SWR2 Wissen 10.02.2015 (Download)
Erntehelfer in Apulien:  Die Sklaven der Tomaten, TAZ, 18.10.2015

Beispiel für billige Massenproduktion - Textilien aus Bangladesh - "Eine Milliarde T-Shirts im Jahr. Für die Textilarbeiterinnen stehen die Rechte nur auf dem Papier. Le Monde diplomatique - April 2011

historisch Kinderarbeit in der Landwirtschaft (Agrargeschichte) (auch in Deutschland)

Strang, S. et al.: Impact of nutrition on social decision making. Proc Nat Acad Sci 114(25) 6510-6514) www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1620245114 (20.06.2017) ⇔ idw Pressemitteilung 26.06.2018