Säuglinge

Der Beginn des individuellen menschlichen Lebens (außerhalb des Mutterleibes) ist durch die „Pflegebedürftigkeit“ („Nesthocker“) gekennzeichnet. Die biologische Nachfrage (Saugreflex) wird durch die Entscheidung der Mutter (im Gesamtverband des Haushaltes, der Familie, dem gesellschaftlichen Umfeld) befriedigt. Der Zeitpunkt der Geburt und die ersten Lebensmonate bieten die einzigartige Chance, dass das einzige für den Menschen natürlich geschaffene Lebensmittel, die Milch der (eigenen) Mutter, gereicht wird. Bis zum Beginn der modernen Lebensmittelindustrie gab es nur unzureichenden Ersatz, wenn nicht gestillt werden konnte (Fildes 1986).
(⇒⇒ Muttermilch)

Stillen bietet zahlreiche Vorteile: alle erforderlichen Nährstoffe sind optimal vorhanden und zusätzliche Stoffe, die die Abwehrkräfte des Säuglings stärken. Darüber hinaus hat Stillen positive emotionale und psychologische Wirkungen. Auch in entwickelten Ländern hat Stillen nachhaltige Schutzwirkungen, die bis in spätere Lebensphasen wirksam sind (DGE 2000a Kap. 2).

Stillen wird für das gesamte erste Lebensjahr empfohlen. Ab dem (4.-)6. Monat soll zugefüttert werden. Auch hier entscheiden die Mütter über die Nachfrage. Es gibt Überlegungen, die Auswahl an Zusatznahrung den Säuglingen insoweit zu überlassen, dass man sie selbst die angebotenen Speisen mit den Händen zusichnehmen dürfen (baby-lead weaning) (s. auch Ernährungsverhalten - physiologische Signale - Ernährungsinstinkt). (Finger-Food für Babys - aid aktuell, 15.04.2015)
Da Schwangere und Stillende einen erhöhten physiologischen Nährstoffbedarf (und damit eine erhöhte Lebensmittelnachfrage) haben, werden diese in Kap. 1.3.4.2 speziell betrachtet.
Als Säuglingszeit wird medizinisch-statistisch der Zeitraum bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres betrachtet. Es ist die Zeit mit dem relativ höchsten Nährstoffbedarf (pro kg Körpergewicht), und kann in weitere Zeitabschnitte unterteilt werden (wie z.B. 0-3 Monate und weitere Quartale) (DGE 2000a Kap. 2).

Bedingt durch die moderne industrielle Entwicklung ist das Stillen in Deutschland im Laufe des 20. Jahrhunderts drastisch zurückgegangen. Dafür hat sich ein Markt für Muttermilch-Ersatznahrungen gebildet. Die Entwicklung der entsprechenden Nachfrage wird hier eindeutig bestimmt vom generativen Verhalten der Bevölkerung, und die neuesten Prognosen zeigen, dass die Geburtenzahl zurückgehen wird (Statistisches Bundesamt 2000a).

Weissenborn, A. et al.: Stillhäufigkeit und Stilldauer in Deutschland – eine systematische Übersicht.  Gesundheitswesen 78: 695-707 (2016) DOI dx.doi.org 10.1055/s-0035-1555946 Online-Publikation: 3.9.2015 (open access) ⇔  BfR-Pressemitteilung 05.2017 "Trotz­ hoher­ Stillraten­ zu­ Beginn­ (72–97­ %)­ ist­ nach­ wie­ vor­ in­ den­ ersten­ 2­ Monaten­ der­ stärkste­ Abfall­ der­ (Voll­)Stillraten­ zu­ verzeichnen,­ so­ dass­ bis­ zum­ Alter­ von­ 6­ Monaten­ nur­ noch­ etwa ­ 50­%­ der­ Säuglinge­ überhaupt­ gestillt­ werden."

- UNICEF: Fast jedes fünfte Baby in Deutschland wird nicht gestillt. NZZ 10.05.2018

Stillen begünstigt auch die Familienplanung (durch langes Stillen weniger Schwangerschaften)  (Review 1982)

Handlungsempfehlungen für die Säuglingsernährung (BMELV - Gesund ins Lebenlink) (Folien-Vorträge)
Eltern-App "Baby&Essen"- Aid aktuell 29.10.2014
Stillen gehört zum Leben - idw-news 02.10.2015 - Pressemeldung der BfR-Nationale Stillkommission

Empfehlungen zur Kinderernährung (von Säuglingen bis Jugendliche) (SGE, 2007 - Schweiz)

Es gibt Hinweise,dass gestillte Säuglinge später weniger häufig zu übergewicht neigen (Studie USA)
(Publikation Koletzko Breastfeeding and Obesity; BMJ 2005  / Owen - Review (AJCN 2005) Breastfeeding and BMI later life Obesity / Owen - Review (AJCN 2006) Breastfeeding and Diabetes

Victora, C.G. et al.: Association between breastfeeding and intelligence, educational attainment, and income at 30 years of age: a prospective birth cohort study from Brazil. Lancet 3, No. 4, e199–e205, April 2015 (Ref. Langzeitstudie: Stillkinder punkten als Erwachsene im IQ-Test. Zeit, 18.03.2015)

EARNEST (Early Nutrition Programming Project) -http://www.metabolic-programming.org/  

Projekt: www.project-earlynutrition.eu

Stillen in Europa (Review PHN 2001) (Programs in Europe - PHN 2001)

Stillen in Österreich - Säuglingsernährung in Österreich (Studie 2006)

 http://www.lalecheliga.at/ 

http://www.hebammen.at/ 

http://www.stillen.at/ 

http://www.leonhard.at/index.html 

 

BMGFJ – Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend (2004.): Stillempfehlungen der Österreichischen Stillkommission des Obersten Sanitätsrates  -   http://www.bmgfj.gv.at/cms/site/standard.html?channel=CH0775&doc=CMS1177050007867  

Annette Hilbig - Promotion - Ergebnisse Donald-Studie

- "Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass prinzipiell jede künstliche Ernährung von Säuglingen allein schon deswegen dem Stillen unterlegen ist, weil die Konzentrationsänderungen der Muttermilch während einer Mahlzeit nicht nachgeahmt werden können. Neben den bekannten psychologischen Vorteilen des Stillens für die Mutter-Kind-Beziehung tritt die verringerte Belastung der Nieren, wie sich aus der Harn-Ausscheidung ableiten lässt. Bei Stillhindernissen ist natürlich eine vorgefertigte Nahrung für Säuglinge von unschätzbarem Wert. Muttermilch als alleinige Nahrung reicht in der Regel aber nur für das erste Halbjahr. Danach ist, auch nach den Erfahrungen in Afrika, zusätzliche Beikost erforderlich." (persönliche Mitteilung Christopher Schlage, 14.02.2018)

Stellungnahme der ADA (2005) zu Promoting and Supporting Breastfeeding

(OLT94 - Tab.26 - Entwicklung des Stillens in einigen Ländern)

(Literaturliste . Auswirkung des Stillens - im späteren Leben; OLT 134 - Ü66)

Übergewicht bei Kleinkindern: Risikofaktor Fläschchen - neue Publikation (in den Medien - Spiegel (5.5.2011) Stern 6.5.11)   Originalartikel -  Rachel A Gooze et al: Prolonged Bottle Use and Obesity at 5.5 Years of Age in US Children Journal of Pediatrics (2011) (Download)
Stillen verändert mütterlichen Stoffwechsel und schützt vor Diabetes mellitus. Pressemitteilung Helmholtz, 20.07.2016 (Ern.Umschau 2016)
Much D et al. (2016) Lactation is associated with altered metabolomic signatures in women with gestational diabetes. Diabetologia [DOI: 10.1007/s00125-016-4055-8]
Ziegler AG et al. (2012) Longterm protective effect of lactation on the development of type 2 diabetes in women with recent gestational diabetes mellitus. Diabetes [DOI: 10.2337/db12-0393]

Spezieller Aspekt - Ermittlung der aufgenommenen Muttermilchmenge bei Säuglingen (Literatur-Übersicht #36)

Informationen zur Ernährung von Säuglingen des FNIC/USAD - link / infant nutrition (resource list - infant nutrition)
US-CDC - Breastfeeding

- website - World Breastfeeding Week

Forderung ein Nationales Monitoring für das Stillen einzurichten (Info)

US-Studie zur Ernährung von Infants and Toddlers (Meals + Snacks)  (JADA 2004)

Stillen rettet Leben, verringert Gesundheitskosten (Info)

Broschüre: Von Anfang an mit Spaß dabei. Essen und Trinken für kleine Kinder. MLR-BW; 2012 (Neuauflage) (link)
Säuglingsnahrung sicher zubereiten (Hygiene) -  MLR_BW 03.11.2016 -
Webinare für Säuglingsernährung. BZfE News 13.09.2017 ⇒⇒ link bei www.gesund-ins-leben.de

Neue DGE-Broschüre mit Empfehlungen für das erste Lebensjahr

http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=1038  (22.06:2010)

Tang, M. et al.:  A meat- or dairy-based complementary diet leads to distinct growth patterns in formula-fed infants: a randomized controlled trial. Amer J clin Nutr 107(5): 734 DOI: 10.1093/ajcn/nqy038 (20.04.2018) ⇔ ScienceDaily 09.05.2018

Von Anfang an mit Spass dabei. Essen und Trinken im ersten Lebensjahr. Broschüre des MLR_BW (2017) (download)  - Vielfältige Beikost weckt Appetit auf Gemüse. MLR_BW 03.08.2017

„Rolle der Ernährungsindustrie in der präventiven Kinderernährung“ (Kinderernährung im Fokus von Wissenschaft und Wirtschaft)– Tagung des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) Dortmund 10.11.2010 - zusammenfassender Bericht - Vorträge Charts Downloads:
Prof. Dr Mathilde Kersting (FKE)
Harry van Bargen (Ministerium NRW)
Elien Rouw (AFS) (Stillen)
Heike Müller (Milupa)
Dr Regina Berwind (Hipp) (Kleinkinderernährung)
Prof. Dr. H Holzmüller (Dortmund) - Marketing
Prof.Dr. Hildegard Przyrembel (EFSA) - 

 

Wikipedia - Baby Nahrung / Baby Food

Abschied von der Babyflasche - Informationen des MLR-BW 07_2014 (link)

Broschüre der Techniker-Krankenkasse zum Stillen (download)

Manz, Friedirch: Wenn Babys reden könnten! Was wir aus drei Jahrhunderten Säuglingspflege lernen können. Fördergesellschaft Kinderernährung, Dortmund, 2011 (669S) (link)

Stillen in Tanzania (PHN 2001)

Marshall, LB, Marshall, M: Breast, bottles and babies: historical changes in infant feeding practices in a Micronesian village. Ecol Food Nutr 8(4) 241-249 (1979) (scan im Archiv)

 

Wang, H et al.:Global, regional, and national levels of neonatal, infant, and under-5 mortality during 1990—2013: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2013 The Lancet, Early Online Publication, 2 May 2014 doi:10.1016/S0140-6736(14)60497-9

 

Elektronische Briefmarken-Sammlung im Internet
- Kinder - die ersten Zehn Lebensjahre (link)  (128 Blatt) (von Albrecht Zimmermann - May 2010)
Familienplanung / Geburt - Säuglingspflege; Baby-u.KinderAusstattung
Ernährung - Stillen - Flaschenfütterung - Kinder in der Familie:Waisenkinder; "Ersatzfamilien" -Gesellschaft: Kinderrechte; Kinderarbeit; Kinder in der Umwelt (Natur/Verkehr, usw)
Kinderbildung - Erziehung, Schule - Kinder in Aktion: Bewegung, Spiele, Musizieren; Theater spielen, Basteln -Kinderkrankheiten - Notlagen - Gefahren -Kinderhilfen - private - staatliche - internationale - u.a. UNICEF