Die ethischen Werte einer Gesellschaft (die Glaubenssätzen, Werte, Normen, Regeln) betreffen selbstverständlich auch das Totalphänomen Ernährung und dies in vielfältiger Weise.
Für die Zivil-Gesellschaft gilt das "Recht auf Nahrung" sicherzustellen (Menschenrechte; Human Rights).
Es ist dafür Sorge zu tragen, das täglich genug Nahrung für alle (Nahrungssicherheit) vorhanden ist; und dass dafür Sorge getragen wird, das alle Menschen das Angebot in angemessener Weise nutzen können (Ernährungssicherheit).
Die ethischen Grundsätze (Maximen) einer Gesellschaft (Ernährungskultur) betreffen jeden einzelnen Menschen (jeder is<s>t für sich selbst <verantwortlich>) ("Pflicht" zur richtigen Lebensführung; Gesetze; Verbote; Strafen; Tabus). Es betrifft die Familien, die Gruppen, und besonders auch die im Ernährungssystem aktiv beteiligten (Landwirte, Produzenten, Händler; Köche, u.v.a.).  
Zur ernährungsbezogene Ethik zählt die Art und Weise wie Menschen mit Lebensmitteln/der Ernährung umgehen; was sie essen, wie sie sich informieren, darüber nachdenken, urteilen; entscheiden und handeln.

Ernährungsverhaltens hat starke egoistische Gründe (Selbsterhalt; Sattwerden) (G.Simmel), doch Egoismus ("Diktat der Gene"/Trieb; Arterhaltung) darf nicht das allein entscheidende sein; Ernährung ist an Gesellchaft und Natur gebunden (Anthropozentrismus; Natur-, Arten-, Tierschutz; Naturphilosophie).
Die Folgeabschätzung des Handelns, für sich und die Gesellschaft gehört zu den ethischen Fragestellungen; das führt zu recht differenzierten Gedankenprozessen und Interessen- sowie Zielkonflikten (individuelle Freiheit - "mein Bauch gehört mir"; vs Beeinträchtigung des Lebens anderer Menschen; Leben auf "Kosten" anderer Menschen und auf der der Natur/Umwelt) (Menschenrechte; Naturrechte; "Tierrechte").
Solche Art der ernährungs-ethischen Orientierung ist ein wichtiger Teil der Erziehung (Kinder), Bildung (Erwachsene) und der Kultur (Gesellschaft): Mitgefühl mit anderen Menshen und Kreaturen dieser Erde entwicklen und pflegen (Aufgabe des Staates - Naturschutz / Tierschutz - Recht der Tiere / Umweltschutz). Alternative ganzheitliche Bewertung der Lebensmittel/Ernährung. 

Hinweise auf einige aktuelle ernährungsethische Themen (2011):
- Verantwortung der Staaten (UN, Europa; Deutschland, Bundesland..) - den Kampf gegen den Welthunger (endlich) zu gewinnen (Milleniumsziele) ("Konkurrenz" zu Kampf für Sicherheit/gegen Terrorismus usw).
- den Kampf gegen die globale Obesitas-Epidemie ("Globesity") zu gewinnen ("Konkurrenz" - AIDS; GI-Infektionen; "Grippen").

Im Welthunger-Bereich gilt es z.B. zu diskutieren, ob neue Lebensmittelzüchtungen (novel food - grüne Gentechnik) helfen; ob die Ressourcen der Welt gerechter verteilt werden müssen; ob nachwachsende Rohstoffe in Konkurrenz zum Lebensmittelangebot stehen ("Treibstoff statt Brot"; Raps für Küche und/oder Tank).
Im Über-Ernährungsbereich sind die "Gegner" die Menschen, die zu dick sind ("Die Dicken") . So werden Vorschriften diskutiert, die die "Essfreiheiten" einschränken / gute und schlechte Lebensmittel / Bonus / Malus (Biopolitik). Darf es eine Pflicht zu einem gesunden Lebensstil geben?  Den Rechten auf individuelle Freiheit (Persönlichkeit) stehen hohe gesellschaftliche Kosten/Schäden gegenüber (Krankheitskosten; Folgekosten für Umweltschäden, u.a.). Der gegenwärtige Lebensstil der Bewohner der reichen Industrieländer ist weder gesund noch nachhaltig, ist folglich nicht zukunftsfähig.
Die Gesellschaft (der Staat) hat eine moralische (ethische) Verpflichtung den Schwachen zu helfen (Wohlfahrt, Samariter); Speisung der Armen, Obdachlosen u.a.; (arme) Kinder sollten kostenlos (Schul)Speisung erhalten (analog der kostenlose Zugang zu Lernmaterialien).
Die Gesellschaft (der Staat) ist ebenso verpflichtet für (angemessene) (Alltags)Bildung und Kompetenz der Bürger zu sorgen. Das sind Bereitstellung von Informationen und der Möglichkeit deren Nutzung - das schliesst die Verbraucherinformation zu Lebensmittel/Ernährung ein; "gläserne Produktionsketten"; Kontrolle der (Werbe)Information der Anbieter; Maßnahmen gegen irreführende (Werbe)Aussagen ("health claims"). (Verbraucherschutz)
Diskussion zum Umgang mit (wissenschaflich evidenten) Ernährungsproblemen, die neben der Überernährung vorhanden sind ("Mangel im Überfluss"), z.B. Mangel an Vitaminen (D, Folsäure, u.a.) und Mineralstoffen (z.B. Eissen, Jod). Ernährungsaufklärung vs. Anreicherung (Supplementierung) der Lebensmittel (funktionelle Lebensmittel); individuelle Verantwortung vs. "Zwangsernährung" durch gesetzlich vorgeschriebene Anreicherung (z.B. Jod im Kochsalz; oder Folsäure in Getreide).
Ein weiterer ernährungsethischer Bereich ist die Diskussion um die "Zwangsernährung"; inwieweit darf (muss) gegen individuellen "Hungerstreik" (Nahrung als Waffe) eingeschritten werden. Wie lange sollen (müssen) Todkranke (palliativ Medizin) künstlich ernährt werden.
Kontrolle des Menschen (des Verhaltens, des Gesundheitsstatus, usw.) durch Informationstechnologie; Identifizierung von persönlichen biologischen Eigenschaften (genomics, nutrigenomics u.a.) (eHealth; Telemedizin; persönliche Gesundheitskarte; "biochips+RFID) (e@Life)

Die (ernährungs)ethischen Fragestellungen sind für alle Gruppen im Ernährungssystem wichtig. So haben Landwirte, Nahrungsmittelproduzenten, Lebensmittelhändler, Ernährungsberufe (z.B. Diätassisten, Ernährungsberater; Köche der GV u.a.) ethische Grundsätze zu beachten ("Ehren-Kodex" von Unternehmen und Verbänden) (sichere Lebensmittel; soziale, faire Verhältnisse; CSR)

Der deutsche (nationale)  Ethikrat (wikipedia) hat das Thema Ernährung 2008 auf der Tagesordnung gehabt.

Zu den Aufgaben der zukunftsfähigen Ernährungswissenschaftler (Oekotrophologen) zählt die Fragen der Ethik zu beachten) (OLT 1998)

Trend im Verbraucherverhalten - ethischer Konsum  (z.B. bei LOHAS) - Essen mit gutem Gewissen; "Shopping for a better world"
ECRA - Ethical Consumer Research Association - www.ethicalconsumer.org

Österreich: Forschungsstelle für Ethik und Wissenschaft im Dialog – FEWD - am Institut für Philosophie - Universität Wien Universitätsstr. 7, Stock 3 A-1010 Wien T: +43-1-4277-474
FEWD - Projektbereiche: IEE -Interdisziplinäre ErnährungsEthik.at www.ernaehrungsethik.at 
Vienna Encyclopedia of Aninmal Welfare - www.VEAW.at
- www.Foodethics.at  www.Foodethics.eu
Wichtige Kooperationspartner
www.Gastrosophie.at  - Universität Salzburg
Bundes-ARGE Ethik - LehrerInnen Österreichs
Philosophy of Food Project - University of Texas
Food Climate Research Network - University of Surrey
Critical Studies in Food and Culture - University of California Deutschsprachige Koordiantionsstelle (link) für "The Atlas of Food"

European Society for Agricultural and Food Ethics - www.eursafe.org

Food Ethics Council - link

Weitere Informationen:

Hirschfelder, G., Ploeger, A., Rückert-John, J., Schönberger, Gesa (Hg.) "Was der Mensch essen darf?"  Springer VS, 2015 -  Dr.Rainer-Wild-Stiftung  (idw-Meldung, 28.01.2015)

Ernährungsökologie / New Nutrition Sciences 

Dr.G.H.Brundtland: Nutrition, Health and Human Rights -  ACC/SCN Symposium on "The Substance and Politics of a Human Rights Approach to Food and Nutrition Policies and Programmes" WHO, Genf; 12.4.1999 (im Arhiv)

Simon Blackburn: Gut sein – eine kurze Einführung in die Ethik; Primus- Verlag, Darmstadt 2004 

Harald Lemke – Ethik des   Essens - Akademie-Verlag, 2007  (google book)
Vortrag; Tagung Bremen 2001; „Essen mit Leib und Seele“ Die Volkshochschule Bremen teilt mit: Essen mit Leib und Seele – gesund und mit Genuss / 12.02.02  (link)

The Economist -.Titelbild 13.12.2003 "The shape of the things to come" (Übergewichtige - Evolutionsreihe) 

IUNS-  Publication Ethics
frühere IUNS Task Force on Food Ethics/Food Policy (Wenche Barth Eide; Urban Johnson; Uwe Kracht)(SCN News 30_2005)

Ethikrat macht Ernährung zum Thema (24.7.2008) Das Recht auf Nahrung wurde bereits im Jahr 1948 in der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen verankert. Nicht näher definiert ist jedoch, ob sich dieses Recht allein auf eine ausreichende oder auch auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung bezieht.  
Wer trägt die Verantwortung für eine ausgewogene Ernährung - der Einzelne oder die Gesellschaft?
Impulsreferat - Ethische Aspekte der Ernährung  (Wortprotokoll)
K.Biesalski: Trägt der Staat Verantwortung für gesunde Ernährung? (download) - Forum Bioethik (26.11.2008)  (Wortprotokoll)
Pressemeldung 27.05.2011: Ernährung der Wewltbevölkerung - im Blickpunkt des Deutschen Ethikrates

(Biopolitics) - Eingriff des Staates in Verhalten von Menschen -ungesunde Lebensstile - Ernährungsweisen - bestrafen ?
Boehme, T.C.: Verbotene Speisen - Wer isst, zerstört, oder von den Gefahren der Einverleibung: Essen und Ethik haben viel miteinander zu tun. TAZ 26.12.2008 -http://www.taz.de/ !27857 /
Schorb, F.: Das Essen der Anderen - TAZ 26.12.2008 -

LZ—Spezial – Dez 2004 – Food & Verantwortung

Soziale Verantwortung der Unternehmen  (CSR - Corporate Social Responsibility) / IMUG CSR-Aktivitäten/Methoden / Dr. Ingo Schönheit /  

Frank Wittmer – Uni-Tuebingen / Zentrum für Ethik in den Wissenschaften - (nicht mehr dort) http://www.izew.uni-tuebingen.de    / Ethische Aspekte – Funktionelle LM (Vortrag – KET 2000)

Food Ethics Council  - (link)

EURSAFE 2006, Oslo (22.-24.06) "Ethics and the Politics of Food" - (6th Congress of the European Society for Agricultural and Food Ethics) - http://Eursafe2006.etikkom.no -  on the following themes:  
•Sustainability in food production
•Politics of consumption
•Emerging technologies in food production
•Animal welfare and production
•Critical issues in aquatic production systems
•The toolbox for assessing ethical issues
•Foundational issues in philosophy/ethics
•Social conflicts over resource management
•Politics and power in the globalised food chain
•Politics, nutrition and food safety
•Ethics and safety in food discourses
•Who’s responsible? Corporate responsibility and political governance in relation to food ethical issues
•Cultural values in food production
•Social distribution of responsibility for food ethical
•Trust in food
•Food, health and social inequality

Cobus April 2007 – Konsum-Ethik / Otto-Trend-Studie

ADA: Telemedicine: Legal, ethical and liability considerations. J,Amer.Diet. Assoc. 102(2) 267-269 (2002)  

Code of Ethics for the Profession of Dietetics - 1st - 1999 / revised 2009 Journal of The American Dietetic Association  

Warren Belasco: “Meals to Come: A History of the Future of Food,” (University of California Press),  “Will we/when will we run out of food?" (Presse -22.11.2006 - New York Times

Schweisfurth-Stiftung: Agrar- und Eßkultur - Zur ethischen Dimension der Ernährung - Dokument-Download

Ernährungsökologie - Wissenschaft mit Zukunft - Knackpunkt (Aug 2002)

Naturphilosophie -zur Frage: "Was sind wir dafür schuldig, daß wir von anderem Leben leben?" (K.M. Meyer-Abich)  Leben. Töten. Essen Anthropologische Dimensionen Hrsg. von Hans.W. Ingensiep, Heike Baranzke und Franz-Theo Gottwald Hirzel Verlag Stuttgart, 2002, ISBN 33-7776-1033-X, 422 S. (34,80 Euro)(Infos)

 Lemke, H.: Klimagerechtigkeit und Esskultur - oder "Lerne Tofuwürste lieben!" S, 167-185 in Waskow, F., Rehaag, R.: Globaler Ernährungswandel zwischen Hunger und Übergewicht. S. 143-165 in Ploeger, A., Hirschfelder, G., Schönberger, G.:Die Zukunft auf dem Tisch. Analysen, Trends und Perspektiven der Ernährung von morgen. VS Verlag, Wiesbaden; 2011 (Tagungsband - des www.ak-esskultur.org - Wild-Stiftung)
(google books)

Apostel Paulus – so jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen. (Wikipedia)

Rosenberger; M.: Im Brot der Erde den Himmel schmecken. Ethik und Spiritualität der Ernährung. oekom-Verlag, 2014

Svenja Zimmer Bachelorarbeit „Mögliche Einflüsse protestantischer Ethik auf Ernährung, Gesundheitsverhalten und Schlankheitsideal" (Hochschule Fulda, Betreuer: Prof. Dr. Christoph Klotter)(download)

Kaplan, Helmut F.: Sind wir Kannibalen? Fleischessen im Lichte des Gleichheitsprinzips. Frank-furt 1991.
Kaplan, Helmut F.: Warum Vegetarier? Grundlagen einer universalen Ethik. Frankfurt 1989.
Kaplan, Helmut F.: Leichenschmaus. Ethische Gründe für eine vegetarische Ernährung. Reinbek 1993
Schlör, Peter: Vegetarismus: Ein vernachlässigtes Thema der Ethik. Diplomarbeit an der Universität Innsbruck 1989.
Steiner, Rudolf: Ernährung und Bewußtsein. Werke Bd. 7. Stuttgart 1981
Steiner, Rudolph: Ernährung des Menschen. Themen aus dem Gesamtwerk, Vorträge, ausgew. und hg. von Kurt Th. Willmann. Stuttgart 1989.

Meier, Uwe (Hrg) Agrarethik - Landwirtschaft mit Zukunft - AgriMedia Verlag 2012 (link) (idw-Meldung - 10.09.12)
Wild, Stephanie (Hrg): Sich die Ernte teilen .. Einführung in die solidarische Landwirtschaft. Printsystem Medienverlag 2012

Jonas Grauel: Gesundheit, Genuss und gutes Gewissen Über Lebensmittelkonsum und Alltagsmoral. Transcript-Verlag Oktober 2013, 330 Seiten, ISBN: 978-3-8376-2452-6 -

Meier, U. (Hg): Agrarethik  – Landwirtschaft mit Zukunft,  Agrimedia Verlag, Clenze, 344 S.,  ISBN 978-3-86263-078-3  (Pressemitteilung des JKI, Braunschweig 10.09.2012)

Dohmen, C.: Otto-Moral-Verbraucher, Orell-Füssli, 2014 (Link)    (Deutschlandradio Kultur - 2012 - Manuskript)

Umweltethik - wikipedia
- www.umweltethik.at
- Lehrstuhl Philosophie und Ethik der Umwer,  Uni Kiel - website
- BUND-Arbeitskreis für Umweltethik - website 
- Umweltethik - link-Liste des Internationalen Zentrums für Ethik in den Wissenschaften (IZEW), Uni Tübingen

 

 

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