07/13/14
Arpad Dobriban (*1957) studierte u. a. an der Städelschule Frankfurt bei Peter Kubelka und der Kunstakademie Düsseldorf, wo er 1989 Meisterschüler bei Nam June Paik wurde.Sein Werk rankt sich um "Kochen als älteste überlebenswichtige Kulturtechnik".
In seinen Projekten untersucht er die Geschichte bzw. die Entwicklung aller Aspekte des Essens:
- kulturgeschichtliche Fragen zum Geschmack (sensorische Dimensionen);
- kulturelle Geschichte der Nahrung, des Essens, der Zubereitung, Mischung und Kombination der Nahrungsmittel (einschließlich der Werkzeuge und des Aufbewahrens des Essens und der komplexen kulturellen Rituale der Speisen und des Speisens; Verbote; Missklänge bei Speisen; umfangreiche Ökonomie der Verarbeitung und der Aufbewahrung bzw. Konservierung; Geschichte der Esswerkzeuge, Geräte; Sitten und Rituale; Geschichte der Feste, des sozialen Gebrauchs von alkoholischen Getränken, erregenden Speisen und Rauschmitteln schreiben). Die Kulturgeschichte des Essens ist ebenso Bestandteil einer Geschichte der Zivilisation, des gesellschaftlich geregelten Umgangs mit dem Körper und den Begierden. Es ziegt sich dass durch die gesellschaftlichen Entwicklungen (Industrialisierung) wie in der Malerei auch beim Essen sensuelle Erfahrungen verkümmern (Industrieprodukte sind standardisiert; gleich; selbst etwas herstellen erhält die feinen Unterschiede).
Bei seinen Projekten verwendet er ethnographische Methoden (qualitative Untersuchungen, Gespräche mit alten Menschen; Erinnerungen an Speisen in der Kindheit, usw.); da er nicht zur Kategorie der Wissenschaftler zählt, scheint er dort auch nicht wahrgenommen zu werden.
Neben den mehr theoretischen Überlegungen - z.B. zu den möglichen Strukturen beim Geschmack (analog zur Farbenlehre in der Malerei) und den Speisen (Rezepten, Menüs) - ist das Hauptanliegen die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen. Dazu gehört das Kochen lernen - er hat eine mobile Küche (Truck) dafür (link).
Er konzipiert und inszeniert Gastmahle für 40 bis 150 Gäste mit dem Ziel einer gemeinsamen Geschmackserfahrung, weil für ihn der Geschmack der Speisen individuelle wie kollektive Erfahrungen und Stimmungen heraufbeschwört. Diese unverwechselbaren Geschmackserinnerungen hängen von sozialen und geografischen Wurzeln der Rezeptgeber und den jeweiligen Zubereitungspraktiken ab. Während der Menüfolgen erläutert Dobriban die Entstehungsgeschichte der einzelnen Speisen, kommentiert die Zutaten und deren kulturhistorische Bedeutung.
Das gemeinsame Essen als kommunikatives soziales Event, als partizipatorisches Kunstprojekt, wird so zum Anlass interessierter und kritischer Fragen zu den Produktionsbedingungen unserer Nahrungsmittel und zu unserem Umgang mit diesen lebenswichtigen Ressourcen.
Dobribans kommentierte Speisefolgen erlauben einen unmittelbaren sensuellen Zugang zu den essentiellen Grundlagen menschlichen Lebens und öffnen den Blick für kulturhistorische Phänomene - zitiert nach Informationen zur Verleihung des HAP-Grieshaber-Preises (link)( der Stiftung Kunstfonds (website)
Projekte: (⇒ Website: www.arpad-dobriban.de ⇒ dort Veranstaltungen)
Mannheim schmecken - Versuch zur Rettung der Hauskocherei - im Rahmen des Stadtjubiläums 2007 (link)
Die Kochkünste eines Künstler Kochs (Klee-Museum, Bern, 2009) (Züritipp - 17.08.2009)
Essen an der Ruhr (2010) (Zeitungsbericht - WA 22.10.2010) (Bericht: Anweisungen aus der Vergangenheit - link) (Welt am Sonntag 27.06.2010 - Gerichte mit Geschichte)
Website - www.geschmacksarchiv.de -
Texte von Johannes Meinhardt zu AD - Schöpfen zwischen -50C und +2500C (Kunstforum Bd.168, 2004); Eine Kritik des Geschmacks (Sammlung Domnick, Nürtingen)
Anna Bürkli: Kochprojekte in der Kunst der Gegenwart. - in www.kunsttexte.de - Nr.03_2009 (link)
Ausstellung - Fellbach - Triennale der Kleinkunst (11.06.- 02.10.2016)- parallel dazu in der Galerie der Stadt Fellbach: "Abstrakte Überreste" (20.05.-25.09.2016)
Beteiligung an "Olfactismus - über den Geruch" , Neuer Kunstverein Wuppertal (15.04.-14.05.2016)
Fingerfood in fünf Gängen mit Aprad Dobriban. Slow Food Magazin N.r2/2003, S.41 (scan im Archiv)