01/08/17

Äthiopien - das frühere Abessinien

Äthiopien (amharisch ኢትዮጵያ Ityop̣p̣əya, aus altgriechisch Αἰθιοπία Aithiopia) ist ein Binnenstaat im Nordosten Afrikas. Zur Zeit des Kaiserreichs Abessinien war das Land auch als Abessinien (seltener auch Abyssinien) bekannt. Das Land grenzt an Eritrea, den Sudan, den Südsudan, Kenia, Somalia und Dschibuti.
Äthiopien ist der bevölkerungsreichste Binnenstaat der Welt sowie ein Vielvölkerstaat.
Beim Index der menschlichen Entwicklung rangiert Äthiopien auf Platz 174 (Stand 2014; von insgesamt 188 bewerteten Ländern). Ein großes Entwicklungshindernis ist das sehr hohe Bevölkerungswachstum (2,5–3,0 % jährlich) in einem traditionell ländlich geprägten Umfeld, in dem es oft an elementarer Infrastruktur mangelt.
Die Hauptstadt Addis Abeba zählt hingegen zu den größten Metropolen Afrikas, durch Urbanisierung wachsen auch weitere Städte wie Awassa, Gonder und Dire Dawa.
Äthiopien gilt als eines der Herkunftsländer des modernen Menschen sowie des Kaffee und weist zudem eine etwa 3000-jährige bekannte ununterbrochene Geschichte auf.
Es ist das einzige Land Afrikas, das in seiner gesamten bekannten Geschichte nie von fremden Mächten besetzt wurde (ausgenommen das damalige Kaiserreich Abessinien während des Zweiten Weltkrieges durch das Königreich Italien). Diese lange Zeitspanne der weitgehend ungestörten Kultur- und Zivilisationsentwicklung macht das Land, das die höchste Zahl an UNESCO-Welterbestätten in Afrika aufweist, auch zu einem begehrten Tourismusziel.
Nach dem Zweiten Weltkrieg modernisierte Kaiser Haile Selassie das Land teilweise. 1974 ging das mehr als 800-jährige Kaiserreich unter. Im Jahr 1991 kam die Rebellenallianz EPRDF nach einem Bürgerkrieg an die Macht. Die EPRDF hat sich seitdem als Regierungspartei etabliert und regiert unter einem föderalen System weitgehend autoritär. Beim Demokratieindex von 2014 befindet sich das Land sich auf Platz 124 von 167.

Äthiopien ist der zehntgrößte Staat in Afrika, er ist rund dreimal so groß wie Deutschland. Seine Grenzen sind 5328 km lang. Zwischen 1952 und 1993 hatte Äthiopien einen Zugang zum Meer, der jedoch mit der Unabhängigkeit Eritreas verloren ging.
Die Landesnatur Äthiopiens nimmt innerhalb Afrikas eine Sonderrolle ein. Äthiopien ist neben Lesotho das am höchsten gelegene Land des Kontinents: 50 % seiner Fläche liegen höher als 1200 Meter, mehr als 25 % über 1800 Meter, über 5 % erreichen gar Höhen über 3500 Meter. Dennoch hat der größte Teil des Hochlandes Mittelgebirgscharakter. Hier herrscht gemäßigtes Klima vor. Die Hochlandsränder und die Einschnitte der Flüsse (Blauer Nil, Omo, Takaze) sind sehr steil ausgebildet. Der Großteil Äthiopiens wird vom Hochland von Abessinien eingenommen; in diesem weitläufigen Hochgebirge liegt auch die Hauptstadt des Landes, Addis Abeba (2370 m). Höchster Berg des Hochlandes ist der Ras Daschän (4533 m).
Durch die Mitte des Landes zieht sich in Nordost-Südwest-Richtung der Große Afrikanische Grabenbruch (der hier auch Abessinischer Graben genannt wird).
Die tiefste Landesstelle befindet sich mit 116 m unter dem Meeresspiegel in der Koba-Senke (oder Afar-Senke) am Karumsee westlich der Grenze zu Eritrea.
Die klimatischen Unterschiede innerhalb von Äthiopien sind in erster Linie durch die Höhe bedingt, in den Tiefebenen ist es heiß und in den Hochebenen relativ kühl.
Aufgrund seiner abwechslungsreichen Topographie, diverser geologischer Schichten und verschiedener klimatischer Verhältnisse ist Äthiopien die Heimat für eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt. Von der Savanne über immergrüne Feuchtwälder bis hin zu Regionen mit alpinem Klima haben sich hier viele Lebensräume etabliert.
Äthiopien ist eines der acht Genzentren der Erde. Die äthiopische Flora umfasst ungefähr 7000 höhere Pflanzenarten, von denen ungefähr zwölf Prozent endemisch sind. Äthiopien ist das Ursprungsland des Kaffees und verschiedener Getreidearten, wie Teff, sowie der Zierbanane (Ensete). Über 20 verschiedene Kulturpflanzen stammen aus diesem Land. Die Schirmakazie, der Baobab, Wacholder und der Maulbeerfeigenbaum sind typische Baumarten des Landes.
Eines der großen Umweltprobleme Äthiopiens ist die Waldrodung, die dazu geführt hat, dass bereits Anfang des 20. Jahrhunderts viele dieser Arten in ihrem Bestand erheblich geschwächt waren. Eine Aufforstung mit schnell wachsenden Eukalyptusbäumen im Jahre 1905 hat dazu geführt, dass diese heutzutage den größten Teil der Bäume Äthiopiens ausmachen.
So unterschiedlich wie die ethnische Zugehörigkeit ist auch die religiöse. Die wichtigsten Glaubensgemeinschaften sind die äthiopisch-orthodoxen Christen, die sunnitischen Muslime und verschiedene äthiopisch-evangelische Kirchen. Kleine Minderheiten bilden die Anhänger von traditionellen Religionen, Katholiken und Juden. Die äthiopischen Juden (Falascha, Beta Isra’el) sind mittlerweile fast komplett nach Israel ausgewandert.
Äthiopien zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Schätzungsweise 49 % der Bevölkerung sind unterernährt, auch in „guten“ Erntejahren bleiben Millionen Äthiopier auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Ursachen des Hungers sind Dürre und Überschwemmungen, verschärft durch verbreitete Entwaldung und Erosion, sowie durch die politischen Auseinandersetzungen. Äthiopien ist in zwei bilaterale Konflikte mit Nachbarstaaten verwickelt. Zum einen gibt es mit Eritrea Uneinigkeiten über den Grenzverlauf im Nordwesten der Provinz Tigray, die 1998 zum Eritrea-Äthiopien-Krieg geführt haben. Zum anderen kam es immer wieder zu Konflikten mit Somalia, da somalische Nationalisten die Somali-Region (Ogaden) im Osten Äthiopiens an ein Groß-Somalia angliedern möchten.
Der Außenhandel Äthiopiens besteht im Wesentlichen aus dem Export von Kaffee. Deutschland ist der größte Importeur von äthiopischem Kaffee.
Durch die ökologische Verschiedenartigkeit gibt es in Äthiopien unterschiedliche landwirtschaftliche Nutzungssysteme.
Nomadismus existiert in allen Wüsten und Halbwüsten in den tieferen Lagen. Meistens treiben die Familien saisonal bedingt ihre Viehherden zwischen verschiedenen Weidegebieten hin und her. Ein Nomadismus, bei dem über Jahre weite Strecken zurückgelegt werden, ist selten. Inzwischen werden die Weideflächen knapper. Das liegt einmal an der zunehmenden Bevölkerung, aber auch an der Ausbreitung von kommerziellen Farmen wie beispielsweise in der Danakilebene. Dort verloren die Afar in den 1950er und 1960er Jahren ihre besten Weidegebiete entlang des Awash. Diese Farmen wurden 1975 verstaatlicht und teilweise vergrößert. Viele Afar arbeiten heute auf diesen Farmen oder betreiben selber Ackerbau. Semi-Nomadismus oder Transhumanz: Diese Landnutzung war früher bei vielen Oromovölkern weit verbreitet. Dabei werden mit einer Handhacke Felder bearbeitet, um Getreide anzubauen. Heute kommt diese Form der Landnutzung noch in einigen Teilen von Bale vor. Besonders in den letzten 100 Jahren wanderten vermehrt Menschen aus dem Norden in den Süden, nachdem Menelik II. den Süden erobert hatte. Der Pflug setzte sich immer mehr durch, da er eine intensivere Landnutzung möglich machte. Brandrodung kommt in den Grenzgebieten zum Sudan vor. Der Busch wird gerodet und/oder abgebrannt. Große Bäume bleiben meist stehen. Der Boden wird dann gepflügt oder mit einer Hacke bearbeitet. Das Land wird so für drei bis fünf Jahre genutzt. Ist die natürliche Bodenfruchtbarkeit erschöpft, folgt eine Ruhezeit von 15 bis 25 Jahren, in der der Boden wieder von natürlicher Vegetation überwachsen wird. Die zunehmende Landknappheit zwingt die Bevölkerung ihre Felder in immer kürzeren Intervallen zu bestellen. Ohne die notwendigen Maßnahmen zum Ressourcenschutz ist eine langfristige Nutzung nicht mehr gewährleistet. In vielen Gebieten findet heute ein ähnlicher Prozess wie vor Jahrzehnten und Jahrhunderten im Norden Äthiopiens statt, der zu einer gewaltigen Zerstörung der Ökologie führte.
Im nördlichen Hochland begann der Mensch vor 7000 bis 8000 Jahren mit sesshaftem Ackerbau. Der Boden wird mit dem meist von Ochsen gezogenen Pflug bearbeitet. Die Saat wird breit ausgesät und mit dem Pflug eingearbeitet. Typisch sind Pflanzen, die sich generativ vermehren. Dazu gehören Getreide, Hülsenfrüchte und Ölsaaten. Die wichtigsten Anbaufrüchte sind Teff, Sorghum, Mais, Weizen, Gerste, Fingerhirse, Raps, Sesam. Die Bodenfruchtbarkeit wird durch Fruchtwechsel mit Leguminosen und einer mehrjährigen Brache erhalten. Auf hofnahen Feldern wird mit Tierdung gedüngt.

(Information: wikipedia - engl. Ethiopia)
- Ethiopia im CIA-World Factobook -
- Ethiopia bei www.countryreports.org -
- Länderprofil Äthiopien - Statistisches Bundesamt Österreich
- Äthiopien - Auswärtiges Amt Deutschland
- Äthiopien - beim www.daad.de -

- Daten der FAO zu Äthiopien - FAOStat  - Country Profile -

Hunger - Nahrungsknappheit - Trockenheit
- http://www.fews.net/east-africa/ethiopia  - Famine early warning
- Hungersnot: Ähtiopien trocknet aus. Frankf.Rundschau 02.02.2016
-Drought and war spark famine across Horn of Africa and South Sudan - Deutsche Welle 08.02.2016
Ferro-Luzzi, A. et al.: Seasonal Undernutrition in Rural Ethiopia. IFPRI-Report Nr.118, 2001

Miller, D.S. et al.: The Ethiopia Applied Nutrition Project. Proc.Roy.Soc. B 27.08.1976

- Die offizielle Website der äthiopischen Regierung - www.ethiopia.gov.et  - ist z.Zt. (08.01.2017) nicht erreichbar / Ethiopian Government / (jetzt wieder erreichbar)

- Ein neuer Mann regiert. Man kann wieder frei atmen in Addis Abeba. TAZ 10.07.2018

Ernährungsforschung im Land - bekannte "Nutritionist" / Institute /   Dietary Survey / usw / Nutrition Society  (siehe IUNS)
Ernährungsforschungsinstitut - Schwedische Entwicklungshilfe: The Ethiopian Health and Nutrition Research Institute (EHNRI) is the result of the merger in April 1995 of the former National Research Institute of Health (NRIH), the Ethiopian Nutrition Institute (ENI) and the Department of Traditional medicine (DTM) of the Ministry of Health. http://ehnri.gov.et/about-ehnri/what-is-ehnri/history-of-ehnri

Agrarforschung - Kooperationen mit Uni Giessen (Alkämper). besonderes (hier unbekannte) Hauptnahrungsmittel in einigen Regionen - die Ensete (falsche Banane)
Jochen Alkämper Die Getreideproduktion Äthiopiens. Habil Schrift Gießen 1971
Alkämper, J et al.: Khat in Äthiopien. Ein Genußmittel mit Nebenwirkungen. Spiegel der Forschung (Uni Giessen) Nr.1/1990, S.23f - geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2008/5464/pdf/SdF-1990-1-23-26.pdf

Gastronomie - "Küche des Landes" - http://www.cuisimonde.com/
Merian-Hefte – Infos zu Regionen / Reiseführer (Geschichte, gesellschaft, Kultur..

Motiv-Briefmarken aus Äthiopien 

Wenlock, R.J., Wenlock, R.W.: Maternal nutrition, prolonged lactation and birth spacing in Ethiopia. Journal of Biosocial Science (1981), 13 : pp 261-268 DOI: http://dx.doi.org/10.1017/S0021932000013456  (About DOI)

Harrison, G.A. et al.:   The Effects of Altitudinal Variation in Ethiopian Populations.  Proc. Roy. Soc. B 09.10.1969

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