Zur Geschichte der Ernährungspolitik

Geschichte der FAO - Nahrungssicherheit - Agrarproduktion
- International Conference(s) on Nutrition (ICN)
Geschichte der WHO (von Infektionskrankheiten - über Nutrition in Transition - zu Lifestyle-Disease)

Geschichte des Lebensmittelrechts / Verbraucherschutz
- z.B. Mettke,K.: Geschichte und Bedeutung des Lebensmittelrechts, Behr´s -  link bei www.lebensmittelrecht.com -.

Geschichte der Ernährungspolitik in den USA

Geschichte der Ernährungspolitik in Europa (WHO)  (Abb)

Geschichte der Ernährungspoltik in Deutschland

Spiekermann - Historischer Wandel der Ernährungsziele in Deutschland - AGEV 2000

Spiekermann - Deutsche Ernährungspolitik 2010

(OLT - AGEV 2003 - p.240)

Agrarwirtschaft und Agrarpolitik in Dritten Reich (1933-45) (wikipedia)

Teil "Geschichte der Ernährungspoltik" (aus OLT-Manuskript - Ernährungsgeschichte interdisziplinär; 1985)

Die Produktion, Verarbeitung und Verteilung von Lebensmitteln war und ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Viel Geld ist im Spiel (Abb. S97/75); Geld ist Macht. Seit Lebensmittel auf den Markt kommen, gibt es auch Hinweise, dass betrogen und gefälscht wird (S. 34 Original).Der Staat muss regulierend eingreifen. Es gibt schon frühe Berichte über Lebensmittelkontrollen. Mit der Entwicklung der Lebensmittelindustrie steigt auch die Zahl der entsprechenden Gesetze und Verordnungen (Abb. S.105/83). 

Der Staat muss sich auch die Ernährung der Bevölkerung so organisieren, dass gesellschaftliche Funktionen erfüllt werden können. Durch zu wenig Nahrung können Aufgaben nicht richtig erfüllt werden. Jeder Staat achtet darauf, dass seine Streitkräfte bei Kräften bleiben. Zu wenig Nahrung führt häufig zu politischen Unruhen. Nahrung kann auch gezielt als politische Waffe eingesetzt werden. Dazu sollen einige wenige Stichworte aus unserer jüngsten Vergangenheit zum Nachdenken anregen. Im Juni 1948 begann die Blockade Berlins, damals wollten die Russen Berlin aushungern, doch die Amerikaner schickten die "Rosinenbomber". Die RAF in Deutschland und der IRA in Irland setzten, das durch Mahatma Gandhi popularisierte Mittel des Hungerstreiks ein, um damit politische Forderungen durchzusetzen (s.S. 69 Original; Fasten). (Geschichte der Hungersnöte) (Nahrung als Waffe)

Der Zweite Weltkrieg musste nicht nur militär-strategisch geplant werden, sondern auch ernährungsstrategisch. Dazu mussten die richtigen Lebensmittelrationen für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse festgelegt werden. Es sollten nicht zu viel sein, damit die Nahrungsreserven möglichst lange reichten und es durfte nicht zu wenig an Nahrung verteilt werden, denn dann gibt es Verluste in der Arbeits- und Kampfkraft. In dieser Rationierungskommission des Deutschen Reiches ging auch der Sachverstand des damaligen Kaiser-Wilhelm-Institutes für Arbeitsphysiologie ein (Leiter Prof. H. Kraut). Der "Feind" wollte wissen, wie lange können sich die Deutschen noch ernähren, d. h. wie lange können sie noch kämpfen. So finanzierten die Amerikaner entsprechende Studien bei denen amerikanische Studenten auf deutsche Rationen gesetzt wurden. Das Resultat dieses Minnesota-Experiments war allerdings dadurch kriegstrategisch ein Misserfolg, da die Informationen nicht genutzt werden konnten, denn das Experiment berücksichtigte nicht die langsame Anpassung an wenig Nahrung, so wie es in Deutschland durch die langsame Reduzierung der Rationen (Abb. S106/84) geschah. Der schnelle Übergang von normaler Kost auf Kriegsrationskost brachte für die amerikanische Versuchspersonen Anpassungsprobleme, die die weitere Berechnung verfälschten. Für die Ernährungswissenschaft brachte das Minnisota-Experiment jedoch viele wertvolle Erkenntnisse. (Keys, A. et al.: the biology of human starvation. Minnesota University Press, Minneapolis, Bd. 1,2, 1950, (Lit. 10.600)

Auch im Ersten Weltkrieg spielte der Faktor Ernährung, der Kampf um die Nahrungsreserven und das Ziel des Aushungerns des Feindes durch Blockaden eine wichtige Rolle. Hierzu ein Zitat aus einer Publikation jener Zeit: "Heimarmee, auf zum Kampf!" - Seit sieben Monaten wütet der Kampf an unserer West- und Ostgrenze. Zu den alten Feinden des Deutschtums, den Franzosen und Slaven, haben sich die Engländer gesellt, ... jetzt wollen sie noch einen letzten Bundesgenossen heranrufen: den Hunger
Unsern braven Feldgraue und unsere Marine ist es bisher gelungen, aller Feinde Herr zu werden; nun aber ergeht auch an uns, an die Heimarmee der Ruf: "Auf zum Kampf!"
Nicht gilt es für uns, mutig den feindlichen Kugeln die Brust zu bieten, nicht tage- oder wochenlang im Schützengraben auszuharren bei Wind und Wetter, in Sonnenbrand und Schnee, vor uns die verwesenden Leichen der Gefallenen, neben uns die verwundeten Kameraden; wir sollen nur einige Zeit: "weniger essen du vernünftiger essen".
(aus: Merkblatt über Kriegs-Nahrungsfragen; Kriegsausschuss des Berliner Bezirksvereines des Vereines deutscher Ingenieur, Berlin, 1915 (Lit. 21.5XX)

Dies sind gleichzeitig auch Beispiele dafür, wie Macht- und militärische Interessen Auswirkungen auf die Forschung haben. Bei der Entwicklung der Lebensmittelverarbeitung waren dies, z.B. die Förderung der Konservennahrung (S.104 Original). Auch heute noch wird die Forschung aus diesen Richtungen stimuliert. Man denke nur an die Weltraumeroberung. Und als "spin off" solcher Forschung fällt auch meist etwas für die Zivilbevölkerung ab - und dies auch in die Richtung Ernährung. Ein häufig genannter Hinweis (unsicher ob dies richtig ist) über die Vorteile der Weltraumraketen-Forschungsförderung ist: als Nebenprodukt konnte die teflonbeschichtete Pfanne entwickelt werden, ein nützliches Hilfsmittel bei der Zubereitung mit Fett sparen zu können (also die Weltraumforschung leistet ihren Beitrag im Kampf gegen das Übergewicht).

Die Gesellschaft muss für die Behandlung der Krankheiten immer mehr bezahlen (Abb.S. 108/85) . Falsche Ernährung hat einen hohen Anteil daran (Abb. S.108/86) (Kosten der Fehlernährung). Es sollte im Interesse der Gesellschaft, bzw. des Staates liegen, diese durch eine richtige Ernährungspolitik zu senken. So wurden beginnend in den USA (US Food Policy) (und später in anderen Staaten) entsprechende Ernährungsziele formuliert, die helfen sollen, ernährungsabhängige Krankheiten zu vermeiden. Zu den Staaten die diese "dietary goals" politisch umsetzen wollen und dazu eine Ernährungspolitik formuliert haben, zählt anfang die Bundesrepublik nicht (Abb. S108/87) (Kasten 25)

In dem wirtschaftlichen Geflecht (Agribusiness) (Abb.S 108/88), das von zwei großen Gruppen - dem Lebensmittelmarkt (Abb. S97/75, über 200 Mrd. DM) und dem Markt der die Krankheit der Bevölkerung verarbeitet (Abb. S108/85, auch über 200 Mrd. DM) beherrscht wird, ist wenig Platz für die Ernährung des Menschen; der Verbraucher hat nur eine schwache Lobby.

Die Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft, die Informationen über richtige Ernährung, stoßen zwar immer wieder auf ein reges Interesse. Es gibt heute auch viele Institutionen, die sich darum kümmern.
Die neutralen, öffentlich geförderten "Aufklärungsstellen wie:
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)
- Arbeitsgemeinschaft der Verbraucher e.V. (AgV)
- Arbeitsgemeinschaft Hauswirtschaft e.V. (AGH)
- Verbraucherzentralen e.V. (VZ)
- Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten e.V. (AID)
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
- Ländlich-hauswirtschaftliche Beratungsstellen
und weitere Organisationen, wie:
- Stiftung Warentest
- Öko-Institut
- Volkshochschulen, usw.
stellen eine vermeintliche Fülle durch ihre Vielzahl da  (Lit.. Ernährungsbericht, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Frankfurt/Main, 1980) Doch diese Zersplitterung ist eine ihrer Schwächen, denn sie geben keine Einheitlichen Informationen. Die wesentlich wichtigere Schwäche ist jedoch, dass sie auf den Informationsmarkt keine gleiche Chance haben. Die "Aufklärung" über den Ernährungsmarkt wird durch die Marketingabteilungen der Industrie bestimmt. Man sieht es daran, wenn man allein Milliarden DM für Werbung (Abb.S109/89) mit Angaben über Etats von großen Aufklärungsinstitutionen wie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung vergleicht. Sie hat einen Haushalt von 5 Millionen DM, den sie vor allem aus Zuwendungen vom Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit bestreitet (siehe Protokoll der öffentlichen Mitgliederversammlung der DGE, 22.10.1987, Lit. 20.580). Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat 1985 für die Aufklärung der Verbraucher einer vernünftigen und bedarfsgerechten Ernährung 7,3 Millionen DM zur Verfügung gestellt. (BMELF-Info Nr. 5, 1986, Lit. 15.087) Die Centrale Marketing Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA), deren Ziel es ist, den Absatz deutscher Agrarerzeugnisse zu fördern - die für mehr Essen wirbt und dies teilweise in umstrittener Form (z.B. Zuckerwerbung) - erhält auch Zuwendung aus öffentlichen Mitteln. Die CMA hatte 1983 einen Haushalt von 102 Millionen DM (s. Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion Die Grünen vom 17.12.1984, Bundesausdrucksache 10/2648, Lit. 12.851). Die Ungleichheit im freien Informationsmark kann jeder auch dadurch erfahren, wenn er Werbeabteilungen der Industrie mit Verbraucherberatungsstellen durch eine "vergleichende Exkursion" besichtigen würde. 

Ein wenig vorausschauende Ernährungspolitik gibt es doch in der Bundesrepublik; so wurde am 10.01.1979 die Ernährungsbewirtschaftungsverordnung (EbewiV) im Bundesgesetzblatt verkündet (Lit. 8207), "um die für Zwecke der Verteidigung, insbesondere zur Deckung des Bedarfs der Zivilbevölkerung und der Streitkräfte erforderliche Versorgung mit diesen Erzeugnissen sicherzustellen" (§ 1, Abs. (4) des EbewiV).

Die engen Verknüpfungen zwischen Ernährung und Politik werden auch in der Geschichte der Ernährung deutlich. Die Einführung von erfolgreichen und neuen Pflanzensorten ist begleitet von vielen machtpolitischen Entwicklungen: Hobhouse formuliert die überspitzt in seine Buch "(Fünf) Pflanzen verändern die Welt". (Literatur: H. Hobhouse: (Fünf) Pflanzen verändern die Welt. Klett, Cotta, Stuttgart, 1987)
Man kann an solchen Beispielen lernen, geschichtliche Zusammenhänge und Prozesse zu sehen und zu verstehen So zeigt das Chinin, das Antimalariamittel der Chinarindenbäume, Zusammenhänge zwischen der Entwicklung der Chemotherapie und der Bevölkerungsentwicklung. Verminderte Sterberaten können zur Überbevölkerung führen. So konnten durch Chinin vor Malaria geschützte Weiße die für sie früher bedrohlichen Territorien kolonisieren.
Zucker zeigt tiefe Spuren in der geschichtlichen Entwicklung der karibischen Inseln. Die Geschichte des Zuckers ist aber auch zugleich die Geschichte Sklavenhandels und die der naturzerstörenden Wirkung von Monokulturen.
Die Tee-Geschichte gibt gleichzeitig Informationen zur Historie der Kulturvölker China und Indien und auch zur Entwicklung der englischen Kolonial-Handelsmacht, so wie der Wirkung von "Multis" (S. 101 Original, Ostindiengesellschaft).
Baumwolle steht in Zusammenhang mit dem amerikanischen Bürgerkrieg und der Sklavenbefreiung. Man kann hier auch Folgen der Industriellen Revolution von Innovationen, von Mechanisierung (z.B. Webstühlen) und internationaler Arbeitsteilung erkennen.
Die Kartoffel erzählt auch die Geschichte von Irland und seinen Auseinandersetzungen mit sich selbst und den Engländern. Der Hunger, der durch die Ernteausfälle der Monokultur sowie durch politischen Entscheidungen verursacht wurde, zeigt Analogien zu den heutigen Hungerproblemen in Ländern der Dritten Welt.
Auch die Geschichte der Gewürze, des Salzes, von Alkohol und Drogen zeigt analoge Zusammenhänge auf; und Weizen ist nicht nur Nahrung, sondern wir kennen auch "Weizen als Waffe" (s. Kapitel Hunger).

Man sieht, die Ernährung gehört zur Kultur der menschlichen Gesellschaft, die Beschäftigung mit Ernährungsfragen trägt zur Bildung bei.  Die Ernährung der Menschen, ihre Ernährungsgewohnheiten tragen dazu bei, das Bild eines Landes zu prägen. Man identifiziert manchmal ganze Nationen anhand ihrer echten oder vermeintlichen Nationalgerichte. Die Italiener werden zu den "Spagettis", die Türken zu den "Knoblauchfressern" und wir Deutsche sind die "Krauts". Früher zeigten auch kleinere geographische Regionen durch das Essen ihre Eigenarten. Man kann regionale Küchen identifizieren wie z.B. die Schwaben durch Spätzle und Maultaschen zu erkennen sind. Manche Gegenden sind durch ihre Spezialitäten allgemein bekannt geworden, wie z.B. das Gebiet um Cognac oder die Champagne. Auch Namen von Großstädten sind in Verbindung mit Nahrungsspezialitäten zu finden. Es gibt "Berliner Weiße", "Frankfurter Würstchen" und "Wiener Sachertorte. Heute hat man den Eindruck, "moderne" Ernährung wie Weißbrot, Pommes, Ketchup, Hamburger, Cola, usw. gibt es überall in der Welt; sie sind wie andere Zivilisationsgüter - wie "Dallas-Fernsehwelten", Popmusik, Fußball u.a. auf einem Siegeszug in allen Kontinenten. Die traditionellen Esskulturen erscheinen genauso bedroht wie die nationalen Kulturen und Identitäten. Daneben zeigt sich heute auch ein Rückbesinnen auf die gute alte Zeit, es gibt auch eine Welle von Wiederentdeckungen der "regionalen Küchen". Es gibt entsprechende Kochbücher und Restaurants die mit solchen Spezialitäten werben.

Die Beziehung zwischen Ernährung und Kultur als solcher, die es fraglos gibt, sind noch nicht systematisch aufgearbeitet worden. Als wichtiger Lebensinhalt ist Ernährung auch Gegenstand von Kunst. Dichter greifen Ernährungsthemen auf und auch Maler. Es gibt die Felsbilder aus unserer Vorzeit (Abb.S112/90). Die Darstellung von Nahrungsmittel wurde in vielen Epochen als Stilelement benutzt, z.B. Bilder des Arcimboldo aus dem 16. Jahrhundert, der nicht nur Bilder aus Lebensmittel, sondern auch aus Küchengeräten gestaltete (Abb.S112/91). Auch das gesellschaftskritische Element der Ernährung lässt sich in der Malerei nachweisen. So malte Pieter Brüghel (1563) die fette und die magere Küche (Abb. S112/92) und Andy Warhol benützte Darstellungen der modernen Konservennahrung als Stilelement (Abb. 113/93).

Analog kann man auch das Essen in der Literatur aufspüren .Es gibt Zusammenstellungen über die mehr freundlichen Ernährungsseiten wie z.B.: Wielacher, A.: Vom Essen in der deutschen Literatur. Mahlzeiten in Erzähltexten von Goethe und Grass. Kohlhammer, Stuttgart, 1987, 300 S.

Heckmann, H.: Die Freud´des Essens. Ein kulturgeschichtliches Lesebuch. Ullstein-TB-Nr. 20168, Frankfurt/Main, 1981, S. (selbst separat)

Aber auch zu den Problemseiten wie z.B.:

U. Chr. Pallach: Hunger. Quellen zu einem Alltagsproblem in Europa und der Dritten Welt - 17.-19. Jahrhundert. Dtv-dokumente TB-Nr. 2950, München, 1986

Kaminski, S.: Kolonialwarenlesebuch. Edition diá, St. Gallen, Köln, 1986, ... S. ISBN 3-905482-25-8 (selbst separat)

Durchgängig in der Gesellschaft des Menschen sind auch die kritischen Überlegungen zur richtigen Gestaltung des Lebens und der Kritik an den Zuständen der jeweiligen Zeit. Dabei wird auch die Ernährung als ein Teil der Lebensweise aufgegriffen. Dies findet man in den Anfängen, wie z.B. in der griechischen Diätetik (S.24, Abb.5) und auch heute. Die Kritik an unserer Ernährung, die Chemie im Kochtopf, den "toten Lebensmitteln", die nach der industriellen Verarbeitung keine Mittel zum Leben mehr enthalten, ist auch eine Kritik an unserer Zivilisation. Die Quellen sind die Missachtung der Natur allgemein (Ökologie, Umweltschutz), der Tiere im besonderen, aber auch der Ungerechtigkeiten im menschlichen Zusammenleben (z.B. Dritte-Welt-Problematik). Dieses Nachdenken kann zu Veränderungen im Lebensstil führen (Abb.S61/47, Typ 2 - postmateriell-linksalternativ eingestellte jüngere Mensch) und dann zeigen sich auch Veränderungen in den Ernährungsgewohnheiten. So gibt es heute eine "Bio-Welle", die sich auch bei der Ernährung zeigt (Abb.S114/94).

Solche (Reform-)Bewegungen gibt es in ganz ähnlichen Weise mit dem selben Spektrum der Motive (gesundheitlich, ethisch, moralisch, religiös, politisch) seit dem Beginn der Industrialisierung. Die Lebensreformbewegungen haben zumindest vier verschiedene "Flügel":
- die Naturheilbewegung
- vegetarische Bewegung
- antialkoholische Bewegung
- die Jugendbewegung

Man wollte "gesündere" Nahrung, man hatte Angst vor der Industrienahrung, 1887 wurde in Berlin eine "Gesundheitszentrale" eröffnet, die auch "gesunde Nahrungsmittel verkaufte. Im Jahre 1900 eröffnete in Wuppertal-Barmen der Kaufmann Karl August Heynen das erste "Reformhaus". In den Jahren um 1930 gab es bereits 2000 solcher Lebensmittelgeschäfte in Deutschland. Ein Essay von Georg Orwell aus dem Jahr 1942 (Abb. 114/95) liest sich so, als wäre es aus der heutigen Zeit. (Literatur: U. Linse: Zurück o.. Mensch zur Mutter Erde. dtv-Dokumente, TB-Nr. 2934, München, 1983, ...S.(selbst separat)

Die Beschäftigung mit der Ernährungsgeschichte macht die Zusammenhänge zwischen - Mensch, Ernährung und Umwelt - deutlich. Sie zeigt, dass der Mensch sein Lebenssystem beachten muss. Eine Herausforderung, die wir zur Bewältigung unserer Gegenwartsprobleme aufgreifen müssen, die aber nicht neu ist. Es gibt auch eine Geschichte der Ökologie. (Literatur: L. Trepl: Geschichte der Ökologie. athenäum-TB-Nr. 4040, Frankfurt/Main, 1987)

siehe auch
- ICNND
- Wikipedia (History of Military Nutrition in the U.S.A
- Website: Military Nutrition (USA)

Ernährungspolitik in der Nazi-Zeit (1933-1945)
- Grossarth,J.: Ernährung im Nationalsozialismus: Heil Kräuter. FAZ 13.9.13 (Informationen zur Geschichte des Reichsnährstandes)