Das Leben ist prinzipiell unsicher, individuell gesehen ist es endlich (nur das Eintriffen des Todes gilt als "todsicher") (Das Leben ist ein Risiko - Satire - Gabriel Laub), man weiss nicht was morgen ist. Es gibt im Alltag des komplexen Lebens viele unerwarte Ereigniss; nicht vorhersehbare Folgen des Handelns (Entscheidungen ohne vollständige Kenntnisse; bzw. Entscheidungsgrundlagen auf unsicherer Basis, Unkenntnis); dabei gibt es positive Überraschungen, aber auch Negatives (Mißgeschicke, Blamagen, Unglück, Katastrophen). Leben ist nicht mechanistisch, wie die Modelle der Naturwissenschaften (Atomuhr - der Physik; Astronomie - Kepler - Umlaufbahnen - Astronomische Uhren). Menschen lernen (Prozess der Sozialisation) mit Risiken umzugehen. Dabei gibt es eine "optimistische Verzerrung" (optimistic bias) (z.B. bei Rauchern); alles was Menschen selbst tun können ("das Leben begrefen"; "alles in der Hand zu haben) wird positiver gesehen, als das Unbekannte (Fremde) (hier treten Angstgefühle; "ohne Macht zu sein" auf).

Die objektiven Risiken für das Eintreten von negativen Folgen sind meist geringer als das gefühlte, subjektive Risiko. Ein Ausgangspunkt für die Erorschung der Diskrepanz in der Bewerung von Risiken im Bereich Ernährung war die Publikation von Lee - Neophobia - Food Technology 1989. Methoden zur Ermittlung der Risikobewertung im Bereich Ernährung und Gesundheit wurden in Studien des IÖS der BFE(L) angewandt (OLT 132 u.a.). 

Typen - naive Menschen; resignative Relativierer; überforderte Verbraucher; "schuldzuweisender Bürger"; Pragmatiker;

Akut zu erlebendes; zu sehendes Geschehen wird höher bewertet, als Unsichtbares (Ernährungsbedingte Gesundheitsrisiken haben in vielen Fälle lange Latenzzeiten. Die Folgen des Übergewichtes treten zeitverzögert auf; Krebs-erzeugende (cancerogene) Stoffe wirken teilweise Jahrzehnte später. (Also können sich Verbraucher fragen: "warum ein Leben lang wie ein Kranker/Angst"hase" leben, nur um gesund (sicher) zu sterben)  (s, auch Cartoon -  Feinstaub / Steinschlag). 

Die (objektive) Bewertung der Risiken kann nur in Wahrscheinlichkeiten angegeben werden, die "makrostatistich" gelten (Risikoforschung; Technikfolgenabschätung; Berechnung der Lebenszeiten bzw. der verlorenen Lebensjhare; DALY´s). Keiner kann sagen, wenn das sehr unwahrscheinliche Eintritt (Weltuntergangsprognosen; Sinnluften, usw.). Der GAU (größte anzunehmende Unfall) ist bei einigen als sicher geltenen Techniken bereits eingetreten. Menschen (Verbraucher) sind im Alltag gezwungen entscheidungsorientiert (digital - ja/nein) zu handeln; das esse ich - das esse ich nicht (das meide ich) (OLT 106 - Bewertungsproblematik)

Es gibt verschiedene "Typen" von Menschen, z.B. solche die Risiko scheuen, und andere die Abenteuer suchen (auch beim Essen - neue Reize suchen; exotische Lebensmittel essen). Meschen gehen auch verschieden mit Informationen zu den Risiken um. Generell suchen Menschen einfache Antworten; die Bewertung der Information hängt davon ab, zu wem man Vertrauen hat, bwz. wem man mißtraut (Erforschung der Glaubwürdigkeit der Informationsquellen). Die Form (Didaktik) der Kommunikation ist ein sehr relavanter Faktor ("verrückte" Kühe in Form von Filmen oder Bildern wirken stärker als trockene nüchterne Darstellungen von BSE-Erläuterungen). Viele Menschen sind durch (zu viele) Informationen überfordert - das Phänomen der Verbraucherverunsicherung zeigt sich; Menschen die Ernährung nicht grundlegend - "begreifen", weil sie nicht mit der Zubereitung der Ernährung befasst sind (keine Eigenkompetenz bzw. Ernährungskompetenz haben), sind leichter von "außen" (extern) zu beeinflussen (und die Analyse der Medien zeigt - es gibt ein Übermaß an sich widersprechenden Informationen für Verbraucher; viele interessengeleitete, einseitige Darstellungen neben guten "seriösen". 

Zum Verständnis der Risiko-Akzeptanz-Situation (bzw. deren Veränderung) ist es notwendig die Kommunikations-Umwelt zu kennen, und die Aspekte der (Verbraucher)Bildung allgemein bzw die der "Nutrition Communication" im Besonderen (und speziell Risikokommunikation)

Die empirischen Belege inwieweit Menschen mit verschiedenen Risikoakzeptanz-Werten sich in ihrer Nahrungsauswahl unterscheiden sind selten; sie bestätigen jedoch weitgehend die Vermutungen (HYpothesen), wer in einem Lebensmittel, einem Herstellungsverfahren (Gentechnich-modifizierte LM), usw höhere Risiken sieht, meidet diese eher (doch es gibt ebenso deutliche Abweichungen - fett und süß ist für viele ungesund - und Pommes und Pralinen werden gern gegessen).

links
zu Stichwort(Keller - Kartei) - Risiko
Methoden - sozialempirische Methoden - Risikoakzeptanz
Auswertung der Studien - Bewertung (von Indikatoren zur Ernährung; Gesundheit z.B. BMI und Mortalität)

Bereich - Public Health Nutrition - Nutrition Communication   - Ernährungserziehung  - Risiko Kommunication

EU-Projekt - link - foodRisc - www.foodrisc.org

Eurobarometer (Nr354_2010) survey report on risk perception in the EU
World Food Safety Day (07.06.2019) ⇒ Pressemitteilung 07.06.2019 der  www.efsa.europa.eu download des Europa-Barometers: Food Safety in the EU

http://www.efsa.europa.eu/en/riskcommunication/riskperception.htm

http://www.efsa.europa.eu/en/factsheet/docs/reporten.pdf 

BfR-Verbrauchermonitor (link)
- 2017 (link) - idw-Pressemeldung 18.04.2017 -
- 2016 (link)
- 2015 (link)
- 2014 (link)

 

Die Berichte über Dioxin in Eiern und Fleisch haben kaum Einfluss auf das Ess- und Kaufverhalten der Deutschen (ARD-DeutschlandTRENDJanuar 2011).

Umfrage der GfK im Auftrag der Apotheken-Umschau (1.1.2013) (Chart im Archiv):
Aufgrund der Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre ...
... achte ich auf mehr Qualität: w 75%, m 61%
... denke ich mehr über die Herkunft des Produkts nach: w 57%, m 42%

Bodenstedt, A., Brombach, C.: Essen und Wissen - Risiko und Gefahr in der postmodernen Gesellschaft. curare 16(3+3) 243-255 (1993) (Scan im Archiv)

Literatur-Informations-Hinweise

Studien des IÖS der BFE(L)
Verbraucherverunsicherung im Ernährungsbereich und deren Bestimmungsgründe (R. Vogelsang; Willhöft; vor 1999- 2004)
Consumer Trust in Food. A European Study of the Social and Institutional Conditions for the Production of Trust(TRUSTINFOOD) (C. Willhöft) 2002 – 2004
Einschätzung von ernährungsabhängigen Gesundheitsrisiken durch Verbraucher (Oltersdorf) 1992- 2006

(OLT 132Olt131 / OLT 144 / OLT 161 / OLT 166 / OLT 169 / OLT 179 /

Auswertung der IÖS-Risiko-Daten durch Kieler-Gruppe (Thiele, Roosen) - jetzt TUMünchen (Bericht)

Nutzung z.B. Nestle-Publikation (Experten-Verbraucher-Risiko Schema)

interne Auswertung (noch immer unvollständig) - intern (Walker - Kluster Analysen usw; WALKER) (BSE-Daten)

Vorträge

(Food Choice - Kontakte führten zu  Consumer Trust-Project (EU-Projekt)

weitere Studien und Informationen -

BfR - Bewertung von Risiken (Risks) und Gefahren (hazards) - Vermittlung - Risiko-Kommunikation (Bildung der Verbraucher; Stakeholder - politische Entscheidungsträger)
(Informationen zu BfR-Risiko-Publikationen 2008_10)
Berichte dazu -  Publikation Feb 2010 - Unterschiedliche Beurteilung von Risk und Hazard /  Publikation - Risikokommunikation der Stakeholder
Symposium BfR 2007 - 5 Jahre BfR - "Rechtfertige gefühlte Risiken politisches Handeln"
(Schadstoffe im Essen - Bedrohung oder Panikmache?) (Hannover-Experten-Gespräch) http://www.bfr.bund.de/cd/7379

http://www.bfr.bund.de/cm/238/formen_und_folgen_behoerdlicher_risikokommunikation.pdf

http://www.bfr.bund.de/cm/238/background_paper.pdf

EUROBAROMETER: Bericht über Risikowahrnehmung in der EU- Nov 2010 - link (download)

Chr. Willers: Akzeptanz ist nicht gleich Akzeptanz. Zum Akzeptanzbegriff in der Kontroverse um die Grüne Gentechnik - Technikfolgenabschätzung – Theorie und Praxis Nr. 1, 18. Jg., Mai 2009, S.91-96

http://www.itas.fzk.de/tatup/091/will09a.pdf

 

Experte - Ortwin Renn  (Leiter der  Baden-Württemberg Akademie für Technikfolgen-Abschätzung-, Stuttgart; - wurde 2003 "abgewickelt" - Beitrag in "Die Zeit"  2003) (erster Leier - Prof Hans Mohr - Freiburg)
Publikation - Renn, Webler (1993)  Public Participation in Decision Making
Publikation  - Risk Analysis (2002)
Vortrag - Brüssel (2003)  Risk Perception + Communication
Publikation (BGB 2003) - Partizipative Risikokommunikation
Projekt - METAGENA (2006) -
Projektbericht - SAFE (2006) - Food Safety

 

Eurobarometer (Nr354_2010) survey report on risk perception in the EU

http://www.efsa.europa.eu/en/riskcommunication/riskperception.htm

http://www.efsa.europa.eu/en/factsheet/docs/reporten.pdf 

 

Literatur Übersicht 70 - Risiko-Beurteilung und -Verhalten
Literaturliste OLT 2006

 

Medien und Risiko-Bewertung

Diskussion aktuell - Darstellung der Gefahren durch Terror-Angriffe (Al Kaida) vs. Unfallopferzahlen

Diskussion um Schweinegrippe

 

Institute bzw. Experten

Gigenzer, Gerd: Risiko. Wie man die richtigen Entscheidungen trifft. Bertelsmann, (ab 18.3.2013) (link)
Achtung: Risikoblindheit! Über den Umgang mit Ungewissheiten und Risiken- SWR2 Wissen - 01.11.2015

Risiko – Was kann Dir schon passieren? Edition brand eins, Juli 2019 (link)

Notizen - Umfrage - Sicherheit in Deutschland /  Sicherheits-Forschung  (Militärfoschung) / Sicherheits-Industrie

Jährliche Umfrage des Sozial.Wissenschaftl. Forschungsinstitut der Bundeswehr - http://www.sowi.bundeswehr.de/portal/a/swinstbw -- zur Sicherheits- und verteidigungspolitisches Meinungsklima (Infos) (Kurzassung Studie 2009 - Sicherheitsängst und Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen)

Renn, O.: Das Risikoparadox: Kluft zwischen Wahrnehmung und Realität. Ernährungs-Umschau 2016(9) M528-M531 (2016) - Buch: Das Risikoparadox. Fischer TB, Frankfurt/M 2014

VDOe Position 2012_heft 1 (Schwerpunkt - Risikomanagement und Kommunikation (Heft im Archiv)
www.afc.net   (Risiko-Consulting - Chart)
Mühleib, F.: Verbraucher und Risiko. Von echten und gefühlten Risiken ? (S.14) (Kleines Risiko - große Kosten)

Shan L, Regan Á, De Brún A, et al. (2013). Food crisis coverage by social and traditional media: A case study of the 2008 Irish dioxin crisis. Public Understanding of Science. Online-Veröffentlichung 1 Feb 2013. DOI: 10.1177/0963662512472315
Rutsaert P, Regan Á, Pieniak, et al. (2013). The use of social media in food risk and benefit communication. Trends in Food Science & Technology 30(1):84–91. FoodRisC Pressemitteilung “Health risks were not consumers’ first concern over horse meat contamination.” Veröffentlicht 20 Februar 2013 -- Resources

Beardsworth, Alan / Keil, Teresa 1997. Sociology on the Menu: Invitation to the Study of Food and Society. London, Routledge. (Chapt 7 - Risk, Anxiety - Scan im Archiv) (Ernährungskultur)

Archiv: Biographie ⇒ BUFO ⇒ Projekte ⇒ 03 Vertrauen-Risiko

Grundmann, R.: Wo steht die Risikosoziologie? Z Soziol 28(1) 44-59 (1999)

Slovic,P.: Perception of risk. Science 236: 280-285 (1987)