Der Instinkt ist eine frühe Stufe der biologischen Reaktionen (Chart), die beim Menschen nur noch einen geringen Anteil an der Verhaltenssteuerung hat (interne Verhaltenssteuerung). Manche meinen er ist in bezug zum Ernährungsverhalten ganz verloren gegangen. In früheren (archaischen) menschlichen Gesellschaften - mit relativ stabilen gleichbleibenden Nahrungsangebot ("regionales" Angebot der Natur; keinerlei Handel - Austausch - mit "fernen" Umwelten), haben sich bemerkenswert ernährungsphysiolgisch gute Ernährungensformen entwickelt ("nutritional wisdom") (OLT 137).
In den heutigen Lebenswelten der Menschen gibt es so viele Signale von außen (Vielfalt des Lebensmittelangebotes; der Werbebotschaften usw.) (Externalität), daß die inneren Signale eigentlich kaum noch eine Chance haben, Einfluß auf das (Ernährungs)Verhalten zu nehmen.

Bei der Ernährung der Säuglinge spielen interne Signale noch eine größere Rolle; z.B. der Saugfreflex; oder auch die spontanen Mimik-Reaktionen auf "Gutes" (Freuen) bzw. "Unangenehmes" (saures Gesicht) (Smilie). Auf die reine Muttermilch-Ernährung (Stillen); folgt der Übergang zur "fremden" Kost; Flaschenfütterung; Beikost; Breikost bis hin zur normalen Ernährung (feste Kost) (das Abstillen - weaning periode). In unserer Gesellschaft werden im Rahmen der Mütter-/Ernährungsberatung Regeln für eine Kleinkinderernährung vermittelt; Ernährungsrichtlinien für Kleinkinder; und die Kleinkinder essen dann das, was Eltern für richtig halten; und so füttern sie Kinder (mit dem Löffelchen), die Aufgabe der Kleinkinder besteht darin;  den Mund aufmachen und zu schlucken; als alternative bleibt ihnen nur das erweigern. So können Kinder nur sehr eingeschränkt auswählen und beim Essen lernen, kaum  ihren Instinkt walten lassen.

Es gab in den 1930ziger Jahren eine "klassische" Studien zur Frage, inwieweit Kleinkinder instintkiv die Nahrungsmittel so auswählen, dass diese die  Nährstoffversorgung sichergestellen; d.h. gibt es eine interne biologische Steuerung der Nahrungsauswahl ? Es zeigte sich, die natürliche Auswahl der Kleinkinder war gut. (Quellen: Clara M Davis; Results of the self-selection of diets. Canad.Med.Ass.J Sep.1939; p.257-261)   (Download)   (CMAJ); Bericht aus dem Jahr 2006 über diese Studie und wikipedia)

In gewisser Weise auf Grundlage dieser Studie, wurden in den letzten Jahren Versuche unternommen, wie Kleinkinder größere Freiheiten in der Nahrungswahl gegeben werden können. So erhalten Kleinkinder ihre Speisen nicht mit dem Löffel; sondern sie können das  Essensangebot im wahrsten Sinn des Wortes - "begreifen" und einverleiben  - indem sie mit ihren Händen essen dürfen ("finger food").
Das  "Baby-lead weaning" (wikipedia)  wird empfohlen - Gene Rapley - Website - www.baby-led.com und www.babyledweaning.com .
Neueste Studien (Feb 2012) zeigen, dass solche Kinder weniger gefährdet sind, übergewichtig zu werden; analog wie gestillte Kinder im Vergleich zu flaschengefütterten. Allerdings wird auch einige Risiken hingewiesen
(Informationen:   Townsend, E., Pitchford, NJ: Baby knows best? The impact of weaning style on food preferences and body mass index in early childhood in a case–controlled sample. British Medical Journal  Feb 2012 (open access)
- Bericht der BBC (7.2.12); Scientific American blog (6.2.12) ; science news - 12.1.12; Die Welt 7.2.12 )

Auch unter den  Theorien zur "Geophagie" - dem Erdessen, gibt es Hinweise, dass innere Signale über  Mineralstoffmangel-Situationen mitbeteiligt sind.
Ebenso könnten bei den Schwangerschaftsgelüsten entsprechende innere Signale wirken (ungewöhnliche Essgelüste - Pica; Pikazismus der Schwangeren) (Pica-Syndrom - wikipedia)
 Essgewohnheiten in Gambia: Erde als Nahrung oder Medizin. Deutschlandfunk 27.03.2019
- Geophagie: Warum essen Menschen Erde? Spiegel 14.12.2016
(Informationen:
Harvey, PWJ et al.: The impact of consuming iron from non-food sources on iron status in developing countries  Public Health Nutrition 3(04) (2001)
Huebl, L. et al.: Geophagy in Northern Uganda: Perspectives from Consumers and Clinicians - Amer.J.trop.Med.Hyg 95(6) 1440-49 (2016)
Reilly, C, Henry, J.: Geophagia: why do humans consume soil?  Nutrition Bulletin 25(2):141-144 (2000)
Cooksey, NR: Pica and Olfactory Craving of Pregnancy: How Deep Are the Secrets?  Birth 22(3):129-137 (1995)
Wakham, MD et al.:Pica: a peculiar behavior with oral involvement. Special Care in Dentistry 12(5):207-210 (1992)
MacClancy, J. et al.: Consuming the Inedible. Neglected Dimensions of Food Choice. Berghahn,  Oxford, 2007
Faust, V.: Pica - krankhafte Eßgelüste (Internet - bei www.psychosoziale-gesundheit.net -  link zum Beitrag)
Heizhunger auf Dreck - Spiegel - Nr.50 (2007)
Lust auf Nichtessbares -     TAZ - 4.5.2007

Das Gehirn benötigt überdurchschnittlich viel Energie; so gibt es die Theorie vom "Selfish Brain" (wikipedia) ; das Gehirn sendet Signale zu seiner Versorgung aus.
(Brain-Pull; Achim Peters; Uni Lübeck) 

Folgende Theorien zu Körpersignalen in Bezug auf Ernährung/Nährstoffe sind wissenschaftlich umstritten.

Überlegungen dazu, inwieweit Körpersignale Frühzeichen für Erkrankungen darstellen
(Salat-Lust, übereinander geschlagene Beine, Nägelkauen Plötzlich Salat-Fan? Das kann ein Zeichen für Krebs sein! So zeigt Ihnen Ihr Körper, dass Sie krank sind... von Nadine Kuhn- Bild-Zeitung )
Die Körpersprache der Gesundheit - Der britische Autor Hamish McGregor schreibt in seinem Buch „The Body Language Of Health“ http://www.mybodylanguage.co.uk/

Der Ernährungswissenschaftler und Medizin-PR-Experte Uwe Knop hat den Titel "Hunger & Lust - Das erste Buch zur Kulinarischen Körperintelligenz" veröffentlicht. Die Kernbotschaft lautet: Man soll nur essen, wenn man Hunger hat, und zwar nur das, worauf man Lust verspürt und was einem gut schmeckt.  www.echte-esser.de
(Pressemeldung - 11.08.2009)
Die Kulinarische Körperintelligenz ist das individuelle Körperwissen, das über die instinktiven Gefühle Hunger und Lust unsere Ernährung bedarfsgerecht steuert. Dieses intuitive Wissen wächst mit jeder Mahlzeit, die ein Mensch in seinem Leben zu sich nimmt. Damit diese Informationen zur optimalen Lebenserhaltung eingesetzt werden, stehen unsere beiden „Gehirnzwillinge“, das Kopf- und das Darmhirn, in ständigem Dialog – und belohnen uns mit Wohlgefühl, wenn wir nach den gefühlten Signalen des Körpers essen. „Nur unser Körper weiß, welche Nahrung gut für uns ist, sicher nicht unser Verstand“, sagt Knop. Gesunde Ernährung lasse sich daher nicht verstandesgesteuert (er)leben.
(im Archiv - Informationssammlung)
Somatische Intelligenz

"Seeking of food is a crucial survival instinct. However, until recently, little was known about how brain regulates this behavior. Scientists at the Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) and NeuroCure Cluster of Excellence in Berlin discovered a neuronal circuit which regulates the hypothalamus and activates food-seeking in mice." Pressemitteilung von www.leibniz-fmp.de 01.02.2017 ⇔ Carus-Cadavieco,  M. et al.:  Gamma oscillations organize top-down signaling to hypothalamus and enable food seeking. Nature, doi: 10.1038/nature21066 (2017)

Srinivasan, R. et al.:Cross-Cultural and Cultural-Specific Production and Perception of Facial Expressions of Emotion in the Wild.  IEEE Transactions on Affective Computing. DOI: 10.1109/TAFFC.2018.2887267 (18.12.2018)

 

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