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Essen als Verb (Tätigkeitswort) ist der Vorgang beim dem Nahrung (das Essen, die Speise; das Lebensmittel) dem Körper zugeführt wird (über den Mund - oral) (für Flüssigkeiten wird aus essen trinken; gehört jedoch im Prinzip zusammen). Die Handlungen, die zum Essen führen (das Ernährungsverhalten)
(Substantiv-Hauptwort - das Essen - die Lebensmittel)
(der Esser - der essende Mensch - Feinschmecker, Schlemmer, Fresser usw)

Das Wort ist bezeugt im Mittelhochdeutschen eჳჳen, welches dem Althochdeutschen eჳჳan „kauen, beißen“ entstammt; ebenfalls im Gotischen itan belegt; etymologisch verwandt mit altsächsisch und angelsächsisch Ä“tan, englisch - to eat, niederländisch eten, friesisch ita, Ä“ta, dänisch æde, schwedisch äta, norwegisch ete, isländisch éta sowie mit altslawisch ѣсти, lateinisch edere und altgriechisch έδομαι (wiktionary)

verwandte Bezeichung: speisen; verzehren

Unterbezeichnungen
- frühstücken, zu Abend essen;  zu Mittag essen, abendessen

- hinunterschlingen, hinunterschlucken, hinunterwürgen, naschen, schlingen, verschlingen
- abessen, anessen, aufessen, ausessen, durchessen, leeressen, mitessen,, - überessen, vollessen,
- voressen, wegessen, weiteressen
- umgangssprachlich scherzhaft: vertilgen besonders süddeutsch: vespern
- gehoben: dinieren, speisen, tafeln
- knabbern, knatschen, kosten, verkosten
- schweizerisch: degustieren; österreichisch: gustieren, jausen, jausnen;
- Knastsprache: einpfeifen, napfen (Klaus Laubenthal)

Redewendungen:
- selber essen macht fett
- essen wie ein Holzhacker: hastig und viel essen
- essen wie ein Scheunendrescher: übermäßig viel essen
- kalt essen: etwas Ungekochtes, Ungebratenes essen
- warm essen: etwas Gekochtes, Gebratenes essen
-  aus der Faust essen: ohne Besteck essen
-  bei jemandem das Gnadenbrot essen
- salopp: jemand kann mehr als Brot essen: jemand vollbringt überdurchschnittliche Leistungen
- mit jemandem ist nicht gut Kirschen essen
- umgangssprachlich, bildlich: gegessen sein: als erledigt betrachten

- Veranschaulichung was Menschen alles Essen ⇒⇒ Ernährungspyramide -

Sprichwörter:
- Der Mensch ist, was er isst (Ludwig Feuerbach)(link) "Wollt ihr das Volk bessern, so gebt ihm statt Deklamationen gegen die Sünde bessere Speisen. Der Mensch ist, was er ißt." (Ludwig Feuerbach, Gesammelte Werke, Bd. 10, Kleinere Schriften III (1846-1850), Herausgegeben von Werner Schuffenhauer, Akademie-Verlag Berlin, 2. Aufl. 1982, Die Naturwissenschaft und die Revolution, S. 367.
- Man ist, was man isst - Sage mir was du ißt, und ich sage dir, wer du bist. (Jean Anthelme Brillat-Saverin)
Davon gibt es sehr viele Abwandlungen: "Der Mensch ist, was er liest" (Ulrich Erckenbrecht); "Der Mensch ist, was er ißt. Aber er ißt je nach dem, was er ist" (Gabriel Laub). (zitiert in Gutknecht - S.77 - link)

- Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen (wiki)
- Der Appetit kommt beim Essen
- Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen  (Paulus Brief an die Thessalonicher)
- Wie man isst, so arbeitet man

- Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird
- Wes Brot ich ess, des Lied ich sing: jemanden, bei dem man angestellt ist, sollte man besser loben als kritisieren, da er derjenige ist, der mich bezahlt
- Wenn du deinen Teller leer isst, dann gibt es morgen schönes Wetter
- Nach dem Essen sollst zu stehn (ruhn), oder tausend Schritte gehen (tun) (Johann Balthasar Schupp - " Salomo oder Regentenspiegel" - Zitat) (Gutknecht - link)

Grimms Wörterbuch - link

Deutsches Wörterbuch - link

Wortschatz (Uni Leipzig) - link

Wolf Uecker: Das Püree in der Kniekehle der Geliebten. Kapitel "Der Mensch ist, was er ißt" (kulinarische Vorlieben von Heinrich Heine)
Augustinus (354-430) - Confessiones - Bild vom gottgefälligen Esser (Gutknecht - S.78f)
Carl Zuckmayer. Gedicht "Das Essen" (link zu NZZ Folio)

ein gefundes Fressen sein
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral (Brecht: Dreigroschenoper)
(Gutknecht - S.85f)

 

Terwey, E (Hr) Das Essen ist ein Gedicht (Literarischen Köstlichkeiten); Verlag Die Werkstatt, 2000 (link)
Dass Essen genussvolle, intelligente und hintersinnige Kunst – kurz: ein Gedicht sein kann, dafür stehen in diesem Buch 100 Kostproben. Sie künden von der natürlichen Köstlichkeit der Früchte, der Sinnlichkeit einer festlichen Tafel, dem Witz kurioser Rezepte, der Erotik eines Liebesmahls aber auch von Zeiten der Entbehrung. Das Buch enthält ausgewählte Gedichte u.a. von Günter Grass, Rose Ausländer, Seamus Heaney, Sylvia Plath, Pablo Neruda, Eva Strittmatter, Ernst Jandl, Ulla Hahn, Christian Morgenstern, Mascha Kaléko, Frederik Vahle, Katja Lange-Müller, Robert Gernhardt, Hannelies Taschau, Erich Fried.