Ernährungsgeschichte (engl. food history) ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die die Geschichte der Lebensmittel (Food) und Speisen (culinary) erforscht, und dabei die Bezüge zu den kulturellen, wirtschaftlichen, ökologischen und soziologischen Bereichen einer Gesellschaft beachtet. Damit ist Ernährungsgeschichte deutlich umfassender als die traditionelle Kulinaristikgeschichte (culinary history) (Geschichte der Gastronomie, Kochbücher, Rezepte)

Ernährungsgeschichte ist in Deutschland kein etabliertes Wissenschaftsgebiet, es gibt keinen Lehrstuhl an den Universitäten.
(Überschneidungen zu Volkskunde/Ethnologie; allgemeinen Geschichtswissenschaften; Wirtschaftsgeschichte; Kulturgeschichte)

Bekannte Forscher -(emeritiert) H-J. Teuteberg
(seine Schüler - Spiekermann, Thoms, u.a.)

Ernährungsgeschichte - kein Stichwort in Wikipedia Deutsch / englisch - Food History / http://en.wikipedia.org/wiki/Food_%26_History

Zeitschrift  Food&History" (wikipedia)  (link)

Aktuell: Günther Hirschfelder; Universität Bonn; Abteilung Kulturanthropologie/Volkskunde (link) - (Publikationsliste) - jetzt Universität Regensburg - link

Externer - Helmut Wurm, Betzdorf  -  (Infos)  http://www.sokrates-buecherwurm.de/index-Dateien/Publikationen %20von%20Wurm%20Helmut,%20alphabetisch%20geordnet.doc

- International Commission for Research into European Food History  (1989 in Münster gegründet) (website) 1.Präsident: Prof Dr HJ Teuteberg

 - Institut Européen de l'Histoire et des Cultures de  l'Alimentation   Französische Institut für Ernährungsgeschichte und -kultur (IEHCA)- link

-  Website of the European network of regional culinary heritage 

Belgien - Vrije Universiteit Brussels - Forschungsgruppe FOST - Social & Cultural Studies - Website -enthält viele gute Hinweise (links) zu ernährungsgeschichtlicher Forschung

Oxford Symposium-Serie - "Food& Cookery" - link

Medieval and Renaissance Food - Sources; Recipies and Articles (link)

Food History Stories (z.B. Kalender - was war vor...) (Today in Food History) bei www.foodreference.com

30.01.2001 - (idw) Dr. Rainer-Wild-Stiftung für Gesunde Ernährung

Am 27. und 28. Februar 2001 trafen sich 120 Historiker in Straßburg, um mit einer Tagung das Europäische Institut für Ernährungsgeschichte offiziell zu gründen. Die Vorarbeiten hierzu laufen seit 1999. Getragen vom französischen Staat und der Europäischen Union soll das Institut ab Mitte des Jahres ein Zentrum für die Forschung bilden, soll zugleich ein Netzwerk aller an Ernährungsgeschichte Interessierten in Europa schaffen (näheres unter www.rdv-histoire.com). In Straßburg wurde beschlossen, jährliche Kongresse durchzuführen und Adresslisten einschlägig Arbeitender im Internet zu veröffentlichen.  
Das Europäische Institut für Ernährungsgeschichte wird auch die Ergebnisse des Straßburger Kongresses als Sammelband vorlegen. 18 Vorträge widmeten sich "Geschichte, Nahrung und Identität in Europa". Die Themen waren sowohl zeitlich als auch inhaltlich weit gespannt. 
Im ersten Block standen "Modelle", genauer bestimmte Ernährungsweisen im Mittelpunkt. Das betraf etwa die heutigen "regionalen Produkte" (Laurence Berard/Philippe Marchenay), die Mittelmeerküche (Allen Grieco) oder die mittelalterliche Küche Deutschlands (Trude Ehlert). Besonders überzeugend waren die Analysen von Henry Notaker über den Stellenwert von Kochbüchern bei der Nationalstaatbildung im 19. Jahrhundert sowie von Peter Scholliers über die Entstehung der "belgischen" Küche um 1900. 
Im zweiten Teil des Kongresses standen "Normen und Gebote" auf dem Prüfstand. Die antiken griechischen Vorstellungen von Gastfreundschaft und rechtem Mahl (Francois Lissarague) wurden dabei ebenso thematisiert wie kulinarische Kontakte und Konflikte von Christentum und Judentum (Ariel Toaff) sowie Islam (Teresa de Castro; Anna Matthaiou). Nicht vergessen wurde dabei auch der Blick auf die Normen der Anderen, die sich - wie das Verbot des Schweinefleischverzehrs im Islam zeigt - immer auch an Europa orientierten (Mohammed H. Benkheira). 
Der dritte Vortragsblock widmete sich schließlich den "Produkten". Die Veränderung des Fleischkonsums von der Antike bis zum Mittelalter (Patrice Meniel; Frédérique Audoin-Rouzeau) stand dabei ebenso zur Debatte wie der englische Pudding (Laura Mason) oder aber die österreichischen Nationalspeisen (Roman Sandgruber): Die Produkte werden zu Symbolträgern, zum Sinn- und Zielbild der Gesellschaft. 
In der abschließenden Gesprächsrunde bündelten Anthony Rowley, Adel P. den Hartog, Jean-Louis Flandrin, Massimo Montanari, Stephen Kaplan und Antoni Riera-Melis die Kongressergebnisse: Deutlich wurde dabei sowohl die Vielfalt der europäischen kulinarischen Identitäten als auch deren relative Einheitlichkeit im globalen Vergleich. Doch auch diese führenden Vertreter konnten nicht überdecken, dass die europäische Ernährungsgeschichte noch in vielen Bereichen erst in den Kinderschuhen steckt. Das Europäische Institut für Ernährungsgeschichte wird daher noch viel und sicher auch reizvolle Arbeit vor sich haben. Der nächste Kongress soll sich 2002 mit dem Thema "Ernährung und Gesundheit" beschäftigen - und wird damit sicherlich auch für Nichthistoriker interessante Anknüpfungspunkte bieten.

http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/67884/  (29.07.2010) (beim "googlen 12.1.12 - nichts Neues zu diesem Institut gefunden