03/28/15

Ökologie - heute die Umweltwissenschaft

Die Ökologie (eigentlich Lehre - logos - vom Haus oikos) begann früher als Teildisziplin der Biologie, welche die Beziehungen der Lebewesen untereinander und mit ihrer unbelebten Umwelt erforscht. Heute ist die Umweltwissenschaft, im allgemeinen Sprachgebrauch ist Ökologie ein Synonym für Umwelt und Umweltschutz. Ökologische Erkenntnisse werden zunehmend auf philosophische und gesellschaftliche Bereiche übertragen und auch zur politischen Argumentation verwendet, um das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt zu beschreiben.
Der Begriff hat eine Bedeutungserweiterung oder -verschiebung erfahren und bezeichnet heute häufig auch die Handlungsweisen, die dem Umweltschutz oder einem nachhaltigen Wirtschaften dienen.

Die erste Definition der Ökologie stammt von Ernst Haeckel (1866)
„Unter Oecologie verstehen wir die gesammte Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden Aussenwelt, wohin wir im weiteren Sinne alle „Existenz-Bedingungen“ rechnen können. Diese sind theils organischer, theils anorganischer Natur; sowohl diese als jene sind, wie wir vorher gezeigt haben, von der grössten Bedeutung für die Form der Organismen, weil sie dieselbe zwingen, sich ihnen anzupassen.“ (link)
Die sehr weit greifende Definition Haeckels wurde innerhalb der Geschichte der ökologischen Forschung unter verschiedenen Blickrichtungen modifiziert. Heute findet man in Lehrbüchern unterschiedliche Definitionen des Forschungsgegenstandes, die häufig eine Konkretisierung der ursprünglichen Definition darstellen. So schreibt etwa Harmut Bick (1998) (Grundzüge der Ökologie, G.Ficher, 1998):
„Ökologie ist die Wissenschaft vom Stoff- und Energiehaushalt der Biosphäre und ihrer Untereinheiten (zum Beispiel Ökosysteme) sowie von den Wechselbeziehungen zwischen den verschiedenen Organismen, zwischen Organismen und den auf sie wirkenden Umweltfaktoren sowie zwischen den einzelnen unbelebten Umweltfaktoren.“
„Ökologie ist die Wissenschaft, die sich mit den Wechselbeziehungen befasst, die die Verbreitung und das Vorkommen der Organismen bestimmen.“ (Krebs, C.J.: Ecology. Harper & Row, New York 1985)
Die Ökologie beschreibt entsprechend alle Aspekte der Interaktion von Lebewesen mit ihrer Umwelt. Dies umfasst sowohl die belebte (biotische) Umwelt, die andere Lebewesen der gleichen und anderer Arten einschließt, sowie die unbelebte (abiotische) Umwelt und bringt diese in systemare funktionale Zusammenhänge, wodurch als Denkmodell ein Ökosystem entworfen wird.

- wikipedia - english - ecology

Es gibt viele Teildisziplinen der Ökologie, wie
- Tierökologie, Pflanzenökologie, Mikrobenökologie.
- Landschaftsökologie -  Agrarökologie -  Urban/Stadtökologie.
Die Humanökologie untersucht die Wechselbeziehungen zwischen den Menschen und der Umwelt („man and environment“). Die Zivilisationsökologie beschäftigt sich mit Auswirkungen der technischen Zivilisation auf Lebewesen und Lebensräume und den Umweltproblemen.
- Umweltsoziologie -
- Ernährungsökologie
- Lebensräume - marine Ökologie (Meeresökologie), die Süßwasserökologie (Limnologie), die terrestrische Ökologie (Festlandsökologie); Geoökologie; Bodenökologie
Theoretische Ökologie - Ökologische Modellierung.
Molekulare Ökologiechemische Ökologie erforscht unter anderem die Rolle chemischer Signale in den Wechselbeziehungen von Organismen.
Die Verhaltensökologie untersucht Wechselwirkungen von Verhalten und Umweltfaktoren  - Umweltsoziologie -  Wohnökologie
Die Paläoökologie untersucht ökologischen Beziehungen vergangener Zeiten und Erdperioden.

Whitmee, S. et al.: Safeguarding human health in the Anthropocene epoch: report of The Rockefeller Foundation– Lancet Commission on planetary health. Lancet 2015; 386: 1973–2028 doi.org/10.1016/ S0140-6736(15)60901-1 (16.07.2015)


Zur Geschichte der Ökologie - wikipedia 
- Radkau, J.: Geschichte der Ökologie - Joachim Radkau: Die Ära der Ökologie Eine Weltgeschichte; Verlag C. H. Beck, München 2011; 782 S. (Leseprobe) (Die Zeit - 18.03.2011)
Docupedia - Umweltgeschichte

- Öko-Vordenker

- Zeitschrift für politische Ökologie - link bei www.oekom.de -
- Zeitschrift Food Webs - https://www.journals.elsevier.com/food-webs

Ökologische Forschungsinstitute - Umweltforschunsginstitute; z.B.
- Öko-Institut, Freiburg (Wikipedia) - website -  (idw-Pressemeldung - 05.11.2017 - 40 Jahre Öko-Institut eV)
(40 Jahre Öko-Institut – Highlights der Institutsgeschichte. (link bei www.oeko.de )  (TAZ 03.11.2017)
- Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH (IFEU) - www.ifeu.org - unabhängiges ökologisches Forschungsinstitut, das 1978 von Wissenschaftlern der Universität Heidelberg gegründet wurde. Es beschäftigt etwa 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 40 Wissenschaftler und Ingenieure verschiedener Fachdisziplinen; hinzu kommen Doktoranden, Diplomanden und Praktikanten sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Servicebereich. (z.B. Ökobilanzen - Flaschenarten - Mehrweg/Einweg usw Publikation - Regionale Lebensmittel - Ökobilanz - Brot-Studie
- German Centre for Integrative Biodiversity Research (iDiv) Halle-Jena-Leipzig - www.idiv.de 
- Institut für Sozial-ökologische Forschung, Frankfurt/M (wikipedia) - website: www.isoe.de
- Das Institut für Soziale Ökologie (der Universität Klagenfurt) (website) bietet ein Masterstudium „Sozial- und Humanökologie“ an.

- Gund Institute for Ecological Economics, University of Vermont - www.uvm.edu/giee -

- Ökologisch-alternative Grupperierungen (NGOs)

- Literaturliste -       

Jahrbuch Ökologie (Hirzel-Verlag,Stuttgart) - www.jahrbuch-oekologie.de 
- 2009 - Umwälzung der Erde - Konflikte um Ressourcen
- 2010 - Umwälzung der Erde - Konflikte um Ressourcen
- 2011 - Die Klima-Manipulateure - Rettet uns Politik oder Geo-Engineering (Hirzel)
- 2012 - Grüner Umbau - neue Allianzen für die Umwelt.

Artenschwund und Fächersterben Wissenschaftliche Sorgenkinder Der Artenschwund und das Verschwinden von Lehrstühlen, die sich mit der biologischen Vielfalt beschäftigen, gehen Hand in Hand. TAZ 19.01.2018 -

- Nicholas Stern – Stern Review on the Economics of Climate Change
Der Stern-Report (englisch Stern Review on the Economics of Climate Change) ist ein am 30. Oktober 2006 veröffentlichter Bericht des ehemaligen Weltbank-Chefökonomen und jetzigen Leiters des volkswirtschaftlichen Dienstes der britischen Regierung Nicholas Stern. Der im Auftrag der britischen Regierung erstellte rund 650 Seiten starke Bericht untersucht insbesondere die wirtschaftlichen Folgen der globalen Erwärmung.

- Arne Naess: The swallow and the deep, long-range ecological movement. Naess prägte den Begriff Deep Ecology (dt. Tiefenökologie). In dieser Vision nehmen wir alle die Umwelt als einen Teil von uns selbst wahr und betrachten sie in keiner Weise als Gegenspieler der Menschheit.
"Tiefenökologie – ich könnte sie auch „Grün“ nennen – die Grüne Bewegung ist eine Bewegung, in der man nicht nur Gutes für den Planeten im Interesse der Menschen tut, sondern auch im Interesse des Planeten selbst. Das heißt, man betrachtet den Globus als Einheit und spricht über die einzelnen Ökosysteme, man versucht, sie am Leben zu erhalten als ein Wert für sich. Das heißt, in deren eigenem Interesse, wie man Dinge für die eigenen Kinder oder für den eigenen Hund tut, ohne dabei an den Hund als ein Mittel für sein eigenes Vergnügen zu denken.
Tiefenökologie geht von dem philosophischen oder religiösen Standpunkt aus, der besagt, dass alle Lebewesen wertvoll sind und somit Schutz vor der Zerstörung durch Milliarden von Menschen benötigen. Das ist einer der fundamentalen Punkte. Andererseits würde ich sagen, dass Tiefenökologie oder die Grüne Bewegung eine Bewegung von Aktivisten ist oder bedeutet, aktiv inmitten seines Freundeskreises zu sein und am eigenen Arbeitsplatz. Und, sofern man Zeit hat, an Demonstrationen teilzunehmen. Man sollte dabei versuchen, keine Gesetze zu brechen, wenn es aber absolut notwendig ist und wenn alles Bisherige ohne Ergebnis geblieben ist, dann müssen wir auch das tun. Es ergibt sich also eine ganzheitliche Betrachtungsweise, das heißt, eine Betrachtung der Natur und der Beziehung der Menschheit zur Natur, die eine grundlegende Haltung und Freude an der Natur mit dem Verhalten in der Gesellschaft für die Natur vereint.

- David E Cooper: A philosophy of garden (eBook) - Was gehört zum guten Leben ( S.197)
Grundgüter als Voraussetzung für ein gutes Leben – sowohl der Besitz dieser Güter als auch die Befähigung dazu (Kompetenz) damit richtig umzugehen
- Gesundheit – „Leben im Schweigen der Organe“
- Sicherheit
- Respekt (S.213)
- Persönlichkeit (Private Sphären; persönliche Sicherheit) (unverletzlichkeit der privaten Wohung)
- Harmonie mit der Natur (S.219) - heute zunehmend Entfremdung – Entfernung von Lebensraum (Stadt) bis zur Natur (Wald, Felder); Herkunft der Lebensmittel zunhemend unbekannter (Analphabeten)
- Muße (in jeder Kultur/Religion – gibt es Feiertage)
Die Rolle des Staates muss es sein – für diese Grundgüter zu sorgen – Zugang für alle
- materielle Bedingungen dafür schaffen
Schlußkapitel (S.242) Auswege
Staat sollte Menschen befähigen Grundgüter zu haben und zu nutzen
Verminderung von den fünf großen Grundübeln (S.254/5)
- Verwahrlosung, Unwissenheit, Not, Untätigkeit und Krankheit
- zwischen 1950-1975 – gute Entwicklung hin zu
- Vollbeschäftigung
- geringere Ungleichheit, weniger Armut
- bessere Gesundheit, Bildung, Gleichberechtigung

Ende des Kommunismus – kein Wettlauf mehr zum Ziel – besseres gutes Leben – durch Kommunismus oder Kapitalismus; dann begann Politik – stärkung der individuellen Freiheit – Turbokapitalismus
Nun ist anzustreben
- Sozialpolitik
- Grundeinkommen
- Bildung für gutes Leben (Muße) und nicht nur für Arbeits(markt)
- Wider dem Konsumdruck – nicht einkommen besteueren, sondern die Ausgaben ( Einkommen – Ersparnisse/Investitionen sind gleich Ausgaben; und diese progessiv besteuern; hohe Ausgaben – höhere Steuern) – wäre einfacher für das Finanzamt – einfache Ausgabensumme zu ermitteln 
- weniger Werbung (S.281)

- Glauber, H.: Über ökologische Perspektiven: Toblacher Gespräche und Thesen - ein Zwischenbericht. GAIA 3(1): 166-169 (1992) (Scan im Archiv) - link bei www.kulturzentrum-tobach.eu - Ökoinstitut Südtirol/Alto Adige - wikipedia -

Gershuny, J.I.; Fisher,K.: Leisure in the UK Across the 20 th. Century (link). in Twentieth-Century British Social Trends (link) (01.02.1999)

- Keynes, J.M.:  Wirtschaftliche Möglichkeiten für unsere Enkelkinder, 1928 (download)  (link bei Keynes-Gesellschaft)

H Makowski, B Buderath: Die Natur dem Menschen untertan. Ökologie im Spiegel der Landschaftsmalerie; Kindler, 1983 (im Archiv)
Heidenreich, S.: Das ökologische Auge. Landschaftsmalerei im Spiegel nachhaltiger Entwicklung.  Böhlau, 2018

Immer mehr Künstler thematisieren die Überfluß-Problematik - die Grenzen des Wachstums - Konsumismus - Abfall-Wegwerf-Gesellschaft; z.B. besonders drastisch bei Plastik-Abfall und elektronischer Schrott (eMüll).

Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn visualisiert den Überfluss drastisch - Ausstellung "too too much much" - Museum Dhondt (Belgien)
(Bericht bei www.recyclart.org )  
Bilder von Kinderzimmer – Fotoprojekt von Jongmee Yoon - “The Pink & Blue" ist ein fortlaufendes Projekt von Jeongmee Yoon aus Südkorea, an dem sie seit 2005 arbeitet. Sie startete die Fotoserie, als ihre fünf Jahre alte Tochter plötzlich Kleidung und Spielsachen nur noch in rosa haben wollte. 
Es ist allgemein bekannt, dass kleine Mädchen sich zu der Farbe rosa und Jungs eher zu der Farbe blau hingezogen fühlen. Dabei macht es auch keinen Unterschied ob sie aus Amerika, Europa oder China kommen.

Das internationale Ausstellungsprojekt „Über die Metapher des Wachstums" ist eine Kooperation des Kunstverein Hannover (16. April bis 26. Juni 2011), des Frankfurter Kunstverein(27. Mai bis 31. Juli 2011) und des Kunsthaus Baselland (21. Mai bis 10. Juli 2011). In drei parallelen Ausstellungen werden mit jeweils unterschiedlicher Akzentuierung künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Begriff des Wachstums präsentiert, die dessen heutige Ambivalenz in wirtschaftlichen, biologischen und gesellschaftlichen Kontexten verdeutlichen. (link) (Besprechung in der TAZ 11.7.2011 - Über 600 Milliarden Plastiktüten im Jahr weltweit hergestellt und weggeworfen).

In Berlin gab es 2011 das Festival "Über Lebenskunst" (link) - Perspektien nachhaltiger Lebenskunst.

Der Fotograf Edward Burtynsky visualisiert die Folgen von weltweiter Öl-Förderung; Energieverbrauch und Autoverkehrsmassen (Zeit 4.8.11) - Projekt "manufactured landscape"  (Wikipedia) (website)  (Vortrag - TED)
Fotograf Chris Jordan (Website) (wikipedia
- Intolerable Beauty: Portraits of American Mass Consumption (2003 - 2005) 
(Bericht darüber in NZZ 30.5.2011 / Fotoseminar fokussiert.com Blog 9.10.2007)

Artikel in der Stuttgarter Zeitung (31.8.12) zur literarischen Ökokritik ("Ecocriticism")


Ballett "Blue Creation 29" (Marguerite Donlon) in Saarbrücken Staatstheater - Thema - Plastik-Problematik (Premiere 27.10.2011)

Kunst - Environmental Art - www.greenmuseum.org -

 

 

 

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