Sie sind hier: Keller | Kartei | Konsumismus

Konsumismus beschreibt die Kritik am übersteigerten Konsumverhalten (Bedürfnisse - Gier) ; am übersteigerten Marketing (Werbung; Medien); es ist ein Aspekt der Gesellschaftskritik. (Wikipedia  english - consumerism  )
(Reflektionen in der Kunst - z.B.   ich konsumiere - also bin ich (Haben-Gedanken) (nicht die Seins-Gedanken - Werte des Lebens) (Ausstellung - Shopping Frankfurt / Josephine Meckseper - Stuttgart)
- Olaf Breuning:  Ausstellung "Vom Wahnsinn den wir Realität nennen" - NRW-Forum,  Düsseldorf 11.06.-21.08.2016 /   (link bei www.art-in-duesseldorf.de 10.06.2016) / "Can just not get enough" - Abb -- link bei www.kidsofdada.com  )

Westlicher Konsum zielt ab, die ganze Welt zu erobern (Globalisierung); Globaler Massenkonsum zerstört die Vielfalt an sozialen Kulturen, Lebensformen (Vereinheitliche "standardisiert" McCulture) . (Haben statt Sein – Erich Fromm) (Besitz – Marken – wird zum Statussymbol) (hedonistische Kulturen – Spaß-Gesellschaft)
(extrem – Kaufsucht)

- Papst Franziskus veröffentlicht am 18.06.2015 die Umweltenzyklika "Laudato si" (Die Sorge für das gemeinsame Haus) - (link  Kathol.Bischofskonferenz - www.katholisch.de ) (Download)
- TAZ-Titel 18.06.2015 - "Öko et orbi"
- FAZ - 18.06.2015 "Ein Warnschrei für die Schöpfung") (dort auch download)  

- 95 Thesen für Kopf und Bauch (2017 - Lutherjahr) bei SlowFood (link) und bei www.misereor.de (link)- 

Beginn der Industrialisierung - Produktion orientierte Gesellschaft (Grundbedürfnis-Befriedigung); Beginn der Massenproduktion; bereits ab den 1920ziger Jahren wandel hin zur Konsum-orientierten Gesellschaft

Patel, R., Moore; J.W.: Entwertung. Eine Geschichte der Welt in sieben billigen Dingen. Rowohlt, 2018 "Entwertung der Welt: Natur wird ebenso entwertet wie Geld, Arbeit, Pflege, Nahrung, Energie und Leben." (ref. Deutschlandfunk 22.10.2018 + TAZ 03.11.2018) (Wirtschaftsgeschichte: Ausbeutung der Natur und menschliche Arbeit; kostenlose Aneignung von Dingen (Pflanzen, Tiere) und auch Menschen (Sklaven), weil unsere Gesellschaftssysteme ihnen keinen "Wert" zusprach - Eroberung von "freien Räumen" auf dem Globus)

Zygmunt Bauman: "die stete, nicht eingehaltene Verheissung unserer Befriedigung" (Werbung - dann Kauf - Enttäuschung) - In der Ego-Falle, Z Baumans Kritik der Moderne - SWR2 Wissen, 13.11.2015 - oberflächlich, Individuum vs. Solidargemeinschaft; Überfluß - überflüssig (nutzlos); "liquid society" - schneller Wandel der Strukturen; Wirtschaft - Marketing - Neues im Angebot

Neil Postman „Verschwinden der Kindheit“ (1982) - Kinder machen heute dasselbe wie Erwachsene; die selben Fernsehprogramme, selbe Spiele, selbe Marken(kleidung); selben Straftaten, essen dasselbe und werden fett wie Erwachsene. Anders formuliert: die Gesellschaft erlebt eine Infantilisierung (Regression), die Erwachsene werden unmündig, sie gehorchen der Macht der Medien.  (Die Zeit Nr.16_1998)
 „Logik der Sorge“ von Bernhard Stiegler (Suhrkamp 2008 / Perlentaucher ) - Entmündigung als Programm; alterslose Kids sind  die neue globale Zielgruppe. „Infanten aller Länder und Altersstufen, vereinigt Euch!“ lautet die Parole. 
Der amerikanische Politologe Benjamin Barber (Buch „Consumed!“) spricht von der Infantilisierung aller Alters- und Entwicklungsstufen als Symptom und Gebot einer Kommerzgesellschaft, Schaffung von widerstandslosen Konsumenten, hörigen Objekten; der ideale Konsument beorzugt das Leichte (bequem, konvenient) vor dem Schwierigen, des Einfachen vor dem Komplizierten, des Schnelle (fast) vor dem Langsamen  (slow).
Die reale (Markt)Gesellschaft will keine mündigen Verbraucher, sondern reaktive (kauffreudige) Konsumenten; Verbraucher sollen keinen Sinn suchen, sondern „Anweisungen“ folgen – kaufe!; schalte ein – Einschaltquoten) 
Die medientechnisch beförderte Schematisierung, Konformisierung und Kontrolle der Bedürfnisse (mentale Gleichschaltung). Die neuen Medien sind unsere Psychomächte, die aus Menschen von klein auf (Fernsehen schon für Babys, für Kinder) blinde Konsumenten machen. IT ist Psycho-Technologie; statt (wie früher) Gespräche in Familie, im sozialen Netz virtuelles Netz (facebook; Leben 2.0) Im franzöissches Fernseh-Kinderkanal J zeigt, dass Fernsehen mehr kann als Eltern, es ist der bessere Entertainer, macht Kinder glücklicher, ist "cooler" als die Eltern (Älteren). Die Bezugspersonen, die Bindungen zu Personen  werden schwächer; bindungslose Kinder können keine eigene Persönlichkeit entwickeln, sie können nicht Erwachsene werden. Zum Erwachsenen-Sein gehören die (eigenen, internen) Gedanken,  die Aufmerksamkeit Reflektion über das Tun; die Sorge für das eigene Leben und die Umwelt.
Infantilisierung der Gesellschaft (spontan, unreflektiert „geniessen“; Reiz-Reaktion-Muster; Lustprinzip) (Kinder haben <noch>keine Verantwortung).  Jeder Einfluss auf den Menschen (von außen) (extern) (Reize durch Medien, im Supermarkt, usw) (Zapping) ist wie ein Pharmakon; es zeigt je nach Dosis (positive) Wirkungen, aber bei Unmaß – nicht angemessene Nutzung wird er "toxisch".
 Das erinnert an Diskussionen in der Geschichte; für die alte Griechen waren Bücher gefährlich, sie vermindern die Nutzung des eigenen Hirn (Kopfs), vermindert das Gedächtnis, muss sich nicht mehr merken. 
(Gesellschafts- und Konsumkritik von Ludger Lütkehaus  - 04.07.2009, 17.50 Uhr, SWR2 Meinung – download vorhanden ). 

Die westliche Konsumkultur breitet sich jedoch ohne Rücksicht auf die negativen ökologischen Folgen weltweit aus (Globalisierungs-Kritik; Wachstum-Kritik).

- Die Donut-Theorie sagt uns, wie wir gut leben können, ohne die Erde zu zerstören. Die britische Ökonomin Kate Raworth glaubt, ein Wirtschaftsmodell gefunden zu haben, das die Umwelt schont und die Ungleichheit beseitigt. Watson (Schweiz) 31.03.2018  "Donut"-Modell (Abb) in link des Environmental Change Institut (ECI) (Uni Oxford) (04.10.2017)
Raworth, K.: Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört. Hanser, München, 2018. ISBN 978-3-446-25845-7

Die „Affluenza“, der Überflusskrankheit oder der „Zeitkrankheit Konsum“; dieses Kunstwort verbindet „Influenza“ und „Affluence“ (Wohlstand, Reichtum, Überfluss). Als Symptome dieser Krankheit gelten Schulden, eine Überproduktion von Waren, Unmengen an Müll sowie Angstzustände, Gefühle der Entfremdung und Verzweiflung. Hervorgerufen sei die Krankheit durch die Gier nach immer mehr materiellen Gütern. 
Als Weg der Gesundung biete sich der konsequente Abschied vom konsumistischen Lebensstil – im Sinne „freiwilliger Einfachheit“ – an.

Kritik gegenüber Agribusiness (konventionelle Landwirtschaft - alternative Landwirtschaft) (biologisch-ökologisch erzeugte Lebensmittel) (Agrarwende/Agrarpolitik - Ernährungswende <Wende; Wandel>)
alternatives Einkaufsverhalten - Kritik am Konsum Konsumismus

Verbraucherpolitik - 

Verbraucherorganisationen

(nicht staatliche, nicht regierungs Organisationen - NGO)

Beispiel einer aktuellen Aktion gegen das Agribusiness - Demonstration am 21.1.2012 in Berlin - www.wir-haben-es-satt.de  (Demo-Zeitung Download; Archiv)

 „Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen; mit Geld, das wir nicht haben“ (in Richard David Precht : Wer bin ich und wenn ja, wie viele) (2007, S.350) (blog Dieter Wunderlich - link) (blog Projekt 21); doch dieser Spruch hat sich entwickelt, es gibt viele Variationen (wikiquote). Auch noch "früherer" Beginn der Folgekette, wie "Wir machen Jobs die wir nicht wollen, kaufen Dinge....". Ein häufig genannter Ursprung ist David Fincher und seinem Film „Fight Club“ (1999) zurückzugehen »Durch die Werbung sind wir heiß auf Klamotten und Autos, machen Jobs, die wir hassen, kaufen dann Scheiße, die wir nicht brauchen. Wir sind die Zweitgeborenen der Geschichte, Leute. Männer ohne Zweck, ohne Ziel. Wir haben keinen großen Krieg, keine große Depression. Unser großer Krieg ist ein spiritueller. Unsere große Depression ist unser Leben. Wir wurden durch das Fernsehen aufgezogen in dem Glauben, dass wir alle irgendwann mal Millionäre werden, Filmgötter, Rockstars – werden wir aber nicht. Und das wird uns langsam klar. Und wir sind kurz, ganz kurz vor’m Ausrasten.« (deutsche Synchronisation; Rolle: Tyler Durden; Heuler-Magazin; 2013_02 link) (Anm.: würde vermuten, dass es hier auch Vorläufer gibt)
(Beispiel - Werbung - "ohne Sinnsuche")
- "I´m with stupid" Kunstaktion in Stuttgart / www.mailand-innenhof.org -  (Stadtbibliothek - Einkaufszentrum Milaneo) - Stutt.Zeitung 05.06.2016 -

Informationen

Dohmen, C.: Otto Moralverbaucher,   (link)
Brennpunkt "Raus aus der Konsumfalle" - katholische Initiative www.ci-romero.de
international - "I shop fair" - www.ishopfair.net
- "WeltfairänderKongress 2014" - link bei www.konsumwende.de

DeGrowth-Konferenzen - Wikipedia (2014 in Leipzig; dazu gab es eine Serie in der Frankfurter Rundschau) www.degrowth.org -

(Siehe auch NGO´s wie z.B. Attac / alternative Lebensentwürfe) Verbraucherschutzberwegungen

Rückblick – Konsumismus-Begriff wurde durch Herbert Marcuse und Pier Paolo Pasolini  -eingeführt.

Pier Paolo Pasolini: Die Zerstörung der Kultur des Einzelnen durch die Konsumgesellschaft, FreibeuterschriftenBerlin 1975.

John de Graaf, David Wann, Thomas Naylor, Affluenza. Zeitkrankheit Konsum, Riemann-Verlag 2002  (Franz Alt - Website)

GEA-Zeitschrift "Brennstoff" Nr.37  Aug. 2014 - Themenschwerpunkt: Konsum Totalitarismus

Gerhard Scherhorn (2003), Nachhaltiger Konsum. Auf dem Weg zur gesellschaftlichen Verankerung, Oekum-Verlag / Eco-World; München 2003. ISBN 3-928244-85-X

Alfred Pfabigan: "Nimm 3, zahl 2. Wie geil ist Geiz?" 192 Seiten, Sonderzahl Verlag, Wien 2004, 16 Euro (Uni-Wien) (TAZ 3.7.2004, "Askese im Konsum

Konsumfalle Supermarkt (das taz-dossier 2) -  Zum Shoppen verführt (Hanna Gersmann)

Tanja Busse: "Die Einkaufsrevolution. Konsumenten entdecken ihre Macht". Karl Blessing Verlag, München 2006, 319 Seiten, 14,95 Euro  (Perlentaucher 2007)
Matthias Greffrath: Säen und ernten. Le Monde diplomatique 11.07.2014

Benjamin R. Barber: "Consumed! Wie der Markt Kinder verführt, Erwachsene infantilisiert und die Demokratie untergräbt".  C. H. Beck, München, 2007, 395 Seiten, 24,90 Euro / www.benjaminbarber.com  (TAZ - 1.3.2008 - Neues vom Homo Shoppiensis) (Perlentaucher - 2008 / Südd.Ztg 24.4.08) (Die Zeit)

Robert Misik: "Das Kultbuch. Glanz und Elend der Kommerzkultur" (Aufbau-Verlag, 199 Seiten, 19,95 €) (wikipedia) (TAZ - 2.4.2007)

Forschungsstelle Konsumkultur der Uni Hildesheim: Geschichte, Theorie und Ästhetik des Konsums (website)  - idw-Pressemeldung 21.12.2017 -

"Wachstum für wen?" TAZ-Beilage 10.11.2018 der  www.agrarkoordination.de

Mehr geht - nicht! Der Postwachstumsreader. Blätter-Verlag, 2015

Robert B. Reich: Superkapitalismus - Wie die Wirtschaft unsere Demokratie untergräbt;  Campus Verlag, 2008; 326 S., 24,90 € (Zeit 10.4.2008)

Gasteiger, N.: Der Konsument. Verbraucherbilder in der Werbung (Konsumkritik und Verbrauchersschutz 1945-1989), www.campus.de , 2010 (Info+Publikation) 

Selbst die kritische Haltungen zum Konsum (alternative Lebensstile) werden durch den Markt (den Kapitalismus) kontrolliert (⇒ Kulturkapitalismus) (J Rifkin); alles wird kontrolliert (Vermeidung von Ängsten; Risikoversicherung), dadurch gibt es weniger "Überaschungen" (unerwartete Erlebnisse), der Genuß geht verloren (Symbole: Sekt alkoholfrei; Sahne fettfrei) (R Pfaller) (Die Zeit - 9.6.11) (Standard, Wien 28.01.2011)
- Klein, Naomi -  Weniger ist mehr. Warum wir unser Wirtschaftssystem radikal ändern müssen SWR2 Aula, 24.05.2015
Kommerzialisierung des schlechten Gewissens ("Ökomarkt"; Ablasszahlungen - "fair" konsumieren). Differenzierte Position in der Konsumkritik durch W.Ullrich: Alles nur Konsum, Wagenbach, 2013 (Spiegel 15.4.13)

Sandel, M.J.: Was man für Geld nicht kaufen kann? Ullstein 2013 (TB 2014) (Besprechung bei - www.nachdenkseiten.de )

- www.konsumpf.de -

"Consumo ergo sum" - Graffitispruch (René Discount) / Tagung und Ausstellung in Saarbrücken "Weltweitwissen 2011" 17.11.2011 (link bei www.teachersnews.net ); Thema im Journal SuR/Kulturpolitik für Stuttgart und Region (Ausg.35, Dez2014-Feb.2015) - "Immer mehr Zeug, aber immer weniger Zeit" (Song der Fantastischen Vier - Garnichtsotoll" - link) - Projekt - www.zeit-statt-zeug.de

Kunst – Konsumkritik – Marken (Brands) – Logos - 
 Kurzfilm/Animationsfillm „Logorama“ des französischen Kollektivs H5; besteht ausschließlich ( alles Figuren, Gegenstände und Hintergründe) aus Logos – insgesamt mehr als 2.500! . Gegenteil von Wiener Kunstaktion „delete“, als dort zwischen 6.-20.06.2005 sämtliche Logos in einer Einkaufsstraße (Neubaugasse) abgehängt wurden (Christoph Steinbrener & Rainer Dempf Delete Die Entschriftung des öffentlichen Raums temporäre Intervention - www.steinbrener-dempf.com  - siehe auch link)

Prix Pictet (wikipedia)  im Bereich Fotografie und Nachhaltigkeit; er verfolgt das Ziel, herausragende Fotografien vorzustellen, die sich den drängendsten sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit stellen (website)
- dazu z.B. Bildband: „Consumption“ im Verlag teNeues (100Abb, 112 S, 50.-€)
- Chris Jordan - Buch - Portraits zum amerikanischen Massenkonsum (website) (Prix Pictet )
http://www.teneues.com/shop-de/buecher/neue-produkte/prix-pictet-05.html

 (seit 2011 in der TAZ – Sportteil/Leibesübungen – Trikotwerbung – „weggepixelt“)

Beispiel – gesellschaftskritische Einstellungen von Jazz-Musikern – aktuell – Wirtschaftskrise/Ethik – Konsum-Kritik – Titel “Greedy – gierig” und “ In Goods we trust“ (Bojan Z. = Bojan Zulfikarpasic.- www.bojanz.com/main.html ) gelesen im Jazzpodium Mai 2009- S.10 / siehe auch - www.concertandco.com/lieu/cri-du-port-marseille/bojan-z-piano-solo/critique-concert-1-4408-25885.htm  

Konsumismus-Protest-Aktionen:
Beim Carrotmob rufen Aktivisten zum Massenkauf auf. Carrotmobbing geht auf den US-amerikanischen Konsumaktivisten Brent Schulkin zurück. Als Art freundlicher Übernahme  

Aus Politik und Zeitgeschichte: Konsumkultur  - Heft Nr.32-33/ 2009) (Download)  
Editorial (Katharina Belwe) 
Wahres Glück im Waren-Glück? (Rolf Haubl) 
Das Konsumverhalten Kauflustiger (Hans-Georg Häusel) 
Über die warenästhetische Erziehung des Menschen (Wolfgang Ullrich) Nachhaltiger Konsum (Ingo Schoenheit) 
Die neue Verantwortung der Konsumenten (Ludger Heidbrink / Imke Schmidt) 
Wiederverkaufskultur im Internet: Chancen für nachhaltigen Konsum (Christine Henseling / Birgit Blättel-Mink / Jens Clausen / Siegfried Behrendt) 

Refuse - Reduce -  Reuse
– Grabfruit
- Leihladen (Teilen, Ausleihen) (sharing economy) (Leila´s in Berlin / in Wien - Standard, 06.05.2014)

Wikipedia - Nachhaltiger Konsum

 

Zeithistorische Anmerkungen:
In den letzten Jahrzehnten befreiten (emanzipierten) sich viele Gruppen von den traditionellen Gesellschaftsstrukturen (gesellschaftliche Zwänge; soziale Kontrollen)  (Werte, Regeln). Die Menschen wurden freier, das Individuum erhält höheren Wert als die Gruppe (der Staat) (Individualisierung; Egoismus vs Allgemeinwohl) (Liberalismus) (alte Redensart: "jeder kann nach seiner Fasson selig werden").
In der Folge dieser Entwicklung wurden viele Fazetten unseres Lebens (Aufgaben des Staates, der Gemeinde) privatisiert (kommerzialisiert) (Privatbesitz vs Allgemeinbesitz) (Boden - land grabbing; Wasser, u.v.a).
Der Markt regelt das Leben (theoretisch). Die Partner (die Individuen) sind sehr unterschiedlich - es gibt Arme und Reiche; Wissende und Unwissende; Mächtige und Ohnmächtige. Ohne gesellschaftlichen Grenzen gewinnt immer "das Recht des Stärkeren".
Die großen Produzenten (Anbieter) können das Consumer-Insight studieren (Verbraucher "unterstützen" dies mit der Hergabe von Informationen gegen geringes Entgelt - z.B. Kundenkarten). Bigdata-Analysten entdecken unsere „geheimen Wünsche“ und bald danach erscheinen die entsprechende „geheime Verführer“ am POS. Es wird keiner gezwungen sich die Wünsche zu erfüllen, zu kaufen;  der Verbraucher ist frei, den Konsum zu verweigern). Das gilt auch für unseren Lebensstil, Ernährung, körperliche Aktivität, usw. Der bequeme Mensch wählt den einfachen Weg (der Schlaraffenland-Traum ist erfüllt), und wenn dazu die Anbieter viel Gutes versprechen (health claims) (Werbung, Marketing), und es greifbar nahe ist (exposure),  dann gibt es kaum ein Halten. Solche Konsum-Freiheiten führten zur Epidemie der Lifestyle-Diseases (Zivilisationskrankheiten) . Agrar- und Lebensmittel-Business-Komplexe (Agribusiness) verdienen daran; und das Gesundheits-Wirtschafts-Systeme verdienen ebenso daran, die Krankheiten zu kurieren. Die Aufgaben zur Vermeidung der Zivilisationskrankheiten (Prävention; Nutrition Policy) (Public Health Nutrition) ("make the healthier choice the easier choice") (Sanierung der "obsogenic environment") sollte eine gesellschafliche Augabe sein. Auch dieser Bereich wird von Superreichen vermarktet (Wohlfahrts/Spenden-Markt) (Philanthrokapitalismus).

Es gibt Erkenntnisse der Wissenschaft, das individuelle Freiheiten (Lebensstil) das globale System nachhaltig stören. Nachhaltige Lebensweisen sind für die Bewältigung globaler Krisen (und individueller Krisen) notwendig (Klimaschutz, Zivilisationskrankheiten - Epidemie der Wohlstandskrankheiten).
Gesellschaftlicher Diskurs zu individuellen Freiheiten (a la 24 Stunden jeden Tag Cola, Bier, Pommes, Hamburger, usw kaufen zu können) versus Verantwortung für die Zukunft der Erde.
Wer bestimmt dem Diskurs - wie werden die Regeln beschlossen - wie individuelle Menschen als verantwortungsvolle (Staats, Welt)Bürger (citizen) handeln.
(weitere Stichworte dazu: Biopolitik, Ökodiktatur)   

König;W.:  Kleine Geschichte der Konsumgesellschaft. Konsum als Lebensform der Moderne; Steiner-Verlag, 2013;  2. überarbeitete Auflage.   ISBN 978-3-515-10322-0

- Trentmann, Frank: Die Herrschaft der Dinge.Die Geschichte des Konsums vom 15. Jahrhundert bis heute. DVA, München, 2017 - Leseprobe ref. Die Zeit 22.06.2017 + Perlentaucher + "Wir sind von Dingen umzingelt". TAZ 25.11.2017 - Etwa 10.000 Dinge besitzt jeder in Deutschland; 217 Gegenstände lagert im Schnitt jeder Deutsche daheim, obwohl er keine Verwendung mehr für sie hat.