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Der einzelne Mensch (auch die besten Wissenschaftler) hat ein begrenztes Wissen, selbst von den Sachen, die ihn betreffen, bzw ihn interessieren. Dem "wissenden" Menschen (dem Weisen) ist bewusst - "Ich weiß, dass ich nicht weiss" (das ist nicht absolut, sonder relativ zum Weltwissen).

Zur wissenschaftlichen Erkenntnis gehört die Grenzen des Erkennens zu kennen; alle Informationen, die nicht zum Untersuchungsmodell gehören (die ausgeblendet werden), bleiben unbekannt. Dazu kommt noch, dass trotz des Versuchs umfassende Informationen zu erfassen, es schlicht nicht möglich ist zu wissen, was man nicht weiss. Es ist nicht möglich dafür ein Beispiel zu nennen; man kann das nur historisch erfassen, wann etwas entdeckt wurde.
(Beitrag von Hans-Jörg Rheinberger  in der NZZ 2007 -   http://www.nzz.ch/2007/05/05/li/articleELG88.html)

Die Grenzen des eigenen Wissens, z.B. auch durch die erlebte Infomationsvielfalt (wie z.B. durch das Internet), führen zu negativen Gefühlen (Disstress;  Verunsicherung, Angst). Denn wir müssen immer agieren, handeln - obwohl wir nicht alles kennen; z.B. nicht wie "gesund" das Essen ist, dass gerade verzehrt wurde.
Der "Schutz" vor dem Nichtwissen - das Vertrauen in Andere, in das "System"; Glaube, Religion. (Verbrauchervertrauen in Lebensmittelqualität und -sicherheit; Beitrag Tanner - HuW )
(Anne-Charlott Trepp: Von der Glückseligkeit alles zu wissen. (Die Erforschung der Natur als religise Praxis in der Frühen Neuzeit; www.campus.de - 2010)

Die Realität ist - Menschen entscheiden, auf Basis von lückenhaften Wissen. Das betrifft auch jene "Unwissenden", die ihr Nichtwissen nicht wahrnehmen.

Reaktionen wenn Unbekanntes (unerwartetes) "entdeckt" wird - Staunen, Erschrecken, Freuen

(Versuchen mehr zu Wissen, Unbekanntes zu entdecken - Neugier; Entdecker)

Aufgabe - Wie gehen wir damit um, um trotzdem zu handeln.

Faustregeln „eingeschränkter Realisation – Orientierungshilfe – oft im Alltag besser als als zu viel Wissen (zu viele Details – Informationsüberfluss) / "Halbwissen als Erfolgsrezept" (Bild der Wissenschaft 10/2006, S.77)
unscharfes Wissen - eine Ahnung von etwas haben; mit bestimmter Wahrscheinlichkeit wissen; Analogie zu fuzzy - Unschärfe bei Messungen

Entscheidung – innerhalb kurzer Zeit – mit begrenzten Informationen; kennt gar nicht alle Infos / alle Preise / sondern „Schlüssel“Informationen müssen passen / Größe der Kleidung / Aussehen / Preis usw
Gerd Gigerenzer: Simple Heuristics that make us smart, Oxford Uni press, 1999
www.mpib-berlin.mpg.de/de/forschung/abc/index.htm

Stefan Böschen, Michael Schneider, Anton Lerf - Handeln trotz Nichtwissen - Vom Umgang mit Chaos und Risiko in Politik, Industrie und Wissenschaft; Campus Verlag; 2004;  324 Seiten Euro 34,90
Mit der Zunahme von Wissen wächst auch das Nichtwissen. Das Buch bietet eine Bestandsaufnahme und interdisziplinäre Annäherung an dieses ebenso zentrale wie schillernde Thema: Es verschwimmen nicht nur die Grenzen zwischen Wissen und Nichtwissen, längst hängt auch die Unterscheidung von Machtverhältnissen und Deutungshoheiten ab. Anhand von Fallstudien aus politischer und industrieller Praxis, wie Umweltchemie, Klimaforschung, Nanotechnologie, Genforschung und dem Thema BSE, wird dargestellt, wie Nichtwissen jeweils wahrgenommen, definiert, bestritten oder strategisch eingesetzt wird.

Peter, Cl., Funcke, D.: Wissen an der Grenze. Zum Umgang mit Ungewissenheit und Unsicherheit in der modernen Medizin. Campus, 2013
(⇒ evidence-based)

Verantwortung - Nicht-Wissen - Küppers (Jena) (Infos)

Technikfolgenabschätzung (Zeitschrift) Heft 3, Nov 2013: Themenschwerpunkt: Fragile Evidence (Link) (Download)

Handeln trotz Nichtwissen – Unsichheiten Handling of Uncertainty: Distinction of Five Components ( aus Renn 2002)

Variation der Ergebnisse (Variability)- durch echte Variation (Schwankungen – z.B biologische Rhythmen; Variationen im Nährstoff/Stoffgehalt)

Mess-Ungenauigkeiten

Systematic and random measurement errors.

Indeterminacy. Modelle sind inkomplett; falsche Beziehungen – z.B. nicht-lineare Beziehungen

Unwissen (Ignoranz) Lack of knowledge.

 

Spruch - (bei Renn Brüssel Vortrag) -Bertrand Russel - What man disires is not knowledge but certainty.

Zentrum für Geschichte des Wissens - ETH Zürich (link)

 

WZB – Mitteilungen Nr.132 - Juni 2011 - "Irrationalität - Was den Menschen zu Entscheidungen bringt"

 

Thinking, fast and slow - Buch des Nobelpreisträgers Daniel Kahneman (Verhaltensökonomie); seine zentrale These beschreibt die zwei Arten des Denkens der Menschen:
Es gibt
- ein schnelles (fast), instinktives und emotionales Denk-Handlungs-System (automatisch, immer aktiv, emotional, stereotypisierend, unbewusst "Bauchentscheidungen"), und
- ein langsames (slow) Denk-Handlungs-System, es handelt nach dem Durchdenken (Kopf; Gehirn) der (eignenen, subjektiven) Logik, es ist langsam, anstrengend, selten aktiv, logisch, berechnend, bewusst.
(wikipedia)
Da wir täglich ca 20.000 Entsscheidungen treffen müssen, ist das dominierende System- "Fast", der Bauch. Nur wenn wir Zeit zum Entscheiden haben, dann kommt System "Slow" zum Einsatz.
(s. Daniel Rettig: Entschediung - lieber ungefähr richtig als genau falsch. - Wirtschaftswoche 19.9.13)  (Ernst Pöppel: Zum Entscheiden geboren, Hanser 2008) (link) (link)