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03/30/15

Philanthrokapitalismus

Mit Philanthrokapitalismus werden die philanthropischen Aktivitäten (Wohltätigkeit) vermögender Unternehmerpersönlichkeiten („schwer Reicher“) und besonders deren einflussreichen Stiftungen bezeichnet, sie beeinflussen damit die Arbeitsweise und Förderpraxis anderer Organisationen, sie haben Einfluß auf die Gesellschaft und die Politik.
Der Philanthrokapitalismus steht für ein globales Modell institutionalisierter Förderung mit international ausgerichteter Programmatik, dessen empirische Relevanz, Funktionsweisen und Auswirkungen noch weitgehend unerforscht sind. Philanthrokapitalismus besitzt eine soziale, eine geographische, eine ökonomische, eine sozioökonomische, eine politische, eine kulturelle und eine ethische Dimension, die Ansatzpunkte für die Forschung liefern.
Das Wort wurde besonders durch Matthew Bishop and Michael Green: Philanthrocapitalismn – How the rich can save the World –New York: Bloomsbury Press, November 2008 (link bei www.philanthropy-impact.org ) bekannt und schnell ein Modewort (obwohl es schon einige Jahre vorher gebraucht wurde). 

Philanthrokapitalismus wird besonders Stifterpersönlichkeiten aus der Industrie in Beziehung gebracht, wie
- Bill Gates (Microsoft) - Bill & Melinda Gates Foundation  - Global Burden of  Disease Study Group
- Warren Buffet (Berkshire Hathaway) (fünf Stiftungen - link)
- Pierre Omidyar (eBay)
- Gordon Moore (Intel)  - Foundation: www.moore.org
- Larry Ellison (Oracle)
Alle diese Milliardäre sind in der Lage, über leistungsfähige Netzwerke soziale und wirtschaftliche Problemlagen effektiv zu thematisieren und somit international (global) Politik- und Forschungsfelder mitzugestalten. Ein weltweiter Aktionsradius ist typisch, denn Philanthrokapitalisten verstehen sich als „Weltsanierer“.
Im Dezember 2015 gründete auch Mark Zuckerberg (Facebook) eine Stiftung - (ref. Spiegel 02.12.2015 ) ⇔ Chan Zuckerberg Initiative

Informationen:
- The birth of philanthrocapitalims; The  Economist, 23.02.2006
- Sandberg, Berit: Nackte Kaiser retten die Welt – Philanthrokapiatlismus. In: Zimmer, Annette E.; Simsa, Ruth, Forschung zu Zivilgesellschaft, NPOs und Engagement - Quo vadis?, S. 63-80, Springer Fachmedien, Wiesbaden, 2014, ISBN 978-3-658-06177-7 (link)

- Amerikas Milliardenspender Profitgeier im Schafspelz (Mejias,J.), FAZ
- Der Millennium-„Bambi“ an Bill Gates – Eine Polemik. link zu www.Nachdenkseiten.de 21.11.2013 (link)
- "Weltgesundheit und Armut" medico rundschreiben 01/2012 -
- "The rich want a better world? Try paying fair wages and tax (Peter Wilby). Guardian, 05.08.2010
- Bill Gates - Der Weltgesundheits-Apostel - Die Zeit, 06.11.2014 / Der heimliche WHO-Chef heißt Bill Gates.  Die Zeit 04.04.2017 -

In Deutschland:
- Susanne Klatten / "Die Spenden-Revolution der stillen Milliardärin". Die Welt 26.04.2016 / Sind 100 Millionen nur der Anfang? Warum Susanne Klatten auf den Philanthro-Kapitalismus setzt. Die Zeit 28.07.2016
Es ist bemerkenswert, dass die Auswahl von Projekten durch Phineo begleitet wird.  Phineo ist ein Analyse- und Beratungshaus in der Rechtsform einer Gemeinnützigen Aktiengesellschaft mit Sitz in Berlin. Es wurde 2009 gegründet und finanziert sich überwiegend über Gesellschafter und Förderpartner; wie z.B. Bertelsmann Stiftung, Deutsche BörseKPMG, PricewaterhouseCoopers u.a.

 

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