Entscheidungsprozesse - Problemlösungszyklus

Im Leben (individuell und als Gesellschaft) gilt es ständig (kontinuierlich, ohne Unterlass) Probleme (Aufgaben des Stoffwechsel; Atmen; Blutdruck, usw.) zu bewältigen. (Problem lösen - Ausgangssituation unbefriedigend; "Luftnot"; "Hungergefühl"; Handlung ist notwendig um Zielsituation zu erreichen). 

Handeln setzt Entscheidungen voraus (die können intern getroffen werden - biologisches Verhalten)

Alltagshandeln - wie z.B. das Essen (Ernährungsverhalten) - besteht ebenfalls aus Entscheidungsprozessen (biopsychosoziokulturell), die  dadurch gekennzeichnet sind, das sie unaufhörlich (kontinuierlich) erfolgen. Selbst wenn ich nichts esse, ist dies eine Entscheidung, eine Handlung. Zur Entscheidungsfindung werden Informationen verarbeitet. Dabei wird der ganze Körper einbezogen (Kopf - Herz - Bauch - Hand; Verstand-Kognition - Befindlichkeit/Seele/Gefühl -  Handhabung/Können/In die Hand nehmen). (Intuition - Erekennen von Bekanntem in komplexen Informationsfüllen; Vereinfachen - das Wesentliche sehen; viele Informationen - verwirren -oder "sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht")

Die meisten Aufgaben bzw. Probleme sind nicht mit einem Schritt zu erreichen (das Essen ist das "Ende" einer langen Handlungskette; bei uns z.B. vom POS beginnend, Kaufentscheidungsprozesse; Modelle aus Kaufverhaltens), es gibt also die Problemösungs-Ketten bzw.- -Zyklen. 

Der übliche Problemlösungszyklus stellt die kognitiven Aspekte in den Mittelpunkt. Das beginnt mit der Stufe des Erkennens (Awareness) der Ausgangssituation (Wo stehe ich? - Wie lässt sich das Problem beschreiben ? Wie ist der Stand der Erkennnis?) 

Dann wird überlegt welches Ziel erreicht werden soll?  (Ideales Ziel vs realistisch - unter Einbezug der Mittel und Kompetenzen) (Wohin wollen wir in welcher Zeit kommen ?)

Dann wird der Arbeitsplan erstellt; dabei werden die verschiedenen Wege (Methoden) verglichen. Welche Wege gibt es, was wird der beste(optimalste, schnellste, billigste) Weg sein (Problem der Bewertung)

Nach der Entscheidung folgt das Handeln; wobei die Folgen des Handelns (Folgeabschätzung) in der Praxis kontrolliert (Monitoring) werden, und es schliessen sich Fragen an: Kommen wir dem Ziel näher? (Monitor).Überprüfung der Situation (zweite Analyse, usw) (Evaluierung)

Beispiele für Problemlösungs-Entscheidungszyklen sind die der Psychosomatik (nach Üexküll); Forschungsplanung; der Ernährungsplanung  und der zielorientierten Projektplanung (allgemein) im Modell in PHN.

(Triple A-Process <Assessment-Analysis-Action> - <media 7342>Chart</media> - )

Die Problemlösung ist immer gekennzeichnet durch unzureichendes Wissen (Nicht-Wissen; "falsches" Wissen; Glauben; "blindes" Vertrauen) und Zielkonflikten (Kopf vs Bauch; Verstand vs Gefühl, Eigenintresse - Gruppenintressen, u.a.m. ). Es sind lange Ketten der Informationswahrnehmungen; der "inneren" Verarbeitung; Diffusion von Neuerungen, Innovationen; neue Gewohnheit, neuer Alltag; Kette von Akzeptanz bis zur Adhärenz. 

Probleme können von Innen heraus kommen („Unzufriedenheit“ - Bedürfniss-Raster); und/oder von Außen.  Bedürfnisse (Probleme) werden geweckt (Awareness - AIDA-Formel) Wahrnehmung und Bewertung von „inneren“ Informationen (auch Gedächtnis; Strukturen) und äusseren Informationen 

Entscheidungen von komplexen Situationen (Dörner)

Innerer Vorgang („Gedankenspiel“) , der einer Handlung vorausgeht (bevor die Handlung ausgeführt wird; Auswahl, Abwägen von Handlungsoptionen) (Szene – Satire – von Otto) (Prozesse der engen sozialen Kommunikation; Informationsaustausch innerhalb der Familie / mit Freunden) (World of Mouth)

("Merksätze" - Sprüche -  Konrad LorenzGoethe;  Fortbildung-Amt)

10 Dinge über Entscheidungen

http://www.sueddeutsche.de/wissen/zehn-dinge-ueber-entscheidungen-1.961714 

Prozesse der Entscheidungsfindung in der Gesellschaft (bei sozialen Organisationen; gruppen; Verwaltung; Betriebe, usw); gesellschaftliche Diskurse (Betriebs- und Politikwissenschaft; Management). (Facility Management)

Aspekte des Umgangs mit Fehlentwicklungen; unerwarteten (Neben)Wirkungen; unvorhergesehenem Ereignissen (Katastrophen; aktuell - Banken-Finanz-Krise; bei Ernährung - war es z.B. BSE)

 

Kategorien von Kaufentscheidungen –

Routinierte Entscheidungen – das relevante Set ist festgelegt (optionale Auswahl). Der kognitive Aufwand besteht darin, in einer gegebenen Situation (einem Anlass) mit vorgespeicherten (gelernten) Situationen zu reagieren. Neue Möglichkeiten werden nicht in Betracht gezogen.

Stereotype Entscheidungen – ähneln den routinierten Entscheidungen; die letzte Entscheidung fällt jedoch eher unbewusst (Schemata). Das Urteil erfolgt affektiv-schnell, aufgrund von Vertrautheit; Sinnes-Sympathie.

Reflektive Entscheidungen. Abwägen der verschiedenen Entscheidungsalternativen hinsichtlich bisheriger Präferenz und der aktuellen Situation; es ist spontan, doch zeitlich verlängert gegenüber routinierten Entscheidungen.

Konstruktive Entscheidungen. Handlungsoptionen sind nicht vorgegeben oder nicht ausreichend definiert. Konstruktion von rationalisierten Handlungsalternativen werden gewünscht bzw erstellt. Aufwendiger Entscheidungsprozess auf Grundlager bisheriger Erfahrungswerte und unter Beachtung neuer Informationen, Erwartungen und Bedürfnisse (z.B. Autokauf).

 

Todd +Gigerenzer:  Mechanisms of ecological Rationality; 2007) 

im Alltag (z.B. Speisenkarten-Auswahl) - immer prinzipiell viele Informationen vorhanden; doch im Alltag – einfache Informationsauswahl – Frugal; auch schnelles entscheiden (fast) (im Alltag – begrenzte Zeit); sieht Strukturen in der Umgebung – daraus entstehen auch – Strukturen im Geist / Herbert Simon – „bounded reality“ – (bounds sind z.B. Zeit, Wissen, Aufmerksamkeit; Preis – Geld; )

“Täglich 20000 Mal wählen"- Gerd Gigenzer “ Bauchentscheidungen – die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition” 

http://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Simon 

http://en.wikipedia.org/wiki/Bounded_rationality 

Erfahrung ist – die Umgebung ist unsicher in dem Sinn, dass keine Situation exakt wieder kommt, sondern nur „protypisch“ (auch hier Gegensätze – zu einfache Typen – zu spezifische Situationstypen ) Grenzen – Strukturen – „ecological rationality“ (innen im Gedanken-Entscheidungsprozess – heuristics - und Aussen); Versuche der Modell-Bildung (Computer modelling)


(Vorlesung-Charts: - zu Heuristiken - Entscheidungsprozessen) (Andreas Ernst - CESR - Kassel) - Center for Environmental Systems Research 

Ökologische Rationalität
Einfache Heuristiken können nicht nur genauso gut sein wie komplexere Entscheidungsmechanismen, sie können diese sogar übertreffen. Selbst wenn Menschen und andere Tiere die entsprechenden kognitiven Ressourcen hätten, um diese komplexeren Mechanismen zu verwenden, könnte es ineffizient sein, ihnen zu folgen, und zu schlechter Leistung führen.  
Die überraschend hohe Leistungsfähigkeit einfacher Heuristiken beruht auf ihrer ökologischen Rationalität. Eine Heuristik ist ökologisch rational, wenn sie sich die Struktur der Umwelt zunutze macht. Insbesondere wenn eine Information ein Ergebnis in einer bestimmten Umwelt sehr gut vorhersagt, dann ist es sinnvoll, sich nur auf diese Information zu stützen, anstatt alle möglichen Informationen mit einzubeziehen.
Die Existenz eines Bundesliga-Fußballteams ist beispielsweise ein besonders guter Indikator für die Vorhersage der Größe einer Stadt. Andere aussagekräftige Hinweise, wie die Existenz einer Universität oder ob in der Stadt ICE-Züge halten, können dann außer Acht gelassen werden, wenn entschieden werden soll, welche von zwei Städten die größere ist.
Wir erforschen ökologische Rationalität aus verschiedenen Perspektiven. Zunächst prüfen wir mittels Computersimulation, was einfache Heuristiken in verschiedenen Umwelten leisten können. Zweitens leiten wir analytisch her, unter welchen spezifischen Bedingungen einfache Heuristiken genauso gut wie oder sogar besser als komplexere Entscheidungsstrategien funktionieren.  Schließlich untersuchen wir, ob Menschen Heuristiken benutzen und wie sie sich verschiedenen Umwelten anpassen, indem sie unterschiedliche Heuristiken aus dem Adaptiven Werkzeugkasten auswählen

 

Schneider, K., Hummel, E., Metz,M., Hoffmann, I.: Probleme lösen: ein ernährungsökologischer Entwurf, S.187-192 in Hoffmann, I., Schneider, K., Leitzmann, C (Hrsg). Ernährungsökologie -komplexen Herausforderungen integrativ begegnen. oekom-verlag, München