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Skandale (um Ernährung und Lebensmittel)

Der Mensch benötigt für die Bewältigung des Alltags ein hohes Maß an Vertrauen. Er geht davon aus, dass bei allen seinen gewohnten Handlungen die Umgebung zuverlässlich und sicher „reagiert“. Er erwarte, dass er auf sicherem Boden steht (also nicht die Decke einbricht, wenn er einen Schritt voran geht; keine "Fallgruben" kommen) (Lernen von „Ur-Vertrauen“ in der Kindheit). Aufgrund dieses Sicherheitsbedürfnisses (Maslow) ist   in unseren Gesellschaften alles (hoheitlich) geregelt (Normen, Gütesiegel) usw, und für den seltenen  Fall, dass doch etwas geschieht (was dann ein Skandal ist, da es ja hätte vermieden werden können; Vorausschau; Folgenabschätzung) gibt es den Markt der Versicherungen.

Wenn wider den Erwartungen (und Versicherungen, Ehrenwörtern, usw) „Unerwartetes“ eintritt, dann wird das eher wahrgenommen als der normale Alltag. (Biologische Programmierung der Wahrnehmungen von Abweichungen - ständige Sinneskontrolle; „fremder Ton“). Diese seltenen Ereignisse werden auch mit größerer Wahrscheinlichkeit ausgewählt (siehe Agenda-Setting bei der Nachrichten-Auswahl der Medien), und bleiben länger in Erinnerung.

Die Geschichte der Ernährung geht einher mit Ängste und Risiken, waren es jedoch früher bei (bis zum "Wirtschaftswunder") eher die Angst darum, dass die Nahrung nicht ausreicht (Liste der Hungernöte) und nur die Mächtigen hatten Angst (z.B. Gift unter das Essen gemischt zu bekommen), so ist heute die Angst um die mangelnde Lebensmittelqualität ein wichtige Tatsache, obwohl es nicht der „objektiven“ Risikolage entspricht. Allerdings ist der Welthunger immer noch größer als die Probleme des Überflusses (Schlaraffenland Traum wird zum Alptraum).  (OLT 1985).

Hintergründe für diese Situation ist, dass es regelmäßig Meldungen zu Lebensmittelskandalen gibt. Es gibt Chroniken der Lebensmittelskandale in Deutschland (siehe z.B. Zusammenstellung aus dem IÖS/BFEL/2004 - Georg Walker; interne Dokumentation; Update - 2006)). (Zusammenstellung aus Internet - 2005)

(⇒⇒ www.lebensmittelwarnung.de )

Neuere Lebensmittelskandale:
- Eier aus Niederland (und Niedersachsen) mit Fipronil belastet - z.B. Test 03.08.2017 - dpa-Meldung: "So gefährlich sind Fipronil-Eier wirklich". 04.08.2017 z.B. Rhein-Zeitung - Weser-Kurier ) - Was der Fipronil-Skandal für Verbraucher bedeutet. Spiegel  04.08.2017 - dpa-Meldung 01.08.2017 - So gefährlich sind Fipronil-Eier wirklich  (z.B. Rhein-Zeitung und Weser-Kurier ) - BZfE News 09.08.2017 - ⇔ BfR Fragen+Antworten  -  Gesundheitliche Bewertung von ersten Analysenergebnissen zu Fipronilgehalten in Lebensmitteln in Deutschland - BfR-Mitteilung Nr.17 08.08.2017 -
- link bei www.lebensmittelwarnung.de -
- Pressemeldung bei www.foodwatch.org 28.06.2017 - Report: Bayerisches Brot: Über ekelerregende Zustände in Großbäckerei.  (Download)   ⇒ z.B. Augsburger Allg. 29.06.2017 -
Anm. 21.12.2015 - rückblickend ist anzumerken, dass es in Deutschland im letzten Jahr keinen "großen" medial-wirksamen Aufreger-Lebensmittel-Skandal gab -
(s.auch entsprechendes Stichwort bei Spiegel / Zeit / Welt / foodwatch)
(Kategorie - Lebensmittelskandale bei wikipedia ist recht klein - Anm. 27.2.2013/21.12.2015)
Pferdefleischskandal in Europa 2013 (wikipedia) - (Meldung - Die Zeit(24.07.2014) kaum/kein Pferdefleisch in Rindfleischprodukten)
(Risiko - mangelnde Lebensmittelhygiene)
Fünf Jahre nach Ehec: Was wurde aus dem Versprechen der Lebensmittelsicherheit? - Spiegel, 17.04.2016 -

Gammelfleisch - 2006_2007 (Informationssammlung)  (Infos - Juli 2010)

Mozarella - Gammelkäse in Italien - Juli 2008 (Informationssammlung)

Uran in Trinkwasser - Sep 2008 - (Informationssammlung)

Bisphenol - Sep. 2008

Melamin in Milch (China) - Sep 2008 (Informationssammlung)

Dioxin in Schweinefleisch aus Irland - Dez 2008   --- Jan 2011 - Dioxin in Futtermittel 

Kerschke-Risch, P.: Die idealen Opfer? Konsumenten und ökonomisch motivierter Betrug mit Lebensmitteln. Ernährungs-Umschau Nr.9 192-197 (2016)

Skandale haben unterschiedliche Wirkungen -

So gibt es Medien-"Abklingfunktionen"; zuerst viele Meldungen, dann kaum noch (Beispiel - Mozarella-Gammelkäse- Fall) (Medienreaktionen Informationen) / (Linzmaier-Dissertation s.u. /  IÖS-Fernseh-Datenbank /  Ernährungsbericht 2004 - Ernährung im Fernsehen - Info)

Bei Verbraucher ähnlich; doch in Summe eher Verbraucherängste, Verbraucherversunsicherung; dies gilt weltweit;  so wirkt BSE lange nach; Demonstrationen in Korea zur Wiedereinführung von US-Rindfleisch (Juli 2008). (Verbraucherstudie Dialego 2002)

Politische Reaktionen - Einführung von Frühwarnsystemem der EU - Rapid Alert System for Food and Feed (RASFF) - (Information dazu)

Aufgaben in der Lebensmittelindustrie (von Oekotrophologen - Qualitätsmanagement; Risikokommunikation)

Der BSE Skandal in Deutschland führte zum Wechsel in den Landwirtschafts- und Gesundheitsminsterien - Betonung von mehr Verbraucherschutz (auch im Namen des Ministeriums) (siehe auch AGEV-Rundbrief 2001)

Anfang des Jahres 2011  Vera Vierholzer (Historisches Seminar; Wirtschafts- und Sozialgeschichte - Uni Frankfurt) ihre Promotionsarbeit publiziert "Nahrung nach Norm - Regulierung von Nahrungsmittelqualitätin der Industrialisierung 1871–1914." Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Band 190. Vandenhoeck+Ruprecht-Verlag; Göttingen, 2010. 399 Seiten; die auch die zeithistorischen Aspekte der Lebensmittel-Skandale beinhalten. Einige Beispiele für die Resonanz in den Medien:   - TAZ vom 5.2.2011 -  "Skandale machen das Essen besser"; Frankfurter Neue Presse  vom 17.1.11 "Wie der Kalk ins Brotmehl kam" / GIT-Laborjournal - 13.1.11.  (Informationen im Archiv)

Quellen:

Rieger, J. et al.: Food scandals, media attention and habit persistence among desensitised meat consumers. Food Policy 64(Oct) 82-92 (2016) (ref. link bei www.foodnavigator.com  06.01.2017)

Funde bei 50 Jahre Lebensmittel-Tests (Test Juni 2014)

Spiekermann, Uwe, Die Normalität des (Lebensmittel-)Skandals. Risikowahrnehmungen und Handlungsfolgen im 20. Jahrhundert, in: Hauswirtschaft und Wissenschaft 52, 2004, S. 60-69.  (Scan) (fehlende S.61 hier)

AgV-IFAV: Lebensmittelskandale in Deutschland; Bonn, Köln, 2000

Karl-Heinz Dittberner - http://www.khd-research.net/Food/LM_Skandale_1.html (private Website u.a. zu Lebensmittelskandalen in Europa)

Linzmaier, Vera: Lebensmittelskandale in den Medien · Risikoprofile und Verbraucherverunsicherung Fischer (Reinhard), München,2007
http://www.verlag-reinhard-fischer.de/PDF/InhaltLinz_1.pdf/  http://www.kommunikationswissenschaft-erfurt.de/doktoranden/67785.html 

Christine Stumböck: Der Einfluss von Lebensmittelskandalen auf das Informations-, Einkaufs- und Ernährungsverhalten. Diplomarbeit TUM München, 2005 / Karg – Kustermann
- Barlösius - Rehaag - WZB-Paper - Ernährungskommunikation - Skandale (WZB)

Weitere Informationen -
-- http://de.wikipedia.org/wiki/Skandal
Wikipedia - Lebensmittelskandal

Karl-Heinz-Dittberner - Website - dort auch Chronik der Lebensmittelskandale

Gerald Mackenthun (Psychologe, Autor) (website): Die Wahrnehmung von Lebensmittel-Risiken durch die Bevölkerung und die Einschätzung durch die Wissenschaft. Vortrag auf dem CMA-Ernährungsforum Berlin 19. Oktober 2006 (Download)

Skandal! Das Geschäft mit der Empörung. Dirk Asendorpf - SWR2 Wissen 05.06.2014 (download)

Historisches
- Geschichte des Weinfäschens (wiki)

Früher Milchskandal: Swill milk scandal in den USA um 1858; ca.8000 Kinder gestorben (wikipedia)
Hamburger Sülze-Unruhen (1919) - Wikipedia
(Gammelfleisch / Hunger - Panzerkreuzer Potemkin) (1905) (link)

Chinesischer Milchskandal 2008 (wikipedia)

Spiegel Nr.26_1971 - Drogen im (Tier)Futter - Gift auf dem Tisch (Titelbild)  (Story: Wenn sie nicht fressen, spritze ich selbst)

Spiegel – Nr.29 (15.7.1985) Weinskandal – Frostschutz-Auslese in deutschen Kellern / www.spiegel.de/spiegel/print/d-13514824.html 

http://de.wikipedia.org/wiki/Glykolwein-Skandal  

 

 

Editorial - HuW

Wikipedia-Datei aus 2006

Gammelfleisch Lied - Gammel all the way

Kartoon - Hormone in Fleisch - (zeigt - alles ist lange bekannt)

Satire - Lebensmittel-Skandal-Menü

 

 

Analyse wie Print-Medien Lebensmittel-Skandale darstellen -

Linzmaier, Vera: - Lebensmittelskandale in der Medienberichterstattung : Risikoprofile und Verbraucherverunsicherung / Vera Linzmaier. - 1. Aufl. - München : Fischer, Reinhard, 2007. - 320 S. : 210 mm x 148 mm. - (Medien und Gesundheit ; 3)

2007 / ISBN 978-3-88927-441-0 - ISBN 3-88927-441-2 (Analyse – Süddeutsche Zeitung – Bild-Zeitung)

http://www.verlag-reinhard-fischer.de/PDF/InhaltLinz_1.pdf  

(Arbeit im Speicher - Medien/ auch Code-Buch dazu)

 "Lebensmittelskandale" früher und heute (aid aktuell 16.09.2015)
In der "Offline-Zeit" gab es1985den  Verdacht, die damalige Firma Birkel habe für ihre Eiernudeln verdorbenes Flüssigei verwendet. Der Umsatz brach in kurzer Zeit um die Hälfte ein, gegenteilige Versicherungen der Firma halfen nichts. 1989 wurde die Firma verkauft. Zwei Jahre später gab es 13 Millionen DM Schadensersatz, weil das Gerücht nicht stimmte.
Ergo: Acht Jahre vor dem ersten internetfähigem Webbrowser (1993) konnte ein Unternehmen einen "Shitstorm" auf gedrucktem Papier nicht aufhalten und beendete eine mehr als 100-jährige Familientradition.
Wie sähe die Diskussion heute im Internet aus? Der zweite Mediendialog des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) (link) diskutierte in Berlin (08.09.2015) auch über die wachsenden digitalen Netzwerke.  Durch das Internet verschieben sich die Macht- und Wissensverhältnisse, Jeder kann heute Sender sein. Es gibt eine Radikalisierung des Enthüllungsjournalismus, bei der die Themen nicht mehr nach Relevanz, sondern nach "Interessantheit" ausgewählt werden.Die Idee, die Öffentlichkeit zu kontrollieren, funktioniere nicht, wie das Beispiel der Familie Wulff gezeigt hat.  Die Unternehmen müssen auf allen Kanälen präsent sein. Dabei muß jedoch Transparenz herrschen, es dürfen keine "Trolle" eingesetzt werden, das sind "bezahlte" Positivnmelder der Firmen.
 Der Aufwand, im Netz präsent zu sein, ist aber groß. Unilever unterhält alleine in Deutschland mehr als 100 Web- und über 30 Facebook-Seiten. Für die Koordination wurde Personal eingestellt.
Die positive Seite der Kommunikation im Netz ist das Erkennen neuer Trends. So bricht das Thema "Beauty" in Asien gerade alle Klick- und Aufmerksamkeitsrekorde.

 

"Thema in der Kunst - Comic"

Der Comic zum Nahrungsmittelskandal: In „Chew – Bulle mit Biss“ verfügt der Polizist Tony Chu über die Gabe der "Cibopathie". Sobald er etwas isst, hat er genaue Vorstellungen davon, woher die Speise kommt. Igitt! Selten hat der Ekel eine komischere Form gefunden. 

Verbraucher möchten über die Herkunft der Lebensmittel mehr Informationen „gläserne Nahrungskette“ (Herkunftsnachweis); dieser Gedanke in einer neuen Comic-Serie „Chew – Bulle mit Biss“ aufgegriffen; passend zu den aktuellen Nahrungsmittelskandalen (Gammelfleisch, Dioxin, usw.); der Detektiv Tony Chu hat die Gabe der "Cibopathie" (neues Wort). Sobald er etwas isst, hat er genaue Vorstellungen davon, woher die Speise kommt. chewcomic.blogspot.com

http://www.stern.de/blogs/sprechblasen-der_comic-blog/chew- %E2%80%93-bulle-mit-biss/

http://www.fr-online.de/kultur/literatur/leckerschmecker-in-galle-gruen/-/1472266/5575792/-/index.html  

Neues ...

11.4.13 - Wieder Pferdefleisch als Rindfleisch verkauft (link)  (wikipedia)
("Gesundheitsgepferdung" - Schrot&Korn Mai 2013)

18.3.13 - NDR-Markt-Check - Tiefgekühlter Fisch oft (mit Wasser gestreckt) (Stern)
15.3.13 - Meldung vom NRWVerbraucherschutzministerium: Belastetes (Antibiotika) Putenfleisch aus Rumänien in NRW, Österreich und Großbritannien gefunden (TAZ-Meldung 17.3.13)
(Interaktive Grafik zu Lebensmittelskandalen - Südd.Ztg - 4.3.13 ) (Pferdefleisch; "Bioeier")

- 1.3.13 - Verschimmeltes Tierfutter (Mykotoxine) - (Spiegel)  (BMELV)

- 24.2.13 - Der Eier-"Beschiß" im Spiegel (Link) / - 25.2.13 - Betrug mit Bio-Eiern (Bild-Schlagzeile)

Pferdefleisch als Rindfleisch verkauft - Lebensmittelskandal in England im Feb. 2013 schwappt nach Deutschland über
(z.B Stern 11.3.2013)   (Spiegel 8.3.12)  (Wortspiel in der "Welt" - "Pfertig-Gericht")  (wikipedia)  (Verbraucher-Informationen im Internet durch BMELV - www.pferdefleisch-rueckrufe.de )

Ab Mitte Mai 2011 erste Meldungen zu EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli) - zuerst in Norddeutschland (Hamburg, Schleswig-Holstein), später auch in anderen Bundesländern zu erhöhten Fallzahlen des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS). Erster Verdacht (26.5.11) als Infektionsquelle - Gurken aus Spanien. Tenor - Gefahr durch Rohkost. Focus-Titel - Focus – 30.5.2011- Titel "Wie ungesund ist gesundes Essen? “; Bild-Titel (28.5.11) - Landkarte – Hier wütet der Killer-Keim. Notiz - 3.6.2011 - Morbiditätsziffer an EHEC nimmt weiter zu. (wikipedia)
(Abraten Gemüse zu Essen - dazu Kabarett-Chanson des Monats Juni 2011 - Thomas Pigor - Junk Junk Junk Food - SWR2 - YouTube)

Am 3.1.2011 ist Dioxin in Tier(Hühner)futter die Top-Meldung in der Tagesschau (siehe auch Dioxin)

Im Januar 2009 gibt es den Verdacht um falsch etikettierte Bioputen

http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/hochgepaeppelt-und-hochsensibel/ 

/TAZ-Titelseite - 07_02_09 - Puten Appetit

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/1663979_Etikettenschwindel-beim-Federvieh.html 

http://www.sueddeutsche.de/158387/092/2744620/Das-Maerchen-vom-gluecklichen-Bio-Huhn.html   

Im August 2009 trifft es Rucola (Infos)

 

(Schweinegrippe - seit Ende 23. April ein Thema)

Aspekt - Schweinegrippe -  Medienereignis - Infos (2009-2010) / Kosten der Schweinegrippe