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10/05/17

Lebertran

Lebertran (veraltet: „Fabriktran“; Oleum jecoris Aselli, Oleum morrhuae) ist ein dünnes, hell- bis braungelbes Öl, das hauptsächlich aus der Leber von Kabeljau, Dorsch und Schellfisch, sowie Seehecht, Pollack, Haifischen oder Rochen– nicht aber von Walen →Tran, gewonnen wurde.
Er wurde durch Auskochen (und Pressen) (dunkler Lebertran) oder mittels Wasserdampf (Dampftran, Medizinaltran) (heller Lebertran) und nachfolgender Abkühlung unter Null Grad, sowie Filtrierung gewonnen. Aus den Resten kann durch Auspressen „Presstran“ gewonnen werden.
Er besteht aus leicht verdaulichem Fett, welches aus verschiedenen Fettsäuren zusammengesetzt ist, 25 % C18:1 (Ölsäure, Vaccensäure) und 11 % Palmitinsäure, 9 % Palmitoleinsäure, ungefähr 11 % C20:1 (Gadoleinsäure, Gondosäure), sowie auch Omega-3-Fettsäuren 11 % C20:5 Eicosapentaensäure (EPA), 9 % C22:6 Docosahexaensäure (DHA) und 1,5 % 22:5 Clupanodonsäure, weiter 5,5 % C22:1 (Erucasäure, Cetoleinsäure), sowie 3,5 % Myristinsäure.
Lebertran enthält auch Jod, Phosphor, α–Tocopherol 300 μg/g und verhältnismäßig hohe Mengen an Vitamin A 2500 IU/g und D 40 IU/g, sowie 5,7 g/kg Cholesterin.
Bei Präparaten mit gereinigtem und desodoriertem Lebertran werden künstliche Vitamine nachträglich zugegeben.
Lebertran wurde schon von den Wikingern, Norwegern, Eskimos, Lappländern und Grönländern als Stärkungsmittel verwendet. Später im 18. Jahrhundert wurde er dann zur Behandlung von Nachtblindheit, Rheumatismus und Rachitis empfohlen.
Die hervorragende Wirksamkeit von Lebertran gegen Rachitis wurde 1824 von deutschen Wissenschaftlern entdeckt, etwa zwei Jahre nachdem bekannt wurde, dass Sonnenlicht, in Form der damals populären Sonnenkuren, ebenfalls zur Verhütung bzw. Behandlung dieser Krankheit eingesetzt werden kann. Erst 1922 konnte das Vitamin D3 als der antirachitische Bestandteil bestimmt werden. Die Chemiker Hans Brockmann und Adolf Windaus u. a. konnten dann 1935 aus Fischleberölen einen Wirkstoff isolieren, 7-Dehydrocholesterin; das Provitamin von Vitamin D3.
Auch wurde Lebertran als Lampenöl und Imprägnierungsmittel verwendet.
Lebertran wird als Stärkungsmittel besonders bei Kinderkrankheiten und Unterernährung sowie zur Verhütung von Rachitis (auch: Englische Krankheit) oral eingenommen. Kindern in der Bundesrepublik wurde bis in die 1960er Jahre zur Vorbeugung und Kräftigung täglich ein Löffel voll verabreicht. Der Geschmack gilt als penetrant. Lebertran aus Dorschleber-Konserven stellt dagegen ein (Speise-)Öl mit nur dezenter Fischnote dar.
Bei zu hohen Verzehrmengen könnenHypervitaminosen auftreten.

Informationen:
- wikipedia - engl cod liver oil

Es lebe der Lebertran. NZZ 25.09.2017