TYPO3 Musterprojekt - Thursday, 12. December 2019
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01/12/19

Weißdorne (Crataegus)

Die Weißdorne (Crataegus) sind eine Gattung von Sträuchern oder kleinen Bäumen der Kernobstgewächse (Pyrinae) innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). In den gemäßigten Klimazonen der Nordhalbkugel gibt es 200 bis 300 Arten. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in Nordamerika, insbesondere im östlichen Teil. In Europa werden etwa 22 Arten unterschieden, in Deutschland drei, deren Unterschiede meist nur von Fachleuten wahrgenommen werden.
Der deutsche Name Weißdorn weist entweder auf die weißen Blüten des besonders im Freistand üppig blühenden Strauchs und die vorhandenen Sprossdornen. Der botanische Name Crataegus geht zurück auf griechisch κράταιγος (krataigos). Mit diesem Namen bezeichnete der Naturphilosoph Theophrast eine Strauchart mit essbaren Früchten, die am Berg Ida in Kleinasien wuchs. Das altgriechische krataiós bedeutet „stark“ oder „fest“ und bezieht sich auf das harte Holz dieser Pflanze.
Weißdorne wurden in verschiedenen Regionen unterschiedlich behannt, z.B. Hagedorn, Heckendorn, Weißheckdorn; Christdorn, Hagapfel, Heinzelmännerchen, Mehldorn, Mehlfässel, Wibelken, Zaundorn. Alle diese Namen beziehen sich auf die einheimischen Arten.
Seit Jahrhunderten wird der Weißdorn in der Medizin eingesetzt. Bereits Pfarrer Sebastian Kneipp empfahl die Pflanze zur Unterstützung von Herz und Kreislauf. Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg hat den Weißdorn zur Arzneipflanze des Jahres 2019 gewählt (link bei www.klostermedizin.de).
Weißdorne finden sich in den gemäßigten Klimazonen der Nordhalbkugel in Wäldern und Gebüschen, kultiviert auch in Parks und Gärten. Sie sind sommergrüne Sträucher oder kleine, rundkronige Bäume, die dicht verzweigt und normalerweise dornig sind. Ihre Rinde ist glatt, grün-braun bis dunkelbraun und im Alter schuppig-rissig. Ihr Holz ist hart und schwer.
Die wechselständigen Blätter sind häufig auffällig gesägt, tief eingeschnitten oder gebuchtet. Die auffälligen weißen, seltener rosa oder roten Blüten stehen in Doldenrispen. Die meist „Beeren“ genannten, kleinen Apfelfrüchte sind 0,7-2,0 cm groß und normalerweise rot oder orange, bei einigen Arten blau, schwarz oder gelb. Sie enthalten einen bis fünf aneinandergeballte Steinkerne. Ihr Fruchtfleisch ist meist trocken und mehlig, nur bei wenigen Arten auch saftig.
Die Mispel (Mespilus germanica) ist eng verwandt mit Weißdorn.
Die verschiedenen Crataegus-Gattungen kreuzen sich recht leicht. So gibt es eine Vielzahl von Weißdornarten und sind so ein weites Forschungsfeld für Botaniker. In Mitteleuropa sind zwei Arten allgemein bekannt: der Eingriffelige Weißdorn (Crataegus monogyna Jacq.) und der Zweigriffelige Weißdorn (Crataegus laevigata (Poir.)
Während die Weißdornarten nur in wenigen deutschen Bundesländern stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind, ist die Vielfalt des Weißdorns doch gefährdet. Insbesondere im Lauf der 1950er und 1960er Jahre wurden in den ländlichen Regionen ein Großteil der die Felder und Weiden begrenzenden Hecken beseitigt und mit ihnen ein wichtiger Lebensraum des Weißdorns und der darin wohnenden Fauna vernichtet. Im Zug der Ökologiebewegung wurde dieser Trend angehalten und etliche Hecken neu gepflanzt. Bei diesen Neupflanzungen wurde jedoch in der Regel deutschlandweit einheitliche Baumschulware verwendet, dem Gebiet angepasste Ökotypen wurden nicht berücksichtigt.
Die Früchte des Weißdorns sind roh essbar und schmecken säuerlich-süß, sind allerdings sehr mehlig. Sie können zu Kompott oder Gelee verarbeitet werden und eignen sich dabei zum Mischen mit anderen Früchten, da sie gut gelieren. Gemischt mit anderen Früchten lassen sie sich auch zu vitaminreichem Saft oder Sirup verarbeiten.In China werden die Früchte oft zu Süßigkeiten verarbeitet. In Notzeiten wurden die Früchte als Mus gegessen und das getrocknete Fruchtfleisch als Mehlzusatz beim Brotbacken verwendet. Die Kerne dienten als Kaffeeersatz.
Die getrockneten Blüten, Blätter und Früchte werden als Tee oder alkoholischer Auszug bei Herz- und Kreislaufstörungen. 
Das Holz ist sehr hart und fest (Rohdichte 0,8–0,9 g/cm³) und wurde früher häufig für Werkzeugstiele (z. B. in der Schmiede für die Gesenkhämmer) verwendet, gelegentlich auch für Schnitz- und Drechslerarbeiten.
In Gärten und Parks ist der Weißdorn aufgrund seiner schönen Form und Blätter und seines üppigen Blüten- und Fruchtschmucks eine beliebte Zierpflanze Verwendet wird der Weißdorn sowohl als Solitärpflanze wie als Heckenpflanze.
Der ökologische Wert des Weißdorns ist sehr hoch; er ist ein bedeutender Nahrungsspender und Lebensraum für zahlreiche Kleintiere. In Mitteleuropa bietet er rund 150 Insektenarten, gut 30 Singvogel-Arten und vielen kleinen Säugetieren eine Lebensgrundlage. Allein 32 Vogelarten fressen die Früchte des heimischen eingriffeligen Weißdorns.
In ländlichen Räumen war der Weißdorn aufgrund seiner Langlebigkeit, sehr guten Schnittverträglichkeit und natürlich seiner Dornen eine wichtige Pflanze der Grenzhecken, die Felder, Wiesen, Wege und Grundstücke voneinander trennten.
Als Heilmittel wird der Weißdorn im europäischen Kulturraum erstmals im 1. Jahrhundert nach Christus von Pedanios Dioscurides erwähnt. Er findet auch Verwendung in der Traditionellen Chinesischen Medizin; in der Pflanzenheilkunde und bei amerikanischen Indianerstämmen.
Inhaltsstoffe sind oligomere Procyanidine (OPC), glykosidische Flavone wie Vitexin und Vitexin-Rhamnosid sowie glykosidische Flavonole wie Rutin und Hyperosid; außerdem finden sich mit einem Gehalt von 0,5 bis 1 % Gerbstoffe.
Haupt-Indikation ist die chronische Myokardinsuffizienz. Volkstümlich finden breitere Anwendung, z.B. bei Nervosität. Weißdorn steigert die Kontraktionskraft des Herzens und verbesserte die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels; insbesondere Angina Pectoris und der Herzinfarkt gelten als Durchblutungsstörungen des Herzmuskels. Die Weißdornpräparate sing gut verträglich, ihre Wirkung beruht hauptsächlich auf oligomeren Proanthocyanidinen (OPC). Zur Herstellung werden die Enden der Zweige mit den Blüten und Blättern abgeschnitten und getrocknet, um daraus Fertigpräparate oder Tee herzustellen.

Vom Weißdorn sind vielerlei mythische und rituelle Bedeutungen aus unterschiedlichen Epochen überliefert. Die verschiedenen Namen resultieren aus seiner Verwendung als Heckenpflanze zur Abgrenzung von Grundstücken und aus seiner Kraft, böse Geister abzuwehren oder vor Verhexung zu schützen. Außerdem gilt er als Wohnung der Elfen, weshalb man in Deutschland zu früheren Zeiten Stofffetzen und Haar in die Äste des Weißdorn flocht, da das die Elfen veranlassen sollte, gute Taten am Spender zu vollbringen. Kinderwiegen aus Weißdorn sollen verhindern, dass Kinder von bösen Feen ausgetauscht werden. Es gibt auch eine Legende, dass die Dornenkrone in der Passion Christi  aus Weißdornästen zusammen geflochten war.

Vorkommen der Weißdorne (Hagedorne) in der Kunst:

Ballade Lenore von Gottfried August Bürger
Richard Wagner:  Götterdämmerung (Akt2, Szene 3)
Bertolt Brecht  Dreigroschenoper (3. Akt, „Lied aus der Gruft“)
Wilhelm Raabe Ballade Der Hagedorn.
Marcel Proust - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Bilder - Weissdorn bei www.akg-images.de -

Familienname: Hagedorn (link)  - wikipedia - engl. Hawthorne -

Informationen:
- wikipedia - engl. Crataegus -
- link bei www.chemie.de -
- Crataegus - bei www.pfaf.org

- Weißdorn – Arzneipflanze des Jahres 2019. Deutschlandfunk 18.12.2018
- Weißdorn - Arzneipflanze des Jahres 2019. BZfE News 09.01.2019

Weißdorn : Rote Beeren für Sirup und Marmelade. BZfE News 06.09.2017
"Erst verarbeitet im Kompott, Gelee, Saft, Sirup oder Chutney entfalten die Früchte ihr angenehm süß-säuerliches Aroma. Sie werden auch gerne mit anderem Obst wie Äpfeln, Quitten und Holunderbeeren kombiniert. Ein Mus aus Weißdornbeeren ist ein leckerer Brotbelag und gibt Müsli, Joghurt und Quark einen besonderen Geschmack. Dafür werden die Früchte in etwas Wasser für acht bis zehn Minuten weichgekocht, abgegossen und durch ein Sieb gestrichen. Wer es süßer mag, kann einen Teelöffel Agavensirup oder Honig hinzufügen.
Die Früchte reifen zwischen August und Oktober. Beim Pflücken sollte man vorsichtig sein und Handschuhe tragen, da Weißdorn sehr dicht wächst und viele Dornen hat. Zudem können die roten Beeren unschöne Flecken auf der Kleidung hinterlassen. Vor der Zubereitung werden sie vom Stiel abgezogen und gründlich gewaschen. Ein paar Früchte sollten aber am Strauch bleiben, da sie mehr als 30 verschiedenen Vogelarten Nahrung bieten. Auch für viele Insektenarten und kleine Säugetiere ist der Weißdorn eine wichtige Lebensgrundlage.

Und Weißdorne sind auf einigen Briefmarken zu finden.