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09/16/14

Ethno Food - Bekannt in der Fremde - Fremd bei uns

Ethno-Food beschreibt Nahrungsmittel und Speisen, die nicht aus unserem heimischen (deutschen) Kulturkreis stammen, sondern aus den Küchen anderer Länder und Kulturen. (wikipedia)

Es handelt sich dabei vor allem um einen Marketingbegriff, der im deutschen Sprachraum für Speisen gebildet wurde, die als "exotisch" gelten. Im englischen Sprachraum lauten die Bezeichnungen dafür Ethnic Foods oder Ethnic Cuisine. Beispiele für Ethnofood sind aus westlicher Sicht chinesische, koreanische, japanische, indische, mexikanische, türkische, afrikanische und arabische Küche. Ein Ethnofood-Angebot muss durchaus nicht immer "original" sein, sondern ist oftmals an die Gewohnheiten der "Zielgruppe Gast" angepasst. Als Beispiel seien die Gerichte der in Westeuropa präsenten chinesischen Restaurants genannt: stets gehören reichhaltige Fleischgaben zu den Gerichten, während die Mehrheit der Chinesen weitaus weniger Fleisch zu sich nimmt. Dem Westeuropäer wird somit ein Bild einer anderen Küchen-Kultur vor Augen gebracht, das mit dem Geschehen im Ursprungsland durchaus nicht in Deckung stehen muss. Ethnofood kann auch einen kulturell-kulinarischen Mix umfassen: Chicken gara Masala z.B. wird in Westeuropa in vielen indischen Restaurants angeboten, ist jedoch eine Erfindung indischer Köche in London.   

Seit den 50er Jahren – als sich die ersten Pizzerien in Deutschland erfolgreich etablierten – steigt das Interesse an landestypischen Küchen und exotischen Genüssen. Durch Fernreisen und die Medien steigt der Wunsch, neue und bisher fremde Lebensmittel auch in der Heimat zu erhalten.
Während zunächst mediterrane Länder auf dem Vormarsch waren, sind nun die südamerikanische Esskultur und asiatische Gerichte zunehmend gefragt. Pizza und Döner würde wohl niemand mehr als Ethno-Food bezeichnen – so fest ist es schon in unserem „deutschen“ Essalltag verankert.
Ethno-Food zeichnet sich dadurch aus, dass es neu und exotisch ist. Gastronomie und das breite Angebot an Convenience-Produkten (in Supermärkten) bestimmen zu einem großen Teil die aktuellen Trends ausländischer Speisen. Nicht selten gibt es länderspezifische Aktionswochen.

Neu entdeckte Zutaten, die uns schmecken, verwenden wir dann auch bei traditioneller „Hausmannskost“. Spezielle Gewürze, besondere Zutaten oder außergewöhnliche Getränke machen ländertypische Speisen aus. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. So können Linsengerichte mit Kreuzkümmel, Ingwer und Chili gewürzt werden; oder Spinat mit Zwiebeln, Kreuzkümmel und Kurkuma.

Es gibt in Deutschland ebenso "Ethno-Food"-Läden, die von und für Migranten Lebensmittel anbieten, die Deutsche als "Ethno-Food" kaufen können. Ein interessanter Aspekt ergibt sich z.B. aus den Angeboten für Menschen mit muslimischem Glauben, die nach den Speisevorschriften des Korans Lebensmittel in "halal" (erlaubt) bzw. "haram" (verboten) einteilen.  (Lit. aid - dge )
 

 

Quellen:

Infodienst des MLR_BW (10.09.2014) (link)

Marin Trenk: «Döner Hawaii – Unser globalisiertes Essen», Klett-Cotta, 2015.
(Uni Frankfurt)   (Perlentaucher ) - SWR2 Zeitgenossen Marin Trenk, Food-Ethnologe SWR2 09.09.2017; 17,05.   „Exotisch ja, aber bitte deutsch!“ - so bringt es der Frankfurter Food-Ethnologe Marin Trenk auf den Punkt. Man könne sich in Deutschland inzwischen durch fast alle Küchen der Welt essen, doch dieses „Ethno-Food“, das bei einer großen Mehrheit Anklang findet, wird immer dem deutschen Geschmack angepasst. Es hat mit der ursprünglichen Küche nicht mehr viel zu tun. Damit beschäftigt sich Marin Trenk auch in seinem vielbeachteten Buch „Döner Hawaii“ aus dem Jahr 2015.

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