TYPO3 Musterprojekt - Monday, 18. November 2019
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Verbraucher in verschiedenen Haushaltsformen lebend

 

Das primäre Versorgungssystem aller menschlichen Bedürfnisse ist der Haushalt. Dabei spielt der private Haushalt immer noch eine traditionelle und zentrale Rolle. Hier wird die alltäg¬liche Lebensführung der Menschen zum Zwecke der Sicherung von Lebensqualität und der Weitergabe von Daseinskompetenz gestaltet. Er dient der unmittelbaren Bedarfsdeckung und Bedürfnisbefriedigung von Menschen, und dazu zählt auch die Ernährung. Die vielfältigen Ernährungsversorgungsleistungen gegenüber den Haushaltsangehörigen werden im realen Lebenszusammenhang durch eine haushaltstypische Verknüpfung von Eigenarbeit (unbe¬zahlt) sowie Inanspruchnahme von Dienstleistungen bewältigt.

Die privaten Haushalte organisieren die Versorgung aller Bundesbürger, dazu setzen sie 48 Milliarden Stunden Erwerbsarbeit ein, und 77 Milliarden Stunden Hausarbeit (Laufenberg Beermann 2000). Dabei können dies Erwerb von entsprechenden teil- und fertigproduzierten Lebensmitteln oder Speisen sein (Kap. 1.3.2.2) und/ oder Dienstleistungen (sozial bis kom-merziell) darstellen. Die Nachfrage nach Lebensmitteln kann aus dem Gesichtspunkt des Haushalts (bzw. der Haushaltswissenschaft) in ganz unterschiedlicher Weise organisiert sein:

- nach Personenzahl: Ein-, Zwei-, Mehrpersonenhaushalte;

- nach globalen Berufsgruppen: z.B. die drei Typen der EVS: Arbeiter-, Angestellten-, Beamten-Haushalte;

- nach Erwerbstätigkeit: Beschäftigten-, Arbeitslosen-, Rentner-, Studenten-Haushalte;

- nach Lebenszyklusphasen: jung und alleinstehend, verheiratet ohne Kinder, verheiratet mit Kleinkindern, verheiratet (und die Kinder leben woanders), älter und alleinstehend;

- nach Generationenumfang: Ein-, Zwei-, Drei-Generationenhaushalt;

- nach Verwandtschaftsnetzwerken: Herkunftshaushalt (Mann/Frau), Geschwister-Haushalt, u.a.

- nach Kombinationen davon: Geschiedene, Alleinerziehende, usw.

 

Die traditionellen Haushaltstypen beziehen sich in erster Linie auf die Zahl der Personen, und hier gibt es den deutlichen Trend zu kleinen Haushalten (Einpersonen-, Single-Haushalten) und weg von den Mehrgenerationenhaushalten. Damit schränken sich die Möglichkeiten ein, die Ernährungsbedürfnisse neben den anderen Bedürfnissen optimal zu organisieren. Ebenso wird der wichtige Aspekt der Weitergabe von Alltagserfahrungen (wie man den Haushalt organisiert) eingeschränkt.

Neue Haushaltsformen haben sich gebildet und werden heute auch gesellschaftlich anerkannt: nicht eheliche Lebensgemeinschaften, Alleinerziehende und Wohngemeinschaften unter-schiedlicher Art. Der Grad der Technisierung des Haushaltes kann ebenso als Unterschei-dungsmerkmal herangezogen werden, wobei es ein Kontinuum von einfach ausgestatteten bis hin zu hoch technisierten Haushalten gibt. Der Einsatz der Informationstechnologie im priva-ten Haushalt zur Ernährungssicherung steht erst in den Anfängen.

Aus vielen Gründen, die sich aus den Veränderungen in der Gesellschaft ergeben, werden die Haushaltsformen sich weiter ausdifferenzieren. Die Lebensläufe und Lebenswege werden flexibler und verzweigter, Stichworte wie neue Einteilung von Haus- und Erwerbsarbeit zwischen den Haushaltspartnern, neue Arbeitsformen, die Haus- und Erwerbsarbeit wieder näher bringen (einschließlich Telearbeitsplätze), die Ökonomisierung aller Lebensformen, auch des Freizeitbereichs und die Besetzung von Lebensaktivitäten durch elektronische Medien wie eCommerce, e-Teaching usw. sollen dies umreißen.

Der Haushalt und die Vielfalt seiner Organisationsformen stellt eine zentrale Größe in der Betrachtung der Nachfrage nach Lebensmitteln dar.