TYPO3 Musterprojekt - Sunday, 18. August 2019
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Bitter ist Geschmacksrichtungen, die von der Zunge wahrgenommen werden kann. Als herb dagegen wird ein Geschmack oder Geruch bezeichnet, der ein wenig scharf oder würzig, sowie leicht bitter oder säuerlich schmeckt oder riecht.
 Der Bittergeschmack wird durch Bitterrezeptoren auf der Zunge ausgelöst. Diese Rezeptoren heißen hTAS2-Rezeptoren (hTAS2R) (h=human). Die meisten hTAS2R befinden sich in den Wallpapillen am Zungengrund.
Bitter gilt als "Warnzeichen" bei unbekannter Nahrungsaufnahme, dass diese gesundheitsschädlich (ungenießbare; bittere Pilze) sein könnte. Bittere Speisen sind bei Kindern recht unbeliebt. 
Andererseits kann eine bittere Geschmacksnote bei Speisen und Getränken bei Erwachsenen recht beliebt sein; das bittere Pilsbier (Hopfen); Bitter Lemon-Limonadem (Chinin); Magenbitter (Kräuterbitter); Zartbitterschokolade, Bittermandel usw.
Die Menschen sind unterschiedlich sensibel fü bittere Geschmacksempfindungen, es gibt solche die den bitteren Geschmack kaum wahrnehmen.
Vielen bitteren Lebensmitteln werden gesundheitsfördernden Wirkungen, z.B. verdauungsfördernde (wie z.B. die Bitterstoffe Humulon und Lupolon im Hopfen); Leber- und Galle-stimulierende (wie Taraxin des Löwenzahns; Cynarin der Artischocken).
Chicorée, Chinakohl, Endivieensalat, Schwarzwurzel, und Wermut sind ebenfalls bitter-schmeckende Lebensmittel.
- Englische bittere Marmelade (TAZ, 21.03.2015)

-    Neu entdeckte Sensoren

So schmeckt der Mensch den bittersten Naturstoff der Welt  (Spiegel 13.10.2009)
Die bitterste Substanz der Welt wird aus Enzian gewonnen - und reizt die menschlicher Zunge selbst noch in millionenfacher Verdünnung. Forscher haben nun verstanden, wie unser Körper den Stoff wahrnimmt.

Potsdam-Rehbrücke - Der Stoff namens Amarogentin, der aus Enzian gewonnen wird, dockt gleich an vier spezielle Antennenmoleküle auf der Zunge an. Er gilt als die (bisher) bitterste Substanz der Welt. (Maik Behrens und Wolfgang Meyerhof vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke im Fachmagazin "Journal of Agricultural and Food Chemistry").   Amarogentin ist noch in einer Verdünnung von eins zu 58 Millionen zu schmecken - eine Konzentration, die entsteht, wenn man ein Schnapsglas des Bitterstoffs mit der Wassermenge von 5800 Badewannen verdünnt.
Bitteres schmecken zu können, war in der Frühzeit des Menschen eine lebenswichtige Fähigkeit - schließlich sind die meisten giftigen oder ungenießbaren Substanzen bitter. Zunge, Gaumen, Rachen und Kehlkopf sind daher mit molekularen Sensoren, den sogenannten Bitterrezeptoren ausgestattet, die wie Antennen auf der Spitze von Geschmackszellen sitzen und an die bittere Stoffe andocken können.
Sobald so eine Bindung entsteht, meldet die Sinneszelle den Kontakt ans Gehirn - und ein bitterer Geschmackseindruck entsteht. Der Mensch besitzt 25 Gene mit Bauplänen für solche Rezeptoren, wie Forscher bereits seit einigen Jahren wissen.    

Neandertaler hatten Bitterschmecker-Gen (Spektrum der Wissenschaft 12.8.09)
Schon unter Neandertalern gab es, genau wie bei heutigen Menschen, Bitterschmecker und Nichtbitterschmecker. Das ergaben DNA-Untersuchungen an Neandertalerskeletten durch ein Forscherteam um Carles Lalueza Fox von der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona. 

Liszt, K.I. et al.: Caffeine induces gastric acid secretion via bitter taste signaling in gastric parietal cells. Proc Nat Acad Sci doi: 10.1073/pnas.1703728114 (10.07.2017) ⇔ Pressemitteilung des www.DIfE.de 11.07.2017;  Kurier (Wien)11.07.2017.

Mattson, M.P.: Wie giftige Pflanzenstoffe uns gesünder machen (Bitterschmeckende Gewächse) - Spektrum der Wissenschaft 27.03.2016 -
Bitter gegen Völlerei -  Standard (Wien) 03.2016 -

Lambert, J.D. et al.: Bitter taste sensitivity, food intake, and risk of malignant cancer in the UK Women’s Cohort Study. Eur J Nutr doi.org/10.1007/s00394-018-1772-4 (2018) ⇔  ScienceDaily 18.07.2018 + link bei

www.eurekalert.org 18.07.2018

With bitter foods, what you eat determines what you like to eat. Taste of bitter foods changes as repeated consumption alters the constellation of salivary proteins. ScienceDaily 24.07.2019 ⇔ Martin, L.E. et al.: Bitter-Induced Salivary Proteins Increase Detection Threshold of Quinine, But Not Sucrose. Chemical Senses 44 (6): 379 DOI: 10.1093/chemse/bjz021 (25.04.2019)  

Bitter ist nötig - Schrot&Korn Sep.2015 - Kurbelt die Verdauung an - Buchtipp: „Vital und schlank mit Bitterstoffen: Löwenzahn, Rucola, Grapefruit & Co."; Christiane Holler, Kneipp-Verlag, 2015
Chicoree, Radicchio, Artischocke, Endivie, Rosenkohl

Über den paradoxen Trend zu bitteren Lebensmitteln. (Strassmann, B.) Die Zeit Nr.09/21.02.2019 S.33

- Verbitterung (Psychologie) -
Poutvaara, P. & Steinhardt, M. F. (2015). Bitterness in life and attitudes towards immigration. SOEPpapers on Multidisciplinary Panel Data Research. The German Socio-Economic Panel study. WWW: http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.519191.de/diw_sp0800.pdf  (15-12-08)