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08/18/14

Eating the Universe - Vom Essen in der Kunst - 2010

Die Ausstellung "Eating the Universe - Vom Essen in der Kunst " (Informationen)
vom 28.11.2009 bis 28:02. 2010  -  in der  http://www.kunsthalle-duesseldorf.de/
vom 24.04.2010 - 04.07.2010 in der Galerie im Taxispalais Innsbruck
vom 18.09.2010 - 09.01.2011 im Kunstmuseum Stuttgart. (umfangreicher Katalog ca 300 Seiten - im Archiv)

(aus Pressetext) Eat Art, 1970 von Daniel Spoerri als Bezeichnung für Kunst mit und aus Essbarem geprägt, hat in institutionalisierter Form ihren Ursprung in Düsseldorf. Zwei Jahre nach Eröffnungseines Restaurants am Burgplatz gründete der Schweizer 1970 dort die Eat Art Galerie, für diezahlreiche Künstler Editionen aus essbaren Materialien und Lebensmittelabfällen produzierten. Die Ausstellung „Eating the Universe" ein Titel, den Peter Kubelka, ehemals Professor für Film und Kochen an der Frankfurter Städelschule, in den 1970er Jahren für eine TV-Sendung über das Kochen als Kunstgattung erfand — verfolgt mit einer breit angelegten Bestandsaufnahme aus heutiger Sicht Themen der Eat Art bis in die Gegenwart. Sie zeigt, wierelevant der künstlerische Umgang mit der Grundsubstanz Nahrung als elementare Schnittstelle von Kunst und Leben bis heute geblieben ist und vor dem Hintergrund von Themen wie Überfluss und Hunger, Konsum- und Globalisierungskritik, moderne Ernährungslehren und Koch-Shows, Gesundheitswahn und Fast Food eine neue Aktualität bekommt.

Die Ausstellung gliedert sich in zwei Abschnitte. Ein kleinerer historischer Teil widmet sich anhand zentraler Arbeiten Daniel Spoerris sowie der wichtigsten für die Eat Art Galerie entstandenen Multiples den Wurzeln der Eat Art sowie der Rekonstruktion der Galerie und ihrer Aktivitäten. Der Hauptteil der Ausstellung präsentiert das breite Spektrum an jüngeren Positionen, die sich mit dem Einsatz alimentärer Materialien beschäftigen. Sie widmen sich aus bildhauerischer Sicht der Materialästhetik von Lebensmitteln, loten die Grenze zwischen gutem Geschmack und Ekel aus oder züchten Organismen unter Bedingungen industrieller Lebensmittelproduktion. Die Küche als kreativer und sozialer Produktionsort wird ebenso thematisiert wie die Medienwirksamkeit und Marktgängigkeit gastronomischer Inszenierungen. Andere Arbeiten reflektieren Verhaltensweisen der Überflussgesellschaft, Konsumwelt und Körperlichkeit sowie Schönheitsideale und Essstörungen oder zeigen spielerisch surreale, abgründige und groteske Aspekte des alltäglichen Umgangs mit Nahrung.

 

Katalog im DuMont Verlag enthält Essays:

Magdalena Holzhey: Eating the Universe (S.10-19)
Peter Kubelka- 1972 NY Channel 13 - Fernsehsendung mit dem Titel; Frankfurter Städelschule - Klasse für Film und Kochen - Essen - Metapher -verinnerlichen von äußenrem - "verinnerlichen; einverleiben".
Kochen - Kunst - auf documenta 12 - Ferran Adria /
Josef Wagner - Brezenbäcker - Stipendium Villa Massimo
Berlinale 2007 - kulinarischer Film
paradoxe Entwicklungen - fast food und molekulare Küche / Entfremdung und Event-Catering
Essen erweitert Rezeption von Kunst  - Geruch, Geschmack; Verbindung zu Natur, Lebensprozessen; (Erhalt - Konservieren; Verfall - vergänglich); Geschmack und Geruch enge Verbindungen zu Erinnerung; Essen reflektiert Lebensbedingugen (Kartoffelschäl-Gewohnheiten verschiedene Länder - Spoerri - Herdöpfelschälerli); 
Eat Art - Widerstand gegen Kunst als Ware - da diese Kunst vergeht;

Renate Buschmann: Evokationen von Genuss und Ekel. Daniel Spoerri und die Etablierung der Eat Art (S.20- 55) (Evokation - Hervorrufung).
Tisch wichtiges Nutzmöbel - Essen und Kommunikation (Tischgesellschaft). Am (auf) dem Tisch sind Verläufe - Spuren - Ende des Essen (der Nahrungskette - Bild davon festgehalten / "Fallenbilder"
"Bild" - Handtuchhalter in Küche - sauberes Tuch (darunter die "schmutzigen" Küchenkleidungen; Schürzen usw.) - "Wenn alle Künste untergehen, die edle Kochkunst bleibt bestehen" (S.21 - Bild - war Titel Ausstellung Stedelijk Museum Amsterdam 1971

Fallenbilder - http://de.wikipedia.org/wiki/Fallenbilder

http://www.danielspoerri.org/web_daniel/deutsch_ds/werk_einzel/05_fallenbild.htm

Erste Fallenbilder etwas zufällig, dann systematisch "durchgespielt" - Sammlung von "723 utensiles de cuisine"

Planung und Zufall; eingeladene Personen (eigenes Geschirr) - 1964 - Haus des Kölner Kunstsammlers - Wolfgang Hahn - Spoerri hatte Szekley Gulyas gekocjt -Ergebnis Fallenbild - "Hahns Abendmahl"

Dann Rückzug nach Symi (Griechenland, Insel); "lernte Kochen" - "Abhandlung über die Boulette"

zeigte sich dort auch Unterschied - Lebensmittelangebot einfacher, saisonal; nicht Vielfalt des Supermarkts.

17.6.1968 - Eröffnung Restaurant Spoerri, Düsseldorf, Burgplatz 19 (bis 1982 - Geschäftsführer Carlo Schröter) (Spoerri zog sich ab 1971 zurück); jetzt systematischer Fallenbilder erstellt; Spiesen nach Art der Gäste, Speisen, wonach die Gäste aussehen/ auch Buchstabensuppe; große Kochbuchbilbiothek; spezielle Gerichte (Kutteln, Pythonschnitzel, Schlangenragout usw - S.32); aber auch "normale" Speisen - wie "Steakteller"

(S.30 - Bild - Sammlung von Kartoffel-Sparschälern - Herdöpfelschälerli)

Idee von Spoerri gesamte Nahrungskette zu zeigen (Idee zu Film - Kackhaufen rückwärts; Darm... bis Kuh die Gras auf Weide frisst); Verkettung sinnlicher Wahrnehmun, kulturhistorischen, Zivilisations-Prozesse, Biologie, Nahrungskreisläufe (alles ist vernetzt). (Tony Morgan - Resuurection - Film).

17.09.1970 - Eröffnung der Eat Art Gallerie (über dem Restaurant in Düsseldorf); Brotteigprojekte; immer wieder (monatlich) Künstler eingeladen Performances zu gestalten; Fragestellungen: Ewigkeitswerte ? Verdaulichkeit; Veränderungen der Kunst; Kunst als Konsumgut/
Richard Lindner - Lebkuchen-Figuren; Bernhard Luginbühl - Schoggiflügelmutterfigur; Arman - Marzipan-Figuren; / Küchenreste, Schimmelbildung usw; / Dieter Roth - Schokolade; Würste; Salamischeibe (Sonnenaufgang); Gewürzkästen; Joseph Beuys - Fett, Honig; Hering; Heringsbraten + Essen; Ben Vautier (nichts essen, fasten); Horst Baumann - Aachner Printen; Antoni Miralda + Dorothée Seitz - Bonbons; Speisen - "falsch" farbig prouziert;  Abartige Dinners - Diner cannibale (gebackene Körperteile - Abgüsse; Francois-Xavier Lalanne); "naturgetreue Innereien, Köpfe, usw;
Ab 1970 inzinierte/organisierte Spoerri vor allem; Essveranstaltungen als Bindeglied zwischen Kreislauf des Lebens und Vergängichkeit. Abendmahl-bezüge; (Menü- und Beleidskarten); Gemäldenachbildungen wurden verzehrt; Maskierung von Speisen (Menu travesti);  Umkehrung der klassischen Menufolgen; erzählte "Lügengeschichten" (Ekel zu erzeugen); Zeitschrift twen: Hackfleischbällchen und Kartoffelbrei im Eisbecher; Fleisch-Pralinen;Gänge - wie Akte im Theater inzeniert; Küche der Armen der Welt; Hommage a Marx; oder Menüs nur mit berühmten Namen (Bismarck-Heringe; Mozart-Kugeln); Arm und Reich Speisung (Teilnehmer per Los eingeteilt); Kräuter-Studien (mit Etrhnologen) und Künstlern "Soiree sur les herbes" - Kraut & Zauber; (Lili Fischer) "Gewürzpredigt für Pfeffersäcke"; bis ca 1980; danach beginnen ersten Lebensmittelskandale zu wirken (Hormone in Kalbfleisch; gepanschtes Olivenöl; Glykol in Wein; Höhepunkt - 1986 - Tschernobyl - Radioaktivität)- Jetzt bei vielen Menschen intensivere Beschäftigung a la Eat Art (Essen und Natur, Kultur). Spoerris Bankette - vereinen alle Sinne; Ambivalenz; Genuss + Ekel; Provokationen, Verunischerungen; 

Ewa Esterhazy: Das gastronomische Theater des Daniel Spoerri Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie, 220 Seiten Universität Wien, 1997

Groos, Ulrike: "Optimismus bei Tisch". Zu einigen ausgewählten Künstlerlokalen. (S.56-75)
- Erstes Künstlerlokal der Moderne; Santopalato: die Taverne zum Heiligen Gaumen. in Turin, eröffnet 08.03.1931; Ideengeber: Filippo Tomasso Marinetti; "Manifesto della cucina futurista" - Forderung nach Revolution der Kochkunst; erneuertes italineisches Ernährungssystem. Leben und Kunst wird übers Essen zusammengeführt; Kochkünstler bereiten Speisen zu (diese werden signiert). Alle Sinne werden angesprochen (synästhetische Erlebnisse beim Essen); Simultanspeisen, Polygetränke. Essen war ausgefallener Art, aber erschwinglich; Künstlerlokale meist ohne kommerzielle Ziele: Abschaffung der Hauptnahrung der Italiner - die Pasta wird durch Reis ersetzt. Futuristisch bedeutete auch Anwednung von moderner Technik in der Küche; auch Änderung des Menschen; war allerdings sehr männlich geprägt und nationalistisch; Marinetti wurde unter Mussolini italienischer Kultusminister; 1936 machte das Santoplato zu.
(Lit. Lemke, H.: Das Manifest der futuristischen Küche - in recenso.de /link bei www.cucinaverarte.eu )
- Künstler in Amerika, die alternatives Denken und Lebensformen in den 1960ziger Jahre fördeten, suchten nach alternativen (zu Museum und Galerien) Orten für die Präsentation ihrer Werke.  Der Konzeptkünstler Allen Ruppersberg eröffnete 1969 in Los Angeles "Al`s Cafe" und 1971 "Al´s Grand Hotel". Er bot nicht essbare Menüs (Assemblage-Menüs) zum Verkauf an (z.B. im Wald gesammelte Blätter, Tannenzapfen u.a. wurde zum "National Forest Salad"), zu üblichen Restaurantpreisen; in "echt" wurde Kaffee und Bier serviert. Es wurde ein echter Künstlertreffpunkt für eine Zeit - Kunst war ein Teil der Lebensrealität. (link - )
- Das "Food" in New York war auch als Kunstwerk angelegt (wie das Al´s), das von einer Künstlergruppe  gegründet (25.09.1971) (Gordon Matta-Clark; Suzanne Harris, Tina Girouard, Rachel Lew), und hier gab es echte Speisen, und es gab eine breitere Einbindung in die Kunstszene; viele Künstler arbeiteten im "Food" (verdienten etwas Geld), es gab Performanceräume; Veranstaltungen; Plattformen für Diskussionen für Kunst, Kultur, usw. Die "räumliche" Gestaltung des Essens auf dem Teller, sollte mit der Architektur der Räume passen. Die Speisen wurden vielfach umgestaltet - Überlagerungen, Verhüllungen - dann aber auch verzehrt und verdaut. Kochen wurde auch als alchemistische Ritual vollzogen. Es waren Perfomances, die fotographiert wurden = Photo-Fry. Es gab Wandinstallationen aus Agarplatten mit essbaren Substanzen (Incendiary Wafers), die sich veränderten - vergänglich waren. Jeden Abend gab es ein anderes (Kunst)Gericht; es gab Motto-Essen, z.B. Abendessen für Bildhauer mit Besteck aus Schraubenzieher und Meißeln. Über die Gerichte sollte man noch lange reden können; z.B. "Bone Meals" - Hühnerknochen (oder andere) gekocht; hinterher wurde in die Reste der Knochen kleine Löcher gebohrt und als Halskette aufgefädelt, und dies konnten die Gäste mitnehmen. (link)
- Carsten Höller hat für sechs Monate in London den "Double Club"  (Nov 2008-2009)(website) betrieben. Es war eine Begegnung vom Kongo mit Westeuropa. Er bestand aus zwei Teilen - einer europäischen Bar und der kongolesischen Bar. Jeweils mit den original Getränken; Kunstwerken aus den Ländern. Die Fondazione Prada (link) finanzierte die Projektkunst; die danach analog in Mailand aufgebaut wurde.  (Stern 18.12.2008/ Guardian 26.07.2009)
Ermacora, Beate: Eine abenteuerliche Gratwanderung. Essen und Körperbild (S.76-91)

Krasny, Elke: Von der Küche aus gedacht. (S.92-101)

Wojtko, Nikolai: Pot au feu. Von Sinn und Irrsinn des Kochens (S.102-109)

Boje, Christiane: Essen als kultureller Code im Film (S.110-117)

 

beteiligten KünstlerInnen:
Alhäuser, Sonja r (S.120-123)
Arman - Candy, 1970
Bernhard, Christine (geb.1962, Freiburg) (S.128-31)
Beuys, Joseph
Blazy, Michel (geb. 1966 in Monaco) (S.132-35)
Bock, John (geb.1965 in Gribbohm) (S.136-39)
César - Pouce, 1971 (gehärtete Bonbonmasse)
Deimling, BBB Johannes (geb, 1969 in Andernach) (S.124-7)
Dobriban, Arpad (geb. 1957 in Komló, Ungarn) (S.140-45)
Ericksen, Dustin/Mike Rogers (S.146-49)
Feuerstein, Thomas (geb. 1968 in Innsbruck) (S.150-53)
Fischer, Lili
Gallacio, Anya (geb. 1963 in Palsey, Schottland) (S.154-59)
Gerstner, Karl - Taste Perceptor, 1971; (13 Glasflaschen mit Essenzen im Holzkasten)
Höller, Carsten (S.160-63)
Jankowski, Christian (S.164-67)
Jansen, Bernd - Fotos,Videos - Beuys, Vautier, Spoerri u.a.
Krystufek, Elke (geb. 1970 in Wien) (S.168-71)
Kubelka, Peter
Lalanne, Claude u. François-Xavier - "Le Diner cannibale"
Lindner, Richard - Der blaue Busenengel, 1970, Lebkuchen + Glasurfarbe
Matta-Clark, Gordon - Food, Film, 1972
McCarthy, Paul (geb. 1945, Salt Lake City (S.172-77)
Miralda, Antoni / Dorothee Selz - Pain Surprise - Brot
Morgan, Tony - Resurrection, 1968 (Chreamchees Produktion)
Raeven, L.A. (geb. 1971 in Heerlen) (S.178-81)
Rentmeister, Thomas (geb. 1964 in Reken/Westfalen) S(.182-85)
Reyers, Zeger (geb. 1966 in Pijnakker, Niederlande) (S.186-89)
Ross, Philip (geb.1966 in New York) (S.190-93)
Roth, Dieter - Gewürzfenster, Sonnenaufgang (Salamischeiben auf Papier)
Rottenberg, Mika (geb. 1976 in Buenos Aires) (S.194-97)
Samen, Judith (geb. 1970 in Gladbeck/Westf) (S.198-201)
Shimabuku (geb. 1969 in Kobe, Japan) (S.202-05)
Spoerri, Daniel  - Rezeptbuchbibliothek; Herdöpfelschälerli (Sammlung von Kartoffelschälmesser) u.a.
Sterbak, Jana (geb. 1955 in Prag) (S.206-09)
Thomkins, André - gin ohne glas - algenhonig (Palindrom) - ei-gelee elegie - pur ist sirup
Tiravanija, Rikrit (geb. 1961 in Buenos Aires) (S.210-13)
Uecker, Günther
Vautier, Ben - Why not eat Daniel Spoeeri, he is made of meat (1969) (beschriftetes Holzbrett)
Wegner, Andreas (geb. 1958 in Bremervörde) (S.214-17) (Frankfurter Küche, 2009)
Weseler, Günther - Atemobjekte - Holzschale, Fell, Früchte,  Brot

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