TYPO3 Musterprojekt - Tuesday, 12. November 2019
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Der Aufbau des Ernährungssystems

Das System, das die Ernährung (eines Landes, hier Schwerpunkt Deutschland und Österreich) sichert, besteht aus vielen Teilen, deren Struktur-, Funktions- und Entwicklungszusammenhänge die Ernährungssoziologie betrachtet.  Im folgenden wird der Überblick hergestellt.

Ausgangspunkt ist wiederum der Untersuchungsraum mit den Dimensionen Mensch LebensmittelUmwelt. Je mehr darüber (für das gegebene Land) (Sekundärdaten) bekannt ist, desto besser kann das Ernährungsystem beschrieben werden.
Die Entwicklung eines Landes (Region) ist immer eingebunden in die globalen Entwicklungen. Es sind viele problematische Weltentwicklungstrends bekannt (Dimension Umwelt - globale Räume).

Zu den Grundinformationen im Ernährungssystem (Beispiel) gehören
Bevölkerungszahlen - Daten zur Produktionsstuktur - Argarstatistik - Nahrungskette   (Beispiel)
Damit kann der (Selbst)Versorgungsgrad ermittelt werden. Es ist wichtig,  die Entwicklung zu kennen. Diese erkennt man aus dem Rückblick, die Trends können zur  Vorausabschätzungen dienen (Retrognose).  (Beispiele: Bevölkerungspyramiden - Deutschland / Kohorten in Deutschland / Bevölkerungspyramide - Österreich)

Im Rahmen der gesellschaftlichen Verantwortung zur Sicherstellung der Ernährung (Nahrungs- und Ernährungssicherheit) wird die Landwirtschafts- und Ernährungpolitik in einem Land betrieben. So wie der Vater der Ernährer der Familie ist, so ist es der "Vater Staat" für die Nation.

Die Menschenrechte (Human Rights) sind weltweit bekannt; dazu zählt das Grundrecht auf Nahrung und die Gesundheit für Alle (Health for All).Siehe: § 25 der Universal Declaration of Human Rights  http://www.un.org/Overview/rights.html und die Deklaration von Alma-Ata  - International Conference on Primary Health Care, Alma-Ata, USSR, 6-12 September 1978. Entsprechende Zielformulierungen gibt es in jedem Land, so auch in Deutschland und Österreich.
„Die Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft mit qualitativ hochwertigen Produkten der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu angemessenen Preisen und Verbraucherschutz im Ernährungsbereich erreichen“.
(s. Vorlesung PHN-CN  ⇒ 9+10 Food as Basic Right)

Die  Akteure des Ernährungssystems organisieren sich und staatliche Stellen erarbeiten und kontrollieren die „Spielregeln" (z.B. Lebensmittelgesetzbuch).
Der Lebensmittelmarkt ist hoch geregelt und entspricht in keiner Weise einer „freien Marktwirtschaft“. Dabei zeigt sich, dass die internationalen Verflechtungen immer wichtiger werden.
Die gesellschaftlichen Bemühungen, die Ernährungsversorgung planerisch sicherzustellen und zu gestalten, haben eine lange historische Entwicklung hinter sich (Geschichte der Ernährungspolitik). An der prinzipiellen Problematik des gerechten Verteilens und der Kontrolle der unterschiedlichen Aufgaben und Interessen, die damit verbunden sind, hat sich nichts geändert. Krisen- und Konfliktzeiten waren immer Zeiten, in denen sich die Ernährung entwickelt hat, in der auch der Ernährungspolitik besondere Bedeutung zu kam. Es gibt Regelungen für Erzeugung, Produktion, Weiterverarbeitung, Qualitätssicherung, Vermarktung, Lagerung und Transport, sowie für den Schutz der Gesundheit, den Schutz vor Täuschung und Übervorteilung, für die Sicherstellung für Notzeiten und Katastrophen, für Sozialhilfe für Bedürftige, für die Sicherstellung von angemessener Information für die Verbraucher über Waren, Preise, Herstellungsverfahren, Lebensmittelqualität und vollwertige Ernährung, für die Prävention von ernährungsabhängigen Erkrankungen, für Aufklärung im Sinne einer gesunderhaltenden und umweltschonenden Lebens- und Ernährungsweise.

Die dafür notwendigen politische Organisationsformen sind vielfältig. Es sollen nur die für Ernährung wichtigsten aufgezählt werden.

Für Landwirtschaft gibt es global  die FAO (Food and Agricultural Organization of the United Nations System), in Europa ist es z.B. Europäischen Union die Kommisare bzw Kommissionen und in Deutschland und Österreich Ministerien. Analog ist es für die Gesundheit (WHO). Von der Ernährungsproblematik besonders betroffen sind die Schwachen (Vulnerablen) der Gesellschaft, das sind im allgemeinen die Verbraucher, und hier wiederum Frauen und Kinder, und so gibt es entsprechende  Organisationen (wie z.B. UNICEF), die hier Aufgaben haben.

Bisher ist der Einfluss der Agrarpolitik dominierend:  Eine  Orientierung in Richtung Prävention im Gesundheits- und Ernährungsbereich (Public Health einschließlich Public Health Nutrition) gewinnt zögernd an Bedeutung. Es gibt in Deutschland ebenfalls einige Ansätze, doch diese sind noch nicht in einem gesellschaftlichen, politischen Prozess vereinbart, sondern haben mehr den Grad von unverbindlichen Empfehlungen. (VL 17)

Der Umfang des Wirtschaftsfaktors im Ernährungssystem ist hervorzuheben. Jeder Mensch isst täglich (Jahresportion). Die Nahrungsmittel müssen produziert (Agrarwirtschaft, Lebensmittelindustrie und -handwerk) und verteilt werden (Handel). Die Verbraucher müssen für Lebensmittel bezahlen (Agribusiness) Falsche Ernährung löst Krankheiten aus, und dieses bewegt weitere Wirtschaftskreise, wie Krankenversicherungen und das medizinische Gesundheitssystem.

Das Ernährungssystem (auch das des privaten Haushaltes) ist eng verbunden mit der Umwelt, diese Beziehungen zu gestalten im Sinne einer nachhaltigen globalen Entwicklung wird zunehmend wichtiger und sollte in der Politik zunehmend beachtet werden.

Für den sachgerechten Umgang mit der Ernährung werden auf allen Stufen von den verschiedenen beteiligten Akteuren Kenntnisse und Erfahrungen benötigt. Die Gesellschaft trägt Mitverantwortung, dass ausreichend Ernährungskompetenzen vorhanden sind, um mitzusprechen - "food democracy". In den Bildungssystemen muss dies berücksichtigt werden. Das gilt für die ganze Breite von universitärer, über berufliche und schulische Bildung, bis hin zu Allgemeinbildung.

Zur Politik gehört Wissen und Information ("Daten für Taten"), d.h. die Organisation der Berichterstattung gehört zu den Aufgaben der Gesellschaft.