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Dauner, Wolfgang (p, synth, comp, ld, div. Instrumente), * 30.12.1935 Stuttgart. Zunächst ein beachtlicher, kreativ durchaus eigenständiger Pianist der Bill Evans/ Paul Bley-Schule, hat Wolfgang Dauner weiter gehend und seriöser als die meisten seiner Kollegen Möglichkeiten der Elektronik ausgelotet und zum Synthesizer auch präparierte Bänder, Computer etc. eingesetzt. Seine Gruppe Et Cetera, erklärte er 1972, formiere sich von Fall zu Fall neu und wolle sich musikalisch nicht festlegen: »Im Moment tendieren wir ein wenig zur Rockmusik [...]. Es kommt immer darauf an, wer mitspielt. Wir haben das Konzept, dass wir kein bestimmtes Konzept haben.« Wolfgang Dauner, der regelmäßig für Film, Fernsehen und Hörspiel komponiert und zudem mit experimentellen Kinderstunden-Serien hervorgetreten ist, hat auch der Kirchenmusik und dem Musiktheater mit eigenwilligen Beiträgen neue Impulse gegeben. Im Zentrum seiner Happenings und Solo-Auftritte mit teilweise präpariertem Material steht eine kritische Auseinandersetzung mit dem Musikbetrieb (»Urschrei«, 1976). Allerdings bemerkt er einschränkend: »Ich sehe die Musik, die von der Bühne herunter verkündet wird, nicht als Evangelium. Die Musik kann sehr lebendig sein, viel Humor haben.« Mit diversen eigenen Formationen und vor allem mit der seit 1969 von ihm geleiteten Radio Jazz Group Stuttgart hat Dauner zahlreiche Gastsolisten – unter ihnen Leo Wright, Gary Burton u.v.a. – begleitet. Sein 1975 zusammen mit anderen europäischen Spitzenmusikern gegründetes United Jazz & Rock Ensemble bewies über zwanzig Jahre auf internationalen Tourneen und in Verbindung mit den ebenfalls künstlereigenen Mood Records durch seine überzeugende Einspielungsserie, dass Initiativen dieser Art auch ohne die Industrie zu kommerziellem Erfolg gelangen können.

Wolfgang Dauner ist als Waise in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen. Er hatte als Kind bei einer Tante Klavierunterricht, studierte ab 1958 nach einer Schlosserlehre Trompete und Komposition an der Stuttgarter Musikhochschule. Auftritte in Clubs und Tourneen als Begleiter u.a. von Marika Rökk standen am Anfang seiner Profilaufbahn, zudem ab 1962 auch Aufnahmen mit Joki Freund (»Jazz Studio Nr. 1«) und ab 1963 mit dem eigenen Trio (»Dream Talk«), dem für lange Zeit Eberhard Weber und Fred Braceful angehörten. Es folgten Gastspiele bei Festivals in Frankfurt (1964) und in Bled (1967) sowie Plattenaufnahmen für MPS, u.a. mit Jean-Luc Ponty (»Sunday Walk«). Der französische Geiger war zusammen mit Gerd Dudek auch Mitstreiter des Pianisten bei der Aufführung von »Free Action für Jazz-Septett« anlässlich der Berliner Jazztage 1967. »Psalmus Spei« für Chor und Jazzmusiker schloss sich 1968 ebenfalls in Berlin an. Mit dem Happening »Vision 68« löste der Avantgardist beim Frankfurt- Festival desselben Jahres kontroverse Diskussionen aus, die seitdem ähnliche Ereignisse auf vielen Festivals begleiten: von »Beobachtungen« (Berliner Jazztage 1969) über »Daunereschingen« (Donaueschinger Musiktage 1970) bis hin zu »Urschrei«. Nachdem Dauner mit den German All Stars 1968 Südamerika und 1971 Asien bereist hatte, übernahm er 1969 die Radio Jazz Group des Süddeutschen Rundfunks und war in der Folgezeit sowohl mit Trio als auch mit Gaststars wie Teddy Wilson (Verona, 1971) unterwegs. Danach begann Dauners Erfolgsserie in deutschen und europäischen Polls. 1971 präsentierte er Et Cetera, eine Gruppe, die 1972 »Knirsch« mit Larry Coryell und Jon Hiseman als Gästen und »Et Cetera Live« einspielte. Unter den vielfältigen Aktivitäten Dauners als Komponist, Instrumentalist und Leader sind seitdem als Beispiele hervorzuheben: die Kinder- TV-Serie »Glotzmusik« (1974) und Auftritte mit der Free Sound & Super Brass (zusammen mit Hans Koller) bei den Berliner Jazztagen sowie mit Jasper van't Hof bei den Donaueschinger Musiktagen, 1975 die Gründung des United Jazz & Rock Ensemble, das auf der gleichzeitig gestarteten Marke Mood Records mit »Live im Schützenhaus« 1977 seinen Durchbruch hatte und preisgekrönte Alben wie »The Break-Even Point« vorlegte. 1976 folgten »Urschrei« und das Kindermusical »Das Auto-Blubberbum« mit Dieter Süverkrüp, 1978 die Platte »Teamwork« und das 1979 mit dem Großen Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnete Soloalbum »Changes«, 1979 ein Auftritt mit Albert Mangelsdorff als deutsche Repräsentanten beim Münchener Jazzfest und als Gast (u.a. bei Peter Gigers Family of Percussion) sowie 1980 Soloauftritte und Tourneen mit Albert Mangelsdorff, Bruno Spoerri und den neuen German All Stars. Das zehnte Jubiläum der Radio Jazz Group mit Chick Corea, Larry Coryell, Chet Baker und zahlreichen anderen Gästen sowie ein Duo-Konzert mit Albert Mangelsdorff bei den Berliner Jazztagen schlossen sich an. Auch in den achtziger Jahren arbeitete Dauner häufig mit Mangelsdorff im Duo (u.a. »Two Is A Company«, 1982) oder in erweiterten Besetzungen. Hinzu kamen u.a. Auftritte mit dem Duo Kolbe/Illenberger, mit Dave Holland (1981 NDR Workshop), Lala Kovacev, Jasper van t'Hof (1982) und dem Manfred Schoof-Orchester (1983, DDR) sowie weitere Solo-Aktivitäten (u.a. LP »Solo Piano«, 1983). Dauner, in europäischen Polls unter den Dauersiegern, war bei allen wichtigen Festivals präsent, darunter auch Pori, Altena, Zürich, Antibes, Den Haag, Zoppot und Chicago, wo der Pianist 1993

[Dauner, Wolfgang. DB Sonderband: Jazz-Lexikon, S. 1133

(vgl. JL Bd. 1, S. 263 ff.)]

J.Wölfer: Jazz in Deutschland. Das Lexikon, Hannibal, 2008 S. 71