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Lackerschmid, Wolfgang (vb, perc, p, marimbaphon, comp, ld), * 19.9.1956 Tegernsee. In seiner melodischen, kontrapunktisch durchsetzten Spielweise kombiniert Wolfgang Lackerschmid überzeugend die harmonisch ausgeweitete Auffassung etwa Gary Burtons mit einer stärker perkussiven, arbeitet mit vier bis sechs Schlägeln gleichzeitig und setzt auch Cello-Bögen ein. Der besonders durch Alben mit Chet Baker Ende der siebziger Jahre bekannt gewordene Musiker bietet zudem mit seiner harmonischen Begleitung Alternativen zu Piano und Gitarre.

Als Kind lernte Lackerschmid Klavier und Gitarre, gründete mit sechzehn Jahren ein Swing- und Bebop- Quintett, spielte dann in der Frederic Rabold-Crew und konzentrierte sich ab 1974 in der Dieter Bihlmaier Selection auf das Vibraphonspiel. Durch diese Band wurde er überregional bekannt und begann im selben Jahr ein Schlaginstrumente- und Kompositionsstudium in Stuttgart. 1976 gründete Lackerschmid seine Mallet Connection, die bekannte Gastsolisten wie Uli Beckerhoff, Bob Degen oder Heinz Sauer präsentierte und 1978 in der Besetzung Leszek Zadlo (ts, fl), Rocky Knauer (b) und Janusz Stefanski (dr) mit Herbert Joos (tp, flh) als Gast ihre Debüt-LP »Mallet Connection« aufnahm. Zuvor hatte er mit Karl Berger, Dave Friedman und Tom van der Geld (alle vb) »Vibes Summit« eingespielt, ein »Dankeschön an das Modern Jazz Quartet und damit speziell an Milt Jackson« (»Jazz Podium«). 1979 entstand »Ballads For Two« als viel gepriesenes Album mit Chet Baker (tp), gefolgt von Einspielungen mit Jan Jankeje und Biréli Lagrène (»Route To Django«, 1981). Ferner wurde die Zusammenarbeit mit den Gästen Larry Coryell (g), Buster Williams (b) und Tony Williams (dr) fortgesetzt. Im Herbst 1980 ging Lackerschmid mit Coryell, Frank Tusa, Alphonse Mouzon und Baker auf Deutschlandtour. Später arbeitete er mit dem von ihm schon 1978 gegründeten Septett Vibes & Soft Brass u.a. mit Ack van Rooyen, Herbert Joos (tp, flh) und Joe Gallardo (tb) sowie mit dem Sextett Trombone Fever. Nachdem sich der Vibraphonist 1980/81 fast ausschließlich um seine Plattenfirma Sandra Musik gekümmert hatte, begann ab 1982 die verstärkte Zusammenarbeit mit mehreren Formationen, etwa mit der Latin-Gruppe Sinto (»Tango des Friedens«, 1982), dem Joe Gallardo Latin Orchestra (»Latino Blue«, 1979, »Mango« 1980), zwei Trios und Connection als eigenen Gruppen. Lackerschmid schrieb 1984 das Ballett »The Fourth World«, war dann häufig im Duo mit dem Bassisten Günter Lenz (LP »Live Conversation«, 1984) und mit einer neu besetzten Connection, 1985 auch mit dem Erich Kleinschuster-Oktett auf Tournee, 1986 mit Milcho Leviev. In den achtziger Jahren trat Lackerschmid zudem u.a. mit Kenny Wheeler, Charlie Mariano, Bobo Stenson und der 1982 neu formierten Connection mit Ken Werner (p), Mario Castronari (b) und Janusz Stefanski (dr) auf. Zu den zahlreichen großen Festivals, bei denen er als Gast oder mit der eigenen Gruppe konzertierte, zählen Ljubljana, Kongsberg, Sapporo, Hannover, Bordeaux, Bratislava, Burghausen, Leverkusen und München. Bis 1987 arbeitete er immer wieder mit Chet Baker, präsentierte als letzte Einspielungen mit diesem »Welcome Back« und »Originals« und trat in der Folge sowohl solo als auch mit eigenen Gruppen (u.a. »One More Life«, 1991), mit All Star Combos und vor allem im Duo und Trio mit Attila Zoller, Lee Konitz oder Barbara Dennerlein auf. Wolfgang Lackerschmid, der auch mit Albert Mangelsdorff, Tony Scott, Bobby Stern, Billy Hart, Dom Um Romao und Benny Bailey gearbeitet hat, erhielt 1990 vom Bayerischen Ministerium für Kultur und Wissenschaft den Staatspreis für Musik. Seit 1992 arbeitet er mit dem Pianisten Donald Johnston zusammen, mit dem er 1993 das Album »New Singers – New Songs« präsentierte. An Einspielungen aus jüngerer Zeit sind »Gently But Deep« (1996) mit wechselnden Besetzungen, »Full Moon Trio« (1999) und »Joana's Dance« (2002) zu erwähnen. Lackerschmid komponiert für Tanzensembles, Theater und Rundfunkhäuser. 2001/02 war er überwiegend mit seinem Full Moon Trio auf Tournee.

[Lackerschmid, Wolfgang. DB Sonderband: Jazz-Lexikon, S. 3081

(vgl. JL Bd. 1, S. 718 ff.)]

J.Wölfer: Jazz in Deutschland. Das Lexikon, Hannibal, 2008 S. 201