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van Rooyen, Ack (tp, flh, comp, ld), * 1.1.1930 Den Haag, Niederlande. »Lyrisch« nennt der niederländische Trompeter das Hauptmerkmal seines persönlichen Stils und als wichtigste Einflüsse Clifford Brown, Kenny Dorham, Don Cherry und Miles Davis, instrumentüberschreitend auch Gil Evans, John Coltrane und Bob Brookmeyer. Seine auf Flügelhorn wie Trompete geschmeidig und voll innerer Wärme phrasierten Linien haben vielen internationalen Big Bands solistische Glanzlichter aufgesetzt. Kollege Ian Carr bestätigt ihm Wendigkeit, Witz und seinen Soli mit »ihren immens langen Linien und sprudelnden Triolen-Strömen« die Natürlichkeit von Vogelgezwitscher. Ack van Rooyen, dessen Sound in jedem Kontext seine Individualität behält, gleichgültig, ob Mainstream-, Rock- oder Free-Elemente überwiegen, zählt zu den eigenständigsten europäischen Jazzsolisten.

Er studierte 1947 bis 1950 am Königlichen Konservatorium Den Haag, schloss »cum laude« ab, hatte zuvor aber schon u.a. mit einem Orchester der Truppenbetreuung 1946 in Indonesien gastiert und seit 1947 mit dem Unterhaltungsorchester von Ernst van't Hof gearbeitet. Der Trompeter gehörte 1950/51 dem Sinfonieorchester von Arnheim an, spielte danach in einer Band der Luftwaffe und ab 1953 mit wechselnden Gruppen in Deutschland, Dänemark, Schweden und Belgien, u.a. 1954 im Sextett seines Bruders Jerry van Rooyen. Er arbeitete bei Plattenaufnahmen 1953 mit Lars Gullin und Jack Sels, ab 1954 mit The Ramblers und Wessel Ilken und 1957 bis 1959 in Paris mit Kenny Clarke, Lucky Thompson und Barney Wilen. 1960 bis 1967 gehörte Ack van Rooyen der Big Band des Senders Freies Berlin, 1967 bis 1978 dem Erwin Lehn-Orchester in Stuttgart an. Er wirkte daneben in zahlreichen Gruppen mit, u.a. in eigenen Bands mit Partnern wie Herb Geller, Cees See oder Fritz Pauer, ferner mit Friedrich Gulda, Hans Koller und Ã…ke Persson. Mit den German All Stars besuchte van Rooyen 1968 Südamerika und 1972 Asien. Besonders hervorzuheben sind jedoch seine teils langjährigen Funktionen in namhaften Big Bands, beginnend bei Kenny Clarke und Francy Boland, die ihn zu Plattenaufnahmen ebenso verpflichtet haben wie Friedrich Gulda, Joe Haider/ Slide Hampton, Eberhard Weber, Charly Antolini, Gustav Brom und Peter Herbolzheimer, in dessen Big Bands er ab 1970 regelmäßig spielte. Seit der Gründung im Jahr 1975 gehört er dem United Jazz & Rock Ensemble an. Ack van Rooyen kooperierte zudem oft mit der Radio Jazz Group Stuttgart und anderen Gruppen um Wolfgang Dauner sowie – im Unterhaltungsbereich – mit dem Bert Kaempfert-Orchester. Seit 1979 gab es Tourneen mit Clark Terry, Gil Evans und Lee Konitz sowie mit seinem 1980 nach der Rückkehr in die Niederlande gegründeten eigenen Quintett. Der Trompeter, der zuvor schon an den Universitäten Stuttgart und Mannheim unterrichtet hatte, wirkte danach als Dozent an den Universitäten und Konservatorien von Hilversum und Den Haag und gab immer wieder Kurse, u.a. an der Sommerakademie Remscheid. Von den Einspielungen unter eigenem Namen sind »Didn't We« (1970) und »Homeward« (1982) als ältere Beispiele, »Colors« (1994) mit dem Metropole Orchestra und »Music For Piano And Flügelhorn« (1991) mit Jörg Reiter als jüngere hervorzuheben. 1985 musizierte er in den Niederlanden bei einer Fernsehproduktion mit Eddie Gomez und Steve Gadd, bei anderen Gelegenheiten mit Shelly Manne, Dizzy Gillespie, Louie Bellson und erneut Gil Evans. Ack van Rooyen, der mit zahlreichen Rundfunk-Big Bands zusammenarbeitet, wirkte darüber hinaus an Aufnahmen von Stefan Diez, Silvia Droste, Mark Murphy, Klaus Weiss, Olivier Peters, Christian Chevalier, Toots Thielemans, Quincy Jones/ George Gruntz, Soesja Citroën, Alfred Lauer und Barbara Dennerlein mit. Seit 1993 leitet er neben seiner umfassenden Lehrtätigkeit auch ein Quintett mit Paul Heller als Co-Leader. Für seine 2001 veröffentlichte Einspielung eigener Werke mit dem Philharmonischen Orchester Hannover holte ihn Chuck Israels als Solisten.

[van Rooyen, Ack. DB Sonderband: Jazz-Lexikon, S. 5961

(vgl. JL Bd. 2, S. 1404 ff.)]