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Konvivialismus, die Philosophie der Kunst des Zusammenlebens

Der Konvivialismus stellt Ideen zum Zusammenleben für eine nachhaltige Zukunft zur Diskussion - es gibt die Prinzipien der gemeinsamen Menschheit, der gemeinsamen Sozialität, der legitimen Individuation und der Konfliktbeherrschung.

"Der dem Konvivialismus zugrunde liegende Begriff der Konvivialität stammt aus dem Frankreich des 19. Jahrhunderts. Der Gastrophilosoph Brillat-Savarin verstand unter Konvivialität die Situation, die sich oft bei Tisch ergibt, wenn unterschiedliche Leute über einer guten langen Mahlzeit einander näher kommen und in angeregten Gesprächen die Zeit verfliegt. Convivialité (von lat. con-vivere: zusammenleben) ist heute im Französischen durchaus gebräuchlich und hat sich auch im Englischen als gängiges Fremdwort sowie neuerdings auch als Fachbegriff in Diskussionen über das Zusammenleben in Einwanderungsgesellschaften etabliert. Diese Kooperationsneigung und der gemeinsame Bezug auf Werkzeuge, der das Verhältnis der Menschen zueinander verwandelt und befördert, liegt auch Ivan Illichs „Tools for Conviviality“ zugrunde, einem Klassiker der Sozialkritik und politischen Ökologie.

Das konvivialistische Manifest einer Gruppe von französischsprachigen Intellektuellen um den Soziologen Alain Caillé geht über die bisherigen Verwendungsweisen hinaus, indem es aus der Konvivialität einen „Ismus“ macht. Aus einem Attribut sozialer Beziehungen, das am Beispiel der Idee der Gastfreundschaft gewonnen wurde, wird etwas Neues: eine moralische Überzeugung, eine transformatorische „Kunst des Zusammenlebens“ und eine „Minimaldoktrin, die in Konkurrenz zu den großen politischen Ideologien des 20. Jahrhundertstreten will. Während der Begriff der Konvivialität eine Praxis des Zusammenlebens bezeichnet, macht der „Ismus“ deutlich, dass es auf einer theoretischen Ebene um die Systematisierung einer sozial- und politiktheoretischen Perspektive gehen muss (so ja auch die ähnlich gelagerte Differenz zwischen den Begriffen „liberal“ und „Liberalismus“). Der Fokus ist somit ein doppelter: Wir können uns mit dem Konvivialismus als sozialwissenschaftlicher oder politischer Idee einerseits und mit der Konvivialität als gelebter Praxis andererseits befassen." (Adloff, F.: Degrowth trifft Konvivialismus: Wege in eine konviviale Gesellschaft. link bei www.degrowth.info  (07.06.2016)

Informationen:
Les Convivialistes: Das konvivialistische Manifest. Für eine neue Kunst des Zusammenlebens (herausgegeben von Frank Adloff und Claus Leggewie in Zusammenarbeit mit dem Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research Duisburg, übersetzt aus dem Französischen von Eva Moldenhauer). transcript-Verlag, 2014
Die konvivialistische Internationale: Das zweite konvivialistische Manifest. Für eine post-neoliberale Welt. transcript-verlag 2020 (open access)

- www.diekonvivialisten.de/  -