TYPO3 Musterprojekt - Sunday, 15. September 2019
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Objektive Darstellung ist die, die unabhängig vom Beobachter ist. D.h. von einem festgelegten Standpunkt aus, mit einer exakt beschriebenen Methode sollte jeder Beobachter die selben Informationen erhalten.
(Objektivität - Wikipedia)

Es gibt jedoch viele verschiedene Beobachtungspunkte (siehe Schichtenmodell). Es gibt verschiedene Wissenschaften, und somit Positionen wie die Welt - und d.h. in diesem Fall die Ernährung betrachtet werden kann. Durch die (festgelegte) Betrachtungsweise wird Ordnung und Orientierung geschaffen, doch es legt fest, wie das Objekt beschrieben wird. Forscher erhalten dadurch einen eingeschränkten Blick. (Dazu Paul Feyerabend - Wider den Methodenzwang)
(Maturana: "wir sehen mit den Beinen" - um das Objekt herumgehen, um es vollständig zu erfassen; Multidisziplinarität)
(Heinz von Foerster: "Die Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners") (Radiofeature - WDR/DRKultur - 2011/12)
(Modelle der Ernährungsforschung - VL04 Wien - dort auch ungewohnte Perspektiven - Drudel)

Perspektive – verschiedene Sinneswahrnehmungen (Wahrnehmung; "Gehirn" setzt Informationsteile zu einem "Bild"(Gestalt) zusammen – Konstruktivismus) – in der Kunst genutzt – z.b.  Arcimboldo-Ausstellung im www.khm.at - Wien (2008) - (link) Zeitschrift -  Beitrag die Kunst der Täuschung - und begleitende Ausstellung des zeitgenössischen Fotografen Bernard Pras - ) 
(ganze Bücher zur Sinnestäuschung; z.B. M.C.Escher

Andere Beispiele sind die  Bilder bei denen andere Bilder die „pixel“ darstellen; je nach Pespektive – Maßstab – sieht man die Welt anders. Für Landschaftsbilder muss man einen "Fernblick" habe, sonst sieht man "sprichwörtlich" den "Wald vor lauter Bäumen nicht".

Bezogen auf die Ernährung des Menschen heisst dies. Sieht man nur die Stoffe in den Lebensmitteln, dann kann nicht ohne weiteres aus einer Stoffanalyse geschlossen werden was das ist. (Beispiel - Man nehme alle die über 1000 Stoffe, die Bier enthält; und gebe jemand die objektiv richtige Analyse aller dieser Stoffe einschließlich aller Namen dieser Stoffe; und bitte einen Ernährungswissenschaftler darum zu erraten, was für ein Lebensmittel dies ist. Wer würde Bier erkennen.) (Meldung vom 23.04.08 - zu Bier). Sehen wir ein Foto mit einer Maß Bier und dazu Weiswürste und einen Biergarten, da fallen vielen Bayern-Kennern ganze "Geschichten" zu München ein. Oder Bilder von Linsen-und Spätzle oder Maultaschen-Gerichten stellen Verbindungen zum Schwabenland her.  Aus Betrachtungen der Nährstoffe, der Lebensmittel, der Speisen und der Mahlzeit-Situationen entstehen ganz verschiedene "objektive" Ernährungsbilder.

Analog ist es bei (einzelnen) Tönen, (einzelnen) Musikinstrumenten und dem (ganzen) Konzert; und hier ist es nochmals anders "live" oder "audio-digtal".

Essen enthält tausende von Stoffen, wir nehmen diese alle (zusammen) auf.

Und ein passender Spruch dazu: "Wenn es nur eine einzige Wahrheit gäbe, könnte man nicht 100 Bilder über dasselbe Thema malen." (Pablo Picasso) 

Oft wird objektive Betrachtung auch damit gleichgesetzt, dass das (gesamte) Wissen über einen Gegenstand erfasst wird; dass man für eine Entscheidung alle entscheidungs-relevanten Informationen (objektiv richtig) kennt.; dies bleibt ein Ideal, ein Wunschtraum, eine Illusion. Das Beispiel Ernährung zeigt dies überdeutlich.  Es gibt zu jeder Zeit für jeden Menschen immer einen viel größeren Teil von Nicht-Wissen, Nicht-Kennen, als den das objektiven Wissens. Wir müssen den "Rest" Glauben und Vertrauen schenken.  Es gibt ausserhalb der (idealen) Physik keinen Determinismus.

(Intuition - Bauch-Herz-Entscheidungen - Gefühl vs  Kopf-Entscheidungen)

Interessenkonflikte - "Glaubens"-Gemeinschaften (bis hin zu Parteien, Vereine) werden geprägt durch ihren Anspruch auf Ausschließlichkeit (meinen die allein richtige  "Realität" zu erkennen; wollen alle anderen bekehren, missionieren; bis hin zur Gewalt - Glaubenskriege)

Der Prozess der Zivilsation fördert die Toleranz (das aktive Anerkennen, das es viele "Weltsichten" gibt); das Überdenken ("Kopf-Arbeit") (s. auch Problemlösungs-Zyklus; Daten für Taten) und die Entscheidung für einen Kompromiss (Grenzen - Verantwortung, Gewissen) (Wahrheit - Wissenschaft - gibt es keine "Demokratie" - nicht das Ergebnis einer Umfrage - einer Abstimmung, sondern die wissenschaftliche "Evidenz".

(zu enge Sicht - zu enges Model /  Chart - Ohren-Zunge;  Einstich in Kuh

Siehe auch Kommunikation - Medien Niklas Luhmann - Alles was wir wissen, wissen wir aus Massen-Medien.
(Heinz von Foerster: "Jeder erfindet seine eigene Wirklichkeit") (Radikaler Konstruktivismus)

Interessenkonflikte - Auftrags-Studien (Lobby-Stakeholder) - Studie der NAS -  Independence and Objective; Centre for Science in the Public Interest, 2006  (Freiheit der Wissenschaftler - wissenschaftlicher Eid; unabhängig, nur der Wahrheit zu dienen / Konflikte - Auftragsforschung - Ressortforschung - Weisung an Beamte)
Center of Science in the Public Interest -  http://www.cspinet.org/ 

"Übertreibungen in universitärem Presse-Mitteilungen"  (NZZ - 18.12.2014) ⇔ Summer,P. et al.: The association between exaggeration in health related science news and academic press releases: retrospective observational study. BMJ 2014;349:g7015 doi: 10.1136/bmj.g7015

Ioannidis, J.P.A., Trepanowski, J.F.: Disclosures in Nutrition Research.Why It Is Different. JAMA 319(6):547-548. doi:10.1001/jama.2017.185712018 (13.02.2018) ⇔ Nutrition Research Requires More Transparency of Conflicts of Interest.   link bei www.medicalbag.com 27.12.2017(z.B. auch wichtig zu wissen, ob Autoren Anhänger bestimmter Ernährungsformen sind - z.B. Vegetarier)

allgemein

Website - www.medien-doktor.de - Uni Dortmund (Wissenschaftsjournalismus) - Informationen zur Neutralität bzw. Interessensaspekte von Medienberichten zu Medizin, Umwelt

Zeitschrift – www.online-merkur.de (Klettverlag) Themenheft –/ Wirklichkeit - 2005 - Heft 677 / 678 Wirklichkeit! Wege in die Realität  

brand eins 4/2008 - SCHWERPUNKT: Wirtschaft und Wahrheit (Downloads)

Das Ideal der Objektivität. Spektrum der Wissenschaften Jan 2018

Studie - "Finanzielle Interessen bei Krebsstudien" (amd-Medlung 19.Mai 2008) (Focus - 11.5.2009) - www.sciencecodex.com 

„Mein eigner Geist verändert sich, mein Bewusstsein verändert sich von Minute zu Minute; von Tag zu Tag, es gibt also keine Festigkeit. Mit anderen Worten, es gibt keinen fertigen absoluten Weg, etwas zu betrachten“  Zitat von Robert Smithson (1938-1978); Land-Art-Künstler (Interrview mit Moira Roth – Catalog-Roert Smithson – Museum of Contemporary Art, Los Angeles, 2004 page 89)(google-book)

"Das Wirtschaftssystem, das sich als Motor der gesellschaftlichen Entwicklung durchgesetzt hat, wirkt in seinen Übergriffen auf fast alle anderen wichtigen Subsysteme zunehmend invasiv und deregulierend. Durch sein grenzenloses Wachstum zerstört oder gefährdet es Mensch und Natur. Gesellschaftliche Vertrauenskrisen betreffen auch die Wissenschaft. Die Europäische Forschungsstrategie (Lissabon Strategie) macht aus der Wissenschaft als Hüterin des  Wissen eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Unternehmens Europa. Wissenschaft kann ihre Funktion in Staat und Wirtschaft nur erfüllen, wenn sie, wie der Kompass eines Schiffes, unabhängig geeicht und ohne Missweisung, also ohne Ablenkung durch störende Kraftfelder, die Richtung anzeigt. Aus diesem Grunde haben die Freiheit und Unabhängigkeit von Forschung und Wissenschaft Verfassungsrang. Forschung ist nicht gleich Produktentwicklung Inzwischen lässt sich die Gesundheits-, Agrar-, Energie- oder Sicherheitsindustrie durch abhängige Forschung oder Einflussnahme auf Peer-Review-Prozesse ihr eigenes Wissen drucken. Kritische Forscher haben bereits zahlreiche Beispiele für existenzielle Risiken durch korrumpierte Wissenschaft veröffentlicht. Jetzt warnte in Madrid das European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility (www.ensser.org ) zusammen mit anderen Gruppen erneut, dass unser Wissenschaftssystem den zukünftigen Herausforderungen für Umwelt und Gesellschaft nicht gewachsen sei. Damit Stabilität und Nachhaltigkeit eines Systems gesichert sind, muss - nach den Regeln der Biokybernetik - seine negative Rückkopplung stärker sein als die positive. Bildlich gesprochen heißt das, dass die Bremsen eines Fahrzeugs so gut sein müssen, dass es auch bei Höchstgeschwindigkeit rechtzeitig gestoppt werden kann. Doch die Lobbyisten der Wirtschaft stehen auf dem Gaspedal. Sie wollen Wachstum und haben wenig Interesse an unabhängiger Risikoforschung und störenden Fragen." (Wolfgang Wodag: Die Aufgabe der Wissenschaft.  Le Monde diplomatique - 8.6.2012 - auch in www.wodarg.delink)

SuR (Kulturpolitik für Stuttgart und Region) - Heft Nr.33_Jun_Aug 2014 - Themen-Schwerpunkt: Lüge und Wahrheit. (Klaus Fiedler, Prof.f.Sozialpsychologie, Uni Heidelberg) - wer unangenehme Aussagen - Berichte - macht, macht sich unbeliebt - das ist ganz "natürlich", bzw. menschlich - z.B. der "Gerichtsvollzieher"  (Lügenforscher Fiedler: Die Wahrheit über den Lügner in uns - Berliner Zeitung 21.02.2010)

Fehlverhalten von Wissenschaftlern (Manipulationen von Ergebnissen)
- Krempkow, R.: Wissenschaftliches Fehlverhalten und Drittmittel – empirische Befunde.  Spektrum der Wissenschaften 07.05.2018

(Brian Wansink´s Arbeiten werden kritisch hinterfragt - - Food Lab: New Controversies Emerge Surrounding Cornell Professor’s Fundraiser and Studies. Cornell Daily Sun 05.03.2018 -Rückzug von Publikationen - z.B. Preventive Medicine 55(4) 330-332 (2012)
Bauchner, H.: Expression of Concern: Wansink B, Cheney MM. Super Bowls: Serving Bowl Size and Food Consumption. JAMA. 2005;293(14):1727-1728. JAMA 319(18):1869. doi:10.1001/jama.2018.4908 (08.05.2018) - Der tiefe Fall eines Ernährungspapstes: Brian Wansink galt als Star der Ernährungsforschung. Doch nun trat er von seiner Universitätsstelle zurück. Spektrum der Wissenschaft  21.09.2018

Walter Lippmann: „Die öffentliche Meinung“ (veröffentlicht 1922) Public Opinion  (elektronischer Zugang - link + link )  (Deutsche Ausgabe - Westend Verlag, Frankfurt/M 2018 - Leseprobe)
Lippmann war davon überzeugt, dass öffentliche Meinung vor allem immer veröffentlichte Meinung ist, geprägt durch Vorurteile und Stereotype. Er meinte zudem, dass sich der Einzelne, selbst bei guter Bildung, nicht in der Lage sei, sich ein wirklich adäquates Bild von jenen Lagen zu machen, zu er Entscheidungen zu treffen hat. Alle entscheidungsberechtigte Bürger verfügen über unzureichendes Wissen. „Wir werden behaupten“, so Lippmann, „dass alles, was der Mensch tut, nicht auf unmittelbarem und sicherem Wissen beruht, sondern auf Bildern, die er sich selbst geschaffen oder die man ihm gegeben hat.“ Es gibt keine unabhängigen Medien, sondern jede hat bestimmte Sichtweisen und Interessen. Und heute gibt es immer mehr Medien und Informationsüberfluß.
(Brumlik, M. Demokratische Öffentlichkeit. TAZ 04.08.2018)
Interessen gesteuerte (Massen)Kommunikation - Massenmedien -