Nutrition Monitoring - Nutrition Surveillance - Ernährungsberichterstattungs-System

(Ernährungs)Wissenschaft hat nicht nur Erkenntnis-leitende, sondern auch anwendungsorientierte Dimensionen. Die Gesellschaft erhält von der Wissenschaft Informationen zu Lebensgrundlagen und Lebensbedingungen. Diese Erkenntnisse über reale und ideale Lebensbedingungen geben Orientierung im Prozess der Entwicklung von Lebensnormen. (Daten für Taten)

Bisher wird die Nutzung vor allem im Bereich der empirischen Sozialforschung als unzureichend angesehen. Zur Planung und Durchführung von (ernährungs)politischen Maßnahmen werden Informationen benötigt. Für sachlich zu begründende Entscheidungen zur Gestaltung der gesellschaftlichen Entwicklung („Evidence-based policy“) müssen entsprechende Daten erhoben und ausgewertet werden. Die „Wege zu einer besseren informationellen Infrastruktur“ sind nicht nur in der wissenschaftlichen Diskussion vorgezeichnet, sondern es gibt auch wichtige konkrete Umsetzungsschritte (Bechthold 2001; KVI - Kommission zur Verbesserung der informationellen Infrastruktur zwischen Wissenschaft und Statistik 2001; MIKAS, 2002).

Bei der Konzeption von Ernährungsberichterstattungssystemen (engl. Nutrition Surveillance; Nutrition Monitoring) ist zu beachten das Ernährung ein "Totalphänomen" darstellt und das Ernährungssystem der Gesellschaft hängt mit allen gesellschaftlichen Feldern zusammen, sei es Gesundheit, Wirtschaft, Umwelt usw. So ist ein Nationales Ernährungs-Monitoring-System (z.B. NEMONIT) mit anderen Berichterstattungs-Systemen zu koordinieren (s.OLT 186), das ist auch aus den Aspekten der Wirtschaftlichkeit (koordinierte Erhebungen sind kostengünstiger als isolierte)anzustreben. Die Anstrengungen (und Investitionen) einer Berichterstattung,  machen allerdings nur dann Sinn, wenn die Informationen von der Gesellschaft genutzt werden. Aus der Sicht der „Public Health Nutrition“ ist „Monitoring“ Basis für Planung, Durchführung und Evaluierung von Präventionsprogrammen. Die Einsparung an Kosten (durch Vermeidung der Ernährungsschäden) wird größer sein, als die Kosten für das Monitoring.

Ernährungsmonitoring („Nutrition Monitoring“) erfordert auch ein effektives Informations- und Datenmanagement, einschließlich der Errichtung von Datenarchiven. Ein zentraler Teil eines Datenarchivs im Ernährungsmonitoring-System sind die Informationen zu den Stoffgehalten der Lebensmittel. Die wichtige deutsche Datenbank für Ernährungserhebungen ist der Bundes-Lebensmittel-Schlüssel (BLS), der einer ständigen Datenpflege bedarf. Das gilt hinsichtlich der Aufnahme von neuen Lebensmittel (Produktinnovationen; Marktdaten) und der Angaben über die Inhaltstoffe dieser Lebensmittel (einschließlich von Schadstoffen; z.B. aus den Informationen des Lebensmittel-Monitoring -Systems).

Es gibt eine Reihe von internationalen Erfahrungen, die meisten und  besonders langjährige Erfahrung haben US-Regierungsbehörden (siehe Inormationssammlung).
(Bericht - Interangency Board for Nutrition Monitoring and related Research: Nutrition Monitoring in US; DHHS Publication; PHS 2000-1255 - download)

Ernährungsmonitoring („Nutrition Monitoring“) wird international eingefordert, es ist Bestandteil der „World Declaration and Plan of Action for Nutrition“ der International Conference of Nutrition im Rome 1992 (FAO, 1992; http://www.fao.org/docrep/v7700t/v7700t02.htm#TopOfPage).  Ebenso zählt Health (Nutrition) Monitoring in der Europäischen Gemeinschaft zu den politischen Zielen (EC No.1400/97/EC). http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CONSLEG:1997D1400:20010101:EN:PDF

- Max Rubner Conference 2017 "Nutrition Monitoring – Challenges and Developments"  09.-11.10.2017 (link)  (Flyer)(Pressemeldung 03.11.2017) (idw-Pressemeldung 13.11.2017)  (Download - Abstractband)

 Im politischen Zielkatalog der EU-KOMM wird eine Harmonisierung der Gesundheitsberichterstattung formuliert.  . In Rahmen des EU Programms „Health Monitoring“ wurde das Projekt „European Food Consumption Survey Method“ (EFCOSUM) durchgeführt (Löwik, Brussard 2002). EFCOSUM hatte zum Ziele einen Methode zu erarbeiten, die Grundlage des Monitoring der „Food Consumption“ in nationalen repräsentativen Stichproben in allen europäischen Ländern darstellen soll. (s - Ernährungserhebungen in Europa)

http://www.public-health.tu-dresden.de/dotnetnuke3/eu/Projects/PastProjects/EFCOSUM/tabid/338/Default.aspx

http://www.consensusworkshops.org/down/mollpres.pdf

http://www.consensusworkshops.org/ws03papr.html

 

EFCOVAL (European Food Consumption Validation)

is to continue the work initiated by EFCOSUM and to further develop and validate the food consumption instrument (EPIC-SOFT) to assess dietary intake necessary for studying associations with (public) health and food safety issues in future pan-European monitoring surveys.

http://www.efcoval.eu/index.htm

(siehe auch Europäische Projekte im Ernährungsbereiche - Übersicht -   http://ec.europa.eu/research/biosociety/food_quality/projects_en.html

 

http://www.was-esse-ich.de/uploads/media/Informationen_Literaturhinweise_Ernaehrungserhebungen_Deutschland.pdf

 

Forderung ein Nationales Monitoring für das Stillen einzurichten (Info)

 

 

(Hinweise auf andere Monitoring-Aktivitäten - z.B. Umwelt-Monitorting (UBA-Indikatoren)

 

Auszug aus ursprünglichen Konzeption der NVS II

"Das Konzept der nNVS einschließlich deren Fortschreibung sieht vor, dass Informationen aus den einzelnen Modulen einer nNVS eingebunden und genutzt werden. Dies betrifft auch die Nutzung weiterer relevanter Erhebungen (s.S.4 -Übersicht). Es bedarf entsprechender Untersuchungen, an welchen „Schnittstellen“ die entsprechenden Daten angeglichen bzw. „fusioniert“ werden können. Diese Aufgaben sind Teil des Auswertungs- und Informationsmanagements (s. Abs.2.4.) und führen zu einer gemeinsamen Datenbank. Die hierfür notwendigen weiteren spezifischen Begleituntersuchungen sind teilweise bereits jetzt zu identifizieren, andere ergeben sich aus der Praxis des Ernährungsmonitorings. Die bereits begonnenen Umrechnungen von haushaltsbezogenen Daten über den Lebensmitteleinkauf, die z.B. aus der EVS erhalten werden, zu individuellen Verzehrsdaten (Trichopoulou, Naska, 2001; DAFNE-Project), müssten für die nNVS angepasst werden. In ganz ähnlicher Weise sind die Paneldaten der Marktforschung, die sich auf den Lebensmitteleinkauf von Haushalten bezieht, für das individuelle Verzehrsverhalten zu nutzen. Diese Möglichkeiten wurden bereits anhand von entsprechenden Datensätzen des GfK ConsumerScan Panels aus dem Jahr 1995 getestet. Diese Untersuchungen, die die ZUMA vorangetrieben hat (Papastefanou et al, 2001), sind forcieren. (Anm.: Für entsprechende Forschung können diese Daten erworben werden - www.gesis.org/Dauerbeobachtung/Einkommen/Daten/Gfk/gfk_index.htm). In dieser Hinsicht sollten empirische Fallstudien durchgeführt werden. So könnten bei einer Untergruppe dieser Panelstichproben das nNVS Erhebungsinstrument angewendet werden; bzw. umgekehrt eine Unterstichprobe (des Core-Moduls) der nNVS könnte an das Panel angebunden werden.

Die Paneldaten der Marktforschung (s.S.4 - Übersicht) sind für viele Aspekte des Ernährungsmonitorings wichtig. Das gilt besonders für die Beobachtung von saisonalen Verläufen; der Identifizierung von dynamischen Veränderungsphasen im Ernährungsverhalten, den Übergang von einer Gewohnheit zur anderen; die Wirkung der Veränderung im Lebensmittelangebot (z.B. Einführung von „novel food“) auf das gewohnte Verhalten; und sie helfen bei der Fortschreibung bzw. Aktualisierung der durch die nNVS erfassten Verzehrsdaten.

Besonders hervorzuheben sind die Daten des ZMP-VeCoM-Panels (Kontinuierliche Beobachtung des Verzehrs- und Convenience-Verhaltens) (s.S.4 – Übersicht), hier werden Verbraucher über die Verwendungsart der Lebensmittel, die Zubereitungen und die Mahlzeiten-Situation befragt. Diese Aspekte werden auch im Core-Modul erhoben, doch sind nicht vollständig zu erfassen (s. Abs.2.2.1.), so dass sich aus VeCoM gute Ergänzungen ergeben können."